Ein Abend voller Gewinner?

Auch beim ersten Hochamt der Unpolitik in diesem Jahr haben anscheinend mal wieder alle gewonnen. Natürlich nicht nur aus den Gründen, die von den dummschwätzenden Lautsprecher diverser Parteien sofort wieder verkündet wurden. Die Reaktionen der Herren Pofalla und Müntefering zum Beispiel passten sehr gut zur Saison: Man hat nur am Ende ihrer Reden den fälligen Narrhalla-Marsch vermisst.

Nein, eine Liste der Gewinner sähe eher so aus:

Koch, weil er entgegen dem Trend am Arbeitsmarkt seinen Job behält.
Schäfer-Gümbel, weil er entgegen dem Trend am Arbeitsmarkt zwei neue Jobs bekommt und fünf Jahre mehr Zeit hat, sich bekannt zu machen.
Al-Wazir, weil er bald das hessische Jammertal verlassen kann.
Hahn, weil Zuverlässigkeit anscheinend doch von den Wählern honoriert wird.
Der Typ von den Linken, weil er sich jetzt endgültig sicher sein kann, dass in Hessen genug Hirnis sich durch nichts auf der Welt davon abhalten lassen, seine Partei zu wählen.

Aber wir müssen diese schöne Illusion zerstören, denn Verlierer gab es trotzdem:

Koch, weil er nix dazugewonnen hat und weiter den Merkel-Fan spielen muss.
Schäfer-Gümbel, weil er aus der Nummer nicht mehr rauskommt und fünf Jahre lang immer weiter “twittern” muss.
Al-Wazir, weil er es zukünftig mit Claudia Roth zu tun hat.
Hahn, weil Zuverlässigkeit allein nicht reicht.
Der Typ von den Linken, weil sich in Hessen keine Sau mehr so für seinen Haufen interessieren wird wie im letzten Jahr.

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24 Kommentare zu “Ein Abend voller Gewinner?”

  1. Pantalaimon
    18.01.2009 | 23:23

    Die FDP hat nun die Chance es ihren bayrischen Kollegen gleich zutun und ihre Forderungen durchzudrücken.

    Hoffentlich tut sie es, die Wulf wird mir als Liberalem mitihrem Herz Jesu getue zunehmend unerträglich.

  2. Buenavista
    18.01.2009 | 23:39

    Dann bitte gleichmal anfangen bei der völlig schwachsinnigen Verschrottungsprämie… und weiter mit den immer übleren verfassungswidrigen Kontroll- und Zensurorgien bei Internet etc.

  3. el_don
    19.01.2009 | 0:21

    @buenavista: genau, und ob Die Amerikaner wirklich auf dem Mond waren wäre auch noch zu klären!

  4. Buenavista
    19.01.2009 | 0:54

    Was soll das?

    Die FDP hat jetzt durchaus Möglichkeiten, im Bundesrat Einfluss zu nehmen.

    Onlinedurchsuchungen hätte sie (hoffentlich) nicht abgesegnet.

  5. 19.01.2009 | 0:55

    Ich hoffe auch, dass die FDP jetzt ein bisschen die Muskeln im Bundesrat spielen lässt um den ganz groben Unfug einzukassieren.

  6. 19.01.2009 | 9:34

    Ich hoffe auch, dass die FDP jetzt ein bisschen die Muskeln im Bundesrat spielen lässt

    Ja, das wäre das einzig wirklich Interessante an diesem Wahlergebnis.

  7. R.A.
    19.01.2009 | 10:51

    @Boche:
    Du wirst mir verzeihen, daß ich als Hesse auch das Wahlergebnis selber für sehr interessant halte ;-)

  8. R.A.
    19.01.2009 | 10:53

    Schäfer-Gümbel, weil er entgegen dem Trend am Arbeitsmarkt zwei neue Jobs bekommt und fünf Jahre mehr Zeit hat, sich bekannt zu machen.

    Noch kann ich nicht glauben, daß die SPD auch noch diesen Fehler macht.

    Es war schon extrem dreist von Ypsilanti, wie sie gleich nach Schließung der Wahllokale, noch bevor sich die Partei vom Schock erholen konnte (bevor diese den Schock überhaupt richtig begriffen hat) schon munter mit Personalintrigen weitermachte.
    Keine Selbstkritik, keine Entschuldigung, keine Gratulation an den Wahlsieger – nur ein dürrer Rücktritt und dann als letzte Amtshandlung der Partei einen neuen Vorsitzenden aufdrücken wollen.

    Es wird jetzt interessant, ob die SPD sich das gefallen läßt. Wenn ja, kann sie den Neuanfang mit Wiederaufbau weitgehend abschreiben.

    Denn war immer man jetzt an Pluspunkten für Gümbel und seinen Wahlkampf finden kann – letztlich ist er als Spitzenkandidat auch für das Desaster verantwortlich.
    Ganz offensichtlich haben ihm die Wähler den behaupteten Neuanfang nicht abgenommen, sehen ihn eher als Statthalter Ypsilantis und trauen ihm letztlich zu wenig zu.
    Und daran würde sich gerade angesichts der Art und Weise, wie er jetzt nominiert wurde, nichts ändern.

