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Windige Talkshow

Wer gestern Abend die Gelegenheit verpasst hat die RBB-Talkshow “Klipp und klar” zu sehen, der hat eigentlich nichts verpasst. Schließlich hat die Sendung ihr Versprechen, eine ausgewogene Darstellung der Position der Gegner und Befürworter des subventionsgetriebenen Ausbaus der Windenergie in Brandenburg zu präsentieren, nicht eingelöst. Während die Befürworter beim ewigen Singsang über die ökologischen und ökonomischen Vorteile blieben und sich in der Position der in die Zukunft denkenden Gutmenschen sonnten, schaffte es die Opposition nicht, ihre berechtigten Argumente zu bündeln und schlüssig auf den Punkt zu bringen. Weil ich es nicht dabei belassen möchte, trage ich meine Gedanken zu den großen Mythen der Windenergie an dieser Stelle zusammen.

Mythos 1: Mit Windenergie kann ein wichtiger Teil der regionalen Stromversorgung gedeckt werden

Windenergie ist eine sehr unstetige Energiequelle, die technologiebedingt nur einen theoretischen Wirkungsgrad von 59 % erlaubt. Tatsächlich kann eine moderne WKA maximal 50 % der kinetischen Windenergie nutzen. Die unstetige Verfügbarkeit des Windes und technische Grenzen der Windnutzung durch die Anlagen (Abschaltung bei zu hohen Windgeschwindigkeiten) führen zu einer vergleichsweise geringen Verfügbarkeit der Anlagen. Moderne Anlagen erreichen einen Kapazitätsfaktor von rund 35%, das bedeutet nur gut ein Drittel der tatsächlichen Nennleistung der Anlage steht tatsächlich zur Stromerzeugung zur Verfügung. Die gesamte installierte Nennleistung an Windkraftanlagen in Brandenburg von 3766,9 MW (31.12.2008) hatte bei einer potentiellen Jahresleistung von 6530 GWh (DEWI-Magazin Nr. 4, 2009) nur einen Kapazitätsfaktor von 16 %. Im Vergleich dazu weisen moderne Braunkohlekraftwerke einen Kapazitätsfaktor von ca. 88 %, Kernkraftwerke von rd. 80 % und Wasserkraftwerke immer noch von 76 % auf (Hau, 2008).

Der geringe Kapazitätseffekt der Anlagen und das häufige auseinanderfallen von Windenergieangebot und –nachfrage verursachen, dass der Selbstversorgungsanteil der installierten Windleistung nur vergleichsweise gering ist. Erst bei einer Jahresproduktion der Windkraftanlagen, die das fünffache des Jahreseigenverbrauchs der Brandenburger Stromanbieter beträgt, könnten diese mehr als 60 % des Brandenburger Stromverbrauchs aus der Windkraft decken, wobei dann mehr als 85 % der gesamten Windstromerzeugung in andere Netze außerhalb Brandenburgs einzuspeisen wären (ISET-Windmonitor, 2009). Eine Selbstversorgung mit Wind würde demnach Flächen erfordern, die weit über das Flächenangebot des Landes hinausgehen.

Die Unabhängigkeit des Landes Brandenburg von Stromimporten ist genauso wenig sinnvoll wie die Unabhängigkeit Brandenburgs von Bananenimporten. Natürlich kann man zu enorm hohen Kosten Energieautarkie herstellen, ebenso wie sich Bananen in Gewächshäusern produzieren ließen. Aber der Vorteil der Energieautarkie ist den Nachteilen dieser hohen Kosten gegenüber zu stellen. Nur durch internationalen Handel können sich Brandenburger Energiehersteller auf große und effiziente Kraftwerke konzentrieren und somit hohe Kosten sparen. Ebenso ist es sinnvoll, dass sich die Brandenburger Wirtschaft auf die Produktion von Gütern konzentriert, für die sie wegen der vorhandenen Bedingungen, wie Personalverfügbarkeit etc., einen Kostenvorteil gegenüber anderen hat, um gegen diese Produkte andere Bedarfsgüter, auch Strom einzutauschen. Wir befinden uns nicht in einer Krisensituation, in der das Horten von Vorräten oder eine eigenständige Energieversorgung eventuell noch sinnvoll wäre. Auch ist Windenergie aufgrund seiner Unregelmäßigkeit in der Erzeugung kaum geeignet, um als Notnagel in Frage zu kommen.

