Zu teuer?

Als ich vorgestern mal wieder in einem völlig überfüllten Zug von Frankfurt/M. in meine Berliner Heimat fuhr, musste ich mich doch sehr über die oftmals pauschalen Klagen überhöhter Bahnpreise wundern. Wenn die Nachfrage nach Sitzplätzen höher als das Angebot ist, dann kann es sich doch eigentlich nur um zu geringe Ticketpreise handeln. Irgendwie hat die Bahn trotz diverser Preisreformen mit Bahnkarten und Frühbucherrabatten den Dreh mit dem Peak-Load-Pricing immer noch nicht so richtig raus. Es mag sein, dass der Aufwand für noch ausgefeiltere Preisstrategien nicht lohnt. Vielleicht liegt es aber auch daran, dass die Bahn jedesmal, wenn sie versucht die Preise nach der individuellen Zahlungsbereitschaft der Fahrgäste zu differenzieren, auf den erbitterten Widerstand der Fahrgäste, Verbraucherschützer und Politiker stößt, die mit diversen Fairness-Argumenten zu Felde ziehen? Umsonst ist das nicht, denn schließlich erkaufen wir uns unseren Widerstand mit unbequemen Zugfahrten in überfüllten Zügen…

Geschäftstüchtig

Gespräch zwischen zwei Nachbarsmädchen.

Mädchen A, etwa 10 Jahre alt: “Weißt Du, dass mein Vater Deinem kleinen Bruder Geld dafür bezahlt, dass der sein Auto von innen putzt?”

Mädchen B, etwa 13 Jahre alt: “Ja…”

A: “Warum machen wir das nicht und verdienen stattdessen das Geld?”

B: “Brauch ich nicht, ich habe den besten Job, den es gibt”.

A: “???”

B: “Ich spiele mit Dir, Dein Vater nennt das ‘aufpassen’ und gibt mir Geld. Ist auch gar nicht anstrengend”.

A: “Böh”.

Alles Definitionssache, diese “Arbeit”.

Empfindlich

Wenn Strauß und Wehner, Schmidt und Adenauer so empfindlich gewesen wären wie diese zwei Dortmunder Stadträte, hätten sich Generationen von Anwälten eine goldene Nase nur an den vier Herren verdienen können…

Gefühlte und echte Einseitigkeit

Im Nahen Osten sprechen wieder die Waffen, und viele Menschen sterben. Es mutet manchmal etwas kurios an, wie die “pro-westlichen” Blogs vor allem damit beschäftigt sind, ja nur keine Gelegenheit zu versäumen, der staunenden Öffentlichkeit mitzuteilen, dass sie aus lauter Antisemiten besteht. Vor allem natürlich die Berichterstatter – da wird jedes Wort so lange hin- und hergedreht, bis der Beweis der von vornherein feststehenden Einseitigkeit erbracht ist.

Aber das heißt nicht, dass es diese nicht gäbe. (mehr…)

Deconstructing E-Business

Dieses Paper habe ich heute erstellt. Ich bitte um kritische Anmerkungen.

Manipulation gegen Rechts

Rechtfertigt eigentlich der “Kampf gegen Rechts” die Manipulation der Öffentlichkeit? (mehr…)

Weihnachten mit dem Kirchensteuerbescheid

Als bissige Liberale schreiben wir ja alle Jahre wieder über neue Arten der staatlichen Bevormundung, Fürsorge und Wirtschaftslenkung. In diesem Jahr ist der Wettbewerb der Politiker um neue Ideen sehr hart. Konsumgutscheine sollten den Handel ankurbeln, Autobahnbauprogramme die Fertigbetonwerke auslasten, Subventionen für Breitband-Internet der Telekom wieder auf die Beine helfen und die Wiedereinführung der Pendlerpauschale als Konjunkturprogramm dienen. Aber von irgendeiner Hinterbank aus möchte sich dann doch noch ein Politiker profilieren und das sieht in der Weihnachtszeit so aus:

Das baden-württembergische CDU-Vorstandsmitglied Thomas Volk verlangte in der «Bild»-Zeitung, nur Kirchenmitglieder einzulassen, um Überfüllungen zu verhindern und ausreichend Sitzplätze für ältere Menschen vorhalten zu können.

