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Tarifeinigung: Mein Kind kann wieder zur Schule gehen

Am letzten Mittwoch bekamen wir als Eltern wieder einmal die Mitteilung, dass die Grundschule am Freitag bestreikt werden würde. In gewerkschaftstypischer Weise wurde noch auf einen »Notdienst« hingewiesen, den die Lehrer immerhin gewährleisten würden. Dieser »Notdienst« heißt eigentlich »Betreuungspflicht« und ist eine Selbstverständlichkeit. Aber das wollten wir unserem Sohn nicht zumuten. Er hat den Tag dann bei seinen Großeltern verbracht.

Das »Handelsblatt« berichtet über viele Reaktionen auf die Einigung. Es fehlt eigentlich nur die alte Weisheit von Ludwig Erhard: Ein Kompromiß, das ist die Kunst, einen Kuchen so zu teilen, daß jeder meint, er habe das größte Stück bekommen. Und es fehlt die Ergänzung, dass der Kuchen nicht von denen gebacken wird, die den Kompromiß ausgehandelt haben.

Im »Handelsblatt«-Artikel wurde aber auf eine entscheidende Information verzichtet:

Ersatzlos gestrichen wurde aus dem Tarifvertrag der Länder das Reformprojekt, Angestellte des öffentlichen Dienstes verstärkt nach Leistung zu bezahlen.

Ich bin gespannt, wie die Gewerkschaften ihren größten Erfolg vermarkten werden.

Am Donnerstag brachte unser Sohn übrigens noch zwei lieblos zusammengestellte und schlecht kopierte Aufgabenblätter mit nach Hause: »Das sollen wir bis Montag lösen.« Es handelte sich nicht etwa um didaktisch durchdachte Sachaufgaben, die das Verständnis fördern und das Wissen anwendungsbereit aufbereiten. Es waren ein paar Übungen zum »mechanischen Rechnen«, die mein Sohn in kaum zehn Minuten erledigt hatte. Dann hat er sich mit seinem Knobelaufgabenbuch beschäftigt, viel gelesen und den Opa mit Fragen gelöchert. Der Opa ist ein guter Erklärer. Soviel zum Thema Leistung der Lehrer, Leistung der Kinder und Leistung der Bürger …

Es bleibt mir nur der Verweis auf ein Zitat von Johann Wolfgang von Goethe, das in regelmäßigen Abständen in unserer Seitenleiste angezeigt wird.

Ich hasse alle Pfuscherei wie die Sünde, besonders aber die Pfuscherei in Staatsangelegenheiten, woraus für Tausende und Millionen nichts als Unheil hervorgeht.

Denn viele haben sich mit dem Ergebnis »zufrieden gezeigt«. Aber in Wahrheit ist es ein kleiner Teil vom großen Pfusch.

stefanolix in Politik am 02. 03. 2009 » 47 Kommentare
bisher 47 Kommentare » Kommentare
  1. Martin Eisenhardt sagt am 02. 03. 2009 um 10:49 Uhr:

    Als jemand, der selbst eine zeitlang als Staatsdiener gearbeitet hat, möchte ich dazu ein paar Dinge anmerken.

    Zunächst einmal war die Lohnentwicklung im Öffentlichen Dienst der Länder im vergangenen Jahr tatsächlich weit unterdurchschnittlich, Dinge wie Urlaubs- oder Weihnachtsgeld sind mittlerweile schon fast nicht-existent. Wenn die IG Metall ihren Mitgliedern mal wieder 3-5% Lohnzuwachs verschafft hatte, feierte die Ver.di es tatsächlich als Großtat, wenn es mal 1,1% gab – verteilt auf 15 Monate. Davor gabe es jahrelang gar nichts.

    Eine gewisse Zeit lang gab es noch nicht einmal einen gültigen Tarifvertrag – der war von den Ländern fristgerecht gekündigt worden, und man hat es nicht geschafft, sich innerhalb der Kündigungsfrist auf einen Nachfolger zu einigen.

    Insofern kann ich verstehen, dass man nun – auch in diesen schlechten Zeiten – meinte, einen gewissen Nachholbedarf zu haben.

    Der von Dir als größten Erfolg bezeichneten Verzicht auf leistungsgerechte Entlohnung wird allerdings wohl nur von einigen als Erfolg angesehen werden; für mich war immer besonders belastend, dass ich schon mit Mitte Zwanzig wissen konnte, was ich mal mit Fünfzig verdienen werde – weil es eben nur Lohnsteigerungen für Dienstjahre, nicht aber für gute Leistungen gab.

    Auch viele andere sehen das so – sie leisten mehr als andere im ÖD und hätten dafür auch gerne etwas mehr vom Kuchen.

    Damit zeigt sich dann wohl, dass zumindest die Ver.di nicht nur Klientelpolitik für die Beschäftigten und gegen die arbeitslosen Menschen macht (denn Lohnerhöhungen bedeuten immer ja auch weniger Geld für neue Stellen); nein, es wird auch konsequent Politik für den stereotyp-gerechten Angestellten im ÖD gemacht (»Beamtenmikado«) und gegen die doch auch vorhandenen leistungsbereiten Mitarbeiter.

    Schade.

    P.S.: Dass Schulen tatsächlich bestreikt werden und deshalb der Unterricht ausfällt, halte ich im Übrigen für einen Skandal. Es herrscht auf der einen Seite Schulpflicht und man darf sein Kind nicht einfach aus der Schule nehmen (um z.B. einen oder zwei Tage früher in Urlaub zu fahren); auf der anderen Seite hält man sich aber nicht so sehr daran.

    Schlimm.

  2. Boche sagt am 02. 03. 2009 um 11:06 Uhr:

    Solche Diskussionen zeigen mir immer wieder, dass man das Thema wohl nur vom Kopf auf die Füße gestellt bekommt, wenn man das Schulwesen komplett privatisiert. Meinetwegen mit Schulgutscheinen und staatlichen Vorgaben, die Abschlussqualität betreffend.

  3. stefanolix sagt am 02. 03. 2009 um 11:14 Uhr:

    Ich weiß um den Anteil an leistungsbereiten und leistungsorientierten Mitarbeitern im Öffentlichen Dienst und ich respektiere diese Mitarbeiter. Deshalb habe ich es ja als Erfolg der Gewerkschaft bezeichnet. Am Ende wird es dazu führen, dass leistungsstarke Mitarbeiter in guten Zeiten in die Privatwirtschaft wechseln werden — genau die Mitarbeiter, die sich vom Einstieg in eine leistungsgerechte Bezahlung etwas erhofft hatten.

    Die Schulen wurden ja nicht nur bestreikt, sondern man erfuhr es erst zwei Tage vorher. Und damit ist es natürlich sehr schwer, eine angemessene Betreuung zu organisieren. Der Beitrag für den Schulhort läuft natürlich auch weiter und die Stunden werden natürlich nicht gutgeschrieben.

    Ich finde es selbstverständlich, dass öffentlich Bedienstete angemessen bezahlt werden. Neben der Lohnentwicklung steht aber die Sicherheit. Auch wenn hier im Osten viele öffentlich Bedienstete nicht verbeamtet sind, sind sie doch in einer sehr sicheren Position und im Einkommensgefüge relativ weit oben angesiedelt. Im Westen mag die Einordnung in das Einkommensgefüge etwas anders aussehen.

  4. fpk sagt am 02. 03. 2009 um 11:18 Uhr:

    Mit Schulgutscheinen wär ne Privatisierung eigentlich doch gar nicht notwenig. Staatliche Schulen würden durch den Wettbewerb besser oder würden verschwinden. Oder?
    Leider hör ich in keiner Meinstreamdiskussion auch Schulgutscheine als Vorschlag.

  5. stefanolix sagt am 02. 03. 2009 um 11:24 Uhr:

    @Boche: Dann aber nicht nur mit »staatlichen Vorgaben«, sondern unbedingt mit zentralen Prüfungen durch wirklich unabhängige Stellen und das jährlich ab der sechsten Klasse. Wenn man erst in der zehnten Klasse zum ersten Mal richtig prüft, kann schon viel Schaden angerichtet sein.

    Und über die Zulassung der Bildungsanbieter müsste man unbedingt diskutieren. Sonst bekommt man so einen Zustand wie im England des 19. Jahrhunderts, wo es viele Schulen gab, die ihren Namen nicht verdienten. Einen vollkommen freien Markt ohne Vorgaben und Kontrolle wird es auf diesem Gebiet nicht geben können.

