28. Dezember 2008
Gefühlte und echte Einseitigkeit
Im Nahen Osten sprechen wieder die Waffen, und viele Menschen sterben. Es mutet manchmal etwas kurios an, wie die “pro-westlichen” Blogs vor allem damit beschäftigt sind, ja nur keine Gelegenheit zu versäumen, der staunenden Öffentlichkeit mitzuteilen, dass sie aus lauter Antisemiten besteht. Vor allem natürlich die Berichterstatter – da wird jedes Wort so lange hin- und hergedreht, bis der Beweis der von vornherein feststehenden Einseitigkeit erbracht ist.
Aber das heißt nicht, dass es diese nicht gäbe. Bei SPON darf ich heute unter dem Titel “Angst vor Hamas-Rache: Aschkelons Einwohner fürchten Raketen-Sturm” lesen:
Wann schlägt die Hamas zurück? Die Einwohner der israelischen Mittelmeerstadt Aschkelon erwarten nach den Luftangriffen auf den Gaza-Streifen heftige Raketenangriffe, erste Geschosse sind bereits niedergegangen.
“Hamas-Rache”, “die Hamas schlägt zurück” – wen will die Kanaille, die da wieder mal diesen unsäglichen “Teaser” verbrochen hat, eigentlich für dumm verkaufen? Dass Gegenwehr Anlass zur Rache sein kann, mag vielleicht in irgendwelchen kruden arabischen Ehrvorstellungen einen Platz haben, aber wer als Journalist des wichtigsten deutschen Online-Mediums sich solche Sichtweisen zu eigen macht, der berichtet nicht, sondern agitiert.
Da bei SPON Überschrift und “Teaser”, wie ich mittlerweile gelernt habe, nicht vom Autor des jeweiligen Textes verfasst werden, sondern von anonymen Schwachköpfen, trifft die gute Frau Putz hier wohl keine Schuld. Dem Beitrag selbst muss man zugute halten, dass er auch das Leid der israelischen Bevölkerung thematisiert, obwohl z.B. eine Formulierung wie “der Waffenstillstand lief aus” eine etwas eigenartige Umschreibung des neu einsetzenden Hamas-Terrors darstellt und er zum Schluss wie zur Entschuldigung für die überraschenden Einblicke nicht ohne palästinensische Leidtragende auskommt.
Verfasst von Rayson um 14:14 Uhr in der Kategorie Politik (Trackback)
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