Überflüssig?

Das schlagendste Argument gegen die Initiative der CDU, Deutsch als Sprache des Staates in das Grundgesetz aufzunehmen, schien bisher immer zu sein, dass so etwas komplett überflüssig sei. Daraus folgt aber im Umkehrschluss, dass es eigentlich auch kein Grund zur Aufregung sein sollte, wenn es doch mal so käme. Die Reaktionen auf den Beschluss des CDU-Parteitags aber lassen nicht nur auf den kommenden Wahlkampf schließen, sondern auch darauf, dass ein solcher Passus in der Verfassung die Kritiker wohl tatsächlich stören würde, sie also nicht nur Deutsch als verbindliche Staatssprache sehen, zumindest nicht für eine einer Verfassung gemäße Geltungsdauer.

Politiker wie der NRW-Innenminister Armin Laschet oder Gesine Schwan während ihres Wahlkampfes für das Bundespräsidentenamt müssen alle Gesetze der Logik vergewaltigen, um zu begründen, warum sie so vehement dagegen sind, eine Vorschrift in das Grundgesetz aufzunehmen, die sie doch als Selbstverständlichkeit betrachten.

Interessant ist übrigens, dass diejenigen, die darin einen Affront gegen Migranten sehen, offenbar davon ausgehen, dass diese die Sprache des Landes, in dem sie leben, nicht lernen wollen. Einwanderer, die solche Freunde haben, brauchen keine Neo-Nazis mehr, um negative Stereotype über sich verbreitet zu sehen.

Zu den besonders bemerkenswerten Stimmen zählt der Vorsitzende der Türkischen Gemeinde, der SPD-Politiker Kenan Kolat. Nicht nur, dass er sich mit seinem Vorwurf, CDU-Politiker bedienten mit ihrer Forderung “vorhandener Ängste und Klischees gegenüber Migranten”, gerade selbst das Klischee des nicht der deutschen Sprache mächtigen Einwanderers bedient, er versteigt sich, hier ganz Gefolgsmann seines Stichwortgebers Erdogan, auch dazu, darin einen “Assimilierungsdruck” zu sehen. Wie passt das mit seiner Bemerkung zusammen, es werde von niemandem in Zweifel gezogen, dass die Amtssprache in der Bundesrepublik Deutschland Deutsch sei? Vielleicht löst sich der scheinbare Widerspruch, die ausgeübte Praxis als Selbstverständlichkeit anzusehen, ihre Festlegung im Grundgesetz aber als üble Tat, dadurch auf, wenn man eine etwas längerfristige Perspektive einnimmt. Die ausgeübte Praxis lässt sich leichter ändern ohne lästige Festlegungen in Werken, die sich nur mit Zweidrittelmehrheit in Bundestag und Bundesrat anpassen lassen.

Denn so selbstverständlich ist es für Kolat nämlich nicht, dass man sich auf Deutsch als gemeinsame Sprache einigt. Er selbst erwähnt als schlechtes Vorzeichen, dass in “einigen Schulen” beschlossen worden sei, andere Sprachen als die deutsche “zu verbieten”. Nun, abgesehen von dem Umstand, dass die Einigung auf eine Sprache immer auch darauf hinausläuft, dass andere eben nicht zum Einsatz kommen, scheint er hier vor allem auf einen bestimmten Fall anzuspielen, nämlich den der Herbert-Hoover-Schule im Berliner Wedding, der vor drei Jahren bekannt wurde. Hier hatten sich Lehrer, Eltern und Schüler in einem gemeinsamen Beschluss zur Hausordnung darauf verständigt, dass auf dem gesamten Schulgelände nur noch Deutsch gesprochen werde. Und wer störte sich schon damals an dieser Einigung? Natürlich Herr Kolat. Es kann ja sein, dass mein Logikzentrum gerade erheblich gestört ist, aber ich kann das eigentlich nur als konsequente Haltung mit einem ziemlich offensichtlichen Ziel begreifen. Eins, für das er die Zeit noch nicht reif sieht, es auszusprechen. Vielleicht, weil er damit auch in der Gruppe von Bürgern auf Unverständnis stoßen würde, die er vorgibt zu vertreten.