  6. stefanolix sagt am 02. 03. 2009 um 11:28 Uhr:

    fpk: Es gibt heute praktisch schon einen unsichtbaren »Schulgutschein«, weil man sein Kind zumindest in einer Großstadt bei mehreren freien Trägern anmelden kann und dafür allenfalls einen geringen Zusatzbeitrag (oder einige Stunden Arbeitseinsatz im Jahr) aufwenden muss. Die eigentliche Bildung ist aber genauso kostenlos wie in der Schule. Die Anzahl der freien Träger und der freien Schulen wächst.

    Ich räume ein, dass das kein flächendeckendes Angebot ist. Aber auch bei privater Bildung werden sich die Angebote wohl eher auf die Städte konzentrieren.

  7. jpj sagt am 02. 03. 2009 um 13:34 Uhr:

    “Der Bürger darf in seinen Aktivitäten nicht so eng eingegrenzt werden dass, so er anders denkt als jene an der Macht, seine einzige Wahl ist unterzugehen oder die Maschinerie des Staates zu zerstören.” (Mises)

    Boche schrieb:

    Man (bekommt) das Thema wohl nur vom Kopf auf die Füße gestellt (…), wenn man das Schulwesen komplett privatisiert. Meinetwegen mit Schulgutscheinen und staatlichen Vorgaben, die Abschlussqualität betreffend.

    Stefanolix schrieb:

    Dann aber nicht nur mit »staatlichen Vorgaben«, sondern unbedingt mit zentralen Prüfungen durch wirklich unabhängige Stellen und das jährlich ab der sechsten Klasse. (…) Und über die Zulassung der Bildungsanbieter müsste man unbedingt diskutieren. Sonst bekommt man so einen Zustand wie im England des 19. Jahrhunderts, (…). Einen vollkommen freien Markt ohne Vorgaben und Kontrolle wird es auf diesem Gebiet nicht geben können.

    Dass es solche Fälle gibt, wo demoralisierte Eltern die Bildung ihrer Kinder vernachlässigen, kann kaum ernsthaft bezweifelt werden. Doch diese sind die Ausnahme und nicht die Regel. Die Regel sind Eltern, die für die Zukunft ihrer Kinder gerne große Opfer bringen. Sogar Eltern in der Dritten Welt schaffen es dort trotz verstaatlichter Bildung, ihre Kinder im Bildungsschwarzmarkt lernen zu lassen.

    Ihre Lösung, den Staat als Zwangs”gutachter” einzuführen, bedeutet nichts anderes, als dass unsere Kinder weiter nach den Vorgaben der gescheiterten staatlichen Bildungsbürokratie erzogen werden müssen. Es sind jedoch diese Vorgaben einer unerreichbaren Bürokratie — Verbot der Sanktionierung störender Schüler, anonyme Massenschulen, wirklichkeitsferne Methoden — welche die Lehrer zermürbt. Ich sehe nicht was an diesen Ergebnissen der Bildungs-Planwirtschaft besser werden soll, wenn man den unter ihnen arbeitenden Schulen das Etikett “privat” verpasst.

    Ihre Lösung stößt IMHO auch auf ein ethisches Problem: Wenn ich mein Kind nicht einer staatlich gutgeheißene Schule ausliefere, sondern sie zu ihrer und meiner Zufriedenheit auf eine unabhängige Privatschule schicke — oder gar per Heimunterricht selber bilde: Wessen Rechte würde ich dadurch verletzen?

    Und wie will man diese staatlichen Vorgaben anders durchsetzen, als indem man die Männer und Frauen der Schulleitung mit Gewalt bedroht, sollten sie die Ihnen anvertrauten Kinder nicht nach den Standards der politischen Klasse erziehen — oder gar den Eltern droht, ihnen ihre Kinder zu nehmen?

    Verantwortlichkeit wird im Bildungswesen erst dann einkehren, wenn zahlende Kunden schlechte Anbieter direkt sanktionieren und gute belohnen können. IMHO würden sich von allein private Stiftungen bilden, die “Bildungssiegel” vergeben, und deren Prüfungen sich die Schulen freiwillig unterwerfen können. In einer solchen Lösung hätten der Staat bzw. dessen Vertreter per Definition keine Rolle.

    Was übrigens den aufkommenden Bildungsmarkt im England des 19ten Jahrhunderts angeht, so kenne ich die Berichte jener Behörden, welche die Bildung wie in anderen europäischen Staaten gerne verstaatlicht hätten, wie der Schools Inquiry Commission oder die Newcastle Commission. Für unabhängig halte ich diese nicht.

  8. Boche sagt am 02. 03. 2009 um 14:07 Uhr:

    Ich muss sagen: jpj’s Argumentation klingt ziemlich überzeugend.

  9. Rayson sagt am 02. 03. 2009 um 21:37 Uhr:

    Ich muss sagen: jpj’s Argumentation klingt ziemlich überzeugend.

    Finde ich auch.

    Hinzufügen möchte ich, dass ein Land wie Dänemark z.B. ganz ohne Schulpflicht auskommt… Und schlechter als wir haben die bei PISA auch nicht abgeschnitten.

    Im Grunde können wir uns staatliche Schulen gar nicht mehr leisten. Und den Kündigungsschutz bei privaten auch nicht. Ich fände es unerträglich, wenn weiterhin miese Lehrer auf unsere Kinder losgelassen werden, nur weil es rechtlich (Staat) bzw. faktisch (Private) unmöglich ist, diese wegen mangelnder Eignung zu entlassen. Ich weiß von meiner Liebsten, dass Schulleitungen ganz genau wissen, wer die Schule voran bringt und wer Bremsklotz ist. Aber sie müssen sogar mit Komplettverweigerern leben. Notfalls lassen die sich krank schreiben, und der Rest darf Vertretungsstunden schieben.

  10. Markus sagt am 03. 03. 2009 um 00:48 Uhr:

    Wie steht es eigentlich um die Lerninhalte für die Kids in staatlichen und privaten Schulen? Bisher wurde hier ja nur über organisatorische Fragen debattiert; man könnte vielleicht auch sagen: um den “heißen Brei” herumgeredet. JU-Mißfelder könnte ein Zögling einer privatisierten Schule sein.

  11. Rayson sagt am 03. 03. 2009 um 00:53 Uhr:

    Welch schreckliches, mechanistisches Menschenbild hinter solchen Bemerkungen doch steckt…

  12. Boche sagt am 03. 03. 2009 um 09:19 Uhr:

    Natürlich können Eltern nicht entscheiden, was eine gute Schule ausmacht und was eine schlechte ist.
    Natürlich könnte der Virus des Neoliberalismus auf Kinder überspringen, wenn interessierte Menschen versuchen, eine Schule selbst auf die Beine zu stellen.

    Manchmal ist es doch erstaunlich, wieviel Borniertheit und Arroganz in manchen Ansichten steckt.

  13. Markus sagt am 04. 03. 2009 um 00:41 Uhr:

    @ Rayson

    Finde ich auch, daß der “Typus Mißfelder” schrecklich ist.

    @ Boche

    Bestimmt nichts dagegen, daß und wenn engagierte Bürger und besorgte Eltern selber etwas auf die Beine stellen wollen. Aber der selbsternannte Lehrkörper sollten sich dabei nur nicht überheben und vielleicht auch mal auf die möglichen Gefahren und Risiken aufmerksam gemacht werden, die damit einhergehen:

    Wer kann sich eine (von der Wirtschaft gesponsorte) Privatschule finanziell leisten?

    Wer ist für die Lehr- und Lerninhalte verantwortlich?

    Wo bleibt die Unabhängigkeit der Lehrkräfte? Was wird aus möglicher Kritik an den Machern der Privatschule? Über den Staat kann ja jeder nach Belieben herziehen, ohne Sanktionen befürchten zu müssen.

    Warum sollen sich Eltern überhaupt der Belastung einer Schulgründung aussetzen? Haben Millionärseltern denn nicht Besseres zu tun? “Normale” Eltern müssen sich ihr täglich Brot noch selbst verdienen.

    Wie wäre es eigentlich damit, die öffentlichen Schulen personell und materiell wieder angemessen auszustatten?

