Gabriels Toaster

Vor ein paar Tagen bin ich auf folgenden Kommentar zur Förderung der Windenergie in den USA gestoßen:

Even if the market value of the power is zero or negative, the subsidies encourage wind power producers to keep churning the megawatts out….You could, as a correspondent put it to me, build a giant toaster in West Texas and be paid by generators to operate it.

Man muss nicht lange suchen um Parallelen in Deutschland zu finden. Die Bundesregierung lässt ihre “Toaster” jetzt entwickeln, liest man heute bei der Tagesschau:

Mehr Elektroautos auf den Straßen – das ist das erklärte Ziel der Bundesregierung: Bis 2020 sollen etwa eine Million batteriebetriebene Fahrzeuge das Straßenbild ergänzen. Auch Brennstoffzellen und Wasserstoffantrieb sollen gefördert und erprobt werden. Das haben Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee und Umweltminister Sigmar Gabriel bei der “Nationalen Strategiekonferenz Elektromobilität” angekündigt.

Es ist bekannt, dass Elektroautos bestenfalls dann eine positive Umwelt- oder Klimabilanz haben, wenn der von ihnen verbrauchte Strom aus emissionsarmen Kraftwerken kommt. Also fördert man erst die Überproduktion von Strom aus erneuerbaren Energieträgern, deren unstetig erzeugte Energie zwar nur schwer ins Stromnetz integrierbar ist, sich dafür aber wunderbar in Akkus oder in Form von Wasserstoff speichern lässt. Doch da hierfür aus Kostengründen kaum Nachfrage besteht, werden die potentiellen Abnehmer für diesen Unsinn gleich mit dazu subventioniert. So ensteht ein ganze Kette von Herstellern, deren Geschäftsmodell von hinten bis vorn auf einer fixen politischen Idee und Unmengen von Steuergeldern basiert, das niemand wirklich nachfragt, außer deutschen Umweltpolitikern und industriellen Subventionsgewinnlern auf ihrem klimapolitischen Egotrip.

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18 Kommentare zu “Gabriels Toaster”

  1. Herbert
    27.11.2008 | 8:43

    Am Anfang war ja mal die Idee, dass man die Windenergieförderung kontinuierlich reduziert, also nur eine Anschubfinanzierung bereitstellt. Im Zusammenhang mit den Offshore-Anlagen (von der Fotovoltaik spreche ich als Technikfreund lieber gar nicht) kam dann plötzlich eine Erhöhung der Förderung ins Gespräch, “weil die Investitionen so hoch sind”. Es ist erschreckend, dass die Kosten steigen, wenn sich eine Technik weiterentwickelt. Es scheint mir jetzt der richtige Zeitpunkt zu sein, um ganz massiven Druck in Richtung der versprochenen Kostendegression auszuüben.

  2. 27.11.2008 | 10:02

    Die Probleme der Windenergieerzeugung lassen sich nicht einfach auf alle erneuerbaren Energien übertragen. Solarthermie, Fotovoltaik, Erdwärme, Wasserturbinen haben mit diesen Problemen nichts zu tun.

  3. Herbert
    27.11.2008 | 10:26

    @ che2001
    “…,Fotovoltaik,…haben mit diesen Problemen nichts zu tun”.
    Tststststs. Wind ist um ein Vielfaches besser als Fotovoltaik (,wie man am besten an den Einspeisevergütungen ablesen kann).

  4. 27.11.2008 | 10:30

    @Che2001:

    Abgesehen von der Fotovoltaik (auch auf diese kann man sich nicht verlassen, weil die Wolken mal oder mal nicht im Weg sind), hast du nicht ganz unrecht. Aber all diese Energieträger eint, dass sie in den meisten Fällen hoffnungslos unwirtschaftlich sind, selbst unter den Bedingungen des Emissionshandels. Sieht man es rein energiepolitisch, dann frage ich mich nach der politischen Logik einer Politik, die auf der einen seiten Energieeinsparung fördert, dann aber den Energieverbrauch subventioniert. Das macht weder ökonomisch noch ökologisch Sinn. Ginge es ums Klima, dann wäre der Emissionshandel auf alle fossilen Energieträger ausgedehnt die richtige Antwort. Was die Energiepolitik betrifft, sehe ich keinerlei Subventionsbedarf, schließlich stimuliert nichts besser die Energieforschung als ein hoher Brennstoffpreis. Und den befürchten ja eigenartigerweise genau die, die auch der Subventionierung von Energietechnologien permanent das Wort reden. Btw, die so oft zitierten Lernkurveneffekte oder sog. Spillovers sind kein Phänomen der erneuerbaren Energieträger, würden also jegliche Subventionierung begründen, auch in Bereichen, die manch einem Grünen so gar nicht behagen würden.