Neben dieser Art der Reaktionen gab es noch eine weitverbreitete, nämlich den Vorstoß der CDU-Politiker dadurch ins Lächerliche zu ziehen, dass absurde Auswirkungen im Alltag heraufbeschworen werden oder man sich des Umstands bedient, dass das Deutsche reich an Dialekten ist. Das ist aber nur für diejenigen komisch, denen man noch nicht beigebracht hat, welche Rolle das Grundgesetz einnimmt. Es regelt nämlich nicht, was Menschen untereinander und miteinander tun dürfen, sondern es legt die Institutionen des Staates fest und ihr Verhältnis zu den Bürgern. Also würde auch nach Aufnahme eines solchen Artikels oder Absatzes in das Grundgesetz selbstverständlich in diesem Land weiter geschwäbelt und berlinert, Türkisch und Italienisch gesprochen sowie, zum Leidwesen aller, die sich wie der VDS mehr davon versprechen, in dämlichstem Denglisch geworben und geschwurbelt. Ja, dadurch verhinderte man noch nicht einmal, dass in Deutschland analog zu einem von in Staaten der USA praktizierten Service Wahlunterlagen mehrsprachig abgefasst würden.

Der Beschluss, den die CDU da gefasst hat, war also doch nicht völlig überflüssig. Noch nicht einmal, wenn wir realistischerweise davon ausgehen, dass er nie umgesetzt werden wird. Er hat immerhin gute Dienste als Resonanzboden geleistet.

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38 Kommentare zu “Überflüssig?”

  1. 7.12.2008 | 14:12

    Das schlagendste Argument gegen die Initiative der CDU, Deutsch als Sprache des Staates in das Grundgesetz aufzunehmen, schien bisher immer zu sein, dass so etwas komplett überflüssig sei. Daraus folgt aber im Umkehrschluss, dass es eigentlich auch kein Grund zur Aufregung sein sollte, wenn es doch mal so käme.

    Die Einleitung halte ich in der Form für schlecht argumentiert. Nur weil etwas überflüssig ist, heißt es nicht, dass es in unsere “Verfassung” muss.

    “Der deutsche Bundespräsident ist ein Mensch”. Wäre ebenfalls überflüssig, trotzdem würde ich es nicht im Grundgesetz verankern. Etwas wie das Grundgesetz sollte – meiner Ansicht nach – so wenig wie möglich geändert werden, weil Politiker die Angewohnheit haben ihm in der Folge alle Zähne zu ziehen oder jedes Steckenpferd einzubringen. Und die SPD hat ja schon angedeutet, dass mit ihr ein “ja” für diesen Vorschlag zu machen wäre, wenn im Gegensatz Sportförderung, Kinder- und Tierrechte auch Einzug ins Grundgesetz halten.

    Das Argument gegen einen überflüssigen Passus im Grundgesetz kann also auch sein, dass er eben doch Schaden anrichten kann. Nämlich als Türöffner.

  2. 7.12.2008 | 14:13

    Die Einleitung halte ich in der Form für schlecht argumentiert. Nur weil etwas überflüssig ist, heißt es nicht, dass es in unsere “Verfassung” muss.

    Meine eigene Einleitung war auch schlecht argumentiert. Von “muss” war natürlich keine Rede, sondern von “dürfte, weil es ja auch keinen Schaden anrichtet”.

  3. 7.12.2008 | 14:37

    Lieber Björn,

    der Tierschutz ist ja vor ein paar Jahren ins GG aufgenommen worden.

    Auch da hätte man argumentieren können, daß doch das Tierschutzgesetz reicht. Aber was Bestandteil des Grundgesetzes ist, das hat eben eine weitergehende Wirkung als “Staatsziel”.

    Ich stimme Rayson völlig zu: Dieser Beschluß hat durch die Reaktion, die er auslöste, gezeigt, daß er richtig war.