Mythos 2: Windkraft schützt die Brandenburger Natur vor der Zerstörung durch den Kohletagebau

Aufgrund der hohen Anlagenabstände reduziert sich die nutzbare Energiedichte eines Windparks erheblich. Nur unter idealen Bedingungen lassen sich bis zu 4 W/qm nutzen, im Durchschnitt sind es jedoch nur rund 1,2 W/qm. Damit ist die flächenspezifische Energieumwandlung geringer als bei einer Solaranlage, die auf bis zu 30 W/qm kommt (Hayden, 2004). Ursache sind die enormen Abstände zwischen den einzelnen Anlagen, um zu vermeiden, dass sich Anlagen gegenseitig den Wind aus den Segeln nehmen. Diese Fläche lässt sich jedoch im Wesentlichen nur landwirtschaftlich nutzen, für Siedlungszwecke oder als Naturschutzfläche steht sie nicht mehr zur Verfügung. Im Vergleich dazu lassen sich aus einer Kohlegrube theoretisch rund 5000 W/qm gewinnen, so dass selbst unter Berücksichtigung der Wirkungsgradverluste in Kohlekraftwerken noch eine deutlich höhere flächenspezifische Energieausbeute erreichbar ist (Huber, Mills, 2006). Auch wenn die Kohleförderung auf die Flächeneinheit bezogen zu größeren Schäden führen kann, ist die Energieausbeute bezogen auf diese Fläche um ein Vielfaches höher. Unterm Strich verliert die Natur.

Mythos 3: Windkraft schützt das Klima

In der sog. dena-Netzstudie-II werden die Kosten für die Vermeidung einer Tonne CO2 durch Windenergienutzung mit 95 – 168 Euro/t-Kohlendioxid angegeben. Optimistische Schätzungen gehen davon aus diese Kosten bis 2015 auf 41 – 77 Euro/t-Kohlendioxid. Konventionelle Maßnahmen der Kohlendioxidreduktion durch Kraftwerksoptimierung und Energieeinsparung verursacht dagegen gegenwärtig Kosten in Höhe von maximal 12 Euro pro Tonne (EEX-Preis vom 07.04.2009). Dies lässt sich am gegenwärtigen Preis für den Erwerb einer Tonne Kohlendioxid an der EEX in Leipzig im Rahmen des Emissionshandels ablesen. Schließlich würde kein Stromproduzent für diesen Preis eine Tonne Kohlendioxid kaufen, wenn er die gleiche Menge billiger selbst vermeiden könnte. Das aber bedeutet, dass wir durch den Ausbau der Windenergie für jede Tonne dort eingesparter Emissionen gezwungen werden, das mindestens Achtfache des nötigen auszugeben, eine riesige Verschwendung. Anders gesagt, könnte mit dem für die Windenergienutzung ausgegeben Geld mit einfacheren Mitteln die achtfache Kohlendioxidmenge reduziert werden.

Hinzu kommt, dass sich die Klimaschutzwirkung des Ausbaus der Windenergie unter dem gegenwärtigen Emissionshandelssystem aufhebt. Die Reduzierung des CO2-Ausstosses im deutschen Kraftwerkspark durch die Einspeisung von Windstrom führt zu einem Rückgang der Nachfrage nach Emissionszertifikaten auf dem europäischen Markt und deutsche Kraftwerksanbieter verkaufen die überschüssigen Zertifikate. Das senkt den Preis der Zertifikate, die von anderen Kraftwerksbetreibern im Ausland günstig gekauft werden können und diesen erlauben mehr zu emittieren (Wissenschaftlicher Beirat beim Bundesministerium für Wirtschaft, 2004). Hans-Werner Sinn schreibt treffend in seinem Buch „Das grüne Paradoxon“ (Econ, 2008): „Jeder weitere Windflügel, der auf deutschen Auen errichtet wird, und jede neu Solaranlage, die auf den Häusern glitzert, kurbelt im gleichen Umfang, wie hier Strom erzeugt und die Emission von Treibhausgasen vermieden wird, die Produktion entsprechender Treibhausgase im Rest Europas an.“ Der Autor führt in seinem Buch noch einen weiteren fundamentalen Grund für die mangelnde Wirksamkeit der Windenergie für den Klimaschutz an. Je mehr Windenergie gefördert wird, umso eher erwarten die Besitzer von Öl- und Kohlequellen, dass eine sparsame Förderung, die in Zeiten zukünftiger Energieknappheiten den Verkauf verbleibender Mengen zu höheren Preisen erlauben würde, nicht mehr sinnvoll ist. Vielmehr müssen sie davon ausgehen, dass alternative Energiequellen ihre Lagerstätten überflüssig machen. Um die Entwertung ihrer Lagerstätten zu vermeiden, werden sie die Förderung in die Gegenwart vorziehen und schon heute mehr Rohstoffe am Markt anbieten. Das senkt jedoch die heutigen Rohstoffpreise und führt zu zusätzlichen Treibhausgasemissionen, ähnlich einem Winterschlussverkauf zu Schnäppchenpreisen für fossile Energieträger. Insofern dürfte auch der Wunsch, durch eine Förderung die zukünftige Energieversorgung sicher zu stellen, zu höheren Treibhausgasemissionen führen, wenn nicht gleichzeitig ein weltweites Limit an Treibhausgasemissionen von der Politik durchgesetzt wird.

