Krisennotizen (I)

AIG-Boni

Die Wirtschafts- und Finanzkrise hat auch ihre guten Seiten: Manch angeblicher Freiheitsfreund lässt die Maske fallen und zeigt sich als Populist. Geltende Verträge? Bullshit: Der Staat setzt das Recht. Rückwirkende Steuern? Kein Problem. Dass entgegen Greg Mankiws Rat die Politiker sich die Zeit dafür nehmen, unter Missachtung sämtlicher rechtsstaatlicher Prinzipien Sündenböcke zu richten statt sich um ein wenig mehr Verständnis für die ökonomischen Erfordernisse der Krise zu kümmern, spricht Bände. Wir kennen das Phänomen aus Vorstandsetagen großer Konzerne: Über Dienstwagenregelungen wird stundenlang debattiert, während die Akquisition eines Unternehmens irgendwo in den USA für mehrere Milliarden Euro nach dem Präsentieren von ein paar Powerpoint-Folien reibungslos abgenickt wird.

Die moralische Beurteilung der Boni an die AIG-Bosse steht außer Frage. Nur ersetzt Moral nicht das Recht, und moralisch zu handeln heißt nicht immer, vernünftig zu handeln.

US-Notenbank kauft Staatsanleihen

Was macht man mit einem Süchtigen, dem der Stoff ausgegangen ist? Etwas tun soll die Allgemeinheit ja, schließlich drohen solch unerquickliche Dinge wie Beschaffungskriminalität. Man kann eine Entziehungskur versuchen, aber die wird hart und schmerzhaft. Man kann ihm Dinge wie Methadon verabreichen, aber die halten oft nicht lange vor. Oder man gibt ihm einfach mehr vom guten Zeugs. Die US-Notenbank lässt sich nicht mehr lange bitten.

Und wir lernen: Ein Staat kann nicht pleite gehen. Seine Bürger allerdings schon, wenn die Nullen von der Staatsverschuldung auf die Geldscheine wandern.

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67 Kommentare zu “Krisennotizen (I)”

  1. Shin
    19.03.2009 | 23:18

    Als ich das hier gesehen und von der neusten Aktion der Fed gehört habe, dachte ich mir auch: Wenn ich US-Amerikaner wäre, würde ich JETZT Gold kaufen. Ich bin zwar kein Experte, aber nach allem was ich verstehe standen die Zeichen lange nicht (nie?) so sehr auf (Hyper?)Inflation.

  2. F.Alfonzo
    20.03.2009 | 1:04

    @ Rayson:

    2 wirklich gute Punkte.

    AIG:
    Selten so gelacht, allerdings nicht wegen den Boni; es kam ja kürzlich (eigentlich schon vor der Boni-Geschichte) erneutes Geschrei auf, als man festgestellt hat, dass ein paar hedge fonds davon profitieren und im Endeffekt einen Teil dieser Steuergelder einstreichen werden (tja, das ist das blöde mit den Bailouts: man kann sich die Kunden dieser Versicherung im nachhinein nicht aussuchen).
    Der Vorteil an der Sache ist (wenn’s überhaupt einen gibt), dass jetzt wohl bald jeder weiss, dass Staats-Kohle nicht auf Bäumen wächst und nach Umverteilung alle Probleme gelöst hat, sondern dass das Geld schlicht und einfach nur (zwangsweise) den Besitzer wechselt.
    In wie fern das Bailout von AIG wirklich notwendig war, um größeren Schaden zu vermeiden, mag ich mir nicht anmaßen einzuschätzen.

    Fed kauft Staatsanleihen:
    Auch nicht schlecht. Als ob die Fed nicht Teil des Staats wäre. Vogel-Strauss-Taktik, sozusagen; aus den Augen, aus dem Sinn, da kann man sich später drum kümmern (oder: das Später kümmert sich automatisch um einen)

    Es geht genauso weiter (wenn nicht noch schlimmer), wie es vor der Finanzkrise gelaufen ist…

    @ Shin: Stimmt eigentlich: Man vermeidet eine Deflation mit Hilfe einer Hyerinflation…sehr schlau.

  3. 20.03.2009 | 8:12

    zur AIG:
    Moralisch:
    Wer Staatsknete abgreifen will, der muß sich eben etwas einschränken; was für Hartz IV-Empfänger recht ist, wird “den Managern” billig sein. Gilt zwar primär für die BRD, aber woanders ist es auch so.

    Wobei ich die Begründung von AIG so drollig fand: Man wollte damit fähige Leute halten (gemeint waren die, die diese Firma in die Sch… geritten haben).

    Rechtlich:
    Pacta sunt servanda, da gebe ich dir recht. Deswegen halte ich auch eher die Ausfsichtsräte/Vorständie sonsitgen Verantwortliche, die solche Verträge abgeschlossen haben für die wahren “Bösen”.

  4. Die Stimme aus dem Off
    20.03.2009 | 10:19

    Rückwirkende Steuern?

    Uppps. Sind die wirklich rückwirkend?

    Soweit ich weiß bezieht sich Steuergesetzgebung immer auf das laufende Jahr. Aus diesem Grund werden alle Steuergesetze eigentlich immer am Jahresende beschlossen, dann lassen sich die Steuern nämlich nicht mehr vermeiden. ;-)

    Wenn also im Dezember ein Gesetz in Kraft tritt, dann gilt das immer für das ganze Jahr.