    Es gibt Leute unter den türkischen Einwanderern – wieviele es sind, wie einflußreich sie sind, ist schwer abzuschätzen -, die nicht Deutsche werden wollen, sondern die in Deutschland türkische Kolonien bilden wollen. Ihnen hat Erdogan mit seinem Satz, Assimilation sei ein Verbrechen, den Rücken stärken wollen.

    Und natürlich steuern sie, steuert Erdogan darauf zu, die Türken als nationale Minderheit anerkennen zu lassen, mit eigenen Schulen, eigenen Universitäten (das wurde schon gefordert), und mit Türkisch als zweiter Landessprache.

    Herzlich, Zettel

  4. 7.12.2008 | 15:54

    @Björn

    Das war auch nicht meine Logik. Ich beziehe mich nicht auf die Gegnerschaft zum Unionsvorschlag an sich, sondern auf die damit verbundene Aufregung. Dass jemand sagt: “Ich will das Grundgesetz nicht mit Selbstverständlichkeiten zumüllen”, kann ich verstehen, doch stellt sich eben die Frage, ob es sich tatsächlich für alle Beteiligten wirklich um Selbstverständlichkeiten handelt.

    @Zettel

    Dieser Beschluß hat durch die Reaktion, die er auslöste, gezeigt, daß er richtig war.

    So weit bin ich eigentlich noch nicht, jedenfalls wenn man unter “richtig” versteht, dass ich mich ihm anschließe. Erstmal finde ich nur, dass er eine Debatte verdient hat, und dass er eine große Berechtigung darin besitzt, dass er einige Heucheleien schwieriger macht.

    Deine Schlussfolgerungen drängen sich allerdings tatsächlich auf, wenn man Reaktionen wie die von Kolat liest.

  5. 7.12.2008 | 15:56

    [...] NACHTRAG: Rayson von den Bissigen Liberalen beschäftigt sich noch etwas ausführlicher mit dem Thema. [...]

  6. Dirk
    7.12.2008 | 17:24

    @Björn

    die Festlegung auf Deutsch als Amtssprache im GG ist überflüssig, wenn es eine Selbstverständlichkeit ist. Die Reaktionen zeigen aber, dass dies offenbar nicht der Fall ist und damit, dass ein solcher Eintrag eben nicht überflüssig ist.

    Ob er sachlich richtig ist, das wäre wieder eine andere Frage.

    Aber darüber wird ja interessanterweise gar nicht gesprochen. Die Argumente der Gegner sind ja keine Sachargumente. Es wird von “falschen Signalen” oder dem “Bedienen von Ressentiments” so wie Politiker häufig einen Sachverhalt beschreiben, der gemeinhin Empörung auslöst (so wie hohe Managergehälter) und dann kritisieren “Das verstehen die Menschen nicht”.

    Die Möglichkeit, dass ein Vorschlag nicht verstanden wird, wendet man als Argument gegen ihn. Unpolitik.

  7. 7.12.2008 | 17:49

    “Das schlagendste Argument gegen die Initiative der CDU, Deutsch als Sprache des Staates in das Grundgesetz aufzunehmen, schien bisher immer zu sein, dass so etwas komplett überflüssig sei. Daraus folgt aber im Umkehrschluss, dass es eigentlich auch kein Grund zur Aufregung sein sollte, wenn es doch mal so käme. “

    Oh doch. Wer allerlei wohlklingende Selbstverständlichkeiten, Planhülsen und Sprechblasen ins Grundgesetzt aufnimmt, entwertet es dadurch.

  8. ruhestörung
    7.12.2008 | 18:00

    Oh doch. Wer allerlei wohlklingende Selbstverständlichkeiten, Planhülsen und Sprechblasen ins Grundgesetzt aufnimmt, entwertet es dadurch.

    Art. 22 GG lautet:

    (1) Die Hauptstadt der Bundesrepublik Deutschland ist Berlin. Die Repräsentation des Gesamtstaates in der Hauptstadt ist Aufgabe des Bundes. Das Nähere wird durch Bundesgesetz geregelt.
    (2) Die Bundesflagge ist schwarz-rot-gold.

    Wird durch derlei Selbstverständlichkeiten das Grundgesetz entwertet? Ich denke nicht.

