22. März 2009
Es war nicht alles schlecht
Für die einen waren’s die Autobahnen, für die anderen die Kindertagesstätten.
Verfasst von Rayson um 16:24 Uhr in der Kategorie Innenpolitik, Politik, Rochus (Trackback)
40 Kommentare
Für die einen waren’s die Autobahnen, für die anderen die Kindertagesstätten.
Verfasst von Rayson um 16:24 Uhr in der Kategorie Innenpolitik, Politik, Rochus (Trackback)
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Naja, im Todesstreifen konnte sich auch eine einzigartige Flora und Fauna erhalten. *seufz*
Jetzt wächst zusammen, was zusammen gehört!…
Da hat er aber einen rausgetan, der Erwin Sellering (SPD), Ministerpräsident im schönen Mecklenburg-Vorpommern: “”Ich verwahre mich dagegen, die DDR als totalen Unrechtsstaat zu verdammen, in dem es nicht das kleinste bisschen Gutes gab.” Und weit…
Das Erstaunliche ist ja, dass Herr Sellering die DDR selbst ja nur vom Hörensagen kennt…
Ergänzung: Interessant ist auch die semantische Differenzierung zwischen Unrechtsstaat und totalem Unrechtsstaat. Vermutlich ist ein Unrechtsstaat ist halb so schlimm, solange es kein totaler Unrechtsstaat ist.
Die DDR war im SPD-Sinne sicherlich ein moderater Unrechtsstaat.
War ne schöne Zeit damals als sich die SED- und SPD-Genossen regelmässig trafen und im Anschluss durchgeknallte kranke Abschlusserklärungen ihrer Treffen verkündeten.
Ich erinnere mich noch mit einer gewissen Freude an die Wendezeit 1989, als es den SPD-Genossen langsam, einigen _sehr_ langsam, aufging, dass sie mit Zitronen gehandelt haben.
Allerdings ist die SPD in einer Bevölkerung mit funktionierendem Langzeitgedächtnis ohnehin nicht denkbar.
Da in Diktaturen der normale Mörder oder Dieb genauso wie im Rechtsstaat wegen Mord und Diebstahl ins Gefängnis kommt, ist vermutlich nirgendwo ein totaler Unrechtsstaat. Und eine soziale Absicherung wird es auch überall mehr oder weniger geben. Ist nur die Frage, ob man diesen Normalfall betonen muss.
@DrB: “Allerdings ist die SPD in einer Bevölkerung mit funktionierendem Langzeitgedächtnis ohnehin nicht denkbar.”
Ah, es wird Zeit die politische Blogosphäre zu verlassen, die Dichte ideologiegetriebener dämlicher Kommentare steigt wieder wie 2005 an.
Oder willst Du etwa sagen, dass weite Teile der Bevölkerung der ehemaligen DDR kein funktionierendes Langzeitgedächnis haben? Denn wie sonst ist zu erklären, dass 1990 bei den ersten freien Wahlen Parteinen der ehemaligen Nationalen Front über 60 Prozent (CDU 40,8 Prozent, SED 16,4 Prozent, Liberale 5,3 Prozent) bekamen?
Und die Bürgerrechtsbewegung, die ein Jahr zuvor alles lostrat, blieb unter ferner liefen. Da hat tatsächlich das Langzeitgedächnis versagt.
Vermutlich ist es so, das Wähler vergesslich sind, aber davon profitiert jede Partei. Ebenso Deine Lieblinge – wer auch immer die sind.
Weder die Autobahnen noch die Kindertagesstätten waren schlecht. Man sollte sich nicht über Aussagen aufregen, die einfach nur wahr sind.
@Marc
Denn wie sonst ist zu erklären, dass 1990 bei den ersten freien Wahlen Parteinen der ehemaligen Nationalen Front über 60 Prozent (CDU 40,8 Prozent, SED 16,4 Prozent, Liberale 5,3 Prozent) bekamen?
Ganz einfach: Die SED ausgenommen, wurden alle anderen ehemaligen Blockparteien als Ableger ihrer West-Ausgaben gewählt. Das ist zumindest meine Erinnerung daran. Kann stefanolix vielleicht bestätigen.
Aus dem FAZ-Interview: “Viele Leute sagen mir immer wieder”
Der Herr spricht also nicht aus eigener Erfahrung. Ich tue es auch nicht, da ich zum Mauerfall eingeschult wurde. Ich habe allerdings Eltern, mir aus erster Hand berichten können.
