Opfer der Finanzkrise?

Der Unternehmer Adolf Merckle wird nach seinem Freitot in den Medien als Opfer der Finanzkrise hingestellt. Tatsächlich war Merckle sein eigenes Opfer: Opfer seiner Geschäftsgebaren und seiner Selbstüberschätzung. Was hinderte den alten Mann daran mit dem Verlust der Führungsposition seines Familienunternehmens fertig zu werden und auf seine alten Tage wandern zu gehen oder am Kamin ein gutes Buch zu lesen? Der Kapitalismus nicht, und auch nicht die Finanzkrise. So bedauerlich sein Tod ist, das Wirtschaftssystem in Sippenhaft für diesen Suizid zu nehmen ist vollkommen unangemessen.

Anmerkung: Ich weise darauf hin, dass ich nicht Herrn Merckle, sondern seine Darstellung in der Presse als Opfer der Finanzkrise kritisiere. Angesichts der Presseberichterstattung zu dem Fall muss man davon ausgehen, dass den Mann die Krise seines Unternehmens gebrochen hat. Das ist sehr bedauerlich. Er hat seine Entscheidung zur Konfliktbewältigung getroffen. Das will ich hier nicht bewerten und auch nicht so verstanden wissen. Ein Selbstmord bedeutet zwangsläufig, dass ein Mensch sich selbst zum Opfer gefallen ist, wozu er sein gutes Recht hat. Nur bedeutet das nicht, dass man externen Ereignissen dafür die Schuld zuschieben kann, zumal viele Menschen vergleichbare Situationen anders meistern. Nicht mehr und nicht weniger beabsichtigte ich hier auszudrücken. Sollte ich jemandem mit meinen Äußerungen zu nahe getreten sein, bitte ich dies zu entschuldigen.

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14 Kommentare zu “Opfer der Finanzkrise?”

  1. 8.01.2009 | 12:48

    Weil ein Unternehmer, der nichts mehr unternehmen kann nur noch ein halber Mensch ist (und bei Herrn Merckle war das wohl so).

  2. F. Alfonzo
    8.01.2009 | 13:34

    @ SteffenH:

    Du beschreibst hier ziemlich selbstbewusst und überzeugt die Umstände des Selbstmords…. gibt’s dafür irgendwelche Quellen? Ich vermute nicht. Kein Mensch weiss, warum dieser Mann sich umgebracht hat (ich hab natürlich auch eine Vermutung, die ich beim Kollegen Zettel schon geäußert habe), aber trotzdem?

    Ansonsten würde ich sagen: Lass die Toten ruhen, kümmer dich lieber um die lebenden Nervensägen ;-)

    F.Alfonzo

  3. der_gute_don
    8.01.2009 | 16:06

    Tote sollte man in Frieden ruhen lassen, die Lebenden zu richten ist anmaßend genug.

  4. 8.01.2009 | 18:55

    Die Familie hat in ihrer Erklärung Merckle als Finanzkrisenopfer beschrieben – das verklärt meiner Meinung die Tatsachen. Und deswegen sollte man da widersprechen dürfen.

    Huh, ich stimme ja mit Steffen überein – was ist da los? ;-)

  5. 8.01.2009 | 20:14

    Ich auch, Marc, ich auch.

  6. 8.01.2009 | 21:19

    Eigentlich sollte gelten: »Über Tote nichts oder Gutes«. Es wäre (meiner Meinung nach) besser gewesen, wenn die Familie in ihrer Erklärung überhaupt nichts zu den Ursachen gesagt hätte.

  7. Libero
    9.01.2009 | 6:55

    Eigentlich sollte gelten: »Über Tote nichts oder Gutes«

    Von den Überlebenden, die mit den Nachwirkungen der Handlungen leben müssen, wird das erwarten. Was wird eigentlich von den Toten erwartet? Das sie im Leben so handelten, das man nur Gutes oder überwiegend Gutes über sie sagen kann? Anscheinend nicht.

    Merckle hat typische Fehler gemacht. Sein komplexes Firmenkonglomerat ist faktisch nicht führbar. Zwischen Pillen und Beton liegen Welten. Handelsblatt von gestern

    Seine Verschachtelung führte zur Unübersichtlichkeit, auch für ihn selbst. Wir werden sehen, wie diese Erbe seinen Nachfolger zu schaffen macht. Dann die Fremdkapitalhebel seiner Finanzierung. Ratiopharm ist verloren, Phoenix wird verloren gehen und ob Heidelberger Zement der Familie bleibt?

    Ich habe fast den Eindruck, Merckle wollte der Familie seiner Frau imponieren, daß er in ihrem ureigensten Metier ebenfalls erfolgreicher ist als sie. Die Familie Schleicher sind mit der Unternehmensgruppe Schwenk ja auch Zementproduzenten und langjährige Anteilseigner von Heidelberger Zement. Allerdings haben sie 2005 ihren Anteil von 20 auf 7 % reduziert, aber halten noch ein Aufsichtsratmandat. Ausbooten durch Wachstum, finanziert durch Kredite. Wohl wissend, das die verwandte Familie Aktien nicht durch Kredite finanzieren wird.