  9. 7.12.2008 | 19:12

    Flagge und Hauptstadt sind im Gegensatz zur Sprache aus Sicht des Staates disponibel. Die Geschichte lehrt das. Also ist es durchaus sinnvoll, die getroffene Regelung im Grundgesetz vorzunehmen oder dort zu dokumentieren.

  10. ruhestörung
    7.12.2008 | 19:21

    Ist denn aber die Verfassung nicht der Ort, Dinge zu regeln, die gerade nicht zur Disposition stehen sollen, wie die Staatsform und Grundrechte?

  11. 7.12.2008 | 19:53

    “Es gibt Leute unter den türkischen Einwanderern – wieviele es sind, wie einflußreich sie sind, ist schwer abzuschätzen -, die nicht Deutsche werden wollen, sondern die in Deutschland türkische Kolonien bilden wollen.”

    Aber ob sich deren Bestrebungen auf dem freien Markt durchsetzen?

  12. 7.12.2008 | 20:10

    Als wenn der Aufbau staatlicher Strukturen bzw. der Ersatz der Strukturen des einen durch die des anderen Staates etwas mit “freiem Markt” zu tun hätte…

  13. Chrim
    7.12.2008 | 20:20

    Wenn die deutsche Sprache ins GG aufgenommen wird…sind dann andere Sprachen in Deutschland verfassungswidrig? Was für ein Schwachsinnseinfall. Die Frage ist doch eher brauchen wir die Festlegung auf die deutsche Sprache im GG? Wozu…Nutzen???

    Ehrlich gesagt hat mich der Artikel von Rayson sehr irritiert und stimmt mich doch sehr bedenklich.

    lg

  14. 7.12.2008 | 20:25

    sind dann andere Sprachen in Deutschland verfassungswidrig?

    Natürlich. So wie z.B. die Flaggen anderer Länder auch.

    Ehrlich gesagt hat mich der Artikel von Rayson sehr irritiert und stimmt mich doch sehr bedenklich.

    Dass er so etwas auslösen kann, auch ohne dass man ihn liest, finde ich ehrlich faszinierend.

  15. RZ
    7.12.2008 | 20:27

    Daß die Flagge und die Hauptstadt im GG stehen ist natürlich genauso überflüssig. Bundeswappen und Nationalhymne stehen da z.B. auch nicht (hey, tolle Idee, was der nächste CDU-Parteitag beschließen könnte).

    Im Ernst: 59 Jahre lang hat es niemanden gestört, daß im GG nichts zur Landessprache steht. Alles nötige ist bereits in normalen Gesetzen geregelt (z.B. daß in Deutsch unterrichtet wird; daß Einwanderer Deutsch lernen müssen; daß Deutsch Gerichtssprache ist usw). Die Sache ist so offensichtlich und selbstverständlich (alleine durch die Tatsache, daß das GG in Deutsch geschrieben ist), daß eine GG-Änderung für diesen Satz einfach nur affig wäre.

    Eben in Berlin direkt wurde übrigens eine ganz neue Begründung für die angebliche Notwendigkeit einer GG-Änderung genannt: man will diese verflixten Angilizismen verbieten. Dann darf z.B. ein Geschäfteinhaber keinen englischen Werbespruch mehr in sein Schaufenster hängen. Eine Einschränkung der Freiheitsrechte? Totalitärer Kontrollwahn? Nein, in der CDU gibt’s ja nur “aufgeklärte, weltoffene Patrioten”. Auweia…

  16. 7.12.2008 | 20:37

    Allmählich begreife ich die Mechanismen der politischen Blogosphäre…

    Ich sollte meine Beiträge zukünftig auf das Nennen eines Stichworts beschränken. Dann sagt jeder dazu, was er schon immer sagen wollte, und ich muss mich nicht mehr darüber ärgern, dass Behauptungen aufgestellt werden, die davon zeugen, dass der Kommentator meinen Beitrag selbst überhaupt nicht gelesen hat.