  5. 27.11.2008 | 13:35

    Das müssen ja nicht immer Kraftwerksdimensionen sein. Die Mehrzahl der neu gebauten Häuser heute verfügt über alternative Energieträger, Tendenz stark zunehmend. In vielen Fällen werden die gar nicht mehr mit Gasanschluss gebaut. Ein Haus mit Erdwärmenutzung plus Solaranlage plus Fotovoltaik kann sogar völlig autark sein. Müsste Liberalen doch eigentlich angenehm sein – die totale Unabhängigkeit von den Energiemonopolisten ;-)

    Blockheizkraftwerke mit Erdwärme oder Biomassefeuerung zur Versorgung von Reihenhauszeilen, Wohnblöcken, Hochhäusern, Einkaufszentern oder Schulen sind ebenfalls längst Stand der Technik und bedeuten Unabhängigkeit von den Kraftwerksbetreibern.

  6. stefanolix
    27.11.2008 | 13:53

    Totale Unabhängigkeit kostet eine Menge Geld. Und Energiekosten ordnen sich ja in die anderen Kosten eines Haushalts ein. Da muss man es sich gut überlegen, ob man autark sein will.

    Kleine Blockheizkraftwerke für eine Siedlung könnte ich mir schon eher vorstellen, aber auch da müsste man genau auf die Kosten schauen.

    Nebenbei: Es gibt kein Strommonopol, sondern allenfalls ein Oligopol einiger großer Elektroenergieerzeuger.

  7. 27.11.2008 | 15:18

    @che

    Ein Haus mit Erdwärmenutzung plus Solaranlage plus Fotovoltaik kann sogar völlig autark sein.

    Was sich ohne staatliche Subventionen aber kaum rechnet. Staatlich finanzierte Autarkie ist aber keine. ;-)

  8. 27.11.2008 | 16:00

    Also bitte, Erdwärme und Solarthermie sind ganz unsubventioniert mittlerweile Standardtechnologien im Hausbau. Und niemand zwingt den Häuslebauer, von der staatlichen Stromeinspeisungssubvention Gebrauch zu machen. Prinzipiell kann er ja den selbst erzeugten Strom auch selber verbrauchen.

  9. 27.11.2008 | 16:03

    Ich sach ja nicht, dass es nicht geht. Ich sach ja nur, dass es sich offenbar nicht wirklich rechnet.

  10. 27.11.2008 | 16:39

    @che2001:

    Sollte dir Nuance im Text entgangen sein, dass die Kritik die Förderung und nicht die Technik betrifft? Es gibt sicher Fälle, in denen solare Wärme oder Erdwärme sich auch ohne Förderung rechnet und sei es aus rein ideologischen Gründen. Allerdings greifen die meisten Ideologen dann trotzdem auf die Förderung zurück, über die du dich gern informieren kannst. Auch dem größten Weltenretter ist im Zweifel das Hemd näher als die Hose.

  11. 27.11.2008 | 18:38

    Die Energiebilanz von Passivhäusen ist schlechter als die von Niedrigenergiehäusern, weil beim Bau sehr viel mehr Energie aufgewendet werden muss. Die Gleichung Euro = Umweltbelastung gilt auch hier.

  12. 27.11.2008 | 18:57

    @Michel:

    …meine Rede. ;-)

  13. 28.11.2008 | 10:27

    Selbst das lässt sich so nicht verallgemeinern. Es hängt zum Beispiel davon ab, ob Dämmstoffe verarbeitet werden, die eigens neu hergestellt wurden (hoher Energieaufwand) oder solche, die durch das Recyclen alter Dämmaterialien gewonnen werden, ob es eine Ausrichtung der Fensterfront nach Süden gibt und einige Faktoren mehr. Schließlich gilt für ein Haus ja auch, wieviel Energie und C02-Freisetzung im laufenden Betrieb eingespart werden, und das heißt bei der Lebensdauer eines Hauses über Jahrzehnte. Der Mehraufwand asn Energie beim Hausbau ist damit in einem Bruchteil dieser Zeit in jedem Fall wieder drin.