    Bei den Boni von AIG bin ich mir nicht sicher, aber in den Staaten wird das sicher ähnlich laufen wie bei uns.

    Außerdem ist der Rechtspositivismus der schlimmste Feind des Liberalismus (Argument: “gültige Verträge”). Rechtspositivsmus ist Konservatismus, nicht Liberalismus.

  5. Die Stimme aus dem Off
    20.03.2009 | 10:22

    Rechtlich:
    Pacta sunt servanda,

    Der größte Irrtum der Rechtsgeschichte. Der Satz galt nämlich für Verträge im heutigen Sinne gerade nicht.

    Pacta waren lediglich solche Verträge, die unter strengsten Formvorschriften und vor einem (qualifizierten) Zeugen geschlossen wurden. Vor einem römischen Richter hätten diese Verträge bei AIG keinen Bestand gehabt, sie waren nämlich keine pacta.

  6. 20.03.2009 | 10:48

    >Vor einem römischen Richter hätten diese Verträge
    >bei AIG keinen Bestand gehabt, sie waren nämlich
    >keine pacta.
    –> Tja, dann ab mit der AIG nach Rom … die Seebarben schmecken in Marseille hoffentlich immer noch gut wie in Massillia ;-)

  7. Die Stimme aus dem Off
    20.03.2009 | 12:08

    > Tja, dann ab mit der AIG nach Rom … die Seebarben schmecken in Marseille hoffentlich immer noch gut wie in Massillia ;-)

    Also von der Lebensqualität her ist Rom sicherlich unerreicht. Nur eben dadurch auch bei den besseren Immobilien leider ausverkauft. Ich glaube auch nicht, dass man die Engelsburg oder etwas mit Blick auf das Pantheon mit einem Bausparvertrag finanzieren kann. :-(

  8. ftt
    20.03.2009 | 12:15

    Also von der Lebensqualität her ist Rom sicherlich unerreicht.

    Unerreicht gut oder unerreicht schlecht? ;-) Wenn man nicht gerade in der Vatikanstadt wohnt, finde ich Rom zum Leben nicht so den Überbringer. Aber wie heißt es so schön: De gustibus non disputandum est.

  9. Die Stimme aus dem Off
    20.03.2009 | 12:23

    Beides. Ich schrieb ja auch nur von der Engelsburg oder von etwas mit Blick auf das Pantheon.

  10. ftt
    20.03.2009 | 12:26

    Zur Ehrenrettung: Coppede fände ich auch noch ganz ok.

    http://www.stuardtclarkesrome.com/coppede.html

  11. Die Stimme aus dem Off
    20.03.2009 | 12:29

    fände ich auch noch ganz ok.

    Ja, man kann es gerade so aushalten.

  12. R.A.
    20.03.2009 | 12:46

    @Volker:

    Wer Staatsknete abgreifen will, der muß sich eben etwas einschränken

    Das ist aber die Ausnahme.

    Normalerweise muß man sich im Gegenteil weniger einschränken, wenn man in den Genuß staatlich ausgeteilter Gelder gekommen ist.

    Im konkreten Fall AIG hat die US-Regierung einfach den Fehler gemacht, das Geld über den Tisch zu schieben ohne irgendwelche Bedingungen dran zu knüpfen.

    Anstelle moralischer Predigten jetzt wäre ein normales Veruntreuungsverfahren gegen die verantwortlichen Politiker angebracht.

    Wie man das auch bei uns gegen Steinbrück und Konsorten machen sollte …

  13. R.A.
    20.03.2009 | 12:52

    @Stimme:

    Also von der Lebensqualität her ist Rom sicherlich unerreicht.

    Schön für einen Urlaub – aber wenn ich nach Italien übersiedeln würde, dann bestimmt nicht nach Rom.

    Ich glaube auch nicht, dass man die Engelsburg oder etwas mit Blick auf das Pantheon mit einem Bausparvertrag finanzieren kann.

    Überhaupt kein Problem.
    Bausparverträge gibt es in beliebiger Größenordnung.
    Ist halt die Monatsrate etwas höher …

  14. Die Stimme aus dem Off
    20.03.2009 | 13:20

    Überhaupt kein Problem.
    Bausparverträge gibt es in beliebiger Größenordnung.
    Ist halt die Monatsrate etwas höher …

    Da werde ich dann aber verhandeln müssen wegen der Abschlussgebühr. ;-) Auf meinen letzten Musterbrief von der Verbraucherzentrale hat man ja eher ablehnend reagiert und diese Haltung wurde ja auch erst kürzlich obergerichtlich bestätigt.

    Und man möchte ja auch nicht die Ursache gleich für die nächse Finanzkrise sein, die dann von den Bausparkassen ausgeht.

    Ich vermute aber, dass es mit ‘ner A- oder B-Besoldung doch eher knapp wird. Es wird wohl nichts mehr mit einer zweiten Karriere im öffentlichen Dienst.

  15. 20.03.2009 | 19:50

    Immerhin hat die Krise auch ein gutes: es werden wieder alternative Ansichten ernst genommen, wie ich in der heutigen Nano spezial Sendung in 3sat erfahren konnte. Und wer hätte bis vor kurzem gedacht, dass das islamische Finanzsystem jetzt ein Vorbild sein könnte.