– Man wurde daran erinnert, endlich wählen zu gehen – den Sonntag verbrachte die Familie lieber im Park wo die Kinder Enten füttern konnten – erst kurz vor Schließung der Lokale wurde dann der Zettel eingeworfen … nachdem er vorher einmal quer übers Blatt durchgestrichen wurde
– Bananen aßen meine Eltern nicht selbst sondern gaben sie uns.
– Um eine eigene Wohnung zu bekommen musste mein Vater indirekt mit Republikflucht drohen (“Im Westen stehen etliche Wohnungen frei und wir müssen mit zwei Kindern bei den eigenen Eltern wohnen?” – Mit schmeichelnden Worten zu einem strammen, aber menschlich gebliebenen, Parteimitglied kamen meine Eltern dann zur eigenen Wohnung)
Dazu kommt dann noch Bespitzelung durch eigene Verwandte, die eigene (West-)Verwandtschaft durfte nicht jederzeit besucht werden usw.
Schade, dass es wohl noch 2,5 Jahre dauern wird, bis der Mann abgewählt werden kann.
Mit »Nationaler Front« hatte das 1990 wirklich nichts mehr zu tun. Die CDU wurde als Partner in der Allianz für Deutschland und auch aufgrund der Unterstützung durch Helmut Kohl gewählt.
Auch in der Bundesrepublik war übrigens nicht alles schlecht, wie z.B. die Soziale Marktwirtschaft.
Die Äußerungen Sellerings habe ich heute leider zum Frühstück in der F.A.S. gelesen. Der Mann weiß anscheinend nicht, wovon er spricht …
@Markus: Wir haben bis heute mehr soziale Marktwirtschaft, als Du wahrhaben willst;-)
@Marc:
LOL, gemeint war eigentlich, dass die Umverteilungs- und Regulierungstendenzen der SPD, das stete und erfolglose Bemühen die “soziale Gerechtigkeit” zu erreichen, nicht so recht im Gedächtnis des Wahlviehs hängen bleibt.
Würden die Wähler verstehen, dass eine marktvertrauende Politik, trotz (oder wegen) den Ups and Downs der Konjunktur, langfristig wesentlich erfolgreicher ist als eine massiv den Markt regulierende, dann würde die SPD keinen Happen vom politischen Brot bekommen können. (Auch die DDR bspw. ist ja nicht in sich gescheitert, sondern einfach weil es woanders besser lief, statt “Wir sind das Volk.”, hätte auch ein “Ich will ein gutes Auto.” gerufen werden können.)
Über Deine Bemerkung zur “Nationalen Front” will ich einmal zu Deinem Schutz gütig hinwegsehen.
@Andreas:
Ja, wenn Du schon erinnerst, da gabs ganz tolle Sachen im Osten, bspw. das Schwitzen in der Familie, als der Wagen mal sonntags in der Nähe einer Kirche gesehen worden ist und die Stasi zu Besuch kam.
Oder die Frage “Wer geht denn nu in die Partei?”, wenn die Kinder studieren wollten oder sollten.
Dazu noch die allgemeine Beklopptheit, die Fragestellung “Wem kann was gesagt werden?” und die Flucht ins Privatleben. Zudem gabs auch keine Hoffnung.
@ stefanolix
Du könntest Politiker oder “Wirtschaftsweiser” werden.
Letztlich zählt aber nur, “was hinten rauskommt”.(Helmut Kohl)
… in dem es nicht das kleinste bisschen Gutes gab.
Der Herr Sellering wird wohl niemanden benennen können, der das so behauptet hat.
Er demontiert hier nur seinen selbst aufgebauten Strohmann, um mal was nettes über die Diktatur sagen zu können.
Kindertagesstätten gehen gar nicht
Natürlich gab es gutes in der DDR: Die Intershops!
Pardon, ich meinte natürlich: Im Intershop.
Es wird immer dreister.
Im selben Interview forderte Heuchler Sellering natürlich ein NPD-Verbot.
Wenn hier gleich die Autobahnen angeführt werden: Was war jetzt noch mal der Holocaust in der DDR?
(Übrigens: Kindergarten und Kinderkrippe, nicht Kindertagesstätte.)
Der passt nicht zur Überschrift.