Mythos 4: Windstrom ist kostengünstig

Derzeit zahlen die Bundesbürger über ihre Stromrechnung für jede KWh Windstrom 8,8 ct (BDEW, 2008) oder insgesamt 3,5 Mrd. Euro. Der in Brandenburg produzierte Windstrom verursacht für alle Bundesbürger Kosten von mehr als einer halben Milliarde Euro pro Jahr. Jeder Bundesbürger, ob Kind, Erwachsener oder Greis, zahlt heute für die Förderung der erneuerbaren Energieträger pro Jahr 92 Euro, nur für die Einspeisevergütung, wobei davon allein 42 Euro auf die Windenergienutzung entfallen. Dabei ist dieser Obolus für diese Zwangsveranstaltung, trotz wiederholter Beteuerungen einer Degressivität der Förderung, in jedem Jahr gestiegen. Zahlte der Bürger im Jahr 2000 für jede KWh des „Grünstrommixes“ noch 8,5 Eurocent waren es 2007 bereits 11,4 Eurocent. Die Erträge des technischen Fortschritts sind in den Taschen der Anlagenbetreiber hängen geblieben.

Die Kosten der Herstellung einer Kilowattstunde Strom in einem herkömmlichen Kohlekraftwerk belaufen sich dagegen auf rund 3 Eurocent pro Kilowattstunde, in modernen Anlagen sogar noch darunter. An der Strombörse wird ein Kilowattstunde Strom im Laufe des Tages, je nach Verhältnis von Angebot und Nachfrage, zu Preisen zwischen 0,5 und 4 ct pro Kilowattstunde gehandelt, wobei diese Preise den tatsächlichen Grenzkosten der aktuell produzierenden Anlagen entsprechen. Natürlich wird an der Börse auch der Windstrom verkauft, zuweilen auch zu extrem niedrigen oder gar negativen Preisen. So berichtete die taz im April 2008, für erratisch ins Netz eingespeisten Windstrom bestünde mitunter so wenig Bedarf, dass Stromkäufer Geld bekommen um den überschüssigen, weil nicht planbaren Windstrom abzunehmen. Man kann sich vorstellen zu welchem verschwenderischen Verhalten dies bei den Stromabnehmern führen muss, da diese große Strommengen kaum für Zeiten mit mehr Bedarf lagern können. Trotzdem zahlen die Stromverbraucher für jede Kilowattstunde Windstrom die gesetzliche Einspeisevergütung. Die zusätzlichen Kosten der Kraftwerksbetreiber für Netzausbau, Netzstabilisierung und Backup-Kapazitäten, die letztlich auch der Stromkunde zu zahlen hat, sind hier noch nicht mitgerechnet und müssen addiert werden. Wie schwer es ist die unregelmäßige Einspeisung des Windstroms in der Kraftwerkseinsatzplanung zu berücksichtigen, lässt sich etwa an der Differenz der Energieprognosen und der tatsächlichen Einspeisung für den gestrigen Tag (6. April) in der Regelzone des E.ON-Netzes ablesen. Die durchschnittliche Abweichung der tatsächlichen Viertelstunden-Leistungen vom Prognosewert auf Basis der Windprognose des deutschen Wetterdienstes betrug rund 420 MW, wobei es über den gesamten Tag verteilt zu Abweichungen von minus 11 MW bis hin zu Überschüssen von 1300 MW kam. All das muss durch aufwändige Ausgleichsmaßnahmen bei Kraftwerks- und Netzbetreibern kompensiert werden und verursacht hohe Kosten für die Stromverbraucher.

