Wann geht das Licht in Deutschland aus?

Dank dem Hause Gabriel und seinem Entwurf zum Energieeffizienzgesetz wissen wir endlich, wann in Deutschland das letzte Licht ausgemacht werden muss. Dort plant man den Energieverbrauch pro Jahr um ein Prozent zu senken und dafür die Energielieferanten verantwortlich zu machen. Ausgehend von einem Endenergieverbrauch von rund 8500 Petajoule im Jahr 2007 würde das bedeuten, dass in 369 Jahren der Endenergieverbrauch auf das Niveau des heutigen Energieverbrauchs für die Beleuchtung Deutschlands (208 PJ) zu senken wäre. Spätestens dann ist zumindest schrittweise Verdunkelung angesagt. Doch bevor wir in der Finsternis der Nacht verloren gingen, würden wir spätestens in etwa 130 Jahren anfangen zu erfrieren, weil dann das Niveau des heutigen Raumwärmeverbrauchs von 2242 Petajoule nicht mehr überschritten werden dürfte. So lange haben wir also noch Zeit die verbleibenden Reste unseres industriellen Wohlstands zu nutzen, bis dann das verbleibende Energiekontingent ausschließlich für die Aufrechterhaltung der vegetativen Körperfunktionen aufgewendet werden muss.

Schon klar, die Rechnung ist natürlich großer Pfeffer, weil wir ja heute noch so viel Energie verschwenden und angeblich mit viel geringerem Verbrauch mindestens genauso gut leben könnten. Doch hat bei Lichte gesehen jede Energieeffizienzerhöhung ihren Preis und die Energieeffizienz ihre Grenzen, den schließlich brauchen Menschen zur Aufrechterhaltung ihrer Körperfunktionen einen energetischen Grundumsatz von rund 1600 kcal, wobei es illusorisch ist die dabei entstehende Körperwärme wieder voll nutzbar zu machen. Auch gebe ich zu, dass ich Volkswirt und kein Physiker bin, man mag mir also weitere analytische Schwächen nachsehen. Doch als Illustration für diesen zwangswirtschaftlichen Nonsens, mit dem die Bundesregierung da eilfertig die Auflagen des antidemokratischen Monsters EU umsetzen möchte, sind diese Überschlagsrechnungen allemal gut.

Wirtschaftsnachrichten-Übersetzer

Nicht nur Höfe oder die Politik erfordern die Kunst der Interpretation:

Personalwechsel bei PSA Peugeot Citroen: Neuer Mann an der Spitze des zweitgrößten Autobauers wird Philippe Varin. Er tritt seinen Posten am 1. Juni an. Der Wechel an der Spitze sei notwendig, um die “außergewöhnlichen Schwierigkeiten” in der Wirtschaftskrise zu meistern, teilte der Konzern mit. Die Entscheidung sei “einstimmig” gewesen, ließ Aufsichtsratschef Thierry Peugeot mitteilen. Die Situation dränge eine Veränderung an der Konzernspitze auf.

(SPON am 29.03.09)

Der Chef des französischen Automobilkonzerns PSA Peugeot Citröen, Christian Streiff, hält eine Fusion mit dem italienischen Konkurrenten Fiat für schwierig.

(Pressemitteilung vom 19.03.09)

Braucht man eigentlich Grundrechenarten, um vorherzusagen, welche Konzerne demnächst fusionieren wollen?

Wir sind der Markt!

Eigentlich sind diese linken Worthülsen, die sich Daniel Cohn-Bendit und die Spiegel-Redaktion da zuspielen, keiner echten Aufmerksamkeit wert, da sie keinerlei Argument enthalten, an dem es sich abarbeiten ließe. Was mich allerdings immer wieder ärgert, ist die Tatsache, dass man bei so vielen Lesern mit so einer Ansammlung von substanzlosem Gedöns tatsächlich Beifall erheischen kann.

