Blinde Therapeutik

Normalerweise kommt vor der Therapie die Diagnose des Problems. Nicht bei der Bundesregierung, die etwa gegen die gesellschaftlichen Folgen des Alkoholkonsums stets mit Verboten oder Preiserhöhungen vorgeht. Doch wird mit dieser Rasenmäher auch der Drogenkonsument geschädigt, der zwar möglicherweise seiner Gesundheit, nicht aber unbeteiligten Dritten einen Schaden zufügt. Jetzt liegt der Reflex sehr nahe, darauf zu verweisen, dass Drogenmissbrauch ja sehr oft zu Straftaten und Schäden bei anderen und höheren Kosten über die “solidarische” Krankenversicherung führt. Das mag richtig sein, doch argumentiert ja auch niemand, wir müssten Autos verteuern, weil diese häufig als Hilfsmittel für Banküberfälle verwendet werden. Wer etwas gegen die Folgen von Drogenmissbrauch machen möchte, der sollte genau diese negativen Folgen für andere mit drastischeren Maßnahmen bekämpfen und verhindern, dass die Drogenkonsumenten dem Rest der Gesellschaft ihre Therapiekosten aufbürden (Wie das funktionieren könnte liest man am besten bei David D. Friedman nach). Das Ganze ist also eine Aufgabe für Staatsanwälte und die Designer der Gesundheitspolitik. Wer aber den Alkoholkonsum per se bekämpfen will und sich dabei beliebter Stellvertreterargumente bedient, sollte endlich zugeben, das Rayson den Nagel auf den Kopf trifft.

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17 Kommentare zu “Blinde Therapeutik”

  1. e.r.
    21.12.2008 | 10:30

    treffender wäre das autobeispiel, wenn du darauf hingewiesen hättest, dass durch autofahren unfälle verursacht werden, bei denen menschen gern mal sterben, oder die gesellschaft die kosten für die wiederherstellung geschädigter in mitleidenschaft gezogener dritter übernimmt – gut, des passt jetzt nicht so in dein arg kleines weltbild…. nebenbei hat uns gesundheitsministerin dementiert, sowas gefordert zu haben, sie gab nur eine studie in auftrag, die die preiselastiztät auf dem alkoholmarkt untersuchen soll. nicht das ich gegen die volllegalisierung von drogen wäre…

  2. Bucaro
    21.12.2008 | 12:03

    Genau, und die geben eine Studie über die Preiselastizität bei Alkohol einfach so zum Spaß in Auftrag, so aus reiner Neugier sozusagen, was dabei rauskommt. Wie würde Walter Ulbricht vermutlich heute sagen: “Niemand hat die Absicht eine Steuer zu erhöhen!”… wer’s glaubt wird seelig!

  3. 21.12.2008 | 12:28

    @e.r.:

    Was das Weltbild betrifft, würde ich zunächst bei mir selbst beginnen. Du kannst auch das Autobeispiel generell auffassen, das ändert nichts an der Logik, dass nicht das auto, sondern die Handlung die zu einem Unfall führt das Problem ist.

  4. Herbert
    21.12.2008 | 14:51

    @ SteffenH
    “Nicht bei der Bundesregierung, die etwa gegen die gesellschaftlichen Folgen des Alkoholkonsums stets mit Verboten oder Preiserhöhungen vorgeht.”
    Welche Preiserhöhungen denn? Bier ist doch in D wirklich sehr billig, billiger als Milch:-), ab 70 Cent/l ist der Endverbraucher im Laden in jedem Fall dabei. Ich wusste auch gar nicht, dass die Bundesregierung den Bierpreis macht. Bist Du sicher, dass Du nicht von skandinavischen Ländern sprichst? Wein ist übrigens auch billig.

  5. 21.12.2008 | 15:01

    @Herbert

    Dass SteffenH eine über Steuererhöhungen induzierte Preiserhöhung gemeint hat, wusstest du auch. Was soll der Quatsch also?

    Und wenn du fragst, welche, dann darf ich mal auf die Alcopops verweisen, wo genau diese Nummer schon einmal durchgezogen worden ist.