Hinzu kommen die Kosten diverser Förderprogramme auf Landes- und Bundesebene, die ebenfalls der Steuerzahler zu tragen hat. Jährlich werden vom Land Brandenburg Mittel in zweistelliger Millionenhöhe an die Investoren ausgeteilt, Geld, das den Bürgern für die eigene Verwendung nicht mehr zur Verfügung steht. Dringend nötige Ausgaben für die Familie, aber auch für den Schutz der Umwelt – zB. für energieeffiziente Haushaltsgeräte – können in dem Umfang nicht durchgeführt werden, wie die Bürger für den überteuerten Windstrom zur Kasse gebeten werden.

Mythos 5: Windstrom schafft Arbeitsplätze

Richtig ist, dass der Bau und der Betrieb von Windkraftanlagen Menschen beschäftigt. Das ist aber keine Besonderheit der erneuerbaren Energieträger, sondern trifft für jede Investition zu. Regierungsoffizielle Verlautbarungen zu den Arbeitsplätzen der Windenergie berücksichtigen jedoch in der Regel nicht, dass die finanziellen Mittel für Windkraftanlagen auch Arbeitsplätze schaffen würden, wenn man sie für alternative Investitionen einsetzen würde. So verursacht eine moderne Windkraftanlage der Größe 1,5 MW Investitionskosten von 1,8 Mill. Euro. Und jährliche Betriebskosten von 56.000 €. Jeder kann sich ausrechnen wie viele Arbeitsplätze entstehen würden, wenn man diese Summen in den Neubau oder Betrieb eines Kindergartens oder einer Schule stecken würde. Hier sollte die entscheidende Frage sein, welcher Arbeitsplatz mehr zum Wohlstand und zur Zufriedenheit der Bürger beiträgt. Zudem ist zu berücksichtigen, dass jeder Bürger aufgrund der höheren Stromrechnung weniger Geld zum Kauf von Gütern ausgeben kann, deren Herstellung ebenfalls Beschäftigung generieren würde.

Ein Gutachten des Instituts für Wirtschaftsforschung Halle kam daher 2004 auch zu dem Ergebnis, dass der von der Bundesregierung bis 2010 geplante Ausbau der erneuerbaren Energieträger unter Berücksichtigung dieser Verdrängungseffekte gerade einmal 7000 zusätzliche (statistisch nicht signifikante) Beschäftigte ergeben würde. Die Mehrbeschäftigung gegenüber einem Szenario alternativer Investitionen resultiert dabei lediglich aus einem ineffizienteren Einsatz der Arbeitskräfte. Anders formuliert, es werden mehr Menschen benötigt um weniger zu produzieren.

bisher 9 Kommentare » Kommentare
  1. DrB sagt am 08. 04. 2009 um 12:24 Uhr:

    Die vielen Windenergieanlagen beeinflussen das Klima negativ, d.h. es wird zu einer Erwärmung kommen.
    Überhaupt ist jegliche Art der Energiegewinnung nicht klimaneutral.

    BTW, wie werden die hier aufgezählten zutreffenden Kritikpunkte eigentlich in den deutschen Schulbüchern dargestellt? Gar nicht? Ach so.

  2. stefanolix sagt am 09. 04. 2009 um 08:42 Uhr:

    Zuerst vielen Dank für die Zusammenfassung der Argumente gegen die undurchdachte Förderung der Windkraft.

    Ein Aspekt kommt meiner Meinung nach noch hinzu: der Verlust durch die Verschandelung gewachsener Kulturlandschaften. Sogar von den Ostfriesischen Inseln aus sieht man jeden Morgen die Windparks auf dem Festland. Das könnte einem glatt die Freude am Laufen verderben, aber man kann es aushalten, wenn man sich auf die Insel konzentriert;-)

    Die Nutznießer der Windkraft argumentieren, dass es doch früher auch Windmühlen gegeben habe. Manche liebevoll restaurierte Mühle wird den Touristen gezeigt. Aber eine Windmühle wurde früher immer so gebaut, dass sie sich in die Kulturlandschaft eingepasst hat. Für die Leistungen der Windmühlen gab es wirklich Bedarf und sie mussten nicht künstlich am Leben gehalten werden.