Das ist neu: da will ein Politiker nicht nur die Bürger, sondern auch noch die Kirchen bevormunden. Würde man den Vorschlag für einen Augenblick ernst nehmen, dann könnte man über den Auftrag der Kirchen, das Hausrecht und die Zugangskontrolle nachdenken. Aber es ist ja kein Vorschlag zu blöd, als dass man nicht noch einen draufsetzen könnte:

Statt nach der Kirchensteuer zu fragen, kann sich die Kirchenbeauftragte der SPD-Bundestagsfraktion, Kerstin Griese, vorstellen, gerade in den Weihnachtsgottesdiensten für eine Kirchenmitgliedschaft zu werben. „Vielleicht könnte man nach dem Gottesdienst an den Ausgängen Eintrittsformulare verteilen.” [Quelle]

Ich mag ja altmodisch sein, aber für mich verbindet sich mit einem Kircheneintritt etwas mehr als ein Eintrittsformular. Möglicherweise hat Frau Griese ja an SPD-Eintrittsformulare gedacht?

Ich möchte jedenfalls die Gelegenheit nutzen und Euch allen ein gesegnetes Weihnachtsfest wünschen. Ganz ohne Steuerbescheid und Eintrittsformular;-)


Aktualisierung: Jetzt hat er seinen Vorschlag zurückgenommen.


Interview mit einem Vampir (I)

Irgendwo in einer deutschen Kleinstadt. Industriegebiet. Modern eingerichtetes 100-m²-Büro. (mehr…)

Retter vom Amt

Wie sieht es eigentlich aus, das richtige Konjunkturprogramm? Alle Berufs-, Opportunitäts- und Hobbykeynesianer scheinen sich nur darin einig zu sein, dass es möglichst groß sein und möglichst schnell kommen sollte. Aber ob nun Konsumgutscheine mit Auflagen, Steuersenkungen, niedrigere Sozialabgaben oder öffentliche Investitionen – schon da ist man sich nicht mehr ganz sicher. Und wenn dann noch die Frage nach der Konkretisierung kommt, setzt sie wieder ganz ein, die Kakophonie. (mehr…)

Zu dumm zum Sparen

Jetzt ist es amtlich: Deutsche sind zu dumm zum Sparen oder wie es die Hamburger Beratungsfirma Evers & Jung im Auftrag der Bundesverbraucherministerin ausdrückt: “Dem Vermittler steht der typische Verbraucher mit einem unzureichenden finanziellen Bildungsstand gegenüber”, weshalb Bundesbürger pro Jahr zwischen 20 und 30 Milliarden Euro durch schlechte Finanzberatung verlieren würden. Natürlich reicht es der Bundesregierung vor diesem Hintergrund nicht aus, dem Bürger zu empfehlen seine Nase mal in eines der unzähligen Bücher zu stecken, in denen man sich über das Einmaleins der Finanzanlage informieren kann. Nein, sie setzt lieber auf Maßnahmen, die es potentiell ermöglichen, das Verlustrisiko von Kapitalanlagen weitgehend dem Berater anzulasten. Wer will da noch Finanzberatungen anbieten? Und wer berät dann die Deutschen, die zu doof zum Sparen sind?

Ganz nebenbei, den ersten Finanzberater, den sich die Verbraucherministerin zur Brust nehmen sollte, ist Hessens-SPD-Spitzenkandidat. Mit seiner Empfehlung einer Zwangsanleihe für Reiche zu einem Zinssatz von 2,5 Prozent würde er die Anlagenverluste der Deutschen mit Sicherheit toppen. Aber warum sich von einem windigen Finanzvermittler an der Nase herumführen lassen, wenn man sich ganz offziell vom Staat im großen Stil abzocken lassen kann.

