16. November 2008
Luzifer ex machina
Gäbe es Derivate für Konjunkturprogramme, wären die ein klarer Kauftipp: Die öffentlich geäußerte Nachfrage danach ist enorm, das Angebot jedoch noch vergleichsweise gering.
Doch ist diese Renaissance guter, alter keynesianischer Makro-Politik wirklich der Weisheit letzter Schluss?
Auch auf die Gefahr hin, als ökonomischer Sonderling betrachtet zu werden, wenn selbst der Sachverständigenrat sich in die Schar der Fans solcher Programme einreiht: Ich sehe das sehr, sehr skeptisch.
Meines Erachtens war nicht Friedman die eigentliche Antithese zu Keynes, sondern, wenn man denn schon einen Namen für eine Richtung anführen will, die sich aus mehreren Quellen speist, Buchanan.
Das Problem der Ökonomen ist nämlich, dass sie sich überwiegend mit der Ökonomie beschäftigen. Und wenn sie sehen, dass in ihren Modellen sich etwas Nachteiliges zu entwickeln beginnt, basteln sie sich einen Gott, der aus einer Maschine jenseits ihrer Modellwelt in diese hineinspringt und in ihr dann für Ordnung sorgt. Dieser deus ex machina wird dann “Staat” genannt. Nun existiert aber der Staat, der nur äußerst selten von weisen und gutmeinenden Diktatoren regiert wird, auch in einer bestimmten Umwelt und ist das Ergebnis eines anderen komplizierten Mechanismus. Anzunehmen, dass daraus zufällig genau das entsteht, was der schlaue Ökonom jetzt gerne eingesetzt sähe, wäre äußerst mutig, aber auch äußerst naiv. Nicht alles, wo “Konjunkturprogramm” draufsteht, und was, im Gegensatz zu der Mogelpackung, die uns unsere Bundesregierung gerade als solches andrehen will, ist auch ökonomisch wünschenswert. Da kommt es schon noch auf Timing, Umfang und Richtung an.
Und da lehren mich leider Erfahrung und aktuelle Beobachtung: Es ist sehr wahrscheinlich, dass da was kommt. Aber das, was da kommt, wird nicht auf ökonomische Wirksamkeit hin optimiert sein, sondern auf die Bedienung verschiedener Interessengruppen, und es werden so lange die verschiedenen Parteien auf den verschiedenen Ebenen und in den verschiedenen Entscheidungsgremien unseres Staates jeweils ihr Brandzeichen hinterlassen wollen (“Konjunktur? Moooment, sozial ausgewogen muss es sein! Konjunktur? Mooooment, Unökologisches darf nicht gefördert werden!” etc.) bis eine eierlegende Wollmilchsau dabei herauskommt. Die kommt dann erstens zu spät und wird zweitens mehr konjunkturschädliche als -nützliche Maßnahmen enthalten. Kurz: Der deus ex machina lässt sich meistens von einem luzifer ex machina vertreten.
Zu diesem Schluss kommt, wer als Ökonom anfängt, den Staat auch mal in seine Modellwelt zu internalisieren. Das ist der Gedanke von “Public Choice”, und er bekommt immer mehr Aktualität.
Verfasst von Rayson um 18:11 Uhr in der Kategorie Politik, Wirtschaftspolitik (Trackback)
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