Schließlich sind solche Behauptungen wie “Der Markt kennt das Wort Zukunft nicht. Auf dem Markt müssen Sie kurzfristig denken.” nicht nur unbegründet, sondern auch eine Beleidigung für all diejenigen, die in ihren privaten Jobs tagtäglich in die eigene Zukunft und die ihrer Familie investieren. Weder Cohn-Bendit, noch diejenigen, die solche Aussagen als Wasser auf ihre Mühlen wahrnehmen, erkennen den Unterschied zwischen der behaupteten intendierten Perspektivenlosigkeit und den unvermeidbaren Fehlern, die die bewusste Suche nach Zukunft im Rahmen von Markttransaktionen immer wieder als unorganisiertes Chaos erscheinen lassen, wobei ich hier einmal abstrahieren möchte, dass die Fehler der Finanzkrise nicht allein die Fehler privatwirtschaftlicher Entscheidungsträger waren.

Was Leuten wie Cohn-Bendit als kurzfristig agierende Institution erscheint, dürfte jedoch die einzige Möglichkeit sein, mit zukünftigen Unsicherheiten angemessen zurecht zu kommen. Wer sich einmal bewusst überlegt, wie unrealistisch das sequentielle Abarbeiten eines Lebensplans im engeren Sinne ist, wenn sich die Lebensumstände immer wieder in ungeahnter Weise verändern, der sollte auch einmal darüber nachdenken, ob ein zentral verordnetes, dichtes und verbindliches Regelwerk wirklich das richtige Rezept gegen die Zufälle der Zukunft ist. Was Cohn-Bendit da verlangt, ist die Fähigkeit eines Planers aus der Vogelperspektive erdachte Antworten auf noch unbekannte Fragen geben zu können. Offenbar versperrt ein Leben zwischen dem Vakuum des infantil-revolutionären Straßenkampfes und der bürokratischen Emsigkeit des Europäischen Parlaments den Blick für die Erkenntnis, dass die Koordination komplexer Entscheidungsprozesse von Milliarden von Menschen auch die Einbeziehung der Informationen all dieser Menschen erfordert. Doch diese Informationen können sich nur in den Ergebnisses des Marktes, also im Zuge der Transaktionen zwischen den Menschen, widerspiegeln, wenn man sie gemäß ihrer individuellen Ziele und ihres Detailwissens der jeweiligen Situation handeln lässt. Gibt man ihnen dagegen Regeln vor, die nicht nur den Ablauf der Transaktionen einrahmen, sondern auch ein politisch gewünschtes Ergebnis definieren, zwingt man sie nützliche Informationen zu vernachlässigen, mutwillig ihren Handelspartnern vorzuenthalten oder gar zu manipulieren. Gleichzeitig beraubt man sie der Freiheit auf diesen Zustand angemessen reagieren zu können.

Ergänzend fügt er hinzu: “Aber die Politiker müssen langfristig denken und handeln, wenn sie die Zukunft gestalten wollen.”, wobei er nicht nur wollen mit können zu verwechseln scheint, sondern obendrein dem Homo Politicus eine idealisierte Position einräumt, die er dem ordinären Bürger als Marktakteur per se abspricht. Auch hier versucht er seine Leser für dumm zu verkaufen, fragt man sich doch, wo der Marktakteur Politiker, der im Kampf um das Überleben jeder neuen Wahl die selben Menschen bei der Stange halten muss die sonst auf realen Märkten nicht in der Lage sein sollen zukunftsfähige Entscheidungen zu treffen, das Sitzefleisch für die gemeinwohlorientierte Selbstlosigkeit hernehmen soll. Wie kann ein politisches System zukunftsfähigere Entscheidungen als Märkte ergeben, wenn deren Akteure ihre Handlungen nach dem kurzfristigen politischen Überleben richten, das sie Wählern verdanken, die persönlich für ihre Wahlentscheidung nicht annähernd den Denkzettel bekommen, den sie für wiederholtes Fehlverhalten am Markt erhalten würden? Die Auflösung dieses Paradoxons bleibt nicht nur Cohn-Bendit uns schuldig.