  17. 7.12.2008 | 21:44

    Lieber RZ,

    Eben in Berlin direkt wurde übrigens eine ganz neue Begründung für die angebliche Notwendigkeit einer GG-Änderung genannt: man will diese verflixten Angilizismen verbieten. Dann darf z.B. ein Geschäfteinhaber keinen englischen Werbespruch mehr in sein Schaufenster hängen. Eine Einschränkung der Freiheitsrechte? Totalitärer Kontrollwahn? Nein, in der CDU gibt’s ja nur “aufgeklärte, weltoffene Patrioten”. Auweia…

    Hat das ernsthaft jemand von der CDU so gesagt? Könnten Sie den nennen bzw. die Quelle?

    Wer immer das gesagt hat, wenn er’s denn gesagt hat, der ist, mit Verlaub, ein Dummkopf. Denn eine Sprache als Landessprache zu bestimmen bedeutet selbstredend nicht, den Benutzern dieser Sprache lexikalische oder vielleicht gar phonologische Vorschriften zu machen (die Sachsen würden sich bedanken).

    Herzlich, Zettel

  18. 7.12.2008 | 21:51

    Verzeihung, lieber Zettel: aber die Oberbayern, die Schwaben, die Rheinländer und die Pfälzer würden sich selbstredend auch bedanken;-)

  19. 7.12.2008 | 21:58

    Leute, ich frage mich ernsthaft, wie Ihr nach dieser Diskussion hier noch das Etikett “liberal” führen wollt.

  20. 7.12.2008 | 23:29

    @Zettel:

    „Die ständige Verhunzung der deutschen Sprache – übrigens auch in vielen Papieren hier im Wirtschaftsministerium – durch Anglizismen wie ,upgegraded´, Abkürzungen und Wortschöpfungen wie ,gender mainstreaming´ ärgert mich“, wurde Glos zitiert.

    Quelle.

    Denn eine Sprache als Landessprache zu bestimmen bedeutet selbstredend nicht, den Benutzern dieser Sprache lexikalische oder vielleicht gar phonologische Vorschriften zu machen (die Sachsen würden sich bedanken).

    Wenn das mal die Franzosen wüssten…

  21. 7.12.2008 | 23:31

    Leute, ich frage mich ernsthaft, wie Ihr nach dieser Diskussion hier noch das Etikett “liberal” führen wollt.

    Danke! Ich war kurz davor die Einladung zum Neujahrsfest der FDP doch anzunehmen. Ich dachte mir, die Liberalen und ich könnten vielleicht doch wieder Freunde werden. Gut, Bloggies und FDP sind was ganz anderes, aber die Denke ist ja oft gleich, vor allem in solchen Fragen.

    Zum Glück kommt Niels und holt mich in die Realität zurück.

    Gegenfrage: Wie willst Du eigentlich nach so einer Frage noch ernstgenommen werden?

  22. 8.12.2008 | 0:07

    @Niels

    Auch wenn es immer wieder behauptet wird hat ernsthafter Liberalismus nichts mit Kulturrelativismus und Scheißegal-Mentalität zu tun. Im Gegenteil: Je mehr Freiheit im juristischen Sinne ein Mensch hat, desto mehr braucht er auch einen ethischen Wegweiser. Dazu gehört eine gewisse gesellschaftliche (nicht staatliche/juristische) Diskriminierung [ja, richtig gelesen] von Menschen mit nicht konformen Verhaltensweisen. Wenn man das Grundgesetz nicht in erster Linie als positives Recht sähe, sondern eher als eine Art Knigge für Deutschland, ließe sich damit die Aufnahme von Deutsch als Landessprache begründen. Notwendig wäre es aber in der Tat auch dann nicht wirklich.
    —–
    Freiheit verpflichtet

  23. Dirk
    8.12.2008 | 0:10

    @Zettel

    Auch da hätte man argumentieren können, daß doch das Tierschutzgesetz reicht. Aber was Bestandteil des Grundgesetzes ist, das hat eben eine weitergehende Wirkung als “Staatsziel”.