  16. Lemmy Caution
    20.03.2009 | 20:00

    US-Notenbank kauft Staatsanleihen

    Tendiere eher zu der Meinung, dass wir finanz- und fiskalpolitischen benötigen, da wir sonst in einen Abwärtsstrudel geraten. Dies sind imho keine normalen Zeiten. Wissen tu ich das selbstverständlichst auch nicht.

    http://tinyurl.com/ctqqol

  17. 20.03.2009 | 20:30

    Ich weiß ja jetzt als Außenstehender nichts über die AIG und ich habe keine Ahnung, nach welchen Kriterien solche Bonuszahlungen dort verteilt werden. Aber ich kann mir vorstellen, dass in einem so großen Unternehmen auch ein paar Bereiche profitabel gearbeitet haben, während die Leute aus der Investmentabteilung hunderte Milliarden in den Sand setzten. Bei einigen Banken soll es ja dem Vernehmen nach auch so sein. Warum soll man Leuten, die 2007 oder 2008 noch gut gearbeitet haben, keinen Bonus geben? Vielleicht gibt es gar welche, die 2009 noch einen Bonus verdienen?

  18. 20.03.2009 | 20:37

    @Lemmy Caution

    Und es gibt eben andere, die der Meinung sind, dass der Abwärtsstrudel unvermeidlich ist, mit solchen verzweifelten “Maßnahmen” aber die Fallhöhe nur immer mehr vergrößert wird.

    Die empirische Fundierung der Wirkung fiskalpolitischer Maßnahmen ist wohl ziemlich dürftig, und es ist die Frage, ob wir nicht eben auch einen großen Anteil struktureller Probleme haben, bei denen es ein Fehler wäre, die Lösung immer mehr künstlich aufzuschieben.

    Aber Gelddrucken, das ist keine Maßnahme, das ist Betrug.

  19. Dirk
    20.03.2009 | 20:58

    @Rayson,

    über die Konjunkturtheorie der Österreicher lässt sich ja streiten, aber Betrug ist das, was die FED macht ganz sicher nicht.

    Niemand ist gezwungen Dollar Noten zu halten. Man kann sie jederzeit gegen andere “Assets” eintauschen und es wäre Herrn Bernanke sogar lieb, wenn die Leute das endlich tun würden, anstatt auf ihren Geldscheinen zu sitzen.

  20. 20.03.2009 | 21:08

    @Dirk

    Das wird die Bezieher fester nominaler Dollareinkommen wenig trösten.

  21. 20.03.2009 | 21:13

    @DSadO

    Deinen Kommentar von 10:19 musst du selbst nochmal nachlesen, zum Genießen.

    Erst erzählst du mir, dass eine Steuer, die erst nach dem Handeln der Steuersubjekte erhoben wird, keine rückwirkende sei, weil es sich ja rechtlich gesehen um eine Jahressteuer handele, und hinterher schiltst du mich des Rechtspositivismus, weil ich der Meinung bin, dass abgeschlossene Verträge gelten.

    Mir scheint eher, der Rechtspositivist bist du, während ich noch nie gehört habe, dass das Bestehen auf der Einhaltung gültig abgeschlossener Verträge unter diese Bezeichnung fallen könnte – zumal es hier ja gar nicht inhaltlich um Gesetze geht, sondern um rechtsstaatliche Prinzipen an sich.

  22. Dirk
    20.03.2009 | 21:22

    die haben sich vorher im Bewusstsein der Befugnisse der FED freiwillig für das Dollareinkommen entschieden (oder sprichst Du von der staatlichen Rentenversicherung?) Wo ist das Problem?

    Abgesehen davon gibt es eher das Problem der Deflation als das Gegenteil. Sollte tatsächlich die Inflation anziehen, kann die Geldmengenausweitung sofort rückgängig gemacht werden.

  23. 20.03.2009 | 21:31

    die haben sich vorher im Bewusstsein der Befugnisse der FED freiwillig für das Dollareinkommen entschieden

    Du beliebst zu scherzen.

  24. Buenavista
    20.03.2009 | 21:34

    Steuern hin oder her, das riecht doch sehr nach “Bill of Attainder”, und damit werden sicher ganz sicher Gerichte beschäftigen.

    Aber Hauptsache, keiner guckt auf Helikopter Bernanke, der grad ne neue Billion (oder trillion) Dollars drucken lässt.

    Prima Idee. Ist sowas von mühsam, immer andere um Kredit zu bitten. Selber drucken, juhu.

    Ob die Chinesen das lustig finden werden?

  25. Dirk
    20.03.2009 | 21:38

    Soweit ich weiss herrscht Vertragsfreiheit.

    Und selbst im anderen Falle, kann man auf Future Märkten andere Assets im voraus kaufen.

    Wer Angst vor Inflation hat, flüchte sich in Sachwerte. Ohne die FED stünden ohnehin nur diese zur Verfügung und obendrein wird die Welt es ihnen danken. Aber den Dollar zu horten und sich über eine mögliche Inflation zu beschweren, macht keinen Sinn.

  26. Dirk
    20.03.2009 | 21:42

    @Buenavista

    Helicopter Money gibt es nicht. Das Geld wird nicht einfach veteilt, sondern es werden Wertpapieren (insbesondere Bundesschatzbriefe) aufgekauft.

    So wie die ZB früher mit Dollarnoten Gold aufgekauft hätte.

  27. Buenavista
    20.03.2009 | 21:42

    Erzähl das dem Walmart-Angestellten.