Solange der typische Spiegelleser zwar vollmundig “Wir sind das Volk!” brüllen möchte, aber nicht versteht, dass er sich eigentlich auch den Slogan “Wir sind der Markt!” verinnerlichen sollte, werden solche Gesinnungsinterviews im Spiegel wohl eine aufmerksame Leserschaft finden. So lange die persönliche Identifikation mit dem Markt als Raum der persönlichen Lebensgestaltung nicht existiert, sondern Märkte als abstraktes Phänomen “der da oben in den Führungsetagen” empfunden werden, ist zu erwarten, dass nur wenige begreifen, wie sehr Leute vom Schlage Cohn-Bendits nicht dem Markt, sondern der Freiheit jedes Einzelnen von uns ans Leder wollen.

Und Lauterbach ist ein intelligenter Mann

Ich bestreite nicht, dass Karl Lauterbach ein intelligenter Mensch ist. Aber im Gegensatz zu SPON reicht mir das nicht für Anbetung. Karl Lauterbach ist ein intelligenter Mensch, der sich gerne der staatlichen Zwangsinstrumente bedient, um seine eigenen Präferenzen durchzusetzen. Liberale stört sowas. Im Gegensatz zu Hofberichterstattern.

Weichenstellung

Der Beitrag, in dem Hardy Bouillon beschreibt, warum er zum Libertären geworden ist, kennzeichnet m.E. sehr instruktiv die Grenzen zum Liberalismus. Ich kann jedenfalls den Punkt identifizieren, ab dem ich eine andere Richtung einschlage. Was nicht heißt, dass dieser Punkt nicht der gründlichen Diskussion bedürfe.

Verstaatlichung

Das Wort ist ein Reizwort: “Verstaatlichung”. Je nach politischer Präferenz löst es entweder feuchte oder Alb-Träume aus.

Dabei ist der Hintergrund klar: Außer den üblichen Verdächtigen glaubt niemand, der in der aktuellen Lage für die Verstaatlichung von Banken eintritt, dass der Staat es besser machen könne als vorher der private Investor. Das anzunehmen wäre angesichts der Ruhmestaten von Landesbanken und KfW auch reichlich dreist. Aber der Staat ist der einzige, der sich für das Geldsystem hinreichend verantwortlich “fühlt”. Und das natürlich zu recht, schließlich ist Geld heutzutage sowieso ein Gut, dessen Produktion als staatliche Aufgabe angesehen wird.

Der Sündenfall ist bereits mit der ersten Staatshilfe eingetreten. Ob der Fiskus eine marode Bank, die ansonsten den Weg alles Irdischen gegangen wäre, durch Bürgschaften stützt oder ob er die bisherigen Besitzer enteignet, unterscheidet sich letztlich nur dadurch, dass im letzteren Fall derjenige, der die Musik bezahlt, sich auch das Recht ausbedingt, welche Musik gespielt wird. So ungeheuer unverständlich ist das aus meiner Sicht nicht.

Man mag mich einen prinzipienlosen Radikalen schimpfen, aber wenn der Staat sich schon verpflichtet sieht, eine konkrete Bank mit Steuergeldern zu “retten”, dann ist für mich der Schritt zur Verstaatlichung im wesentlichen nur noch ein formeller. Der zudem noch den Vorteil hätte, weitere Phasen der Unsicherheit und Intransparenz zu verkürzen. Es wird eher andersherum ein Schuh draus: Wenn das Regulierungsgerüst des Staates versagt, muss er Alleinverantwortung übernehmen.

Das dazu.

Ehrlichkeit

Manche Debatte ließe sich ehrlicher führen, wenn diejenigen, die aus der aktuellen Krise ein Versagen der Marktwirtschaft bzw. des Kapitalismus ableiten, sich dazu bekennen würden, dass sie ein Versagen individueller Freiheit meinen.