    Auch aus dieser Sicht hat der Staat die falschen Anreize gesetzt. Leider werden solche Anreize immer gern genutzt, auch wenn viele Argumente dagegen sprechen. Betriebswirtschaftlich mag es für den einzelnen Bauern sinnvoll sein, sich Windräder auf seine Felder zu stellen. Volkswirtschaftlich ist es eine Katastrophe.

  3. SteffenH sagt am 09. 04. 2009 um 09:47 Uhr:

    @stefanolix:

    Deinem Argument stimme ich auch zu, aber es trifft auf nahezu alle Industrieanlagen zu, beschränkt sich also nicht auf Windkraftanlagen. Allerdings nimmt die Bedeutung dieses Arguments mit der immer stärkeren Verbreitung der Anlagen zu. Diesen Aspekt hatte ich daher unter dem Naturschutzargument subsummiert.

  4. stefanolix sagt am 09. 04. 2009 um 10:20 Uhr:

    Das stimmt natürlich. Aber ein zuverlässiges modernes Kohlekraftwerk gleicher Leistung kann man heute besser in die Landschaft einpassen als einige hundert Windräder. Und wir sprechen ja bei einem solchen Kraftwerk nicht mehr über rauchende Schlote, aus denen schwarzer Rauch strömt.

    Ich sehe da schon zwei Aspekte, die natürlich eine Schnittmenge aufweisen: Schutz der Kulturlandschaft und Schutz der Natur. Aber prinzipiell sind wir uns wohl einig.

  5. hubersn sagt am 09. 04. 2009 um 13:08 Uhr:

    Die genannte Schwäche von WKAs (Abschaltung bei Starkwind) ist bei den neueren Anlagen nicht mehr so kritisch, weil die Dinger deutlich höhere Windgeschwindigkeiten abkönnen.

    Eine erwähnenswerte Schwäche von WKAs ist noch die (physikalische) Tatsache, dass die erzeugte Leistung sich mit der dritten Potenz der Windgeschwindigkeit ändert – also doppelte Windgeschwindigkeit bedeutet achtfache Stromerzeugung. Das bedeutet in der Geschwindigkeitszone zwischen Stillstand und Nennleistung eine dramatische Schwankungsanfälligkeit der Stromproduktion gegenüber kleinen Windgeschwindigkeitsschwankungen. Bei großen Windparks entstehen da Leistungsgradienten, die denen eines kompletten, ungeplanten Großkraftwerksausfalls entsprechen.

    Derartige Netzprobleme werden bei der Stromkostenbetrachtung regelmäßig unter den Teppich gekehrt. Wenn das Netz was taugt und der Windstromanteil unter etwa 10% liegt, kann das gutgehen. Bei 20% oder mehr fliegt einem entweder das Netz um die Ohren, oder man investiert massiv in teure Gasturbinen, um die Last flexibel genug abfahren zu können.

  6. SteffenH sagt am 09. 04. 2009 um 13:18 Uhr:

    @hubersn:

    Vielen Dank für diesen wertvollen Hinweis.

  7. mimas sagt am 13. 04. 2009 um 09:44 Uhr:

    Eine Kohlegrube liefert pro Fläche mehr Energie als ein Windpark: Aber wie lange? Bis die Kohle verbrannt und unser Treibhausklima in Fahrt gekommen ist. Die WKA liefert immer, auch wenn die Anlage längst abgeschrieben sind.

    Der Wirkungsgrad einer WKA ist gar nicht so gut wie behauptet – aber was was macht das schon? Die Energie wird ja sowieso kostenlos geerntet.

    Es gibt große Schwankungen in der Windenergieausbeute – hätten die großen Energiekonzerne ihre Netze in den letzten Jahren konsequent ausgebaut, könnte man die Energie effektiv verteilen, um regionale Schwankungen auszugleichen. Warum wurden die Netze vernachlässigt? Eon, RWE & Co. verdienen kräftig an der Kohle und haben kein Interesse an Windkraft.
    Zusammen mit der Entwicklung effizienterer Energiespeicher, die gerade heftig in der Entwicklung sind, zählt dieses Argument kaum noch.

    Erneuerbare sind pro kWh teurer als Kohlestrom – aber wie lange noch? Es gibt für alle erneuerbaren eine technologische Lernkurve. Dagegen wird Kohle teurer, spätestens wenn wir anfangen das CO2 flächendeckend zu verpressen, werden wir froh sein über die günstige Energie aus erneuerbaren Quellen.