  28. Dirk
    20.03.2009 | 21:45

    Erzähl das dem Walmart-Angestellten.

    Der vermögenslose Walmart Angestellte leidet nicht unter Inflation. Im Gegenteil, eine Deflation (und damit verbundene Spekulationsblase auf niedrigere Preise), müsste er fürchten.

  29. tigger
    20.03.2009 | 21:46

    Sollte tatsächlich die Inflation anziehen, kann die Geldmengenausweitung sofort rückgängig gemacht werden

    Jetzt lerne ich was neues. Wie ?

  30. Dirk
    20.03.2009 | 21:47

    Das Argument der Vertragsfreiheit betieht sich vor allem auf die libertär-österreichische Position.

    Von diesem machen die ansonsten auch zu genüge gebrauch. Man darf sie ruhig mit den eigenen Waffen attackieren.

  31. Dirk
    20.03.2009 | 21:50

    @tigger

    Sollte tatsächlich die Inflation anziehen, kann die Geldmengenausweitung sofort rückgängig gemacht werden

    Jetzt lerne ich was neues. Wie ?

    Die FED erhöht die Geldmenge, in dem sie Wertpapiere aufkauft. Sie kann sie jederzeit wieder senken, in dem sie diese wieder verkauft.

    Bei Bundesschatzbriefen ist das kein Problem. Bei den unsicheren Wertpapieren, die sie jetzt neuerdings in ihr Portfolio aufnehmen will, trägt sie dann allerdings das Kursänderungsrisiko.

  32. 20.03.2009 | 22:05

    @Dirk

    Soweit ich weiss herrscht Vertragsfreiheit.

    Was aber nicht heißt, dass durch politische Maßnahmen einseitig bestimmte Verträge benachteiligt und andere bevorzugt werden könnten. Die Formulierung “im Bewusstsein der Befugnisse der FED” halte ich allerdings für reichlich zynisch.

  33. Buenavista
    20.03.2009 | 22:08

    “Der vermögenslose Walmart Angestellte leidet nicht unter Inflation.”

    Ach? Wenn sein Gehalt nicht mit der Inflationsrate mithält, dann eben schon.

    Wenn er noch ein Gehalt kriegt.

    Die wenigsten Menschen in Zimbabwe haben Vermögen. Denen macht die Inflation also nichts aus?

  34. 20.03.2009 | 22:10

    “dass durch politische Maßnahmen nicht” muss es natürlich heißen…

  35. 20.03.2009 | 22:19

    @Klaus

    Ich weiß nicht so recht, ob Alternativen zu etwas nicht Vorhandenem so erwähnenswert sind.

  36. Dirk
    20.03.2009 | 22:19

    @Rayson

    Durch Produktpolitische Maßnahmen werden Verträge mit Bezug zu diesem Produkt beeinflusst. Das ist bei allen Produkten so, zum Beispiel wird ein langfristiger Ölliefervertrag mit Förderer A beeinflusst durch die Ölföderentscheidungen von Herrn B. Da sehe ich null Probleme

  37. Dirk
    20.03.2009 | 22:25

    Ach? Wenn sein Gehalt nicht mit der Inflationsrate mithält, dann eben schon.

    Und wenn er durch die Deflationsspirale arbeitslos wird, hat er ein viel größeres Problem. Wenn der Chef ihm das Gehalt kürzen möchte, kann er das auch so (und sogar viel leichter) machen als wenn es Inflation gibt.

    Eine Hyperinflation ist in der Tat ein Problem weil dann die Währung aufhört zu existieren. Aber darüber reden wir hier nicht.

  38. Libero
    20.03.2009 | 22:32

    Das ist also ein Rechtsbruch. Zweifelsohne Wiegt dieser Rechtsbruch höher als als der Zusammenbruch des Unternehmens? Merkwürdige Auffassung.

    Boni sind vergleichbar den Abschlußprämien der Versicherungen. Dort ist es üblich, das bei den Boni berücksichtigt wird, ob ein geplatztes Geschäft, in diesem Fall eine Versicherung, innerhalb der ersten fünf Jahre auftritt. Ist das der Fall, müssen anteilig Boni zurückgezahlt werden. Es gibt auch die Möglichkeit der Bestandsboni. Das ist jährliche Bonus gering, wird aber über die gesamte Laufzeit gezahlt. Das bedeutet, es ist richtig harte Arbeit, sich einen Bestand aufzubauen, aber den hat man dann auch solange, wie die Verträge und ihre Fortsetzung laufen.

  39. 20.03.2009 | 22:47

    @Libero

    Zweifelsohne Wiegt dieser Rechtsbruch höher als als der Zusammenbruch des Unternehmens? Merkwürdige Auffassung.

    Merkwürdige Gegenüberstellung. AIG droht nicht wegen der gezahlten Boni zusammenzubrechen.

    Boni sind vergleichbar den Abschlußprämien der Versicherungen. Dort ist es üblich…

    Und entsprechend vertraglich geregelt…

  40. tigger
    21.03.2009 | 0:34

    Die FED erhöht die Geldmenge, in dem sie Wertpapiere aufkauft. Sie kann sie jederzeit wieder senken, in dem sie diese wieder verkauft.

    Ich weiss nicht, da bin ich skeptisch, oder habe ein noch zu gut arbeitendes Kurzzeitgedächtnis. Was glaubst Du, was mit der Billion passiert, die da aus der Luft entsteht, und in das System gesteckt wird, und der keine realen Werte gegenüberstehen ?