    Das ist aber genau ein Grund, gegen diesen Vorschlag zu sein. Denn erstens, möchte ich nicht, dass die Deutsche Sprache zum Staatsziel wird. Welche deutsche Sprache überhaupt? Die aktuelle? Die aus den 50ern? Oder aus dem Mittelalter?

    Und zweitens bin ich dagegen, dass ein rein deskriptiver Satz (“Die Sprache der Bundesrepublik Deutschland ist Deutsch”) von Juristen als Norm interpretiert wird oder gar ein Staatsziel darin gelesen wird. Da muss man den Satz vor seinen Deutern schützen!

  24. Buenavista
    8.12.2008 | 3:03

    “Wenn es nicht notwendig ist, ein Gesetz zu machen, dann ist es notwendig, kein Gesetz zu machen.”

    Charles de Montesquieu

  25. 8.12.2008 | 13:59

    @Niels

    Leute, ich frage mich ernsthaft, wie Ihr nach dieser Diskussion hier noch das Etikett “liberal” führen wollt.

    Etikettenschwindel ist unsere Spezialität. Hier sollen sich sogar Sozen als Autoren rumtreiben. Und von den Liberalen sagt man, dass ihnen egal ist, wenn andere meinen, sie wären nicht liberal.

    @Buenavista

    Bin ganz deiner Meinung. Allerdings teile ich Raysons Erstaunen über die plötzlich doch recht beträchtliche Menge an Montesquieu-Anhängern. Ist ja nicht häufig so, dass diese Zurückhaltung bei der Forderung nach neuen, “besseren” Gesetzen von den jetzt so lauten Kritikern zu hören ist.

  26. 8.12.2008 | 16:30

    Lieber Björn,

    soso, also Glos. Was da zitiert wird, beweist freilich noch nicht, daß er glaubt, durch die Festlegung von Deutsch im Grundgesetz würde auch irgend etwas über Anglizismen ausgesagt werden.

    Falls er das aber wirklich so gemeint haben sollte, dann bleibe ich dabei: Dummkopf ;-)

    Was das Französische angeht: Auch in Frankreich hat natürlich die Festlegung von Französisch als Sprache der Republik nichts mit dem Kampf gegen das Franglais zu tun.

    Herzlich, Zettel

  27. 8.12.2008 | 16:32

    Lieber Stefanolix,

    das stimmt! Und ich bestätige es ausdrücklich, beim Andenken meiner sächsischen Vorfahren, denen ich es verdanke, daß meine Großmutter immer die köstlichen Quarggeulchen gemacht hat. :)

    Herzlich, Zettel

  28. Lina
    8.12.2008 | 17:06

    @ Zettel

    Wenn schon Lautsprache, dann aber richtig (-; ! ‘Quooagggeulschen’; so jedenfalls hab’ ich es im Ohr … oder gibt’s noch was zu verbessern, stefanolix?

    (Waren guuut, aber die Ernährungs-’Ampel’ stünde fett auf Rot, ned waa?)

  29. 8.12.2008 | 17:18

    Bei uns in der Familie sagt man traditionell Quarkkuchen und Quarkkeulchen (wir sprechen zwar mit der sächsischen Klangfarbe, aber nicht im sächsischen Dialekt). Wenn man beim Bäcker in der Schlange steht, hört man allerdings auch Linas so schön parodierte Version Quooagggeulschen.

    Ich denke nicht, dass die Quarkkeulchen unbedingt ein rotes Ampelsymbol verdient haben — es kommt wie immer auf die Menge an. Ein ganzer Eimer Möhren am Tag ist auch mit grünem Ampelsymbol nicht gesund;)

  30. 8.12.2008 | 18:24

    Ich nehme Rayson sein Erstaunen nicht ganz ab – bei so vorhersagbaren Reaktionen.

    Aber nur mal so:

    Artikel 3. Der Staat Türkei ist ein in seinem Staatsgebiet und Staatsvolk unteilbares Ganzes. Seine Sprache ist Türkisch.

    Im Artikel 42.