Kleine Interview-Kunde

Interviews von Politikern brauchen eigentlich einen Simultan-Übersetzer. Schauen wir uns nur mal das des Herrn Kanzlerkandidaten der SPD in der FAS an. (mehr…)

Versuche der Umdeutung

Die Gnade der späten Geburt wird irgendwann zum Retter des Sozialismus. Die ersten Symptome zeigen sich schon heute, weil die SPD der Versuchung,
die geplante Koalition mit der Linkspartei jetzt vorzubereiten, nicht mehr standhalten kann.

Da versucht erst ein SPD-Ministerpräsident, die DDR schönzureden, weil da Autobahnen Kindertagesstätten errichtet wurden und weil es auch Gesetze gegen Diebstahl gab, dann gibt sich der Kanzlerkandidat dieser Partei als DDR-Versteher, indem er uns die sensationelle Nachricht überbringt, in der DDR sei “nicht jeder jeden Tag unglücklich” gewesen. Was, wenn noch irgendein Beweis erforderlich gewesen sein sollte, warum man den Arbeiter- und Bauernstaat nicht mit dem Nazi-Regime vergleichen darf, im Tausendjährigen Reich ja ganz anders war. Nur deswegen hat man schließlich solche Bemerkungen über die Dreißiger Jahre nie gehört. Über einen weiteren Versuch der Beschönigung sagt Zettel hier das Nötige.

Wenn der Herr Frank “Darf-man-jetzt-Walter-sagen-oder-nicht” Steinmeier dann verkündet, sein Ziel sei eine Ampel-Koalition, dann ist angesichts in Hessen erkennbar gewordenen problemlosen Bereitschaft der Grünen, mit der Partei der Mauermörder ins Bett zu steigen, leider nur noch Guido Westerwelle der einzige Grund, am Geisteszustand des Außenministers zu zweifeln.

Wertegemeinschaft

So wurde die NATO mal genannt. Scheint irgendwie nicht mehr zu gelten.

Werte statt Nutzen

…what matters is that people be free to associate as much as possible as they voluntarily choose without being constrained by culture or by force to associate on different terms with foreigners than with fellow citizens.

Dan Boudreaux vom “Cafe Hayek” beleuchtet, warum Liberale für Freihandel und Freizügigkeit sind. Nicht aus Nutzenerwägungen, sondern weil es ihren ureigenen Werten entspricht. Sozusagen ein konkreter Unterfall des “Rückenmarksliberalismus“. Gerade heutzutage kann ich jedem die Lektüre von Statlers Beitrag, den ich als so eine Art Manifest dieses “grand old man” des deutschen Blog-Liberalismus betrachte, nur ausdrücklich ans Herz legen.

Häh?

Diesen Blödsinn von 2007 hätte ich ja ohne den aktuellen Spiegel-Artikel nicht entdeckt.

“Freiwillige Pflicht”? Wer denkt sich sowas aus? Muss man dazu schizophren sein? Oder nur als Organisation zerrissen und auf falsche Harmonie bedacht? Tss…

Wir sind das Volk

Die LINKE (besser bekannt als SED/PDS) hat heute in Dresden eine Konferenz unter dem Titel »Der Herbst 1989 in Sachsen – Wir sind das Volk« durchgeführt. Als ich davon hörte, glaubte ich zuerst an einen schlechten Scherz: Die Kommunisten vereinnahmen die friedliche Revolution? Heute abend habe ich die Thesen zu dieser Konferenz gefunden und dort geht es richtig zur Sache:

Im Übrigen gehört der demokratische Umbruch von 1989/90 nicht irgendeiner Partei, sondern dem ganzen deutschen Volk. Als solcher ist er in die deutschen Freiheitstraditionen des 19. und 20. Jahrhunderts einzubetten, darf nicht isoliert gesehen und politisch instrumentalisiert werden. Zu erinnern ist vor allem an das Hambacher Fest 1832, wo sich die deutsche Linke unter anderem für ein vereinigtes Europa engagierte, an 1848/49 – die Frankfurter Paulskirchenversammlung und den Pariser Pazifistenkongress –, an die europäische Friedensbewegung, die Revolution wie die Weimarer Verfassung von 1918/19, die beiden deutschen demokratischen Verfassungen von 1949 sowie die Volkserhebungen von 1953 und 1989. Die LINKE steht ausnahmslos zu diesen Freiheitsschüben, erinnert aber im Zusammenhang von 1989 auch an noch uneingelöste Demokratisierungsverlangen wie die seinerzeit von Wolfgang Ullmann geforderte neue Verfassung für das wiedervereinigte Deutschland. [These 12 auf Seite 4]

Man könnte dies als bodenlose Frechheit abtun, wenn nicht eine perverse Methode dahintersteckte. Die SED/PDS vereinnahmt liberale Traditionen, obwohl sie in der DDR jahrzehntelang einen autoritären diktatorischen Unrechtsstaat betrieben hat. Die SED/PDS vereinnahmt pazifistische Traditionen, obwohl sie in der DDR jahrzehntelang eine Mauer mit Schießbefehl, Selbstschußanlagen und Minenfeldern gegen den Willen des eigenen Volkes aufrechterhalten hat. Die SED/PDS vereinnahmt dann sogar noch die Bürgerrechtler, die gegen diesen Unrechtsstaat auf die Straße gingen.

Die Kommunisten wollen sich damit kurz vor der Bundestagswahl und vor der Landtagswahl von ihrer Schuld an der Geschichte distanzieren. Alle anderen Passagen aus dem Thesenpapier sind nur hohle Lippenbekenntnisse. Aber man darf nicht vergessen: die LINKE steht in einer unguten Tradition. Zwei Drittel ihrer Mitglieder sind Altkommunisten aus der SED. Das Durchschnittsalter der Mitglieder beträgt 68 Jahre. Diese Leute haben das SED-Regime nicht nur gestützt, sie haben es mit betrieben. Sie hatten bis zum Herbst 1989 überhaupt nichts gegen Schießbefehl und Mauer, Diktatur und Staatssicherheit einzuwenden. Standen sie also damals in der Tradition des Hambacher Festes oder der Frankfurter Paulskirche?

Die DDR war zu jedem Zeitpunkt bis 1989 eine »Diktatur des Proletariats« — zumindest nach dem Selbstverständnis der SED, deren Mitglieder heute in der SED/PDS weiterleben. Die DDR war zu keinem Zeitpunkt bis 1989 ein Rechtsstaat. Diese alten und neuen Genossen haben nicht das geringste Recht, die Geschichte umzudeuten und sich in die Tradition der Liberalen oder der Bürgerbewegten zu stellen. Sie sind mir schon in ihrem Populismus unangenehm, aber mit dem oben zitierten Absatz sind sie mir geradezu widerwärtig.

Wahrscheinlich ist es den meisten Menschen in Sachsen angesichts der Wirtschaftskrise relativ gleichgültig, was für Kongresse die SED/PDS abhält. Um so mehr ist es zu begrüßen, dass sich wenigstens Junge Union und Junge Liberale zu einem Protest entschlossen haben.


Ergänzung: Hier gibt es eine Sendung zu Wir sind das Volk! aus dem Jahr 2005. Man kann im Vergleich sehr schön sehen, wie die SED/PDS das Thema heute besetzt und missbraucht.


Wenigstens ehrlich?

Mir ist nicht so ganz klar, wie dieser Artikel wirklich gemeint ist.

Es könnte Satire sein – aber dazu ist dann die Beschreibung zu ernsthaft, daß Rechtsextreme auch nach einem Ende der NPD anderswo ihr Unwesen treiben würden.