    Ich fürchte, zu dem Zeitpunkt zu dem sich die FED entscheidet, die Geldmenge wie von Dir beschrieben, wieder zu senken, wird sie sich vervielfacht haben in Form von den verrücktesten und exotischsten Finanztiteln, die die Welt je gesehen hat.

  41. Libero
    21.03.2009 | 7:41

    @rayson

    Es sind Boni für Abschlüsse in 2008 gezahlt wurden. Wie entwickeln sich diese Geschäfte in 2009. Auch vorher sind Boni gezahlt wurden. Für Geschäfte in 2007, 2006, 2005 und früher- Wie entwickeln sich diese Abschlüsse in den Jahren nach dem für sie Boni gezahlt wurden?

    Das Unternehmen erwirtschaftet sehr hohe Verluste. Nur aufgrund von Abschlüssen, für die in den Jahren zuvor keine Boni gezahlt wurde und gerade aufgrund von Abschlüssen, für die Boni gezahlt wurden? Was ist die Vermutung des edlen Rayson?

    Ist letzeres der Fall, mögen die Herrschaften im Recht sein. Dann bin ich wie der Senator der Meinung, daß sie Seppuku begehen sollten (ist auch für Frauen möglich), denn es sind leider Menschen ohne Moral, auch wenn sie im Recht sind. Indem sie Moral durch Recht verdrängt haben.

    Ihr beruft euch auf Ludwig Erhard? Glaubst du, Erhard hätte das auch so gewertet wie du? Dann schätzt du diesen anständigen Menschen leider falsch ein. Ein durch und durch nobler Mensch wie Franz Böhm hätte solche vertraglichen Vereinbarungen als anstössig empfunden.

    Du hast eine andere Ansicht. Ich bin froh, daß mir in den Briefen und anderen Schriften der Neoliberalen Menschen begegnen, die dir ganz und gar nicht gleichen, obwohl sie Liberale sind. Es labt die Seele, sie zu lesen. Leider sind sie tot und haben keine Nachfoger gefunden. Ihr seid es jedenfalls nicht.

    Henry Mintzberg und Sumantra Ghoshal haben recht mit ihrer Kritik

    By propagating ideologically inspired amoral theories, business schools have actively freed their students from any sense of moral responsibility

    Belaste dich nicht damit, du hast Recht und ich habe Unrecht. Ihr seid schon richtig tolle Menschen und ich bin es nicht würdig, deine Zeit zu beanspruchen.

  42. 21.03.2009 | 8:14

    Ich kann da nur beipflichten. Wie die AIG Leute mit den Boni und den Steuern umgehen sollte habe ich kurz hier
    http://fdominicus.blogspot.com/2009/03/inacceptable.html
    aufgeführt.

    Nur das Problem ist ja viel früher durch Intervention enstanden. Überhaupt erst mal “blanko” Vollmacht für AIG zu geben. Hätte sich denken angeboten….

    Aber der Senat sieht das auch etwas anders und diesmal fällt er hoffentlich nicht wieder so um wie beim erstan “Failout” Plan…

    So zieht eine falsche Entscheidung einen Rattenschwanz weitere falscher Entscheidungen nach sich. Unsere derzeitigen Eliten haben es so gründlich versaut, und immer noch sehe ich nicht die geringsten Konsequenzen.

  43. Dirk
    21.03.2009 | 9:50

    @tigger

    Das Geld entsteht ja durch den Ankauf von Wertpapieren und nicht “aus der Luft”. “Gedeckt” ist es durch die angekauften Wertpapiere. Diese sind die Werte, die der Geldmenge gegenüberstehen.

  44. Klaus 
    21.03.2009 | 10:48

    @rayson

    Ich weiß nicht so recht, ob Alternativen zu etwas nicht Vorhandenem so erwähnenswert sind.

    Nicht vorhanden? Der Kapitalismus? Bzw. die bisherige Form des Finanzmarktes? Zweitens sprach ich von alternativen Ansichten, die vielleicht weil nun eine Diskussion möglich ist, zu Alternativen werden können.

  45. 21.03.2009 | 12:38

    Aber ich kann mir vorstellen, dass in einem so großen Unternehmen auch ein paar Bereiche profitabel gearbeitet haben, während die Leute aus der Investmentabteilung hunderte Milliarden in den Sand setzten.

    Damit hat Stefanolix einen wichtigen Punkt angesprochen, der in den Diskussionen eigentlich kaum vorkommt. Andererseits gilt in vielen Betrieben eine Regel, die die persönliche Zielerreichung nur honoriert, wenn das Gesamtunternehmen ein positives EBIT erwirtschaftet hat. Davon kann bei AIG wohl keine Rede sein. Insofern wäre es auch richtig, wenn (allen motivatorischen Argumenten oder vertraglichen Regeln zum Trotz) die Frage der Bonuszahlungen vom Unternehmen von vornherein geklärt worden wäre. Ich kenne solche Vereinbarungen jedenfalls durchaus.

  46. tigger
    21.03.2009 | 13:25

    Das Geld entsteht ja durch den Ankauf von Wertpapieren und nicht “aus der Luft”. “Gedeckt” ist es durch die angekauften Wertpapiere. Diese sind die Werte, die der Geldmenge gegenüberstehen.