  14. Rayson sagt am 04. 03. 2009 um 00:48 Uhr:

    @Markus

    Ich wundere mich immer, wie bewusst beschränkt doch die Sicht auf die Welt bei auf den ersten Blick intelligenten Menschen sein kann. Meine bisherige Erklärung läuft auf die Selbstaufgabe im Dienste einer Ideologie hinaus, schließlich hat es ja auch genug Intellektuelle gegeben, die Stalin für einen Super-Typ hielten. Aber ganz ehrlich: Stört es dich gar nicht, wenn du dir Denkverbote erteilen musst?

    Wie wäre es eigentlich damit, die öffentlichen Schulen personell und materiell wieder angemessen auszustatten?

    Personell wird schwierig. Die Mischung aus Realitätsferne und Sicherheit des Beamtenlebens zieht genau die falschen Leute an.

  15. stefanolix sagt am 04. 03. 2009 um 07:32 Uhr:

    Markus, ich weiß nicht, wie lange Du Dich schon mit dem Thema beschäftigst. Aber es eignet sich definitiv nicht für die Art von Diskussion, die Du uns hier nahebringen möchtest. Bitte informiere Dich darüber, was ein freier Träger ist und bitte informiere Dich über die Aufgaben der Träger und Lehrkörper. In Deiner Vorstellung über Schulen in freier Trägerschaft ist ungefähr alles an Unklarheiten enthalten, was mir in den letzten 15 Jahren begegnet ist.

    Zu den anderen Punkten (Prüfungspflicht, Standards, Schulpflicht) kann ich mich erst später äußern, ich bin wieder mal voll im neoliberalen Stress;-)

  16. jpj sagt am 04. 03. 2009 um 13:07 Uhr:

    “Ein steuerfinanziertes Zwangsschulsystem ist das vollkommene Modell eines totalitären Staates.” (Isabel Paterson)

    Hallo Markus, Sie schrieben:

    Wer kann sich eine (von der Wirtschaft gesponsorte) Privatschule finanziell leisten?

    Privatschulen staffeln ihre Gebühren bereits heute nach dem Einkommen der Eltern.

    Wer ist für die Lehr- und Lerninhalte verantwortlich?

    Wie immer, wenn Konsumenten unterschiedliche Leistungen nachfragen und Anbieter diese ungehindert bereitstellen dürfen, werden sich letztere nach den Bedürfnissen ersterer richten:

    - Ich erwarte Schulen für Katholische Familien, in denen neben Lesen, Schreiben, Rechnen auch Religion gelehrt wird.

    - Ich erwarte Schulen für Liberale Eltern, in denen neben Lesen, Schreiben, Rechnen keine Religion, kein Sozialismus, aber dafür freiheitliche Philosophie gelehrt wird.

    - Entsprechendes erwarte ich für die Nachfrage handwerklich interessierter Eltern, oder freikirchlicher, oder akademischer usw.

    - Und für Eltern, die dem alten System nachtrauern wird es jeden Unterricht geben, den der Träger für richtig hält, weil diese Eltern natürlich per Schulvertrag jegliche Möglichkeit auf Einfluss aufgeben. Dafür wären solche Schulen finanziell am besten ausgestattet, da die Eltern — gemäß dem alten System — für den Rest ihres Lebens Schulgeld zahlen; ein Schulgeld dessen Höhe natürlich der Träger einseitig festlegen würde.

    Wo bleibt die Unabhängigkeit der Lehrkräfte?

    Lehrkräfte sind immer abhängig. Sie sind abhängig von jenen, die über ihre Gehälter und ihre Karrieren bestimmen und ihre Lehrmethoden und -Inhalte vorgeben. Heute sind sie von Bildungsbürokraten abhängig, die sich erfolgreich dem Einfluss der Eltern entziehen. Wie bei jedem Dienstleister möchte ich natürlich auch bei Lehrkräften mein Recht ausüben können, diese bei schlechter Leistung zu sanktionieren und sie so von mir und den übrigen Eltern abhängig machen.

    Was wird aus möglicher Kritik an den Machern der Privatschule? Über den Staat kann ja jeder nach Belieben herziehen, ohne Sanktionen befürchten zu müssen.

    Kritik an Privatschulen äußern Kunden in einer Weise, die deren “Machern” die größten Schmerzen bereitet: indem sie ihr Geld woanders hin tragen. Kritik am Staat kann jeder nach Belieben äußern, weil diese Kritik für dessen “Macher” folgenlos bleibt. Versuchen Sie aber als Eltern, diesen Leuten Ihre Kinder zu entziehen: Das lassen sie sich nicht gefallen. Sie werden Ihnen Ihre Kinder nehmen, wenn nötig mit Gewalt.

    Warum sollen sich Eltern überhaupt der Belastung einer Schulgründung aussetzen? Haben Millionärseltern denn nicht Besseres zu tun?

    Es gibt bereits Privatschulen. Die mussten die Eltern auch nicht erst selber gründen. Es stimmt, dass dies jene Familien finanziell stark belastet — aber nur, weil sie gleichzeitig die von ihnen nicht genutzten Staatsschulen ein Leben lang mit bezahlen müssen. Und es gibt in anderen Ländern große Erfolge selber in Heimunterricht die Kinder bildenden Familien.

    “Normale” Eltern müssen sich ihr täglich Brot noch selbst verdienen.

    Ich zähle mich nicht zu irgendwelchen “Millionärseltern”. Es ist wahr, dass die immer höheren Steuern, Zwangs-Gebühren und Zwangsabgaben des Staates — mit denen er u.a. seine versagenden Schulen finanziert — mir neben meinem Broterwerb immer weniger Zeit lassen. Umso wichtiger wäre es mir, meinen Kindern auf den Weg zu einer bessere Zukunft zu helfen. Solch ein Weg machte einen großen Bogen um Staatsschulen. Statt mein übrig gelassenes Geld zwangsweise in diese stecken zu müssen, möchte ich mein Recht ausüben dürfen, es für Schulen meiner Wahl auszugeben.

    Wie wäre es eigentlich damit, die öffentlichen Schulen personell und materiell wieder angemessen auszustatten?

    Diese Möglichkeit haben Sie, Markus, doch jetzt schon. Überantworten sie zusammen mit anderen die wie Sie denken freiwillig einer Schule ihrer Wahl einen noch größeren Teil Ihres Einkommens. Vergessen Sie dabei nicht, darauf zu verzichten, Dauer und Höhe ihrer Zahlungen an irgendwelche Leistungen der Schule zu binden. Schauen Sie zu, wie dadurch alles besser wird.

    Verstehen Sie mich nicht falsch: Sie sollen natürlich das Recht haben, sich mit gleichgesinnten zusammenzuschließen und Ihre Kinder einem Schulträger zu überantworten, der ihnen keinen Einfluss auf Lehrinhalte und -Methoden einräumen; ja Sie sollen sogar das Recht haben, per Vertrag auf ihr Recht auf Abkehr von diesem Träger zu verzichten; und sie haben natürlich das Recht, sich für den Rest ihres Lebens zur Zahlung des Schulgelds zu verpflichten; ein Schulgeld dessen Höhe natürlich der Träger einseitig festlegen würde.

    Ich glaube zwar nicht, Sie täten sich und Ihren Kindern damit einen Gefallen; aber ich werde nie versuchen, ihnen meine Vorstellungen aufzwingen zu lassen, oder gar ihnen Ihre Kinder zu nehmen – schon gar nicht mit Gewalt.

    Wenn Sie nur eine Frage beantworten, Markus, dann bitte ich um Antwort auf diese: Warum wollen Sie uns Anderen nicht das gleiche Recht gönnen, über die Bildung und Erziehung unserer Kinder selber zu entscheiden?

  17. Markus sagt am 05. 03. 2009 um 01:07 Uhr:

    @ Rayson

    Was nun die Frage aufwirft, wer in deiner Sicht weniger realitätsfern wäre, um die lehramtliche “Indoktrination” der nachfolgenden Generation zu leisten?

    @ stefanolix

    Schulen in freier Trägerschaft mögen ja manchmal schön und gut sein. Aber deshalb muß man die staatlichen Schulen nicht generell zum Bashing freigeben. Innovative “Bildungsnischen” repräsentieren nicht das Gesamtbild und sind vielleicht auch deshalb nur erfolgreich, weil sie “Rosinen picken” können.