  14. Herbert
    28.11.2008 | 22:00

    @ che2001
    “Prinzipiell kann er ja den selbst erzeugten Strom auch selber verbrauchen”
    Das wäre Unfug, weil man für den selbst verbrauchten Strom 20 Cents/kwh zahlt, für den selbst eingespeisten aber ca. 45 Cents/kwh bekommt. Das ist ja das Schlimme! So etwas ist nicht zu rechtfertigen und eine öffentliche Einladung zum Betrug. Es lohnt sich fast schon, mit elektrischen Lampen die Solarpanele zu beleuchten, um damit mehr Strom einzuspeisen. Das wäre wohl kein Betrug, aber ein Perpetuum Mobile dritter Art!

  15. Herbert
    28.11.2008 | 22:03

    @ Michel
    “Die Gleichung Euro = Umweltbelastung gilt auch hier.”
    Schön wäre es, wenn diese Gleichung häufiger gelten würde. So einfach ist es aber nicht.

  16. tollstoi
    30.11.2008 | 9:18

    Wozu die Fotovoltaik-Anlage beleuchten.
    Kann man den eingekauften Strom nicht einfach über die Fotovoltaik-Anlage wieder verkaufen? Zumindest in einer plausiblen Menge.

    Weiss jemand welche Sicherungsmaßnahmen existieren, um so etwas zu verhindern?Und ob es jemanden gibt der dies kontrolliert?

    @StefanH

    “Es ist bekannt, dass Elektroautos bestenfalls dann eine positive Umwelt- oder Klimabilanz haben, wenn der von ihnen verbrauchte Strom aus emissionsarmen Kraftwerken kommt.”

    Was meinst du mit “bestenfalls…positive Umwelt- oder Klimabilanz”?
    Elektromotoren sind m.E. um ein vielfaches effizienter als Verbrennungsmotoren und folglich grundsätzlich der Vorzug zu geben.
    Natürlich ist der Haken die Strom-Erzeugung und -Lieferung, die die Bilanz negativ beeinflussen.
    Meines Erachten kann dem aber durch eine dezentralisierte Stromversorgung (Blockheizkraftwerke, Biogas…) begegnet werden. Ich glaube die Bilanz würde bei einer solchen Strombereitstellung positiv ausfallen.

    Die grundsätzliche Haltung , dass in Deutschland zuviel und auch falsch subventioniert wird (Subventionen sind fast immer falsch)teile ich ja, nur denke ich, dass es hier ein wenig zu einfach dargestellt wurde.

  17. 30.11.2008 | 9:35

    @tollstoi:

    Wir müssen hier wohl zwischen Klima- und Umweltbilanz unterscheiden. Die Klimabilanz verbessert sich auch nicht wesentlich, wenn die Elektromotoren aus dezentral erzeugenden BKWs kommt, da diese mit relativ wirkungsgradarmen Dieselaggregaten betrieben werden, deren Wirkungsgrad geringer ist als in modernen Kohlekraftwerken (GuD). Etwas geringer dürften die Übertragungsverluste sein. Ich hab das Ganze nicht durchgerechnet, kann mir aber kaum vorstellen, dass hier nennenswerte Emissionsreduktionen erzielbar sind, die die bislang noch enormen Kosten rechtfertigen. Wir würden das sehen, wenn die EU ihren Emissionshandel auf alle Brennstoffe ausdehnte und dabei nicht die Leakage-Effekte jenseits Europas ignorieren würde. Biomasse-BKWs haben ihre eigenen Probleme, wissen wir doch heute sehr gut, dass die Bioeneergieproduktion kaum Klimagase einsparen hilft und im Extremfall sogar mehr THG-Emissionen verursacht, als man durch Substitution konventioneller Brennstoffe einspart.

    Elektroautos haben eigentlich aus Umweltsicht nur deshalb ihren Charme, weil sie die Schadstoffemissionen aus urbanen Gebieten raushalten und die Emissionen irgendwo auf dem Lande in Kraftwerken entstehen, wo sie weniger Menschen beeinträchtigen. Allerdings sind wir in Städten mit Katalysatoren und Russfiltern schon so weit gekommen, dass es fraglich ist, ob der geringe zusätzliche Umweltgewinn die hohen zusätzlichen Kosten durch Elektroaustos rechtfertigt.

  18. 30.11.2008 | 17:52

    @Herbert: Natürlich ist es nur eine Faustregel, allerdings eine die schlechtgemachte oder ideologisch beeinflusste Klimabilanzen schlägt.

    @tollstoi: Was die Energiebilanz der Elektroautos wirklich mies macht, sind die Verluste beim Speichern der elektrischen Energie.

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