    Ich sehe halt nur das Problem, dass die Wertpapiere eben anschliessend der bisherigen Geldmenge und zusätzlich der Billion Dollar gegenüber stehen. Gut, die FED will ja die Geldmenge erhöhen, mission accomplished. Ich fürchte aber, dass sie sie später nicht mehr in der Lage ist, sie zu verringern. Denn mit dem zusätzlichen Geld im Umlauf, werden ja Löhne, Lebensmittel, Energie, Wertpapiere, AIG-Bosse, usw. bezahlt. Das zusätzliche Geld schwimmt in den Finanzströmen mit und erzeugt das Gefühl, die Dinge müssten teurer sein, denn es ist ja mehr Geld da. Und da beginnt dann Spekulation und Blasenbildung und die Vergabe viel zu niedrig verzinster Kredite und so. Irgendwann wird auch die grössere Geldmenge zu klein sein, für das was da an Wert erwartet wird.

    Und das wäre dann auch ein sehr “schlechter” Zeitpunkt für die FED, die Nadel am Finanzballon, also ihre für ‘ne Billion Dollar gekauften Wertpapiere auf den Markt zu werfen, im Versuch die Geldmenge zu verkleinern, denn eigentlich haben sich die Finanzwelt und die Märkte mit der grösseren Geldmenge und der Bewertung der Papiere, die die FED gekauft hat, wunderbar angefreundet. “Schlecht” meine ich in dem Sinne, dass sie durch ihre Massnahme, die Geldmenge wieder zu verringern, die Rezession die jetzt (vielleicht) verschoben wird, einzuleiten.

  47. tigger
    21.03.2009 | 13:28

    ok, der letzte Satz ist irgendwie grammatikalisch falsch, aber ich weiss nicht wo :-)

  48. 21.03.2009 | 13:45

    In einem so riesigen Unternehmen ist es doch möglich, dass bestimmte Geschäftsfelder als eine Art Profitcenter mit eigenen Gewinnzielen geführt werden.

    Natürlich kann es auch sein, dass hochgradig erfolglose Jung-Investmentbanker oder Alt-Manager gerade eine Halteprämie ausbezahlt bekommen haben. Aber man kann ja auch mal in die andere Richtung denken.

    Prinzipiell wäre es zumindest möglich dass z.B. das Geschäftsfeld “Industrieversicherungen” im Jahr 2008 erfolgreich gelaufen ist, dass im Geschäftsfeld “Gebäudeversicherung” Marktanteile gewonnen wurden und dass in der EDV eine Menge Geld eingespart werden konnte [gut, das ist jetzt eine kühne Vermutung;-)]. Die erfolgreichen Angestellten würden ihre versprochenen Boni mit Sicherheit einklagen und hätten in diesem Fall nach meiner ganz persönlichen Meinung auch Recht.

  49. 21.03.2009 | 13:50

    @tigger: Das kleine “zu” ganz am Ende ist zuviel?

    Abgesehen davon: Schachtelsätze in Form von Girlanden könnten Deine Leser abschrecken;-)

  50. Dirk
    21.03.2009 | 14:21

    @tigger

    Ich sehe halt nur das Problem, dass die Wertpapiere eben anschliessend der bisherigen Geldmenge und zusätzlich der Billion Dollar gegenüber stehen.

    Tun sie aber nicht. Die Wertpapiere entsprechen 1 zu 1 der erhöhten Geldmenge.

    Ein Beispiel: Nehmen wir an, es handelte sich bei diesen Wertpapieren um Gold und wir hätten immer noch einen Goldstandard. Herr H hat in seinem Tresor 100 kg Gold. Jetzt verkauft er dies der Zentralbank für 100.000 Dollar und er steckt die 100.000 in den Tresor. Wird dieser simple Tausch den Preis von sagen wir Bannen erhöhen? Warum sollte jemand jetzt mehr Gold für Bananen verlangen? Nur weil mehr Dollarscheine da sind?

  51. 21.03.2009 | 20:02

    @Libero

    Mir ist nicht bekannt, dass Ludwig Erhard dafür plädiert hätte, dass der Staat einseitig in gültige Verträge eingreift. Ich wüsste auch nicht, dass Erhard sich einen Staat vorgestellt hat, der sich als moralischer Richter über seine eigenen Gesetze hinwegsetzt. Aber ich lasse mich gerne durch Gegenbeweise überraschen.

    Und nochmal: Es geht nicht darum, wie ich es finde, dass die AIG Boni ausschüttet. Es geht darum, dass diese Boni wohl erstens rechtmäßig waren und dass die Entscheidung des Gesetzgebers, durch ein speziell zugeschnittenes Gesetz nachträglich dieses Geld dem Staat zur Verfügung zu stellen, nicht nur verfassungsrechtlich zweifelhaft ist, sondern auch eine Prioritätensetzung offenbart, die es allen Freunden von Staatseingriffen in der derzeitigen Lage eigentlich kalt den Rücken herunterlaufen lassen müsste.

    Im übrigen muss jeder selbst wissen, ob der Anlass und eigene Position es nahelegen, mit persönlichen Urteilen über andere Menschen um sich zu werfen. Meine Erfahrung sagt mir, dass man da in neun von zehn Fällen lieber Philosoph geblieben wäre.

  52. 21.03.2009 | 20:09

    @Klaus

    Diskutiert wird z.B. in dem von dir verlinkten Beitrag über staatliche Eingriffe in die Finanzmärkte. Das sind aber keine Alternativen, sondern bereits längst gelebte Praxis. Wollen wir doch bitte nicht vergessen, dass Geld heutzutage ein staatliches Monopolprodukt ist.