    @ jpj

    “Warum wollen Sie uns Anderen nicht das gleiche Recht gönnen, über die Bildung und Erziehung unserer Kinder selber zu entscheiden?” – Warum solle man die Schüler auch nur mit Darwin “quälen”, wenn “uns” der Kreationismus besser gefällt?

    Das eigentliche Hauptproblem scheint mir bei Ihnen ein tiefes Mißtrauen gegenüber “dem Staat” zu sein. Diesen braucht man zwar wirklich nicht zu lieben, aber man sollte sich auch nicht in sektiererisch anmutende Enklaven verirren. Denn damit wäre niemanden gedient, weder den Kindern und Jugendlichen noch dem Gemeinwesen insgesamt, in dem sich auch die nach je eigentümlichen elterlichen Vorstellungen erzogenen und gebildeten Kinder irgendwann zurechtfinden müssen.

  18. stefanolix sagt am 05. 03. 2009 um 06:31 Uhr:

    @Markus: Schulen in freier Trägerschaft (und auch Privatschulen) haben grundsätzlich einen festen Platz im Schulsystem. Sie erhalten prinzipiell fast die gleichen Grundzuweisungen wie staatliche Schulen und die Eltern oder Träger müssen dazu noch einen gewissen Eigenanteil tragen. Wenn das aber so ist, kann einem Befürworter freier Schulen kein »Bashing« unterstellt werden.

    Kinder sind keine Rosinen und Eltern sind keine Rosinen. Kann es sein, dass Du mal ein klein wenig »Bashing« versuchen wolltest? Wieso haben solche Eltern »eigentümliche« Vorstellungen?

    Natürlich finden sich in einem Trägerverein oder im Umfeld eines Trägers interessierte und engagierte Eltern zusammen. Längst nicht immer sind das aber »reiche« oder »besserverdienende« Eltern, denen Du nach linker Parteidoktrin misstrauen musst;-)

    Nicht alle Schulen in freier Trägerschaft sind innovativ. Aber allen ist gemeinsam, dass sie ein Profil haben. Staatliche Schulen stehen im Wettbewerb mit freien Trägern und einige davon geben sich nun auch klare Profile. Die sind damit erfolgreich und haben mehr Anmeldungen als Plätze. Mein jüngerer Sohn geht z.B. in eine der staatlichen Schulen mit sehr gutem Profil und sehr hohem Niveau.

    Zu Deiner Frage an Rayson: Die Lehrer einer Schule in freier Trägerschaft sind möglicherweise auch höher motiviert?

  19. Culatello sagt am 05. 03. 2009 um 16:40 Uhr:

    @stefanolix
    Zitat: “Schulen in freier Trägerschaft (und auch Privatschulen) haben grundsätzlich einen festen Platz im Schulsystem. Sie erhalten prinzipiell fast die gleichen Grundzuweisungen wie staatliche Schulen und die Eltern oder Träger müssen dazu noch einen gewissen Eigenanteil tragen. Wenn das aber so ist, kann einem Befürworter freier Schulen kein »Bashing« unterstellt werden.

    Das sind IMHO aber _nicht_ die Art von Schulen, die boche, Rayson, jpj aber auch Markus gemeint haben. Die Schulen in freier Trägerschaft werden zu einem sehr hohen Prozentsatz durch Steuergelder finanziert, der Eigenanteil der Eltern ist demgegenüber fast lächerlich gering.
    Ich habe es so aufgefasst, dass boche, Rayson und jpj _keinerlei_ Steuerfinanzierung für das Schulsystem wünschen und Markus genau dieses kritisierte.

  20. Culatello sagt am 05. 03. 2009 um 16:49 Uhr:

    Dazu fällt mir noch ein: (bei Abschaffung des staatlichen Schulsystems) Was wäre mit Problemschülern? Und damit meine ich keineswegs nur die Schulschläger sondern auch körperbehinderte, blinde, geistig behinderte und sonstige gehandicapte Kinder.
    Die reinen Privatschulen müssen geldlich effektiv arbeiten, da wären solche Kinder nur Ballast.
    Also keine Bildung mehr für Minderheiten?

  21. jpj sagt am 05. 03. 2009 um 17:33 Uhr:

    Der Zweck der Zwangserziehung ist, die einfachen Leute ihres gesunden Menschenverstandes zu berauben.” (Gilbert K. Chesterton)

    Hallo Markus, Sie schrieben:

    (M)an (muss) die staatlichen Schulen nicht generell zum Bashing freigeben.

    Nein, muß man nicht. Man muss den Zwang aufheben, diese zu finanzieren egal ob man seine Kinder dorthin schickt oder nicht. Wenn diese wie jeder Anbieter um die Eltern konkurrieren müßten: denken Sie, es gäbe bessere oder schlechtere Bücher? Mehr oder weniger individuelle Betreuung? Mehr oder weniger Disziplinierung von Störenfrieden?

    Innovative “Bildungsnischen” repräsentieren nicht das Gesamtbild und sind vielleicht auch deshalb nur erfolgreich, weil sie “Rosinen picken” können.

    Privatschulen “picken” sich nicht die “Rosinen”, d.h. gute Schüler bzw. engagierte Eltern. Die “Rosinen” “picken” die Privatschulen. Privatschulen repräsentieren natürlich nicht das “Gesamtbild”. Die Vormachtstellung der Staatsschulen sind schließlich der Zweck, den ihre Zwangssubventionierung verfolgt. Was die Vielfalt der Privatschulen repräsentiert ist die Vielfältigkeit des Willens der Eltern. Doch wenige Menschen können es sich leisten, für die Bildung ihrer Kinder zweimal zu zahlen: Einmal durch unfreiwillige Steuern, und außerdem durch freiwillige Gebühren.

    Ich schrieb:

    Warum wollen Sie uns Anderen nicht das gleiche Recht gönnen, über die Bildung und Erziehung unserer Kinder selber zu entscheiden?

    Sie antworteten:

    Warum solle man die Schüler auch nur mit Darwin “quälen”, wenn “uns” der Kreationismus besser gefällt?

    Sie weichen der Frage nach der ethischen Rechtfertigung staatlicher Zwangsbeschulung mit einer polemischen Gegenfrage aus. Alle Eltern, die dem Staatsmonopol zu entrinnen versuchen kippen Sie in einen Eimer. Ihre Antwort hätte genauso gut lauten können, Sie gönnten den Eltern ihr Recht nicht, weil die Kinder dann den Eltern ähnlicher würden als den Bürokraten.

    Das eigentliche Hauptproblem scheint mir bei Ihnen ein tiefes Misstrauen gegenüber “dem Staat” zu sein. Diesen braucht man zwar wirklich nicht zu lieben, aber man sollte sich auch nicht in sektiererisch anmutende Enklaven verirren.

    Sogar die politische Klasse selbst schickt, wo sie es sich leisten kann, ihre Kinder auf Privatschulen — ohne freilich dem ungewaschenen Volk diese Entscheidung zu erleichtern, z.B. indem sie uns vom Zwang befreit diese auch ohne Inanspruchnahme zu bezahlen.

    Was Ihnen “sektiererisch” anmutet ist der Pluralismus der entsteht, wenn jeder nach seiner eigenen Façon selig zu werden versucht. Darin “verirrt” sich keiner, sondern es ist die natürliche Folge von Freiheit: wir setzen uns Ziele, machen Pläne und verfolgen diese — statt uns blind der Leitung der Politik anzuvertrauen.

    Denn damit wäre niemanden gedient, weder den Kindern und Jugendlichen noch dem Gemeinwesen insgesamt, in dem sich auch die nach je eigentümlichen elterlichen Vorstellungen erzogenen und gebildeten Kinder irgendwann zurechtfinden müssen.

    Da Sie meinen, Ihren Kindern wäre nicht damit gedient, wenn diese nach Ihren Vorstellungen erzogen und gebildet würden: Was hindert Sie daran, sich wie bislang mit Gleichgesinnten zusammenzutun und sich selber zu entmündigen? Was hält Sie zurück, Ihre Kinder einem Schulträger zu überantworten, der Ihnen keinen Einfluss auf Lehrinhalte und -Methoden einräumt? Wer stellt sich Ihnen in den Weg, per Vertrag auf ihr Recht auf Abkehr von diesem Träger zu verzichten und für den Rest ihres Lebens zur Zahlung des Schulgelds zu verpflichten; ein Schulgeld dessen Höhe natürlich der Träger einseitig festlegen würde?

