15. Januar 2009
Von der Immobilienblase in die Pessimismusblase
Es ist keine zwei Jahre her, da glaubte fast jeder der Immobilienboom fände kein Ende. Auch dem Ölpreis wurde bescheinigt, er könne wohl kaum mehr sinken. Jeder setzte bei seinen Investitionsentscheidungen auf diese Entwicklungen, weil auch alle anderen es taten. Bis alles anders kam und die Immobilienblase platzte und der Ölpreis wieder in den Keller ging. Doch nicht nur der Boom hatte viel mit einer Massenpsychose zu tun, sondern auch die Krise erinnert stark daran. Schließlich kennen die meisten von uns den wirtschaftlichen Niedergang nur aus der Zeitung voller Fotos und Statements hemdsärmliger Krisenmanager. So eine Informationskaskade verursacht schlechte Laune und verbreitet Unsicherheit. Allein die Tatsache, dass viele Leute ihre Zeit mit der Lektüre endloser Hiobsbotschaften verschwenden, statt sich einfach ganz entspannt ihrer täglichen Arbeit oder anderen nützlichen Dingen zu widmen, legt nahe, dass es sich bei der Krise ein Stück weit um eine selbst erfüllende Prophezeiung handelt.
Weil also der Optimismus der vergangenen Jahre nicht vernünftiger oder besser begründet war als der aktuelle Pessimismus, brauchen wir eigentlich kein Konjunkturprogramm. Nein, wir brauchen eigentlich nur weniger fernsehen und Tageszeitungen lesen. Lieber ein Buch zur Hand nehmen, am besten schon ein paar Jahre alt, in dem man lesen kann, wie die Welt funktioniert und wie man sie gestalten kann, wie man sich an ihr freut und nicht wie man sich vor ihr fürchtet. Und dann sollte man diesen Optimismus ebenso schnell verbreiten wie der Pessimismus sich heute fortpflanzt.
Ich halte ja eigentlich nichts davon, sich am Überbringer schlechter Nachrichten auszulassen. Doch in diesem Fall sollte man wohl eine Ausnahme machen und die ganzen Miesepeter des Krisenzirkus mit Nichtachtung strafen.
Verfasst von SteffenH um 01:36 Uhr in der Kategorie Allgemein, Presse / SPON- und taz-Blog, Wirtschaftspolitik (Trackback)
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