30. Januar 2009
Ist der Papst katholisch?
Meiner Meinung nach ja eigentlich nicht, schließlich hat sich in Folge des Unfehlbarkeitsdogmas die römisch-katholische Kirche von der katholischen abgespalten
Aber die Frage müsste besser lauten: Weiß der Papst, was er ist? Die Entscheidung, im Namen der Versöhnung und der Einheit die Exkommunizierung von vier Bischöfen der “Priesterbruderschaft St. Pius X” aufzuheben, hat wegen der vorher öffentlich verkündeten “Auschwitz-Lüge” des “Bischofs” Richard Williamson nicht nur bei Juden in aller Welt für ein Echo voller Bestürzung und Verwunderung gesorgt. Die Erklärung aus dem Vatikan, die jüngsten Äußerungen Williamsons seien dort nicht bekannt gewesen, erscheint mir sehr glaubwürdig, beschreibt aber das Elend nur besonders drastisch: Papst Benedikt XVI. sieht sich offensichtlich fast ausschließlich als oberster Theologe und Bischof, während er die politische Rolle, die Päpste schließlich spielen, seit es sie gibt, besonders kräftig ignorieren will. Die “Auschwitz-Lüge” ist kein Grund, jemanden aus der (römisch-)katholischen Kirche auszuschließen – kirchenrechtlich und theologisch existiert das Problem also gar nicht. Aber das Zeichen, das mit der Entscheidung des Papstes gesetzt wird, ist fatal. So dringend kann es wirklich nicht gewesen sein, die Reaktionäre der Piusbruderschaft heim in den Schoß Roms zu führen, vor allem, nachdem der prominenteste Grund der Abspaltung, nämlich die Feier der sog. tridentinischen Messe, faktisch schon lange, und formell auch jüngst entfallen war. Wer als katholischer Christ deswegen den offiziellen römischen Messfeiern ferngeblieben war, hat nun keinen Grund mehr, zu den Piusbrüdern zu gehen. Übrig bleiben eigentlich nur noch die Funktionäre. Und wegen denen der ganze Zinnober?
Aus ökumenischer Sicht hält der Beschluss des Papstes sowieso Schmankerl bereit. Da nimmt er einen Konflikt mit den “älteren Brüdern” in Kauf, um eine winzige Splittergruppe zu integrieren, hält aber die großen Gemeinschaften des Protestantismus auf maximale Distanz (von den Altkatholiken ganz zu schweigen…). Wohl weil diese es nicht als ihr Endziel betrachten, sich endlich der Vormundschaft Roms zu unterwerfen. Was aber andererseits das wichtigste Kriterium von Benedikt XVI. zu sein scheint.
Die Sache ist eindeutig: Primat und Vergangenheit dominieren über Politik und Gegenwart. Und genau das, nicht etwa die Gegnerschaft zum Judentum, die kein auch nur halbwegs zur Vernunft fähiger Mensch dem heutigen Papst unterstellen könnte, scheint das aktuelle Problem der römisch-katholischen Kirche zu sein.
Verfasst von Rayson um 21:49 Uhr in der Kategorie Grundsatzfragen, Steckenpferde der Autoren (Trackback)
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