    Wahrscheinlich muß die SPD erst noch begreifen, wie tief sie gefallen ist.
    Von einem schlechten Ergebnis noch einmal 13% verlieren, das ist mehr als heftig.
    Ein Drittel der Abgeordneten ist weg, und entsprechend auch die Strukturen: Mitarbeiter, Geldmittel, Wahlkreisbüros …

    Nur noch in fünf Wahlkreisen ist die SPD bei den Landesstimmen stärker als die CDU.
    Dafür ist in sechs Wahlkreisen die FDP stärker als die SPD, in drei Wahlkreisen sind es die Grünen.
    In den Frankfurter Wahlkreisen 3 und 4 ist die SPD sogar nur noch vierstärkste Partei und wurde von Grünen UND Liberalen überholt.

    Jetzt müssen eigentlich die beiden Bezirksvorsitzenden als Vertreter von linken und rechtem Flügel ran, die Differenzen zwischen den Flügeln überwinden und entsprechend auch Landes- und Fraktionsvorstand einvernehmlich neu besetzen. Die Vorschläge von Ypsilanti waren so katastrophal für die Partei, daß sie nicht den letzten dieser Vorschläge für den Neustart nutzen sollten.

  9. 19.01.2009 | 12:07

    Die FDP hat nun die Chance es ihren bayrischen Kollegen gleich zutun und ihre Forderungen durchzudrücken.

    Das würde ich für ein von interessierter Seite gestreutes Gerücht halten, dass die FDP in Bayern viel liberales Gedankengut “durchgedrückt” hat (oder meinetwegen auch nur von ihren Forderungen, was durchaus differenzierenswert und einer gesonderten Betrachtung wert wäre).

    Hoffen wir mal, dass die hessischen Kollegen da mehr erreichen wollen und können.

    P.S.: Glückwunsch R.A., ich freue mich natürlich auch :-)

  10. R.A.
    19.01.2009 | 14:23

    @Jo@chim:
    Da haben wir in Gummersbach noch ein schönes Thema …

  11. DrB
    19.01.2009 | 17:06

    > Al-Wazir, weil er es zukünftig mit Claudia Roth zu tun hat.

    Könnte sein, dass der eher mit dem Özdemir einen klar macht. Scheinen mir mit die Vernünftigsten zu sein bei den Grünen. Sehe gerade bei Al Wazir keinerlei Verlierertum.

  12. R.A.
    19.01.2009 | 17:17

    @DrB:

    Sehe gerade bei Al Wazir keinerlei Verlierertum.

    Nun ja, er ist gerade noch mal von der Schippe gesprungen.
    Intern bei den Grünen gab es schon viel Kritik, weil er 2008 ein so schlechtes Wahlergebnis eingefahren hat (und das war SEIN Ergebnis unter echten Bedingungen).

    Und eigentlich wollte er natürlich Minister werden. Die Chance hat er versemmelt, kann man schon als “verlieren” werten.

    Da den Grünen nun (weitgehend ohne eigenes Zutun) massig enttäuschte SPD-Wähler zugelaufen sind, ist er jetzt wieder oben auf.
    Aber seine Karriere stand durchaus auf der Kippe.

  13. DrB
    19.01.2009 | 18:26

    OK, mag sein, irgendwie scheint mir sogar der hessische FDp-Vorsitzende zu den Verlierern zu gehören, der sollte besser mal nicht zu stark in die Öffentlichkeit geraten, oder? ;–)
    Von Al Wazir und Özdemir erhoffe ich mir eine Liberalisierung der Grünen, bei Joschka, Trittin und Claudia habe oder hatte ich nie diese Hoffnung.

  14. Lina
    19.01.2009 | 21:00

    Warum nicht doch mal am erstarkten Bild der FDP kratzen – hab’ ich mir beim Lesen so gedacht (via metalust & subdiskurse):

    http://www.ringfahndung.de/archives/fdp-hessen-deutschland-stockholm-syndrom

    Entweder ist es so, dass die (‘neoliberale’) FDP inhaltlich nicht in Haft genommen wird für das Fehlverhalten von Banken und Bankern, oder sie ist eben ersatzweise von denjenigen Hessen gewählt worden, die Kochs Macht entschieden schmälern wollten.

  15. 19.01.2009 | 21:58

    @Lina: Ein Kreuzchen kann gar nicht alle Abwägungen aufnehmen. Warum gewinnt wohl die CDU im Umkreis des Frankfurter Flughafens alle Direktmandate? WO sie doch das versprochene Nachtflugverbot nicht eingehalten hat? Und so sind Wahlentscheidungen voller Irrationalitäten. Ich wünsche mir ja mehr Volksabstimmungen, damit ich nicht immer ein Paket wählen muss. Ja, das ist Rosinenpickerei. :-)

  16. 19.01.2009 | 22:52

    Entweder ist es so, dass die (’neoliberale’) FDP inhaltlich nicht in Haft genommen wird für das Fehlverhalten von Banken und Bankern

    Erschütternd. Ich finde, man sollte sie wenigstens in Haftung nehmen für die Geldpolitik der Fed.

