Eines der Kommunikationshemmnisse, die unsereinem begegnen, wenn man mit den Klassenfeinden diskutiert – oder besser: zu diskutieren versucht -, besteht in der Benamsung dessen, was ist. Für die andere Seite ist klar: Wir nennen das Kapitalismus, vielleicht noch unterteilt in “neoliberale”, “fordistische” oder “post-fordistische” Phasen. Für unsereins ist klar: Nee, Kapitalismus ist was anderes. Unser Kapitalismus kennt z.B. keine Subventionen, Importbeschränkungen oder Preisstützungen – kurz: Er ist keine Kennzeichnung dessen, was ist, sondern dessen, was sein sollte.
Vielleicht ist der Begriff hilfreich, den Robert L. Bradley hier beschreibt: Politischer Kapitalismus. Der nützliche Aspekt könnte darin liegen, dass man sich über das Handeln von Kapitalisten – oder besser und notwendigerweise genauer: der kapitalistischen Kriegerkaste, auch “Manager” genannt – unterhalten kann, ohne dass dies dem entsprechen könnte oder würde, was in unserem kapitalistischen Ideal vorhanden sein würde.
Wohlgemerkt, es geht hier mehr um Begriffsklauberei als um Erkenntnis. Liberale würden die Phänomene, die dem Politischen Kapitalismus zuzuschreiben sind, immer als Staatsversagen bezeichnen, denn aus unserer Sicht entstehen sie erst durch die Existenz eines sich überall einmischenden Staates. Dass sich die Kapitalisten bzw. ihre Kriegsherren dann auf die sich daraus ergebenden Möglichkeiten einstellen und lieber der politischen Küngelei frönen als sich dem mühsamen Marktwettbewerb zu stellen, ist auch für uns eine notwendige Folge dieser Gegebenheiten. Anreize wirken eben.
Wenn ich das richtig verstanden habe, ist diese jedenfalls aus meiner Sicht simple Erkenntnis auch das ganze Geheimnis hinter der überflüssigen Abgrenzung, die “Linkslibertäre” vornehmen (jetzt mal ungeachtet der Differenzen, die Liberale von Libertären sowieso trennen).
Wie gesagt: Begriffsklauberei. Aber Kommunikation, so ist nun einmal meine Erfahrung, wird wesentlich durch Begriffe gesteuert. Etwas mehr Treffsicherheit wäre da etwas Feines.