Also wird es wohl ganz ernst gemeint sein mit der Forderung, die NPD müsse bleiben, damit die Antifa-Initiativen etc. weiterhin Steuermillionen an Fördermitteln abgreifen können.

Wobei man sich fragen muß, ob da wirklich Kürzungen zu “befürchten” wären – meist gilt doch die Regel, daß es genau dort am meisten Fördergelder gibt, wo die wenigsten Rechtsextremen zu finden sind.

Der Vater der “Grünen Revolution” wird 95

Norman Borlaug, der amerikanische Agrarforscher, der wie kaum ein anderer zu dem als “Grüne Revolution” bekannten landwirtschaftlichen Produktivitätsschub seit Mitte des letzten Jahrhunderts beigetragen hat, feierte vor zwei Tagen seinen 95. Geburtstag. Seine bahnbrechenden Entwicklungen zur Verbesserung des Pflanzenwachstums und zur Erhöhung der Pflanzenresistenz gelten heute als eine wesentliche Voraussetzung dafür, dass die pessimistischen Prognosen der Malthussianer von einer Welt, die eine explodierende Bevölkerung nicht zu ernähren vermag, nicht eingetroffen sind. Anlässlich dieses Ehrentages erinnert der Weblog des amerikanischen Magazin Reason an ein Interview des heutigen Kritikers unrealistischer Träume eines globalen Ökolandbaus und Befürworter eines undogmatischen Umgangs mit der grünen Gentechnik. Seine Antwort auf die Frage nach dem globalen Ernährungspotential des Ökolandbaus lautet nüchtern:

That’s ridiculous. This shouldn’t even be a debate. Even if you could use all the organic material that you have–the animal manures, the human waste, the plant residues–and get them back on the soil, you couldn’t feed more than 4 billion people. In addition, if all agriculture were organic, you would have to increase cropland area dramatically, spreading out into marginal areas and cutting down millions of acres of forests.

At the present time, approximately 80 million tons of nitrogen nutrients are utilized each year. If you tried to produce this nitrogen organically, you would require an additional 5 or 6 billion head of cattle to supply the manure. How much wild land would you have to sacrifice just to produce the forage for these cows? There’s a lot of nonsense going on here.

If people want to believe that the organic food has better nutritive value, it’s up to them to make that foolish decision. But there’s absolutely no research that shows that organic foods provide better nutrition. As far as plants are concerned, they can’t tell whether that nitrate ion comes from artificial chemicals or from decomposed organic matter. If some consumers believe that it’s better from the point of view of their health to have organic food, God bless them. Let them buy it. Let them pay a bit more. It’s a free society. But don’t tell the world that we can feed the present population without chemical fertilizer. That’s when this misinformation becomes destructive…

Ich schließe mich den Glückwünschen an!

Phantom der Unfehlbarkeit

Die Ermittlungspanne im Fall der “Heilbronner Polizistenmörderin” ist wieder ein schönes Beispiel dafür, wie der unkritische Glaube an die absolute Wirksamkeit biometrischer Identifizierungsverfahren in die Irre führt.
Im Falle von DNA-Tests ist das Verfahren an sich zwar sehr präzise aber man darf nie vergessen, dass es eben auch einige andere Erklärungen geben kann, wie die DNA einer Person an einen Ort gelangt. Nicht verwunderlich, wenn man bedenkt wie viele DNA-Spuren wir täglich “verlieren”. Manchmal ist die Erklärung aber noch einfacher als im aktuellen Fall, wie z.B. bei den KaDeWe-Einbrechern.

Auch ein großer Klassiker biometrischer Verfahren, der gute alte Fingerabdruckscan, entpuppt sich als manipulierbar (beim CCC kann man z.B. lernen, wie viele der einfachen aber verbreiteten Geräte überlistet werden können – hab’s selber gemacht). Biometrische Verfahren sind ein nützliches Werkzeug aber auch solche moderne Techniken sollte man immer mit ein wenig Vorsicht genießen. Schäubles Fingerabdruck kann ein Lied davon singen. Gerade deshalb sollte man der offensichtlichen Überanwendung der Verfahren durch die Ermittlungsbehörden skeptisch gegenüberstehen. Schon aus statistischen Gründen.