    Ich halte das zwar für einen wenig versprechenden Weg, einen erfolgreichen und Kostengerechten Dienst für Sie selber und Ihre Kinder zu sichern. Aber ich verlange gar nicht dass Sie meine Ansicht teilen. Ich verlange nur, dass Sie unsere natürlichen Rechte respektieren; auch jenes recht, über die Bildung und Erziehung unserer Kinder selber zu entscheiden; so wie Sie erwarten, dass man Ihre natürlichen Rechte respektiert. Das erwarten Sie doch, oder?

    Sie scheinen nicht zu verstehen, wie wichtig Eltern die Zukunft Ihrer Kinder ist. Wenn man nicht sorgfältig auswählt, die Schule beobachtet und gegebenenfalls eingreift verpasst man für immer die Chance, seine Kinder das Beste werden zu lassen, was sie werden können. Man hat nur eine Gelegenheit, es richtig zu machen. Sie scheinen nicht zu verstehen was es bedeutet, Eltern diese Gelegenheit zu rauben.

  22. jpj sagt am 05. 03. 2009 um 17:43 Uhr:

    Hallo Culatello, Sie fragten:

    (Bei Abschaffung des staatlichen Schulsystems) Was wäre mit Problemschülern? Und damit meine ich keineswegs nur die Schulschläger sondern auch körperbehinderte, blinde, geistig behinderte und sonstige gehandicapte Kinder. Die reinen Privatschulen müssen geldlich effektiv arbeiten, da wären solche Kinder nur Ballast.

    Solche Privatschulen gibt es bereits, beispielsweise hier. Andere Schulen privater Träger integrieren Behinderte in den Unterricht mit gesunden Kindern und sind damit auch bei den Eltern der gesunden Kinder erfolgreich. Allen ist gemeinsam, dass sie sich neben freiwilliger Gebühren teilweise durch freiwillige Spenden finanzieren.

    Eltern behinderter Kinder sind oft besonders kritisch gegenüber Staatsschulen. Der Respekt des Elternwillens in der Bildung und Erziehung behinderter Kinder ist ein Argument gegen Staatsschulen und für Privatschulen.

  23. Culatello sagt am 05. 03. 2009 um 20:09 Uhr:

    Hallo jpj,
    darf ich Sie fragen, ob Sie jemals eine Privatschule (mit)initiiert haben ?
    Ich habe es nicht getan, wohl aber war ich Gründungsmitglied eines privat initiierten Kindergartens. Daher weiss ich auch, dass so eine Initiative mit bis zu 90 % Steuergeldern finanziert wird. Also nicht gerade das, was sich Rayson oder Boche so wünschen.
    Dann kam das “Praktische”.
    Viele Elternpaare meinten natürlich sich als Arbeitgeber aufspielen zu müssen, mit unterschiedlichen -ja, geradezu gegensätzlichen- Erwartungshaltungen.
    Leidtragende waren dann die angestellten Erzieherinnen, die -wie auch immer sie agierten- es niemals _allen_ Recht machen konnten.
    Mein Gott, es ist mir heute noch peinlich, wie menschenverachtend in der “Hauptversammlung” mit diesen durchaus qualifizierten Angestellten umgegangen wurde.
    Ich weiss nicht, was hier jemanden veranlasst zu glauben, dass “Eltern” so eine schwierige und komplexe Sache wie das Schulsystem wuppen können – das ist schlicht und einfach Selbstüberschätzung oder Blauäugigkeit.

  24. Boche sagt am 05. 03. 2009 um 22:16 Uhr:

    @Culatello

    Interessanterweise bin ich auch Gründungsmitglied eines privat organisierten Kindergartens.
    Die Plätze werden zwar von der Gemeinde bezuschusst. Wodurch die Eltern nicht mehr bezahlen müssen als bei kommunalen Kindergärten. Aber wo kommen deine 90% her?

    Und ganz abgesehen davon: Deine Erfahrung mit menschenverachtendem Umgang mit Erziehern habe ich nicht gemacht. Es kommt sicher darauf an, wie man das anstellt. Wenn man von vornherein ein klares Konzept hat und das mit Überzeugung vertritt, dann sollte so etwas eigentlich nicht passieren können.

  25. Rayson sagt am 06. 03. 2009 um 00:25 Uhr:

    @Culatello

    Ich komme aus dem Staunen nicht mehr raus. Da nennt man die wichtigsten Kritikpunkte bzw. Verbesserungswünsche, die einem zu den heutigen staatlichen Schulen einfallen, und dann kommt jemand wie du da her und nennt ein Kriterium als das angeblich aus meiner Sicht zentrale, zu dem ich mich überhaupt nicht geäußert hatte.

    Mein Vorschlag: Wenn du meine Meinung zu einem Thema wissen möchtest, zu dem ich überhaupt nichts gesagt habe, ist der sinnvollste Weg, mich zu fragen, statt sich meine Aussagen dazu auszudenken. Wir sind hier kein Biergarten, wo man den Gegenstand seiner Kritik selbst mitbringen kann…

    Meine Antwort in diesem Fall wäre übrigens gewesen: Über eine Änderung der Finanzierung können wir reden, wenn die anderen Dinge (mehr Autonomie der einzelnen Schule, mehr Wahlfreiheit, mehr Wettbewerb durch Schulgutscheine) verwirklicht worden sind. Man muss das Pferd nicht von hinten aufzäumen.

  26. David sagt am 06. 03. 2009 um 05:01 Uhr:

    Sie weichen der Frage nach der ethischen Rechtfertigung staatlicher Zwangsbeschulung mit einer polemischen Gegenfrage aus.

    Vielleicht war das gar keine Polemik, vielleicht ist es das ja vielmehr tatsächlich: Das staatliche Schulsystem ist nötig, um den Kindern der verschwindend kleinen Minderheit der Kreationisten ordentlich Evolutionstheorie beizubringen, ohne die sie im Kampf um’s Überleben ja niemals bestehen könnten.

    Was hindert Sie daran, sich wie bislang mit Gleichgesinnten zusammenzutun und sich selber zu entmündigen?

    Wofür denn das, bitte? Markus ist doch sehr weise und damit durchaus geeignet, in vorbildlicher Weise Einfluß auf die Erziehung seines eventuellen Nachwuchses zu nehmen. Es geht doch wohl eher um die fünfeinhalb Kreationisten; aber deren Herzen hat der Herr verstockt, die würden sich niemals selbst entmüdigen.

    Echt, jpj! Da mußt Du schon früher aufstehen, wenn Du schlauer sein willst als der Markus.

  27. Culatello sagt am 06. 03. 2009 um 08:36 Uhr:

    @ Rayson
    Zitat: “…und dann kommt jemand wie du da her und nennt ein Kriterium als das angeblich aus meiner Sicht zentrale, zu dem ich mich überhaupt nicht geäußert hatte.”

    Dein Satz “Im Grunde können wir uns staatliche Schulen gar nicht mehr leisten.” bewog mich zu der Annahme, Du seiest gegen steuerfinanzierte Schulen. Ich konnte natürlich nicht ahnen, dass Du immer schreibst, was Du NICHT meinst.

  28. Culatello sagt am 06. 03. 2009 um 09:04 Uhr:

    @ Boche
    Zitat: “Die Plätze werden zwar von der Gemeinde bezuschusst. Wodurch die Eltern nicht mehr bezahlen müssen als bei kommunalen Kindergärten. Aber wo kommen deine 90% her?”

    Es war in unserem Fall so. Voraussetzung war allerdings die Organisationsform als gemeinnütziger Trägerverein.
    Die Höhe richtete sich auch nach der Dringlichkeit, also dem erhöhtem Platzbedarf in bestimmten Stadtteilen sowie nach den zur Verfügung stehenden Haushaltsmitteln.
    Privat gewerbliche Organisationsformen werden in geringerem Maß gefördert, dementsprechend müssen die Elternbeiträge höher ausfallen.

  29. Rayson sagt am 06. 03. 2009 um 09:41 Uhr:

    @Culatello

    Und wo steht da was von der Art der Finanzierung?

