Sündenböcke

Die Suche nach Sündenböcken wird immer intensiver. Jetzt werden nicht nur Manager für scheiternde Unternehmen verantwortlich gemacht, sondern auch noch Politiker für schlechte Gesetze, Fußballtrainer für schlechte Spiele und Generäle für verlorene Schlachten. Dabei weiß doch jeder, dass Führungspersonal nur für Erfolge verantwortlich zu machen ist, Mißerfolge jedoch stets tiefgreifende systemische Ursachen haben!

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19 Kommentare zu “Sündenböcke”

  1. 28.10.2008 | 10:46

    Hehe, böser Karsten. Zur Unzeit auf die sonst gerne angepriesene Verantwortung aufmerksam machen. Ganz böse.

  2. Herbert
    28.10.2008 | 10:48

    Gute Replik.
    Vielleicht kannst Du uns den Sinn überhaupt etwas erläutern. Schließlich studierst Du laut “Was gerade gelesen wird” schon eine ganze Weile sein Hauptwerk. Steht in dem Buch etwas über die Krise drin, in der wir jetzt stecken? Hat der Meister davor gewarnt, dass deutsche Firmen zu effizient für klamme Kunden produzieren, die bald nicht mehr zahlen können? Steht da etwas darüber drin, dass deutsche Banken zu viel Kredit an gedopte Steueroasen wie Island vergeben, die bald schon zahlungsunfähig sein könnten?

  3. Libero
    28.10.2008 | 11:06

    Professor Sinn hat einen Hang zu starken Worten, der die bedenkenswerten Aussagen in seinen Stellungnahmen immer übertönt.

    Zum Beispiel hier

    Neid ist tief in den Köpfen vieler Deutscher verankert
    Die Welt, 18.10.2008, Nr. 245, S. 10
    http://www.cesifo-group.de/portal/page/portal/ifoHome/B-politik/20echointerv/_echointerv?item_link=ifointerview-welt-18-10-08.htm
    Deutschland hat ja den Sozialismus erfunden und ihn in die Welt exportiert. Mit dem Sozialismus hat man versucht, den Neid hoffähig zu machen. Der Neid ist tief in den Köpfen vieler Deutscher verankert.

    Ich wußte gar nicht, daß die Marxisten Deutschland sind und das Russland Deutschland ist. Ludendorff hat Lenin finanziert, um die russische Zarenherrschaft zu stabilisieren,

    Aber im Rest des Interview stehen brauchbare Aussagen und auch dieses

    Spüren Sie in irgendeiner Form ein schlechtes Gewissen bei den Bankmanagern?

    Sinn: Die Zerknirschtheit habe ich nicht gesehen

  4. Libero
    28.10.2008 | 11:10

    Kurt Tucholsky Wenn die Börsenkurse fallen..
    http://www.wallstreet-online.de/nachrichten/nachricht/2592519.html

  5. 28.10.2008 | 14:09

    Jetzt fehlt nur noch die Analyse, wer sich denn dagegen ausgesprochen hat, Manager für das Scheitern ihrer Unternehmen verantwortlich zu machen.

    Es geht darum, ob es sinnvoll ist, eine volkswirtschaftliche Krise mit der Suche nach einzelnen oder kollektiven Schuldigen zu beantworten. Auf dass sie beim nächsten Mal wieder auftrete, weil dann ja nur noch gute und brave Menschen Verantwortung haben.

  6. 28.10.2008 | 14:10

    Jetzt fehlt nur noch die Analyse, wer sich denn dagegen ausgesprochen hat, Manager für das Scheitern ihrer Unternehmen verantwortlich zu machen.

    Es geht darum, ob es sinnvoll ist, eine volkswirtschaftliche Krise mit der Suche nach einzelnen oder kollektiven Schuldigen zu beantworten. Auf dass sie beim nächsten Mal wieder auftrete, falls dann wider Erwarten doch nicht nur noch gute und brave Menschen Verantwortung haben.

  7. 28.10.2008 | 14:15

    @Herbert

    Suchst du auch im Telefonbuch nach Kochrezepten?

  8. Herbert
    28.10.2008 | 15:42

    @ Rayson
    “Suchst du auch im Telefonbuch nach Kochrezepten?”
    Wenn jemand ein Wirtschaftsbuch schreibt mit dem Titel “Ist Deutschland noch zu retten” erwarte ich irgendwie schon, dass dort von den großen Gefahren die Rede ist, die seiner Wirtschaft drohen.

  9. Markus
    28.10.2008 | 17:42

    Wie wäre es denn mit dem “Sinn”-Motto:

    “Wie Reichtum Armut schafft”?