  6. Herbert
    21.12.2008 | 15:46

    “Dass SteffenH eine über Steuererhöhungen induzierte Preiserhöhung gemeint hat, wusstest du auch. Was soll der Quatsch also?”
    Die Biersteuer ist lächerlich niedrig mit 8,6 Cent/l:
    http://www.zoll.de/b0_zoll_und_steuern/b0_verbrauchsteuern/h0_biersteuer/b0_hoehe_der_biersteuer/index.html

    “dann darf ich mal auf die Alcopops verweisen, wo genau diese Nummer schon einmal durchgezogen worden ist”
    Das unterstütze ich unbedingt. Es ist überhaupt nicht einzusehen, dass die anders besteuert werden sollten als Schnaps. Alle, die dagegen protestieren, sind ziemlich miese Heuchler, die meist davon leben wollen, dass sie Jugendliche vergiften, die zu alt sind für reine Brause und zu jung für ein herbes Bier. Neben den Giftmischern und ihren schmierigen Winkeladvokaten gibt es leider immer noch die nützlichen liberalen Idioten. Die muss man einfach schwätzen lassen, wenn man Jugendliche davor bewahren will, dass sie sich in einer komplizierten Lebensphase das Gehirn wegsaufen, das sie noch lange brauchen:-)

  7. e.r.
    21.12.2008 | 16:22

    @steffentreffen:

    “Was das Weltbild betrifft, würde ich zunächst bei mir selbst beginnen.” – ohne worte.

    worum es eigentlich geht: “Du kannst auch das Autobeispiel generell auffassen, das ändert nichts an der Logik, dass nicht das auto, sondern die Handlung die zu einem Unfall führt das Problem ist.” – so wie die handlung, die uns alle befähigt, einen unfall in nem atomkraftwerk zu verhindern.

    sorry, ich hab wirklich nix gegen intelligente liberale, nur wo sind die zu finden? (btw. primitive logik (1+1=2)ist nicht gleich erkenntnisgewinn)

  8. 21.12.2008 | 16:27

    @Herbert

    Alle, die dagegen protestieren, sind ziemlich miese Heuchler…

    Ja, so ungefähr klingen unsere Volkserzieher. Danke für das instruktive Beispiel.

    @e.r.

    sorry, ich hab wirklich nix gegen intelligente liberale, nur wo sind die zu finden?

    Jetzt hast du es uns aber gegeben. Ich kann SteffenH nur raten, zukünftig voller Ehrfurcht auf einen Kontakt mit deiner überlegenen Intelligenz zu verzichten. Ich kann ihm auch technisch dabei helfen.

  9. e.r.
    21.12.2008 | 17:02

    hab ich behauptet, ich hätte eine überlegene intelligenz? (das ist ja wohl eher eine induktive schlußfolgerung von dir.) und bitte, mach den schäuble, bedenke aber, dass ich morgen eine andere ip-adresse haben könnte.

  10. Herbert
    21.12.2008 | 18:04

    “Ja, so ungefähr klingen unsere Volkserzieher”
    Dazu stehe ich, bei dem Thema sowieso. Es gibt nichts Niedrigeres als Leute, die davon leben, dass andere sich ruinieren. Ein subventionierter Landwirt ist mir lieber als ein Alcopop-Giftmischer mit Gewinn. Denn der Nettobeitrag des letzteren zum Gemeinwohl ist ganz sicher negativ.

  11. Milfy
    21.12.2008 | 19:08

    Neben den Giftmischern und ihren schmierigen Winkeladvokaten gibt es leider immer noch die nützlichen liberalen Idioten.

    Mit dieser Argumentation könnte man bei jedem Thema liberalen Idioten eine Teilschuld geben.

    Dazu stehe ich, bei dem Thema sowieso. Es gibt nichts Niedrigeres als Leute, die davon leben, dass andere sich ruinieren.

    Wie kommst du nur auf “ruinieren”? Was kann das Unternehmen und dessen Anteilseigner dafür, wenn die Produkte missbräuchlich angewendet werden?

    Party machen, Spaß haben, feiern …. und wer darüber hinausschießt ist selber Schuld. Ich habe mich komischerweise nie ruiniert, obwohl ich doch etliche “Chancen” hätte. Habe als Teenie nicht geraucht, auf Partys im jungen Alter nie die Kante gegeben usw. usf. Früher gab es da nicht so viele Verbote und künstlich verteuerte Produkte. Auch damals wollten die Unternehmen Gewinn machen (was sonst) und komischerweise bin ich nicht ruiniert. Daran kann es also nicht liegen.

    Ein subventionierter Landwirt ist mir lieber als ein Alcopop-Giftmischer mit Gewinn. Denn der Nettobeitrag des letzteren zum Gemeinwohl ist ganz sicher negativ.