    In deinem Denken haben sich anscheinend Bereitstellung und Finanzierung untrennbar miteinander verbunden. Den Fehler machen zwar viele, weil sie sich nur Objektfinanzierung vorstellen können, aber dabei ist die Subjektfinanzierung in den meisten Fällen die sinnvollere Alternative, weil sie Wettbewerb der Anbieter zulässt.

    Spätestens mit dem Stichwort “Schulgutschein” hätte das eigentlich klar sein müssen…

    Aber vielleicht lag es auch am Begriff “sich etwas leisten können”, der meist völlig unnötig gedanklich nur mit Budgetrestriktionen verbunden wird. Obwohl sich dieser Sozialstaat vor allem mangelnde Bildung nicht leisten kann.

    Wie auch immer: Man sieht, dass Fragen in der Regel sinnvoller ist als mutmaßen, was der andere meint.

  30. stefanolix sagt am 06. 03. 2009 um 11:12 Uhr:

    Die Angaben zur staatlichen Förderung von Kindergartenplätzen stimmen auch aus meiner Sicht. Der Staat fördert freie Träger und kommunale Träger in etwa gleich. Aber der Elternbeitrag wird natürlich gesondert festgelegt. Der Elternbeitrag ist hier für städtische und freie Einrichtungen gleich. Aber er ist natürlich anders als in Hamburg, Leipzig oder München.

    Für Kindergartenkinder gibt es im Prinzip zumindest in der Großstadt eine gewisse Wahlfreiheit (Tagesmutter, Kommunaler Kindergarten, Freier Träger, Kirchlicher Träger). Einzig die Eltern, die ihre Kinder in einen ganz privat betriebenen Kindergarten schicken, bekommen möglicherweise keinen Zuschuss (dazu müsste ich heute abend eine Fachfrau fragen). »Im Prinzip« deshalb, weil es z.B. in Dresden viel zu wenig Plätze gibt und weil sich die Eltern theoretisch schon anmelden müssten, wenn sie ein Kind »planen«.

    Kleine freie Trägervereine werden oft durch wenige Personen dominiert und die geschilderten Vorfälle ereignen sich in Ausnahmefällen wirklich (ich habe das teilweise erlebt und teilweise aus Fachkreisen gehört). Unser älteres Kind sollte eigentlich in eine Schule in freier Trägerschaft gehen. Aber dort verlief das Jahr vor seinem geplanten Schulstart so chaotisch, dass wir ihn dann doch in eine kommunale Schule geschickt haben. Später wurde die Schule dann doch noch erfolgreich und ist heute etabliert.

  31. jpj sagt am 06. 03. 2009 um 12:28 Uhr:

    Wir haben es hier mit dem ältesten Fehler der Politik zu tun: der Glaube, dass weil alle etwas wollen, der Staat es bereitstellen müsse. Wenn dieser Fehler sich ausbreitet, ist das Ergebnis der totale Staat. (…) Dieser Fehler (…) wird natürlich nicht allgemein angewandt. (…) Bei den Fragen der Lebensmittel- und Wohnraumversorgung hat der Staat die massenhafte Versorgung versucht, mit deutlich katastrophalen Ergebnissen. (…) Bevor wir also sagen, etwas sei eine abwegige Vorstellung, erinnern wir uns, dass fast alles was im privaten Sektor getan wird abwegig klingt. Was, wenn ich forderte, Öl müsste vom Boden des Meeres gefördert werden, umgewandelt und in Benzin raffiniert, und dann jedem Bürger verfügbar gemacht werden, und zwar nahe nahe seiner Wohnung, auf Nachfrage und zum Preis abgefüllten Wassers?” (Llewllyn H. Rockwell)

    Hallo Culatello, Sie schrieben:

    Darf ich Sie fragen, ob Sie jemals eine Privatschule (mit)initiiert haben?

    Genausowenig wie ich selber die Musikschule initiieren würde, auf die ich meine Kinder schickte, würde ich meinen, eine allgemein bildende Schule selber gründen zu müssen. Ich glaube ja auch nicht, mein Korn selber anbauen und mein Brot alleine daraus backen zu müssen, nur weil unsere Lebensmittelversorgung nicht verstaatlicht ist.

    ich (war) Gründungsmitglied eines privat initiierten Kindergartens. Daher weiss ich auch, dass so eine Initiative mit bis zu 90 % Steuergeldern finanziert wird. Also nicht gerade das, was sich Rayson oder Boche so wünschen. (…) Viele Elternpaare meinten natürlich sich als Arbeitgeber aufspielen zu müssen, mit unterschiedlichen -ja, geradezu gegensätzlichen- Erwartungshaltungen. Leidtragende waren dann die angestellten Erzieherinnen, die -wie auch immer sie agierten- es niemals _allen_ Recht machen konnten.

    In einem freien Bildungssystem hat auch der Dienstleister das Recht, “Nein” zu sagen. Die Erzieherinnen hatten in ihrem Fall immer das Recht, zu kündigen und sich z.B. in einem städtischen Kindergarten zu bewerben. Dass sie das nicht taten zeigt, dass sie trotz allem die Staatsbetriebe geringer schätzten. Warum haben übrigens Sie selber eigentlich nicht Ihre Kinder ab- und auf einem anderen, z.B. städtischen Kindergarten angemeldet?

    Ich weiss nicht, was hier jemanden veranlasst zu glauben, dass “Eltern” so eine schwierige und komplexe Sache wie das Schulsystem wuppen können – das ist schlicht und einfach Selbstüberschätzung oder Blauäugigkeit.

    Wer hier äußert die Meinung, Eltern müssten eine allgemein bildende Schule selber betreiben, geschweige denn selber leiten, wenn Sie dem staatliche Zwangs”angebot” endlich entkämen? Das ist mir bei heutigen deutschen Privatschulen ebenso unbekannt wie bei ausländischen.

    Organisationen, die gewaltsam ihr Monopol durchsetzen haben keine Möglichkeit, aus den Sanktionen unzufriedener Leistungsnehmer zu lernen. Jenen, die von solchen Monopolen leben ist bewusst, dass ihren genötigten Leistungsnehmern durch freie Anbieter größere Auswahl, bessere Betreuung und transparente Preise angeboten würden, die zudem den Kosten der Bereitstellung zustrebten. Der gewaltsame durchgesetzte Zugriff der Bildungsbürokraten und -Politiker besteht nicht um der Eltern und Kinder willen, sondern um der Bildungsbürokraten und -Politiker willen.

    Auch durch die erwähnten Bildungsgutscheine, die von Bildungsbürokraten und -Politikern nach deren Willkür aber auf unsere Kosten verteilt würden, würde nichts wirklich besser werden. Wollen wir wirklich Bildungsanbieter in der gleichen Qualität haben wie die z.B. Rentenversicherung, Stadtbetriebe, AOKen oder Landesbanken?

    Kein Wirtschaftszweig, den die Politik berührt, kann dessen Korruption widerstehen. Jene Wirtschaftszweige werden sich der Politik beugen und nicht den Leistungsnehmern, wird seine Innovationskraft verlieren, Mittel vergeuden, ein Kartell zu werden versuchen, Subventionen anstreben, Tribute zahlen — und dabei verfallen. Ihr Versagen wird nur als angebliches “Marktversagen” unsere Freiheiten diskreditieren und weiteren staatlichen Eingriffen die Ausrede liefern.

    Eltern können die Durchführung der Bildung ihrer Kinder delegieren. Sie können nicht ihre Verantwortung delegieren. Das bedeutet die Pflicht, zu prüfen und auszuwählen. Dieser Pflicht können Eltern sich nicht entledigen, indem sie sich dem Diktat der Bildungsbürokraten und -Politiker beugen — im Gegenteil.

    Es gibt nur einen Weg, der einzig erfolgversprechend, wirtschaftlich und ethisch zu rechtfertigen ist: Eltern und Schüler gehören aus dem Griff der Bildungsbürokraten und -Politiker befreit.

  32. Markus sagt am 08. 03. 2009 um 01:19 Uhr:

    @ jpj

    Wenn Sie mir Polemik vorhalten, so darf ich diesen Vorwurf wohl an Sie zurückgeben. Ja, in all Ihren unduldsamen Äußerungen in dieser Debatte lassen Sie es selber nicht an ständiger Polemik und suggestiven Vergröberungen mangeln. In einer von missionarischem Eifer geprägten und mit dem festgefügten Feindbild (demokratische) Politik und (“bürokratischer”) Staat versehenen Gesellschaft der anarchistischen Freiheitskämpfer dürfte aber gerade die Freiheit aller auf der Strecke bleiben.

