19. März 2009
Krisennotizen (I)
AIG-Boni
Die Wirtschafts- und Finanzkrise hat auch ihre guten Seiten: Manch angeblicher Freiheitsfreund lässt die Maske fallen und zeigt sich als Populist. Geltende Verträge? Bullshit: Der Staat setzt das Recht. Rückwirkende Steuern? Kein Problem. Dass entgegen Greg Mankiws Rat die Politiker sich die Zeit dafür nehmen, unter Missachtung sämtlicher rechtsstaatlicher Prinzipien Sündenböcke zu richten statt sich um ein wenig mehr Verständnis für die ökonomischen Erfordernisse der Krise zu kümmern, spricht Bände. Wir kennen das Phänomen aus Vorstandsetagen großer Konzerne: Über Dienstwagenregelungen wird stundenlang debattiert, während die Akquisition eines Unternehmens irgendwo in den USA für mehrere Milliarden Euro nach dem Präsentieren von ein paar Powerpoint-Folien reibungslos abgenickt wird.
Die moralische Beurteilung der Boni an die AIG-Bosse steht außer Frage. Nur ersetzt Moral nicht das Recht, und moralisch zu handeln heißt nicht immer, vernünftig zu handeln.
US-Notenbank kauft Staatsanleihen
Was macht man mit einem Süchtigen, dem der Stoff ausgegangen ist? Etwas tun soll die Allgemeinheit ja, schließlich drohen solch unerquickliche Dinge wie Beschaffungskriminalität. Man kann eine Entziehungskur versuchen, aber die wird hart und schmerzhaft. Man kann ihm Dinge wie Methadon verabreichen, aber die halten oft nicht lange vor. Oder man gibt ihm einfach mehr vom guten Zeugs. Die US-Notenbank lässt sich nicht mehr lange bitten.
Und wir lernen: Ein Staat kann nicht pleite gehen. Seine Bürger allerdings schon, wenn die Nullen von der Staatsverschuldung auf die Geldscheine wandern.
Verfasst von Rayson um 22:02 Uhr in der Kategorie International,Politik,Wirtschaft,Wirtschaftspolitik (Trackback)
67 Kommentare