2. März 2009
Tarifeinigung: Mein Kind kann wieder zur Schule gehen
Am letzten Mittwoch bekamen wir als Eltern wieder einmal die Mitteilung, dass die Grundschule am Freitag bestreikt werden würde. In gewerkschaftstypischer Weise wurde noch auf einen »Notdienst« hingewiesen, den die Lehrer immerhin gewährleisten würden. Dieser »Notdienst« heißt eigentlich »Betreuungspflicht« und ist eine Selbstverständlichkeit. Aber das wollten wir unserem Sohn nicht zumuten. Er hat den Tag dann bei seinen Großeltern verbracht.
Das »Handelsblatt« berichtet über viele Reaktionen auf die Einigung. Es fehlt eigentlich nur die alte Weisheit von Ludwig Erhard: Ein Kompromiß, das ist die Kunst, einen Kuchen so zu teilen, daß jeder meint, er habe das größte Stück bekommen. Und es fehlt die Ergänzung, dass der Kuchen nicht von denen gebacken wird, die den Kompromiß ausgehandelt haben.
Im »Handelsblatt«-Artikel wurde aber auf eine entscheidende Information verzichtet:
Ersatzlos gestrichen wurde aus dem Tarifvertrag der Länder das Reformprojekt, Angestellte des öffentlichen Dienstes verstärkt nach Leistung zu bezahlen.
Ich bin gespannt, wie die Gewerkschaften ihren größten Erfolg vermarkten werden.
Am Donnerstag brachte unser Sohn übrigens noch zwei lieblos zusammengestellte und schlecht kopierte Aufgabenblätter mit nach Hause: »Das sollen wir bis Montag lösen.« Es handelte sich nicht etwa um didaktisch durchdachte Sachaufgaben, die das Verständnis fördern und das Wissen anwendungsbereit aufbereiten. Es waren ein paar Übungen zum »mechanischen Rechnen«, die mein Sohn in kaum zehn Minuten erledigt hatte. Dann hat er sich mit seinem Knobelaufgabenbuch beschäftigt, viel gelesen und den Opa mit Fragen gelöchert. Der Opa ist ein guter Erklärer. Soviel zum Thema Leistung der Lehrer, Leistung der Kinder und Leistung der Bürger …
Es bleibt mir nur der Verweis auf ein Zitat von Johann Wolfgang von Goethe, das in regelmäßigen Abständen in unserer Seitenleiste angezeigt wird.
Ich hasse alle Pfuscherei wie die Sünde, besonders aber die Pfuscherei in Staatsangelegenheiten, woraus für Tausende und Millionen nichts als Unheil hervorgeht.
Denn viele haben sich mit dem Ergebnis »zufrieden gezeigt«. Aber in Wahrheit ist es ein kleiner Teil vom großen Pfusch.
Verfasst von stefanolix um 09:28 Uhr in der Kategorie Politik (Trackback)
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