  33. Boche sagt am 08. 03. 2009 um 22:09 Uhr:

    Das war jetzt aber jetzt aber eine enttäuschend schwache Replik, Markus. Darf man davon ausgehen, dass noch mehr kommt? Oder war das schon die geschwenkte weiße Fahne?

  34. Markus sagt am 08. 03. 2009 um 22:55 Uhr:

    Ach Boche, dich gibt es auch noch?

  35. Boche sagt am 08. 03. 2009 um 23:09 Uhr:

    Gähnend, inzwischen.
    Und das nicht nur wegen der Uhrzeit.

  36. jpj sagt am 09. 03. 2009 um 09:50 Uhr:

    Unter verstaatlichten und organisierten Menschen geschieht nichts schwerer und seltener als das Vernünftige und Natürliche.” (Hermann Hesse)

    Hallo Markus,

    Ich stellte fest, dass es das Recht der Eltern sei, über die Bildung und Erziehung ihrer Kinder selber zu entscheiden. Ich stellte fest, dass staatlicher Schulzwang Eltern dieses Recht nähme. Ich glaube Gründe vorgebracht zu haben, warum es das Vernünftige und Natürliche sei, Eltern dieses Recht nicht länger zu verweigern.

    Ich schrieb:

    Warum wollen Sie uns Anderen nicht das gleiche Recht gönnen, über die Bildung und Erziehung unserer Kinder selber zu entscheiden?

    Sie erwiderten:

    Warum solle man die Schüler auch nur mit Darwin “quälen”, wenn “uns” der Kreationismus besser gefällt?

    Ich antwortete:

    Sie weichen der Frage nach der ethischen Rechtfertigung staatlicher Zwangsbeschulung mit einer polemischen Gegenfrage aus. Alle Eltern, die dem Staatsmonopol zu entrinnen versuchen kippen Sie in einen Eimer.

    Was Sie zu folgendem veranlasste:

    Wenn Sie mir Polemik vorhalten, so darf ich diesen Vorwurf wohl an Sie zurückgeben. (…) unduldsamen Äußerungen (…) selber (…) ständiger Polemik und suggestiven Vergröberungen (…) missionarischem Eifer (…)

    Ich würde ja gerne auf Ihre Argumente eingehen, wenn Sie welche vorbrächten. Was hat Sie eigentlich so wütend gemacht?

  37. der_gute_don sagt am 09. 03. 2009 um 18:01 Uhr:

    Ich würde ja gerne auf Ihre Argumente eingehen, wenn Sie welche vorbrächten. Was hat Sie eigentlich so wütend gemacht?

    vermutlich die Ahnung, argumentativ einfach niemanden zu fassen zu kriegen.

  38. Markus sagt am 10. 03. 2009 um 11:25 Uhr:

    @ jpj

    Wie kommen Sie darauf, daß ich wütend geworden sei? Ich habe nur meine Eindrücke über die Art und Weise Ihrer Einlassungen in dieser Diskussionsrunde geäußert.

    Außerdem habe ich gegenüber Ihrer grundlegenden Staatsaversion und Ihrem libertären Freiheitsverständnis meine Bedenken angemeldet.

    Wenn die Eltern allein über die ihren Kindern zukommende Schulbildung entscheiden würden, dann bekämen wir einen Flickenteppich, der aus einer Masse an “dummen Analphabeten” und radikalen Minderheiten bestehen würde, die clever genug sind, ihre fundamentalistischen Ziele durchzusetzen. Erst kommt das ICH, dann die Sozialmoral?

    “Staatliche Zwangsmaßnahmen” der demokratischen Gesellschaft können als durchaus ethisch gerechtfertigt sein. Engagierte Eltern können und sollen sich ja in schulische Angelegenheiten einmischen, aber nicht von der Gemeinschaft absondern, in der wir alle zusammenleben (müssen).

  39. jpj sagt am 11. 03. 2009 um 13:54 Uhr:

    Die Menschheit ist der Gewinner, wenn wir einander so ertragen wie es dem anderen gut erscheint, als jeden zu zwingen zu leben, wie es dem Rest gefällt.“(John Stuart Mill)

    Hallo Markus, Sie schrieben:

    Wenn die Eltern allein über die ihren Kindern zukommende Schulbildung entscheiden würden, dann bekämen wir einen Flickenteppich …

    Na und? Gleichförmigkeit ist kein Garant für Qualität; erst recht nicht, wenn Leistung und Entlohnung der Verantwortlichen entkoppelt sind. Was Ihnen “sektiererisch” anmutet ist der Pluralismus der entsteht, wenn jeder nach seiner eigenen Façon selig zu werden versucht.

    … der aus einer Masse an “dummen Analphabeten” und radikalen Minderheiten bestehen würde, die clever genug sind, ihre fundamentalistischen Ziele durchzusetzen.

    Vor einer “Masse an dummen Analphabeten” hat uns die Verstaatlichung der Bildung nicht geschützt; auch nicht davor, dass radikale Minderheiten ihre fundamentalistischen Ziele durchsetzten — deren Mitglieder ihre Kinder, wo möglich auf Privatschulen schicken.

    Historisch war ein staatliches Schulmonopol nicht nötig, um z.B. Im Europa des 19. Jahrhunderts für ständig steigende Schülerzahlen und Alphabetisierung zu sorgen. Auch lernen etwa in der dritten Welt die Kinder nicht wegen, sondern trotz des staatlichen Schulmonopols — auf dem Bildungsschwarzmarkt. Und wo Eltern ihre Kinder schon länger in Heimunterricht selber bilden, ist das sowohl von akademischen als auch persönlichem Erfolg gekrönt. Ihre Spekulation, dass dies bei uns noch schlechter als unter dem staatlichen Monopol würde, ist eben dies: Spekulation.

    “Staatliche Zwangsmaßnahmen” der demokratischen Gesellschaft können als durchaus ethisch gerechtfertigt sein.

    Zwangsmaßnahmen egal welcher Natur sind nur dann Gerechtfertigt, um die Verletzung der Rechte Anderer zu verhindern. Der unterstellte Vorteil des Gezwungen ist nicht ausreichende Rechtfertigung.

    Engagierte Eltern können und sollen sich ja in schulische Angelegenheiten einmischen …

    Dass Eltern gezwungen werden, sich an der Schulpolitik “einzumischen” um der unsicheren Aussicht willen, Anderen ihre Vorstellungen aufzuzwingen statt sie aufgezwungen zu bekommen: Ist das Ihre Vorstellung von “Gemeinschaft”? Warum sollten sich Eltern dem überhaupt aussetzen?

    … aber nicht von der Gemeinschaft absondern, in der wir alle zusammenleben (müssen).

    Gleichförmigkeit ist nicht nur kein Garant für Qualität; sie ist auch kein Selbstzweck. Erzwungene Gleichförmigkeit um des Friedens Willen ist die Gleichförmigkeit eines Gefängnisses. Das ist dann ein sehr wackeliger Frieden. Pluralismus dagegen ist der Ausdruck von Freiheit, die wiederum Voraussetzung ist für Frieden. Meinen Sie wirklich, das Ideal einer gleichförmigen Gesellschaft rechtfertigte es, uns Anderen das Recht zu verweigern, über die Bildung und Erziehung unserer Kinder selber zu entscheiden?

  40. Markus sagt am 12. 03. 2009 um 01:01 Uhr:

    @ jpj

    Zunächst einmal sind Sie sich wohl im Klaren, daß Sie die Position einer Minderheit vertreten (auch nach liberalem Selbstverständnis). Das muß doch Gründe haben. Was meinen Sie?

    Das heutige Schulsystem in Old Germany hat unbestrittenermaßen Fehler und Schwächen. Daß verbeamtete Lehrer “dumm und faul” seien, wie Sie dies implizit unterstellen, ist eine ideologisch motivierte dreiste Beleidigung. Das Gegenteil ist richtig (wenn man von den unvermeidlichen “schwarzen Schafen” einmal absieht).

    Und von Gleichförmigkeit kann weder in der Realität noch in meinem Statement die Rede sein. Nach seiner Facon selig werden, kann man hierzulande immer noch.