Blinde Therapeutik

Normalerweise kommt vor der Therapie die Diagnose des Problems. Nicht bei der Bundesregierung, die etwa gegen die gesellschaftlichen Folgen des Alkoholkonsums stets mit Verboten oder Preiserhöhungen vorgeht. Doch wird mit dieser Rasenmäher auch der Drogenkonsument geschädigt, der zwar möglicherweise seiner Gesundheit, nicht aber unbeteiligten Dritten einen Schaden zufügt. Jetzt liegt der Reflex sehr nahe, darauf zu verweisen, dass Drogenmissbrauch ja sehr oft zu Straftaten und Schäden bei anderen und höheren Kosten über die “solidarische” Krankenversicherung führt. Das mag richtig sein, doch argumentiert ja auch niemand, wir müssten Autos verteuern, weil diese häufig als Hilfsmittel für Banküberfälle verwendet werden. Wer etwas gegen die Folgen von Drogenmissbrauch machen möchte, der sollte genau diese negativen Folgen für andere mit drastischeren Maßnahmen bekämpfen und verhindern, dass die Drogenkonsumenten dem Rest der Gesellschaft ihre Therapiekosten aufbürden (Wie das funktionieren könnte liest man am besten bei David D. Friedman nach). Das Ganze ist also eine Aufgabe für Staatsanwälte und die Designer der Gesundheitspolitik. Wer aber den Alkoholkonsum per se bekämpfen will und sich dabei beliebter Stellvertreterargumente bedient, sollte endlich zugeben, das Rayson den Nagel auf den Kopf trifft.

Dávila der Woche VII

Der Staat ist ein Pädagoge, der seinen Schülern nie das Reifezeugnis verleiht.

Aus gegebenem Anlass.

Es gibt kein Marktversagen…

…nur Marktversager.

Zensur beim Deutschen Wetterdienst?

Wahrscheinlich traut sich Herr Lux vom Deutschen Wetterdienst nur nicht zuzugeben, dass man ihm die Einsicht in die internationalen Daten zur Temperaturentwicklung verwehrt. Jedenfalls musste der arme Mann im Spiegel den globalen Klimawandel allein auf Basis der Temperaturdaten seines Heimatlandes prognostizieren. Oder sollte das auch wieder nur so eine braune Botschaft sein: Denn heute erwärmt sich Deutschland und morgen die ganze…

Weise Entscheidung

In einem kürzlichen Gerichtsurteil hat das Bundessozialgericht entschieden, dass Wohnsitzlose für ihre Möbel einen Unterstellplatz anmieten dürfen, den die Gemeinschaft dann bezahlen muss. Wenn man sich schon für eine kollektive Unterstützung Hilfebedürftiger entscheidet, dann sollte man ihnen schon die Wahlfreiheit des Lebensstils überlassen. Weniger verständlich ist dagegen die Einschränkung, nach der die Unterstellkosten von Sammelobjekten wie Mickimausheften, Bierdeckeln oder Antiquitäten nicht erstattet werden. Es ist verständlich, dass man den Missbrauch solcher Regelungen vermeiden möchte, doch fragt auch bei der Wohnkostenerstattung niemand danach was gelagert, sondern lediglich auf welcher Fläche es gelagert wird. Weshalb soll also der eine die Lagerung seiner Mickimaushefte in der Wohnung erstattet bekommen, der andere in der Abstellkammer nicht? Ein kleiner Lösungsvorschlag: Wie wärs mit einer Wohnkostenpauschale?

Nazi-Codes im Kinderfernsehen!

Brandenburgs Verfassungsschutz warnt vor Nummernschildern mit bestimmten Buchstaben- und Zahlenkombinationen, mit denen Rechtsextreme bevorzugt herumfahren und bedauert, dass diese noch nicht verboten sind. Schließlich würden sich Rechtsradikale mit solchen Kombinationen unter Gleichgesinnten zu erkennen geben und ihre antidemokratische Gesinnung nach außen dokumentieren. Die Aktion gelte als „Information für den mündigen Bürger, um ihn zu sensibilisieren“. Nicht unverdächtig seien Buchstabenkombinationen wie NS, SS, SA oder Zahlenfolgen, die wiederum verdächtige Buchstabenkombinationen kodieren könnten, wie etwa 18 als Rangfolge der Buchstaben im Alphabet für „A“ und „H“ und damit die Initialen Adolf Hitlers. Wenn die Kollegen Verfassungsschützer da mal nicht den Wald vor lauter Bäumen übersehen haben. So hat zum Beispiel der öffentlich rechtliche Fernsehsender WDR eine Kindersendung namens “Wissen mach AH!” im Programm. Eltern seid bloß wachsam.

