Positivlisten

Wo wir die Tage schon bei einer Forderung nach einer Positivliste nicht justiziabler Beleidigungen waren – wie wäre es außerdem noch mit einer Liste für Muslime, welche Äußerungen an welchem Ort sie nicht verdächtig erscheinen lassen? Nach Ansicht des Sprechers einer amerikanischen Fluglinie gehört die Frage, welcher Ort in einem Flugzeug der sicherste sein kann, jedenfalls nicht dazu:

“Letztendlich haben da doch Leute etwas erzählt, was sie besser an Bord nicht gesagt hätten, und andere haben das wiederum mitbekommen”, wurde AirTran-Sprecher Tad Hutcheson zitiert. “Diese Leute waren nun mal zufällig Angehörige des islamischen Glaubens und entsprechend gekleidet (…)”.

Natürlich ist nicht jeder Muslim ein harmloser Mensch, der nur seinem Leben nachgehen und dabei in Ruhe gelassen werden will. Aber 99,999% von ihnen doch wohl schon, oder?

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9 Kommentare zu “Positivlisten”

  1. Dirk
    2.01.2009 | 13:41

    Und im Spiegel Artikel: “Neun traditionell in langem Gewand gekleidete Muslime mussten [...] aus ihrer Maschine aussteigen. [...]Auch die weiteren 95 Passagiere und die Crew mussten das Flugzeug verlassen”
    Wo ist das Problem? Achso, man kann Spiegel ja nicht einfach trauen und man erfährt nicht: “But the passengers [the nine muslims] said AirTran refused to rebook them, and they had to pay for seats on another carrier secured with help from the FBI. ”

    So ärgerlich solche Fälle sind, sie lassen sich nicht gänzlich vermeiden und immerhin sind sie so kurios, dass sie es in die weltweite Presse schaffen. Wenn man das mal nicht so ist, kann man anfangen sich Sorgen zu machen.

  2. Shin
    2.01.2009 | 15:30

    Naja, 99% halte ich für eine etwas optimistische Schätzung, aber an die 80-90% sind es meiner Erinnerung nach laut einer vor knapp einem halben Jahr erschienenen [url=http://www.gallup.com/press/104206/WHO-SPEAKS-ISLAM.aspx]Studie[/url] tatsächlich.

  3. 2.01.2009 | 16:33

    Naja, aber wieviele Abstrusitäten hast du mit der TSA die es nicht mehr in die globale Presse schaffen, weil sie inzwischen Standard sind. Gerade im Bereich der Luftsicherheit hast du jede Menge Sicherheitstheater dass letztlich niemandem etwas bringt.

  4. 2.01.2009 | 16:43

    Einspruch, Björn.

    Das Sicherheitstheater bringt eine Menge. Den Fluggästen Beruhigung, den Fluggesellschaften Fluggäste. Wirksam insbesondere nach Attentaten. Da man nun keine Begründung hat, warum die Lage jetzt besser sein sollte, schleppt man diese symbolischen Akte eben mit. Und so sehr ich mich als Liberaler über das Geschilderte entrüste, so sehr würde ich mich als Fluggast darüber freuen. Es gibt Stichprobenfehler, die hat man sehr viel lieber als andere.

  5. Dirk
    2.01.2009 | 17:01

    Viel Theater ist schon dabei, da muss man schon mal die Hosen runterlassen. Ich würde aber nicht soweit gehen und aus Einzelfällen, zumal für solche, für die sich die betreffende Airline vor der Weltöffentlichkeit rechtfertigen muss, auf generelle Diskriminierung von Muslimen schließen.

    Und wenn man ehrlich ist, sind “traditionelle muslimische Gewänder” schon ziemlich bizarr und einschüchternd. Jeder soll so rumlaufen dürfen, aber er kann nicht davon ausgehen, dass man dann vorurteilsfrei behandelt wird. So wenig wie jemand mit Thor Steinar Klamotten und Glatze neutral gesehen wird.

  6. 3.01.2009 | 18:41

    @Rayson:

    Aber ist sowas nicht das was du sonst als “Unpolitik” ablehnen würdest? Spiel sowas mal mit dem Staat durch: Der Staat weiß dass X nichts bringt, macht es aber trotzdem weil sich dann die Wähler zumindest sicherer fühlen. Nach Amokläufen etwa schwarze Mäntel an Schulen verbieten. Denn das Sicherheitstheater hört ja nicht bei den Muslimen auf, das erstreckt sich ja auch dahin, dass etwa Kinder nicht an Bord eines Flugzeugs dürfen, weil sie namensgleich sind mit Leuten auf der No-Fly-Liste.

    Oder nimm die Sky Marhals: Sicher, die Passagiere fühlen sich jetzt sicherer. Tatsächlich scheinen sie aber durch das übereilte Bedürfnis möglichst schnell Symbolpolitik zu betreiben und zu zeigen dass man etwas tut unsicherer zu sein:

    A 2004 report by the Department of Homeland Security’s inspector general also flagged gaps in the background checks. The report cited 504 applicants who were recommended for hire and awaiting offers, noting that nearly a third had potentially disqualifying problems, including past arrests, bankruptcies or disciplinary problems.

    Plus: Der Aufwand der in diese Form der Symbolpolitik investiert wird, könnte doch sicher auch gezielter genutzt werden um die Luftfahrt tatsächlich sicherer zu machen.

    (By the way: Bestimmte echte Gefahren werden ja gezielt unter den Tisch fallen gelassen, eben um da kein Panikgefühl zu verursachen. Gefährlicher als Schuhbomber, Plastikbestecke und klare Flüssigkeiten sind für die zivile Luftfahrt MANPADs die beispielsweise aus Rote-Armee-Beständen verschwunden sind oder im Kosovo-Krieg verloren gingen. Darüber findest du in Zeitungen aber fast gar nichts.)

  7. 4.01.2009 | 12:36

    @Björn

    Was ich ablehne und was nicht, ist etwas anderes als die Einsicht in das, was offensichtlich funktioniert. “Funktionieren” jetzt nicht auf das propagierte, sondern auf das tatsächliche Ziel bezogen (”gefühlte” statt wirkliche Sicherheit). Dazu gehört eben auch, solche Gefahren nicht zu nennen, für die man kein halbwegs glaubwürdiges Gegenmittel parat hat.

    Die Maßnahmen bringen also etwas für einige. Nicht viel mehr Sicherheit, aber das wollen sie ja auch gar nicht.

  8. 6.01.2009 | 19:00

    “Die Maßnahmen bringen also etwas für einige.”

    Anderen schaden sie aber.

    Es gibt sicherlich genügend Leute die die neuen Sicherheitsstandards ärgerlich finden und trotzdem kein höheres Sicherheitsgefühl haben.

  9. 6.01.2009 | 22:10

    Anderen schaden sie aber.

    Kann sein. Ändert aber nichts.

    Es gibt sicherlich genügend Leute die die neuen Sicherheitsstandards ärgerlich finden und trotzdem kein höheres Sicherheitsgefühl haben.

    “Genügend” für wen oder was? Die Mehrheit ist es wohl nicht, sonst wäre die Sicherheits-Illusion nicht nur ein Theater, sondern auch noch ein im Sinne der Produzenten sehr ineffizientes.

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