    Windkraftanlagen verschandeln die Landschaft – wo störts euch denn am meisten? An den Autobahnen? Oder in den landwirtschaftlichen Einöden nordostdeutscher Kolchosen? Klar wird es immer Leute in Dörfern geben, die sich bedroht fühlen – aber das Gros der Deutschen lebt in Städten, die naturgemäß nicht zur Windkrafternte genutzt werden. Und die paar Dörfler können doch wohl fürs Allgemeinwohl ertragen, dass da ein paar Schaufelräder im Kreis drehen. Immerhin will ihnen niemand fürs Allgemeinwohl die eigenen vier Wände einreißen, weil sie leider auf Braunkohle gebaut haben.

    Der Flächenverbrauch der WKAen ist bedrohlich – die können nur noch landwirtschaftlich genutzt werden. Oh nein! Der Plan, ganz Deutschland zu betonieren ist in Gefahr! Muss man denn tatsächlich auf jedem Quadratmeter Mutterboden, den wir noch haben, Gebäude und Parkplätze errichten, um dem Boden so viele Moneten wie möglich abzuringen? Gibt es nicht genug Industriebrachen in den Städten? Ist es nicht viel mehr so, dass ein Bauer ordentlich drauf verdienen kann – also der Nutzwert für ihn mit WKAen deutlich steigt, ohne dass nennenswert Fläche versiegelt wird?

    Zuletzt: Wenn die Windkraft tatsächlich volkswirtschaftlich totaler Bullshit ist – warum werden die Anlagen dann dann global heftig gefördert – in Ländern wie den USA, China, Spanien? Alles verblendete Gutmenschen und potentielle Ökoterroristen?

  8. Rayson sagt am 13. 04. 2009 um 13:13 Uhr:

    @mima

    Es würde vielleicht gut tun, sich nur auf die nackten Zahlen zu konzentrieren. Am Beispiel Großbritannien hat das mal der David MacKay getan: “Sustainable Energy – without the hot air”. Das Buch kann übrigens komplett aus dem Netz heruntergeladen werden, aber schon die zehnseitige Synopse ist aufschlussreich (Hervorhebungen von mir):

    The first half gives two clear conclusions. First, for any renewable facility to make an appreciable contribution – a contribution at all comparable to our current consumption – it has to be country-sized. To provide one quarter of our current energy consumption by growing energy crops, for example, would require 75% of Britain to be covered with biomass plantations. To provide 4% of our current energy consumption from wave power would require 500 km of Atlantic coastline to be completely filled with wave farms. Someone who wants to live on renewable energy, but expects the infrastructure associated with that renewable not to be large or intrusive, is deluding himself.

    Second, if economic constraints and public objections are set aside, it would be possible for the average European energy consumption of 125 kWh/d per person to be provided from these country-sized renewable sources. The two hugest contributors would be photovoltaic panels, which, covering 5% or 10% of the country, would provide 50 kWh/d per person; and offshore wind farms, which, filling a sea-area twice the size of Wales, would provide another 50 kWh/d per person on average.

    Such an immense panelling of the countryside and filling of British seas with wind machines (having a capacity five times greater than all the wind turbines in the world today) may be possible according to the laws of physics, but would the public accept and pay for such extreme arrangements? If we answer no, we are forced to conclude that current consumption will never be met by British renewables. We require either a radical reduction in consumption, or significant additional sources of energy – or, of course, both.

    Der “Economist” empfiehlt das Werk auch als instruktiv, was das Umgehen mit Zahlen im Alltag angeht:

    Although Mr MacKay’s conclusions are fascinating, much of his book’s appeal lies in its methods. Ballpark calculations are a powerful way of getting to grips with a problem. The book is a tour de force, showing, for example, how the potential contribution of biofuels can be approximated from just three numbers: the intensity of sunlight, the efficiency with which plants turn that sunlight into stored energy and the available land area in Britain. As a work of popular science it is exemplary: the focus may be the numbers, but most of the mathematical legwork is confined to the appendices and the accompanying commentary is amusing and witty, as well as informed.

    With global climate-change and energy policy consisting mostly of feel-good rhetoric rather than action, Mr MacKay’s reminder that the natural world does not care for political expediency—summed up in Richard Feynman’s famous observation that “nature cannot be fooled”—should be engraved on environment-ministry doors the world over. For anyone seeking a deeper understanding of the real problems involved, “Sustainable Energy—Without the Hot Air” is the place to start.