    Merckles Mutter war eine geborene Spohn, seine Frau stammt aus der Familie Schleicher. Das sind im Südwesten bekannte Namen, die die fehlenden drei Generationen auf dem Friedhof ersetzen. Trotzdem hat sich Merckle wie ein Emporkömmling verhalten, der es den alteingesehenen Familien mal so richtig zeigen will, wo es langgeht. Schlieker fällt mir als Beispiel ein, aber Merckle? Was ist bloß in diesen Mann gefahren.

    Heidelberger Zement ist ja nicht seit gestern wegen seiner Schuldenlast in den Schlagzeilen. Da werde ich doch als Anteilseigner nicht auch noch persönlich meine Schuldenlast steigern und Aktien, durch Aktien gesichert kaufen. Das hat er noch 2007 und 2008 getan. Das ist fahrlässig. Das ist keine üble Nachrede, das ist ziemlich sachlich und ich denke, die Sitzungen des Aufsichtsrates der Heidelberger Zement werden fröhlich gewesen sein. Hanson wurde ja erst 2007 übernommen, obwohl Heidelberger Zement erst 2005 eine schwierige Situation gemeistert hat. Da weiss man nicht, was man zu sagen soll. Da lobe ich mir die Familienunternehmen, die Generationen für Generationen unauffällig, aber beharrlich an der Fortentwicklung ihres Unternehmens arbeiten.

  8. Libero
    9.01.2009 | 7:26

    2005 war Merckle der schwächere Anteilseigner bei Heidelberger Zement und die Familie Schleicher dominant. Dann kam das Übernahmeangebot durch die Spohn Zement. Spohn Zement war natürlich Merckle, denn das ist ja der Familiename seiner Mutter und Spohn Zement hiess der Betrieb des Urgroßvaters Spohn in Blaubeuren. Der Betrieb ist stillgelegt und abgerissen. Die neue Spohn Zement ist nur eine Beteiligungsgesellschaft ohne nennenswerte Umsätze und ihrerseits Tochter einer Beteiligungsgesellschaft ohne nennenswerte Umsätze. Beide sind in Norderfriedrichskoog ansässig, warum, muß man im Kreise so hochkompetenter Wirtschaftsexperten nicht erklären. Wäre wirklich interessant, zu recherchieren, wie das Verhältnis zwischen Spohn Zement Blaubeuren und Schwenk Zement Ulm war.

  9. Libero
    9.01.2009 | 7:35

    Die Gemeinde Norderfriedrichskoog hat 40 Einwohner, von denen nahezu alle männlichen Einwohner Büros vermieten und über 400 ansässige Unternehmen. Es ist also ein Delaware in Deutschland.

  10. 9.01.2009 | 8:32

    Danke,Libero,für dieses Schmankerl!

    Verglichen mit den Problemen, die so die HartzIV-empfangende Klientel der Schuldnerberatungen hat war Merckle ein Mensch ohne finanzielle Probleme.Aber das sieht aus Milliardärs-Perspektive sicher völlig anders aus, hinzu kommt die Verantwortung für Andere.

  11. Libero
    9.01.2009 | 9:41

    @che

    Wenn man die familiären Hintergründe kennt, wird vieles bei Merckle plausibel. 1945 die Flucht nach Blaubeuren, dem Standort des Zementwerkes der Spohn und natürlich das Interesse für Zement. Mutter und Frau waren ja familiär vorbelastet. Eigentlich bewegte sich Merckle vor allem im Unkreis der Interessen der Familie, Pharma und Zement.

  12. Einwand
    9.01.2009 | 12:21

    Eigentlich hätte ich hier an dieser Stelle erwartet, dass die Hintergründe für das Firmenkonglomerat thematisiert werden, denn das dürfte vor allem steuerliche Gründe haben.

    Wenn die Unternehmer sich auf Ihre eigentliche Arbeit konzentrieren könnten, und Produkte und Dienste zu generieren, und nicht ständig zu überlegen wie sie ihr erwirtschaftetes Geld auch selber behalten, bzw. darüber verfügen können und nicht ein Grossteil vom Staat abgeschöpft würde, dann wären wir wohl alle besser dran …

  13. Herbert
    9.01.2009 | 22:07

    “So bedauerlich sein Tod ist, das Wirtschaftssystem in Sippenhaft für diesen Suizid zu nehmen ist vollkommen unangemessen.”
    Man kann andererseits auch eine andere Klage (bzw. alte Leier) lesen, dass nämlich Deutschland ein unternehmensfeindliches Land sei, in dem das Scheitern so stigmatisiert werde, dass dem armen Merckle nur noch der Freitot geblieben sei. So ist halt auch dieses Unglück für jeden wieder mal nur ein willkommener Anlass, die eigene Lieblingsleier zu spielen.

  14. BLZ
    19.01.2009 | 14:38

    Eigentlich ist das schlimmste daran, dass überhaupt so ein Wind darum gemacht wird. Der Mann wird seine Gründe gehabt haben und fertig. Und in der Presse wird sich darüber wieder das Maul zerrissen.

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