@Classless
Um sich mal auf diese billige Eristik einzulassen: Wie wär’s mit den Mauertoten? Oder zählt das nicht, weil das keine 6 Millionen waren? Gibt es ein Minimum an Menschen, die ein Staat abschlachten muss, damit er als Unrechtsstaat gelten kann? Meines Erachtens reicht schon allein die Tatsache, dass es rechtlich möglich war, für diese Definition aus.
Wie sagte es John Rosental im Gespräch mit Michael Holmes: “Immer diese deutsche Vergleicherei!”
Die Mauertoten sind nicht der Holocaust, verdammt noch mal.
Es war nicht alles schlecht ……
… damals nicht und davor auch nicht.
Warum kommen meine Landsleute immer wieder dazu, in Nostalgie zu verfallen, wenn es um unsere totalitäre Vergangenheit geht? Hört das eigentlich nie auf? Wohl nicht. Die Dummheit scheint ein nicht zu überw…
@classless
Der einzige, der uns hier einen Vergleich DDR-Naziregime aufzwingen will, bist du.
Im Ursprungsbeitrag wurden nicht die beiden Regime verglichen, sondern die Methoden der Verharmloser.
Mal abgesehen davon, dass ein Verzicht auf Vergleiche ein Verzicht auf Denken ist.
Echte Dummheit besteht hingegen darin, “vergleichen” und “gleichsetzen” – ja was? – gleichzusetzen.
Übrigens war auch nicht alles schlecht in Chile. Das Wirtschaftswachstum muss ja toll gewesen sein… und in Nordkorea ist auch nicht alles schlecht. Endlich keine blöde Waschmittelwerbung mehr im Fernsehen!
Was für ein abstufender Vergleich steckt denn in dem einzigen Satz des Postings?
Hallo Classless, Sie fragten:
Wenn hier gleich die Autobahnen angeführt werden: Was war jetzt noch mal der Holocaust in der DDR?
Einen Holocaust gab es ebensowenig wie einen Holodomor. Warum würde das Sellering entschuldigen? Wenn man nach politischem Massenmord in der DDR sucht, stößt man rasch auf die “Schumacher-Agenten”: den tapferen Sozialdemokraten, die sich Kurt Schumacher, der die SPD als “geschworenen Feind aller Totalitären” positionierte anschlossen und der Vereinigung mit den Kommunisten verweigerten? In teilweise den gleichen KZs, in denen sie unter den Nazis saßen, starben sie unter den von Sellering heruntergespielten Kommunisten:
Ich habe mich schon immer gefragt, wie bei Brandt, dann Lafontaine, dann Ypsilanti und jetzt eben bei Sellering deren “Solidarität” mit diesen Männern und Frauen und deren Angehörigen aussah.
@classless
Steht im Satz selbst, bei dem es sich übrigens nicht um einen Vergleich, sondern um eine Gleichsetzung handelt.
Ich schließe mich jpj an und möchte auf eine andere fast vergessene Opfergruppe verweisen.
“Die Freie Universität Berlin setzt getöteten Gründungsstudenten ein Denkmal. Zehn FU-Studenten wurden zu Beginn der 50er Jahre wegen angeblicher Spionage von der DDR-Staatssicherheit verhaftet und in Russland erschossen.”
http://www.tagesspiegel.de/magazin/wissen/FU-Berlin%3Bart304,2374266
@jpj:
Sehr gute Darstellung – nur leider funktioniert der Link nicht.
Also bei mir geht er.
Der Link im Klartext:
Es handelt sich um eine Betrachtung des Denkmusters »Es war nicht alles schlecht«. Sicher war in der DDR »nicht alles schlecht«. Aber im Grundsatz war die DDR eine Diktatur und im Grundsatz war die DDR kein Rechtsstaat. Der Bürgerrechtler Weißgerber (übrigens auch SPD) hat sehr treffend gesagt »Sellering hat ein Rad ab«. Jetzt kann sicher trefflich über die Zahl der verlorenen Räder diskutiert werden;-)
Dieses Polittheater ist doch lächerlich, von allen Seiten. Man soll einfach zeigen und im Klartext sagen, welche Schweinereien es gab, und positive Entwicklungen soll man auch berücksichtigen. Das wäre der beste Umgang mit der Geschichte seit ‘45, der produktivste und nachhaltigste.
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