    Oh, der liebe liebe Landwirt, der keinen Gewinn macht, sondern im Vorhinein eine festgelegte Nachfrage hat und der böse böse “Alcopol-Giftmischer”, der nur egoistisch handelt und Gewinn einstreichen will. Jaja, der ländliche Bauer ist ja für uns alle, für das Allgemeinwohl und zudem vom Staat dirigiert.

    Sach mal, ist dir diese Sichtweise nicht bisschen blöd?

  12. 22.12.2008 | 0:44

    @e.r.

    “Mach den Schäuble”? Indem ich verhindere, dass bei uns auf den Teppich gepinkelt wird? Das lässt ja tief in gewisse Anspruchshaltungen blicken.

    Und ja, bitte, such dir immer wieder neue IPs und andere Merkmale. Wenn es dir so wichtig ist, hier zu kommentieren, dann reize ich deinen Grenzpreis gerne aus.

    Zunächst aber ist mal Feierabend.

  13. Libero
    22.12.2008 | 9:02

    Das Argument, daß man selbst, obwohl man raucht oder trinkt, weder abhängiger Raucher noch Trinker wird, ist leider abwegig. Dann hat man aus den unterschiedlichsten Gründen keine Disposition für diese Süchte. Vielleicht deshalb, weil man glücklich ist und keine Flucht in die Ersatzbefriedigung braucht.

    Natürlich ist eine höhere Steuer auf alkoholische Getränke nicht geeignet, Süchtige abzuhalten. Das ist eine typisch puritane Reaktion, die nur zu einem freudlosen Leben für alle führt.

    Süchtige Menschen leben in einer engen oder eher lockeren Gemeinschaft mit nicht süchtigen Menschen zusammen. Menschlich wäre es, wenn diese nicht süchtigen Menschen den süchtigen Menschen auf seine Sucht ansprechen. Unmenschlich ist es, ihn oder sie nicht darauf anzusprechen, erst recht, wenn man sich gut, gar freundschaftlich kennt. Freundschaft kennt nicht nur den Sonnenschein. Manchmal ist es notwendig, daß diese Konfrontation sehr massiv ist. Was nicht immer hilft.

  14. Herbert
    22.12.2008 | 9:20

    @ Milfy
    “Was kann das Unternehmen und dessen Anteilseigner dafür, wenn die Produkte missbräuchlich angewendet werden?”
    Es gibt keinen anderen Gebrauch für Alcopops als den Missbrauch. Schnaps kann man wenigstens noch zum Backen, im Tee, zum Haltbarmachen oder zum Einreiben verwenden. Alcopops machen nur besoffen und für nichts anderes werden sie verkauft.
    “Ich habe mich komischerweise nie ruiniert, obwohl ich doch etliche “Chancen” hätte. Habe als Teenie nicht geraucht, auf Partys im jungen Alter nie die Kante gegeben usw. usf.”
    So wie ich, aber ist das ein Argument?

  15. Libero
    22.12.2008 | 19:13

    @Milfy
    Ich habe mich komischerweise nie ruiniert, obwohl ich doch etliche “Chancen” hätte.
    Mir scheint, du leidest darunter. Verpasste Gelegenheiten und dergleichen. Nun, das ist nicht die Hürde. Ein paar winzige kleine natürlich “temporäre” Eingriffe in deinen Stoffwechsel und du kannst beglückt deine Karriere als Alkoholiker miterleben. Echt in der ersten Reihe. Wo wird das einem heute noch geboten? Interesse?

  16. 22.12.2008 | 20:54

    Aus den besonderen Umständen den Suchtgefährdtet ausgesetz sind, Regeln auch für Menschen abzuleiten, die das nicht sind, ist gefährlicher Blödfug.

  17. Herbert
    23.12.2008 | 10:58

    @ Michel
    “Aus den besonderen Umständen den Suchtgefährdtet ausgesetz sind, Regeln auch für Menschen abzuleiten,”
    Welche Regeln denn? Steuern auf Alcopops sind keine Regeln, sondern Steuern. Man darf sich das kaufen, wenn man unbedingt will, genau wie Schnaps, nur eben nicht so billig wie Apfelschorle. Gut so! An Regeln fällt mir nur das Verbot ein, Schnaps & Co an unter 18jährige zu verkaufen oder auszuschenken. Wer seinen Liberalismus ins politische Off schießen will, kann das ja mal thematisieren. Bin gespannt, ob Schwester Welle damit noch irgendwann ankommt. Als Konservativer würde ich mich drauf freuen.

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