Recht hat er ja…

Das Konzept, das unsere Regierung umgesetzt hat, um den Credit Crunch zu verhindern, hatte ja eine gewisse Logik: Man stellt den Banken hohe Summen aus Steuergeldern zur Verfügung, damit diese dann den kleinen Unternehmen wieder Kredite geben. Leider aber haben dieses Angebot vor allem Staatsbanken genutzt, die das Geld nun nutzen, um in letzter Sekunde ihren Hals vor dem Zusammenbruch zu retten (und immer noch nicht solvent sind). Andere nahmen die Hilfen gerne an, aber nicht, um Kredite zu vergeben, sondern um trotz der Krise lange geplante Übernahmen finanzieren zu können.

Wäre es da nicht sinnvoller gewesen, das Rettungspaket anders zu gestalten? Nämlich als Bürgschaften für Kleinunternehmer, die zur Sicherung der Arbeitsplätze Investitionen tätigen wollen und dazu Kredite brauchen? Aber nein, solche Ideen werden von der Bundesregierung lediglich mit “Allgemeinplätzchen” bedacht, wie der “op d’r Eck”-Wirt angemessen konstatiert.

Und wer nun meint, dass sich Rettungsprogramme nur lohnen, wenn auch entsprechend viele Arbeitsplätze auf dem Spiel stehen, dem sei gesagt, dass Opel mit seinen 27.000 Mitarbeitern 1,8 Milliarden Euro Bürgschaft erhalten soll, also etwa 66.000 Euro pro Arbeitsplatz. Der Wirt wäre mit 10.000 Euro pro Arbeitsplatz ausgekommen, da hätte man sogar noch die Bürokratie zur Prüfung seines Antrages mitfinanzieren können – und wäre nicht nur preiswerter dran gewesen, sondern hätte auch noch verhindert, dass größere Summen ungeprüft in die Hände jener Leute geraten, die die Unternehmen zuvor an die Wand gefahren haben.

Alternativ hätte man natürlich auch einfach die Steuern senken können. Aber von solchen Utopien wollen wir gar nicht reden. Denn es ist ja klar, dass die Lobbyisten es lieber sehen, wenn das Geld an bestimmte Orte gelenkt wird.

Herzlich willkommen im Rechtsstaat!

Hm? Was? Na, das!
[via stilstand]

Bundesliga-Notizen 2008/2009, Hinrunde

Als Karlsruher Herthaner beendet man die Hinrunde der Bundesliga mit einem lachenden und einem weinenden Auge.

Mit einem lachenden, weil die Hertha die beste Hinrunde aller Zeiten hingelegt hat. Mit viel Dusel und knappen Ergebnissen, aber nicht von ungefähr: Solche Kombinationen wie in dieser Saison habe ich von meinem Lieblingsklub noch nie zu sehen bekommen. Davon klappen zwar letztlich nur etwas weniger als die Hälfte, aber dass es überhaupt versucht wird, ist viel mehr, als uns in der Vergangenheit zugemutet wurde.

Mit einem weinenden, weil der KSC zwar weiterhin gut spielt, aber die Abgänge Eggimann und Hajnal nicht verkraftet werden konnten: Vorne fallen zu wenig Tore, hinten werden zu viele kassiert. Um so frustrierender, wenn man als KSC-Fan mitansehen muss, dass in Karlsruhe dringend vermisste Spieler wie Federico und Eggimann in ihren Vereinen nur auf der Bank sitzen.

Schön, dass Hoffenheim das Vertraute aufmischt. Und es liegt wirklich nicht nur am Geld, denn die meisten Bundesliga-Vereine haben einen höheren Etat zur Verfügung.

Ein Sommer macht noch keinen Krugman

Der DGB-Chef Sommer macht das, was alle Linken angesichts der Finanzkrise und der sich abzeichnenden Rezession tun: Er triumphiert, nachzulesen im “Spiegel”-Interview. Irgendwie gönne ich den Linken dieser Welt diese Illusion ja, denn wer möchte schon sein ganzes Leben lang im Zweifel leben. Nur bleibt dieser Gefühlsausbruch unerquicklich für alle, die ihren Untersuchungsgegenstand gerne rational begreifen.

Ich wüsste z.B. nicht, wie Herr Sommer zu dem abstrusen Schluss kommt “wir hatten die richtige Linie wie sich jetzt zeigt – auch die richtige Kritik und die besseren Lösungen”. (mehr…)

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