28. Februar 2009
Absicht und Zufall
Da drüben beim A’Team mal wieder fleißig über Evolution, Kreationismus und religiöse Buchstabenlehre gestritten wird, werfe ich auch mal was ein:
Die Überzeugung, dass die Erde tatsächlich vor ca. 6000 Jahren innerhalb von sieben Tagen genau so geschaffen wurde, wie sie heute ist (abgesehen von den menschlichen Manipulationen an ihr), kann man wohl getrost ignorieren. Sie würde jeglicher wissenschaftlichen Erkenntnis widersprechen und wird (zumindest hierzulande) wohl nur von einigen totalen Wirrköpfen vertreten, die keinen Widerhall innerhalb der breiteren Bevölkerung finden. Ebensogut könnte man sich an einer Person reiben, die in einem Institut für Psychatrie steif und fest behauptet, sie sei Napoleon Bonaparte – eine Lebensaufgabe, letztlich aber ebenso sinn- wie bedeutungslos.
Alle intelligenten Christen, die ich kenne, wollen diese Bibelzeilen als eine Metapher verstanden wissen. Und damit kann man ja leben, bedenkt man, dass die Entwicklung der Welt zwar nicht im entsprechenden Zeitraum, aber durchaus in ähnlichen Schritten vor sich gegangen ist, wie die Schöpfungslehre sie definiert. Zunächst trennte sich das “Nichts” vom “Etwas”, dann entstanden Raum und Zeit, gefolgt von den Sternen, der Erde, dem einfachen Leben im Wasser und schließlich dem reichhaltigen Leben auf dem Land (lassen wir die Vögel mal raus). Wo ist für einen wissenschaftlich denkenden Menschen das Problem bei der Vorstellung, Gott habe diese Entwicklung geplant, ausgelöst und wohlwollend betrachtet?
Auch mit dem “Intelligent Design” habe ich eigentlich keine Probleme, weil es keine naturwissenschaftliche, sondern eine philosophisch-theologische Theorie ist, soweit ich es verstehe. Mir wurde das mal von einem gläubigen Mitmenschen mit naturwissenschaftlichem Interesse so nähergebracht:
“Alles, was Du über die Evolution gelernt hast, mag durchaus stimmen. Durch Mutationen und natürliche Auslese hat sich das Leben in eigentlich erstaunlich kurzer Zeit so entwickelt, dass aus Einzellern immer komplexere Tiere und schließlich intelligentes, sich selbst bewusstes Leben geworden ist. Ich kann aber nicht glauben, dass das ein reiner Zufall gewesen sein soll. Ich glaube vielmehr, dass Gott, der am Anfang aller Dinge steht, der “Unbewegte Beweger” Aristoteles’ (omnipotent und allwissend, wie er ist), alle Bewegung und alle Naturgesetze genau so gestaltet hat, dass am Ende diese Entwicklung gewissermaßen vorprogrammiert war. Und auch, dass die höchsten Arten, die sich entwickeln, einen freien Willen entwickeln, um sein Ebenbild werden zu können”.
So formuliert, habe ich eigentlich kein Problem mit dieser Theorie. Sie widerspricht nicht dem, was ich gelernt und in der Welt beobachtet habe, sie widerspricht nicht den Naturwissenschaften. Eigentlich berührt sie mein Weltbild fast gar nicht; die Frage ist nur, ob ich an den, der am Anfang aller Dinge steht, glaube oder nicht. Manchmal tue ich das, meistens gar nicht.
Aber nicht zuletzt erleichtert sie mir den Weg zu Gott, sollte mein Empfinden sich dahingehend ändern, dass der Glaube wieder eine Rolle darin spielen sollte: Ich muss nicht aufhören, zu denken, sondern nur anders glauben. Das ist doch sehr positiv.
Verfasst von Karsten um 11:37 Uhr in der Kategorie Blogosphäre, Grundsatzfragen (Trackback)
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