27. Dezember 2008
Manipulation gegen Rechts
Rechtfertigt eigentlich der “Kampf gegen Rechts” die Manipulation der Öffentlichkeit?
SPON zitiert heute unter der Überschrift “Gewaltdelikte in Deutschland: Zahl rechtsextremer Straftaten steigt drastisch” aus einem Bericht der FR. Im “Teaser” werden die Zahlen für die überwiegend durch die sogenannten “Propaganda-Delikte” dominierten gesamten rechtsextremen Straftaten genannt (“fast 12.000 Delikte”, “Zunahme um fast 30%”). Der Text beginnt mit den Worten “Die Zahlen sind erschreckend”, konkretisiert die Zahlen des Teasers (von 9.206 auf 11.928 Taten), und das zum Artikel gehörende Bild zeigt Skinheads mit der Unterschrift “Rechte Gewalt nimmt zu.” Anschließend wird eine Verbindung zum Attentat auf den Passauer Polizeichef gezogen. Genannt wird dann noch die Entwicklung der antisemitischen Straftaten, bevor man auf die Reaktionen interessierter Politiker eingeht.
Quizfrage: Wie hoch ist also die Zahl der Gewalttaten mit rechtsextremem Hintergrund? Wie stark ist sie gestiegen? Richtig: Wir wissen es nicht. Diese Werte werden in dem Artikel gar nicht genannt. Honi soit qui mal y pense.
An der Quelle kann es nicht gelegen haben: Die FR, obwohl in der Aufmachung eine ähnliche Richtung einschlagend wie SPON, nennt die Zahl der Gewaltdelikte explizit, und zwar zwischen denen aller Straftaten und den antisemitischen – der Verfasser der Meldung bei SPON muss sie also selbst gelesen haben. selbst wenn er nur bei Reuters abgeschrieben hat: 2008 waren demnach 639 rechtsextremistische Gewalttaten zu verzeichnen, was einer Steigerung von über 15% gleichkomme (also ca. 85 Taten mehr als im Vorjahr).
Aber diese Zahlen waren SPON wohl nicht erschreckend genug. Aus welchen Gründen auch immer.
Interessanter wäre es gewesen, wenn man, statt nur die Zahlen an sich zu nennen (oder sie gar nicht zu nennen), etwas mehr über die Entwicklung bei Anlässen und Opfern rechtsextremistischer Gewalt erfahren hätte. Das besonders Widerliche an rechtsextremistischer Gewalt ist ja in der Regel, dass sie sich gegen einzelne Arg- und meist auch Wehrlose richtet, die nur aufgrund ihres Andersseins oder ihrer sozialen Lage als Opfer auserkoren werden.
Andererseits wird aber seit einiger Zeit berichtet, dass sie sich strukturell ihrem linksextremistischen Pendant anzunähern beginnt, also z.B. bei Demos gegen die Militanten des anderen Lagers und/oder die Polizei zum Ausbruch kommt. Das würde z.B. auf einen höheren Organisationsgrad deuten und wäre tatsächlich eine Art “andere Qualität”.
Verfasst von Rayson um 15:34 Uhr in der Kategorie Innenpolitik, Politik, Presse / SPON- und taz-Blog (Trackback)
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