    Den türkischen Staatsbürgern darf in den Erziehungs- und Lehranstalten als Muttersprache keine andere Sprache beigebracht und gelehrt werden als Türkisch. Die Grundsätze, an welche die in den Erziehungs- und Lehranstalten zu lehrenden Fremdsprachen und die Schulen, welche die Erziehung und Lehre in einer Fremdsprache durchführen, gebunden sind, werden durch Gesetz geregelt.

  31. 8.12.2008 | 18:27

    Liebe Lina, lieber Stefanolix,

    also, diese, nennen wir sie neutral QQ, die meine Großmutter in der Nachkriegszeit gemacht hat, waren mit Sicherheit keine Kalorienbomben. Leider, denn wir waren damals ja froh über jede Kalorie.

    Sie bestanden, wenn ich mich recht erinnere, aus gestampften Kartoffeln und Quark, wurden in dem Fett gebraten, das gerade vorhanden war (zum Beispiel aus selbst gesammelten Bucheckern gepreßt) und dann mit Zucker bestreut, so vorhanden.

    Vorhanden war er, wenn wir ein Paket aus Amerika bekommen hatten. Übrigens von Lina – sie war bei meiner Großmutter Dienstmädchen gewesen, war nach Amerika ausgewandert und hatte Kontakt gehalten.

    Von daher, liebe Lina, verbindet sich für mich Ihr Name mit Kaugummi, dicker Blockschokolade, Winnie the Puh und lila Söckchen. :)

    Herzlich, Zettel

  32. Lina
    8.12.2008 | 21:09

    Die lila Söckchen waren auch für Sie, Zettel? Mit dem Rest hätte ich leben können (-; …

    Bei mir war’s die Ex-Schwiegermutter, die ihre QQ mit extraordinär viel Butter anreicherte, so dass sie beim Verspeisen der Teile auf den Teller zurücktriefte; dicke Rosinen waren natürlich auch drin!

    Nette Story, die Ihre; von daher: immer ‘zu Diensten’,

    Lina

  33. 8.12.2008 | 22:02

    Ergänzen möchte ich: es gibt wohl zwei Generationen von Hausfrauen und Köchinnen, die nach der Erfahrung der Zeit nach dem zweiten Weltkrieg (umgangssprachlich bei uns: die »schlechte Zeit«) später zuviel der guten Zutaten verwendet haben.

    Meine Oma hat in der DDR-Zeit (als Lebensmittel gerade auf dem Land günstig und in großer Auswahl zu haben waren) wirklich ganze Menüs für ein Dutzend Personen auf einem kohlebeheizten Herd zubereitet — einfach aus der Freude heraus, dass es nach Not und Vertreibung noch einmal eine gute Zeit gab. Das war nach heutigen Maßstäben sicher nicht gesund, aber ich träume 30 Jahre später noch manchmal von der ostpreußisch angehauchten Küche meiner Oma. Und koche einiges (in Maßen und auf einem modernen Herd) nach …

  34. 8.12.2008 | 22:08

    Mein Blogger-Schicksal:

    Erst wird nur das Stichwort aufgegriffen und ungeachtet des Beitrags diskutiert. Und dann folgt ein ausführliches OT.

    Ich füge mich.

  35. 8.12.2008 | 22:50

    Oh, das tut mir leid. Es ging wirklich nur noch sehr am Rande um Sprache. Aber wie groß ist der Anteil der Blog-Diskussionen, die wirklich on-topic bleiben?

  36. 8.12.2008 | 22:54

    Das war natürlich “tongue-in-cheek”. Aber der gefühlte OT-Anteil bei meinen Beiträgen ist 150% ;-)

  37. 9.12.2008 | 0:22

    @Rayson: Einfach über ein Thema schreiben das dich nicht interessiert (Stichwort in den Raum werfen) und dann warten bis das Ganze so OT ist, dass wir bei einem Thema ankommen, über das du reden möchtest.

  38. Lina
    9.12.2008 | 9:08

    @ Rayson

    Aber der gefühlte OT-Anteil bei meinen Beiträgen ist 150% ;-)

    Was denn? Darin zeigt sich doch nur, dass Deine Beiträge ein breites Spektrum der Interessenslage Deiner Leser *gleichzeitig* abdecken (-;

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