    Und, um noch eine Frage zu beantworten:

    Warum werden die Anlagen dann dann global heftig gefördert?

    Weil Lobbys dran verdienen?

  9. SteffenH sagt am 14. 04. 2009 um 09:27 Uhr:

    @mimas:

    Sie drehen mir den Speiß etwas zu heftig um. Es mag zwar stimmen, dass die Kohle irgendwann mal alle ist, aber das bedeutet nicht, in sie nicht so lange zu nutzen, wie wir damit die Natur schonen können.

    Kostenlos blässt zwar der Wind, aber bevor wir dessen Energienutzen können, müssen wir ersteinmal Tonnenweise Beton und Stahl in die Landschaft stellen.

    Machen Sie einmal eine Amortisationsrechnung einer WKA und behaupten Sie dann bitte noch einmal der Wind würde sich kostenlos nutzen lassen. Nach Ihrer Logik wäre auch die Kohle Kostenlos, denn die liegt ja da einfach in der Erde herum.

    Das Netzargument ist ja wohl an Unverfrorenheit kaum zu überbieten. Stellen Sie sich mal vor ihr Gasmann kommt eines Tages und meint er liefere ab morgen Öl und wenn ihre Heizung damit nicht Arbeiten kann, dann hätten Sie eben rechtzeitig in eine neue Anlage investieren sollen. Ein Netzbetreiber ist ja wohl kaum dafür verantwortlich, dass plötzlich jemand seinen Windstrom immer und überall loswerden will. Ganz abgesehen davon, ändert eine solche Verdrehung der betriebswirtschaftlichen Verantwortlichkeiten nichts an den volkswirtschaftlichen Kosten der Windenergie. Sie können auch nicht behaupten, dass noch mehr Netze den Lastausgleich wesentlich vereinfachen würden. Das würde vielleicht etwas erleichter, manchmal aber auch komplizierter machen, denn Sie gehen davon aus, dass bei einem größeren Netz auf eine Flaute mit höherer Wahrscheinlichkeit irgendwo mehr Wind weht. Dennoch könnte man sich diese aufwendige Vernetzung sparen, wäre da nicht die Windenergie.

    Für das “Allgemeinwohl” sind in der Geschichte schon viele Dummheiten begangen worden, von Kriegen bis zu Massenmorden. Solche “An-das-Große-Ganze-denken”-Argumente sind so Wischiwaschi wie sie hohl sind. Wenn Sie der Meinung sind, dass die Brandenburger Bevölkerung für Ihr persönliches “Allgemeinwohl” aufkommen soll, dann fangen Sie an und denken Sie doch einmal über eine Kompensation der Betroffenen Ihrerseits nach. Alles andere verschlagworte ich unter dieser Art urbanem Egoismus, die sich in den letzten Jahren unter der städtischen Bevölkerung mit Hang zum globalisierungskritischen Einkauf im Ökolädchen breit gemacht hat. Im übrigen sollte der Beitrag doch klargemacht haben, dass die Windenergie wohl kaum im Sinne des Allgemeinwohls genutzt wird. Ich kann mich auch nicht daran erinnern, jemals einer öffentlichen Ausschüttung der Erträge aus dem EEG beigewohnt zu haben.

    Natürlich verdienen die Bauern an den WKAs ordentlich, was ja auch einen Teil Ihrer letzten Frage beantwortet (Im Übrigen ist nicht alles was gefördert wird automatisch sinnvoll, wie kommen Sie denn auf schrägen Analogieschluss. In der Regel wird gefördert, was die meisten Wählerstimmen bringt. Und wenn die Hälfte der wichtigen Wähler begriffsstutzig und die ander Hälfte korrupt ist, dann wird eben auch die Windenergie oder ein Krieg oder Homöopathie gefördert.) Ansonsten ist an Ihrer sinistren Verschwörungstheorie gegen die Windenergie seitens der Betonfraktion wenig dran, allein weil die Bürgerinteressen sich in aller Regel aus Häuslebauern rekrutieren, die keineswegs vor haben, den windverspargelten Acker vor ihrem grundstück in einen Parkplatz zu verwandeln. Ganz im Gegenteil, sie wollen auch weiterhin das tun, wofür sie auf dem Land leben oder dorthin gezogen sind: Im Grünen wohnen.