    Man kann natürlich wieder seine Zeit mit dollen Theoriediskussionen verschwenden auf der üblichen Suche nach dem großen Wurf, der endlich Frieden, Freude und reichlich Eierkuchen auf ewig verspricht. Nur muss der Rest der Welt aufpassen, dass man nie wieder irgendeinem dieser Ideologen Macht gibt.

  53. DrB
    21.03.2009 | 21:02

    Das kann noch übel enden mit dem Kollegen Obama.
    Hab bei diesem Mann immer Carterisierung befürchtet.

  54. F.Alfonzo
    23.03.2009 | 8:37

    Eigentlich räumt diese Entwicklung doch hervorragend mit der Theorie auf, der Staat könne durch Umverteilung von Geldern (ich beziehe mich auf den ‘keynesianischen Ansatz’, der den Herren Keynes wohl im Grab rotieren lässt) irgendeine Art vor Wohlfahrts-Surplus erreichen.

    Man sieht nun wunderbar, wie gut das funktioniert: Enteignung der Haushalte und Subvention von AIG. Hmm, hat geklappt, aber nicht so, wie man sich das vorgestellt hat. Nächste Stufe: Enteignung der AIG-Mitarbeiter (90% bonus-tax) und erneute Umverteilung… wie groß ist wohl die Wahrscheinlichkeit, dass das ganze in der nächsten Stufe eine moralisch unstreitbare Verwendung findet (mit Glück ist die Streuung so groß, dass das erneute moralische Dilemma von niemandem bemerkt wird)?
    Am Ende steht dann eine Situation, in der die Regierung jeden GDP-$ 15 mal in der Hand hatte und ansonsten alle unzufrieden sind.

  55. Lemmy Caution
    23.03.2009 | 15:03

    Und es gibt eben andere, die der Meinung sind, dass der Abwärtsstrudel unvermeidlich ist, mit solchen verzweifelten “Maßnahmen” aber die Fallhöhe nur immer mehr vergrößert wird.

    Die empirische Fundierung der Wirkung fiskalpolitischer Maßnahmen ist wohl ziemlich dürftig, und es ist die Frage, ob wir nicht eben auch einen großen Anteil struktureller Probleme haben, bei denen es ein Fehler wäre, die Lösung immer mehr künstlich aufzuschieben.

    Hallo Rayson,

    ich denke, dass dies keine normalen Zeiten sind.
    Eine der klassischen Begründung dafür, dass eine Abdämpfung von Konjunkturkrisen durch fiskalpolitische Maßnahmen nicht funktioniert, besteht ja in falschem Timing. Meist brummen die Bagger zur Verbreiterung der Autobahnen erst dann durch die Mittelgebirgs-Nadelbäume, wenn die Konjunktur bereits wieder anfährt. Zumindest dieses Argument gilt für die aktuelle sehr tiefe Krise nicht.
    Das chinesische Konjunkturprogramm scheint jetzt schon den Kupferpreis zu stabilisieren. Ein großer Anteil entfällt auf den Bau von Sozialwohnungen (für Bau wird immer viel Kupfer benötigt) und die chinesische Nachfrage nach Kupfer lag in den ersten 3 Monaten 2009 44% über der Nachfrage der ersten 3 Monate 2008.
    Durch solche Effekte kann imho irgendwann der zur Zeit sich selbstverstärkende Abwärtstrend gestoppt werden.

    Wir leben meist nicht in soner Keynes-Welt, aber aktuell denke ich schon.
    Die Regierungen müssen selbstverständlich nach der Krise zu einer entschuldenden Fiskalpolitik zurückkehren. Selbstverständlich gibt es hier ein dickes Problem.
    Gleiches gilt auch für Geldpolitik.

  56. 23.03.2009 | 17:22

    @Lemmy Caution

    Nur ein kurzer, unqualifizierter Einwurf dazu:

    ich denke, dass dies keine normalen Zeiten sind.

    Als Laie stehe ich Argumenten skeptisch gegenüber, die Ausnahmezustände definieren müssen, damit irgendwas in ein Konzept passt.

  57. DrB
    23.03.2009 | 17:26

    Es ist ja oft die Rede von der grössten Krise seit Ende des zweiten Weltkriegs. Nun, die sog. Ölkrise war grösser, ich erinnere mich noch gerne an das dumme Zeug, das seitens der Politker kam. Auch die grosse Koaltition 1966-69 hatte mit einer grossen Krise zu kämpfen, beim Dicken war das “Gürtel enger schnallen” zusammen mit dem Krisengerede auch nicht unüblich.
    Zu Lemmy ist noch anzumerken, dass der Südamerikabezug dieses mal fehlte, vielen Dank.

  58. DrB
    24.03.2009 | 7:07

    Hier noch ein Inteview zur Obama-”Kompetenz”:
    http://www.tagesschau.de/wirtschaft/geithnerplan100.html

  59. Lemmy Caution
    24.03.2009 | 9:41

    Als Laie stehe ich Argumenten skeptisch gegenüber, die Ausnahmezustände definieren müssen, damit irgendwas in ein Konzept passt.

    Wir sind alle Laien.