  17. Buenavista
    19.01.2009 | 23:07

    “Neoliberal” ist inzwischen nur noch ein ausgemünztes Schlagwort.

    Westerwelle sagt zum tollen Konjunkturpaket so manchen klugen Satz.

    Am besten wäre es, diese unsägliche Große Koalition bricht endlichen auseinander und wir wählen im Frühjahr, kurz und schmerzlos.

  18. Lina
    19.01.2009 | 23:31

    @ Rayson

    ((-: ! Hat Dir der Smiley gefehlt? Du nimmst mich doch sonst auch nicht ernst … ?

    Aber der mit der Fed ist gut (-; !

  19. Dirk
    19.01.2009 | 23:32

    @Buenavista

    nee, ich bin schon für einen Wahlkampf. Die bürgerlichen Parteien stellen ihr Konzept vor (Steuerreform,…) und das Volk nimmt es an oder lässt es bleiben. Und die SPD zerreibt sich beim Aufstellen des Wahlprogramms. (Das war ja der Schachzug Schröders, durch vorgezogene Neuwahlen einen Streit über das Wahlprogramm zu verhindern)

  20. Dirk
    19.01.2009 | 23:35

    @Lina

    es wird interessant sein festzustellen, woher denn nun die FDP Wähler kommen.

    Kommen sie von der CDU (was hat sie in diesem Jahr falsch gemacht?) oder von der SPD? (Stichwort Gesellschaftsliberalismus (vs Wirtschaftsliberalismus)).

  21. 19.01.2009 | 23:45

    @Lina

    Ich habe auch keinen gesetzt ;-)

    @Dirk

    In Hessen kamen sie von der CDU. Entgegen der meisten Kommentatoren in den Medien bin ich übrigens der Ansicht, dass sie nicht wegen Koch gewechselt sind, sondern aus bundespolitischen Gründen. Für einen echten CDU-Stammwähler muss das, was die Union in den letzten Jahren und Monaten in Berlin mitbeschlossen hat, ein wahrer Alptraum sein. Den Rest wird ihm das fröhliche Hochtreiben der Staatsverschuldung gegeben haben, denn das muss ihm vorkommen, als hätte der Papst gerade seine unehelichen Kinder vorgestellt.

  22. Dirk
    19.01.2009 | 23:45

    Achso, die erste Analyse gibt es schon. Vermutlich gab es bei der letzten Wahl ein paar Leihstimmen der FDP an die CDU um Koch als Ministerpräsident zu halten.

  23. ftt
    20.01.2009 | 0:25

    Entgegen der meisten Kommentatoren in den Medien bin ich übrigens der Ansicht, dass sie nicht wegen Koch gewechselt sind, sondern aus bundespolitischen Gründen. Für einen echten CDU-Stammwähler muss das, was die Union in den letzten Jahren und Monaten in Berlin mitbeschlossen hat, ein wahrer Alptraum sein. Den Rest wird ihm das fröhliche Hochtreiben der Staatsverschuldung gegeben haben, denn das muss ihm vorkommen, als hätte der Papst gerade seine unehelichen Kinder vorgestellt.

    @Rayson: Das gleiche Gefühl habe ich auch. In der FAZ war ebenfalls ein Kommentar in die Richtung. Die Dame und die Herren im Bundeskanzleramt bzw. im Konrad-Adenauer-Haus sollten vielleicht einmal kurz inne halten und darüber nachsinnen, ob es so smart war, den liberalen Parteiflügel mit Merz und co. so zu desavouieren. Im Moment können sie noch froh sein, dass für zwei ihrer anderen treuen Wählerschaften keine glaubhafte Wahl-Alternative besteht. Sonst würden ihnen die Konservativen und die praktizierenden Christen auch noch vom Boot gehen.

  24. DrB
    20.01.2009 | 2:35

    Also, ich als potentieller CDU-Wähler werde vermutlich jetzt wirklich die Reissleine ziehen und erstmals seit Jahrzehnten nicht die Union wählen.
    Ich will nicht sagen, dass das nicht mehr geht, das wäre zu hart, aber die Grenzen der Zumutbarkeit sind erreicht. Selbst in einer Koalition mit der SPD darf es nicht zu solchen Sachen wie der Abwrackprämie oder die (jedenfalls andiskutierten) “DDR-Gutscheine” kommen.
    Ausserdem spricht für die FDP jetzt:
    1.) Guido ist anscheinend besser geworden.
    2.) Man erreicht die Ziele, die man durch CDU-Wahl zu wünschen erreicht, nur noch durch Wahl der FDP, LOL.
    3.) Der Wähler wird schon alleine dadurch liberaler, das die Union linker wird, Leute wie Seehofer, Rüttgers, Pofalla und so wurden früher in der Union geduldet, hatten aber, wenns drauf ankam, nix zu melden.

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