    Ihre fundamentalistische Totalopposition zu Staat und Gesellschaft kann man mitnichten als bloßen Pluralismus bezeichnen, der mit einem völligen Aneinandervorbeileben nicht gleichzusetzen ist. Genau das scheinen die Vertreter der anarcho-kapitalistischen Provenienz erreichen zu wollen.

    Im übrigen ist ein Widerspruch, wenn Sie einerseits behaupten, daß Eltern durch “einmischen” in diesem System nicht viel erreichen könnten; andererseits aber für das utopische Ziel der Aufhebung der Schulpflicht ungleich mehr kämpfen müßten.

  41. jpj sagt am 12. 03. 2009 um 12:22 Uhr:

    Es ist keine Mehrheit nötig um die Oberhand zu gewinnen, sondern eine zornige, unermüdliche Minderheit, die kühn Buschfeuer in den Köpfen der Leute entfacht.” (Samuel Adams)

    Hallo Markus, Sie schrieben:

    Zunächst einmal sind Sie sich wohl im Klaren, daß Sie die Position einer Minderheit vertreten

    Nehmen wir einmal an, meine Meinung, das Recht der Eltern über die Bildung und Erziehung ihrer Kinder selber zu entscheiden stünde über dem Willen der Vertreter der “Gemeinschaft”, wäre tatsächlich eine Minderheitenmeinung. Dadurch würde sie nicht falsch.

    (auch nach liberalem Selbstverständnis)

    Welche Liberale meinen Sie? Lesen Sie Molinaris Soirées aus 1849, Bastiats Le Loi aus 1850, Spencers Social Statics von 1851 usw. usf. Alle klassischen Liberalen erkannten als liberale Alternative zur legalisierten Zwangsherrschaft der Wenigen über die Vielen nicht die Zwangsherrschaft der Vielen über die Wenigen, sondern ein Ende der Zwangsherrschaft überhaupt.

    Ich teile jedoch nicht Ihre Gewissheit, Eltern würden es mehrheitlich ablehnen, jenes Geld, das sie zeitlebens für Staatsschulen aufzubringen gezwungen werden, stattdessen für Schulen ihrer Wahl ausgeben zu dürfen — oder gar ihre Kinder per Heimunterricht selber zu bilden. Warum sonst schickt sogar die politische Klasse selbst ihre Kinder auf Privatschulen, wo sie es sich leisten kann?

    Daß verbeamtete Lehrer “dumm und faul” seien, wie Sie dies implizit unterstellen, ist eine ideologisch motivierte dreiste Beleidigung.

    Das legen Sie mir in den Mund. Ich schrieb im diesem Thread:

    Ihre Lösung, (…) bedeutet nichts anderes, als dass unsere Kinder weiter nach den Vorgaben der gescheiterten staatlichen Bildungsbürokratie erzogen werden müssen. Es sind jedoch diese Vorgaben einer unerreichbaren Bürokratie — Verbot der Sanktionierung störender Schüler, anonyme Massenschulen, wirklichkeitsferne Methoden — welche die Lehrer zermürbt.

    Im übrigen ist ein Widerspruch, wenn Sie einerseits behaupten, dass Eltern durch “einmischen” in diesem System nicht viel erreichen könnten …

    Die Einfluss von Eltern in den Bildungs-Staatsbetrieben z.B. in Rheinland-Pfalz beschränkt sich im wesentlichen auf Informations- und Anhörungs-”Rechte”. Verhindern können sie so welterschütternde Dinge wie Grundsatzpapiere für die Durchführung von Schulfahrten, der Berufsberatung usw. oder den Abschluss von Schulpartnerschaften. Meinen Sie wirklich, dies sei größer als der Einfluss, den Eltern auf die Träger von Privatschulen haben — denen Sie die Einnahmen entziehen können?

    … andererseits aber für das utopische Ziel der Aufhebung der Schulpflicht ungleich mehr kämpfen müssten.

    Das ist kein Widerspruch, Sie vergleichen Äpfel mit Bernern. Die Knochen, die der Staat den Eltern hinwirft sind kein Grund, sich damit zufrieden zu geben. Im Gegenteil; Eltern, die ihre Pflicht ernst nehmen — und das sind IMHO die meisten — werden diese “Ersatz”-Rechte als das empfinden, als das sie sind: Herablassung.

    Die Aufhebung des staatlichen Schulzwangs rückt umso näher, je mehr Eltern diese als machbar erkennen. Dem steht nur die Drohung der politischen Klasse entgegen, ihnen die Kinder zu entreißen. Doch wie groß müsste der Anteil aller Eltern sein, die sich in zivilem Ungehorsam zusammenschlossen und die Staatsschulen so lange bestreikten, bis das System in ihrem Sinne geändert würde? Die Hälfte? Ein Drittel? Ein Viertel?

    Ich fürchte, wir drehen uns im Kreis. Bevor wir meinetwegen unsere Zeit verschwenden möchte mich aus der Diskussion zurückziehen und Ihnen das letzte Wort lassen. Für den aufschlussreichen Austausch darf ich mich bedanken.

  42. stefanolix sagt am 12. 03. 2009 um 15:34 Uhr:

    Vielleicht darf ich mich als Autor noch mal kurz einschalten. Ich finde es gut, dass Positionen ausgetauscht werden. Ich halte aber beide Positionen (von Markus und jpj) im gewissen Maße für fundamentalistisch. Ich möchte das Wort »fundamentalistisch« hier nicht als abwertenden Kampfbegriff verstanden wissen.

    Ich möchte aber auf zwei wichtige Punkte hinweisen. Es steht für mich außer Frage, dass wir in Deutschland ein fachlich und didaktisch hochentwickeltes Schulsystem mit einheitlichen Prüfungen und anerkannten Abschlüssen brauchen.

    Es steht für mich auch außer Frage, dass Bildung keine Ware wie ein PC oder ein Kühlschrank sein kann. Beides kann ich austauschen. Bildung ist auch keine Leistung in der Art einer Urlaubsreise. Eine missglückte Urlaubsreise kostet mich etwas Geld und 14 Tage meines Lebens. Ein missglücktes Schuljahr ist aber für ein Kind und für die Eltern ein viel größerer Schaden.

    Deshalb kann es die grenzenlose Freiheit der Bildung nicht geben. Deshalb müssen wir das Mögliche in Richtung des Wünschenswerten erweitern, ohne aber Fundamentalpositionen zu vertreten. In unserem Bildungssystem gibt es mehr Freiheit, als man gemeinhin denkt. Sie muss nur richtig genutzt werden. Ich würde es begrüßen, wenn es viel mehr freie (gemeinnützige) Träger gäbe. Rein privatwirtschaftliche Angebote sind eine dritte Möglichkeit. Alle Absolventen aus staatlichen, freien und privaten Schulen sollten aber gemeinsam geprüft werden, denn nur so gibt es eine Erfolgskontrolle und überhaupt eine Chance auf Vergleichbarkeit.

    Hinweis: Ich habe zwei Kinder (1989 und 2001 geboren) und sehr viel Erfahrung mit unserem Bildungssystem.

  43. Markus sagt am 13. 03. 2009 um 00:58 Uhr:

    @ stefanolix

    Ein besseres Schlußwort hätte ich auch nicht finden können.

  44. der_gute_don sagt am 13. 03. 2009 um 01:08 Uhr:

    Ein besseres Schlußwort hätte ich auch nicht finden können.

    ich habe von Dir noch nie ein gutes Schlußwort gehört. Es sei dann unbeantwortete Fragen und fehlende Argumente wären ein solches.

  45. Rayson sagt am 13. 03. 2009 um 01:15 Uhr:

    @der_gute_don

    Jetzt hast du aber ein gutes Schlusswort verdorben.

  46. Markus sagt am 13. 03. 2009 um 22:55 Uhr:

    @ der gute don

    Die liberale Blogosphäre scheint bestimmte Zeitgenossen politisch aufzugeilen und aggressiv zu machen.

    Manchmal ist es übrigens wichtiger, die “richtigen” Fragen zu stellen, als “falsche” Antworten zu geben.

  47. stefanolix sagt am 13. 03. 2009 um 23:32 Uhr:

    @Markus: Stimmt. Hier kannst Du es üben;-)