    Ich glaub, dass es keine “natürliche” Vernunft in der Wirtschaftspolitik eines Landes gibt. Ordnungspolitische Prinzipien, sicher. Nur bleibt sie kontext-abhängig. Wäre Südkorea in den 60ern den extrem neoliberalen Vorstellungen der vergangenen Epoche gefolgt, so hätten die heute eine hohe Expertise als Reisfarmer aber kein Hyunday.
    Kontext-abhängig bedeutet momentan die Gefahr einer sehr ernsten Depression. Der Finanzmarkt ist nach wie vor gestört. Wenn es dich interessiert, wie es zu dieser tiefen Störung gekommen ist, empfehle ich “House of Cards: A Tale of Hubris and Wretched Excess on Wall Street”. Aufgrund diesen Informationen dann jeder selbst entscheiden, inwieweit eine unregulierte Marktwirtschaft in der Lage ist, uns mit einem robusten Finanzmarkt zu versorgen.
    Sämtliche mir bekannte hoffnungsvollen Prognosen für die 2. Hlft. 2009 nennen die staatlichen Konjunkturprogramme als Ursache für die Erholung. Wir können uns natürlich auch um den Ausgleich unseres Haushalts sorgen. Das ist aber schon unter Brüning Anfang der 30er Jahre ein wenig schiefgelaufen.

  60. Herbert
    24.03.2009 | 10:48

    Das Schöne an der Krise ist doch, dass man keine Zweifel am Funktionieren entfesselter Märkte äußern muss – weil das andere für einen übernehmen:-) Am meisten Spass macht es dann, wenn das genau die sind, die gestern noch dringend Märkte deregulieren wollten, z.B. Angela Merkel.
    Keine Ahnung, ob es klug ist, bankrotten Finanzmanagern die Boni wegzunehmen. Aber wenn das die Amerikaner machen und die Brüder auch noch mit Schlimmerem bedrohen, dann kommt schon ein bisschen Schmunzeln auf in Deutschland, wo unsere neoliberalen Freunde bis vor kurzem immer den verstockten Antikapitalismus geortet haben. Wäre es nicht eine schöne Pointe, wenn im Alten Europa zum guten Schluss mehr Marktwirtschaft übrig wäre, WEIL das Volk sich gegen die Diktatur der unkontrollierten Finanzwirtschaft gesträubt hat?

  61. 24.03.2009 | 11:17

    @Lemmy Caution

    Da ich Zweifel habe, ob mit dem staatlichen Scheingeld überhaupt Markt möglich ist, zweifle ich an allen darauf aufbauenden Schlüssen.

  62. 24.03.2009 | 11:28

    @LC

    Da man mir die Telefonleitung gekappt hat, bin ich nur per Handy online, daher nur kurz:

    Zunächst müssen wir zwei Dinge analytisch trennen: das Arbeiten an den Ursachen und die “Stimulus”-Pakete.

    Was letztere angeht, ist es natürlich kein Wunder, dass diejenigen, die solche Pakete fordern, sich auch Wirkungen davon versprechen. Die Frage ist aber, wie groß die wirklich sind. Eine Wirkung ist auf jeden Fall garantiert: Allein dadurch, dass der Staat Schulden macht und das Geld ausgibt, erhöht er das BIP. Damit ist aber leider nicht gesagt, wie sich das qualitativ auswirkt. Und um die Größe des legendären Multiplikators streiten sich die Gelehrten. Wahrscheinlichliegt der eher unter 1 als darüber.

    Das eigentliche Problem ist aber: Was ist, wenn die Krise zu großen Teilen eine Strukturkrise ist? Die Pakete sind bestenfalls strukturignorant, schlimmstenfalls aber strukturkonservierend. So ist es m.E. fatal, mit Staatsknete Überkapazitäten bewahren zu wollen.

  63. Herbert
    24.03.2009 | 11:40

    “So ist es m.E. fatal, mit Staatsknete Überkapazitäten bewahren zu wollen.”
    Ja, das ist eine echte Gefahr und die ist derzeit nirgends größer als bei den Finanzinstituten und in der Autoindustrie. Die staatliche Übernahme einzelner Unternehmen (Opel) wäre da noch zweifelhafter als die Abwrackprämie.

  64. Lemmy Caution
    24.03.2009 | 22:32

    Strukturkrise an der Wall Street, Rayson.
    Hatte heute ein Meeting mit 5 Leuten von einer sicher nicht weltmeisterlichen Kundenorganisation, die am Ende darüber witzelten, dass sie ja bald entlassen würden.
    Its like dancing 2002. Und das ist erst der Anfang.

  65. Herbert
    25.03.2009 | 6:41

    “Wäre es nicht eine schöne Pointe, wenn im Alten Europa zum guten Schluss mehr Marktwirtschaft übrig wäre..”
    Kaum spekuliere ich ein bisschen, kommen andere auf denselben Gedanken:
    http://www.ftd.de/meinung/kommentare/:Leitartikel-US-Regulierung-Rechtsstaat-in-Gefahr/491843.html

  66. Lemmy Caution
    25.03.2009 | 14:26

    Interessant sind Nassim “Black Swan” Talebs Aussagen (Interview im letzten Econtalk -> 23.03.09)

  67. Lemmy Caution
    25.03.2009 | 14:52

    Letztes Posting
    Der bekannte Kommunist Brad DeLong hält Banken-Nationalisierungen in den USA für wahrscheinlich.
    (ich hör auf).
    http://tinyurl.com/cute4t

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