Willkommen, googlehupf!

Wir freuen uns, einen neuen Autor in unserer Mitte begrüßen zu können. Googlehupf ist einigen vielleicht schon als Kommentator bei uns oder mit seinem eigenen Blog “Gehupft wie gesprungen” aufgefallen. Bissig und liberalem Gedankengut zugeneigt war er schon immer, da ist es nur konsequent, dass er unsere Tafelrunde erweitert. Willkommen an Bord!

Ick bün al dor!

Was unterscheidet eigentlich den Staat von der supersympatischen RTL-Super Nanny? Das umschreibt Wolfgang Boger, der Herausgeber des Sammelbandes Der Staat als Super Super Nanny, sehr pointiert in dessen Vorwort:

Freilich unterscheidet sich der Staat in mindestens zwei Punkten erheblich von der Super Nanny. Während, erstens, die Super Nanny nur einige Tage bleibt, schickt uns der Staat von der Wiege bis zur Bahre nicht nur Formulare, sondern bleibt uns als Beraterin, Erzieherin, vor allem aber als (teuer entlohnte) Vormündin (wie man in der Schweiz sagt) erhalten. Seine prätendierten fachlichen Kompetenzen nehmen zu, seine juridischen ebenso. Die Super Nanny kann, zweitens, ihre segensreiche Wirkung nur dann entfalten, wenn die Familie in Not ihr Einlass gewährt, unser Staat dagegen sagt wie der Igel zum Hasen “Ick bün al dor!”, womit er völlig recht hat. Denn der Staat ist immer schon da und dies an mehreren Orten. Die staatliche Super Nanny ist also – richtig besehen – eine Super Super Nanny.

Viel mehr als dieser Vorgeschmack ist als Lektüreempfehlung für dieses Büchlein über die Abgründe der Political Correctness, Corporate Social Responsibility als gewinnwirtschaftliches Komplement einer Welt voller Gutmenschen, die Entdemokratisierung der Gesellschaft durch “moderne” Verbraucherschutzpolitik, die Gleichbehandlungspolitik als Entmündigungsstrategie, Sündensteuern, staatlich verordneten Gesundheitswahn und die schöne neue Welt des Gender-Mainstreamings nicht nötig. Hierfür gibt es – politisch total unkorrekt – einen Lesebefehl!

Die “Berliner Rede” – eine symptomatische Enttäuschung

Wie immer heutzutage muss man unterscheiden zwischen dem Ereignis selbst und dem, was die Medien sowie in Minuten-Statements wiederkäuend die offiziöse Politik daraus machen. In unserer Zeit ist Wahrheit eine abhängige Variable der medialen Vermittlung.

Auch der diesjährigen “Berliner Rede” des Bundespräsidenten der Bundesrepublik Deutschland, Horst Köhler, erging es nicht anders: Nur einige wenige Sätze wurden allgemein bekannt, und auf diese wenigen Sätze konzentrierte sich das gesamte gewohnte Echo in einer fast schon routiniert zu nennenden Weise. Ich habe mir jetzt den Luxus geleistet, die gesamte Rede zu lesen. Und als hätte ich es aufgrund der bisher veröffentlichten Kommentare, die dem Bundespräsidenten vorwarfen, ihre Meinung getroffen zu haben, schon geahnt: Ich bin enttäuscht. (mehr…)

Warum sich Deutsche und Schweizer so schwer verstehen (und warum es doch ab und zu klappt)

schreibt wunderschön und auf äußerst sympathische Art und Weise Thomas Hürlimann bei der FAZ.

Disclaimer: Ich mag den Text nicht nur wegen der Schlusspointe.

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