  10. Lina
    28.10.2008 | 17:45

    @ Rayson

    Es geht darum, ob es sinnvoll ist, eine volkswirtschaftliche Krise mit der Suche nach einzelnen oder kollektiven Schuldigen zu beantworten. Auf dass sie beim nächsten Mal wieder auftrete, falls dann wider Erwarten doch nicht nur noch gute und brave Menschen Verantwortung haben.

    Was ist das für eine Begründung? Was spricht dagegen (auch wenn es keine ‘Antwort’ auf die Krise ist), die aktuell Schuldigen zu ‘packen’, auch wenn solche nachfolgen könnten? Aufdeckung und mögliche Tilgung von persönlicher Schuld senkt die psychische Belastung (des ‘Volkskörpers’) – soviel dürften wir aus *** (dem Unaussprechlichen) und den Prozessen danach gelernt haben – um den nun mal im Raum verbliebenen Vergleich, der keiner ist, zu bemühen.

    Lass’ es eine Weltwirtschaftskrise werden (d. h. besser nicht!), dann sind sie, die Entscheider, Jahre später so dumm als wie zuvor … und hauen sich wieder die druckfrischen, unerprobten Rezepte um die Ohren. Muss das so sein? Könnte sein – aber ich frag’ ja auch nur.

  11. R.A.
    28.10.2008 | 19:06

    Schon richtig, die Verantwortlichen sollte man klar mit Namen benennen.
    Und da findet man einige Firmenlenker wie Funke und Viermetz von der Hypo Real Estate – und sehr viele Politiker, von Matthäus-Maier bis Steinbrück, Milbradt, Glos, Huber, Lafontaine …

  12. 28.10.2008 | 20:52

    @Herbert

    Ich würde mal sagen, ein solcher Buchtitel lässt die Auseinandersetzung mit bereits aktuellen Problemen vermuten und nicht eine Vorschau in die Zukunft, was alles schief gehen könnte.

    Aber hier wie da: Jemanden für das anzugreifen, was er nicht behandelt hat, ist ziemlich absurd.

  13. 28.10.2008 | 20:56

    @Lina

    Die Annahme, man könne von Managern oder Unternehmern erwarten, dass sie im volkswirtschaftlichen Gesamtinteresse handeln, ist ziemlich verquer. Zunächst einmal werden sie gar nicht wissen, wie das konkret aussieht – und wie sollten sie auch, wenn die meisten Experten erst hinterher erklären können, was passiert ist. Und dann ist das auch gar nicht ihre Aufgabe. Sie sollen, wie jeder andere auch, versuchen dürfen, für sich das Maximale herauszuholen.

    Wenn dieser Versuch zu schweren Folgen für die Allgemeinheit führt, müssen dann Korrekturen am Rahmen (“System”) vorgenommen werden.

    Man sollte nie von anderen mehr erwarten, als man selbst zu geben bereit ist. Im Moment ist viel Heuchelei zu besichtigen.

  14. Lina
    28.10.2008 | 22:47

    @ Rayson

    Nur um anlässlich Deines neuen Beitrag von der ‘Suche nach den Schuldigen’ klarzustellen: ich sprach von möglicherweise wg. betrügerischer Praktiken persönlich haftbar zu machenden Schuldigen. Sie zu suchen und zu finden, entspricht einem natürlichen Bedürfnis nach Gerechtigkeit, meine ich.

  15. 28.10.2008 | 23:04

    @Lina

    Wer gegen Gesetze verstößt, muss verfolgt werden. Kein Zweifel. Und auch, wer durch eigene Taten sein Unternehmen zu hohen Risiken aussetzt, ist genau dessen “schuldig”. Aber er kann eben nicht für mehr, nicht für die volkswirtschaftlichen Folgen verantwortlich gemacht worden. Dabei sind es genau die, die uns vor allem interessieren. Ohne die würde jeder die betroffenen Banken kaltlächelnd in den Abgrund rauschen sehen.

  16. Markus
    28.10.2008 | 23:31

    Es kann aber auch beides zusammenkommen, persönliches Versagen von Managern in einem ungeeigneten gesamtwirtschaftlichen Rahmen, das dann zu katastrophalen Ergebnissen für alle Beteiligten und auch für Unbeteiligte führt. Oder anders, hoch spekulatives Handeln mit ebenso komplexen Finanzprodukten und ein sich selbst überlassener Markt.

  17. 28.10.2008 | 23:32

    [...] kleine Polemik von heute Morgen benötigt natürlich einige kleine Anlagen, ohne die ich vermutlich [...]

  18. Herbert
    29.10.2008 | 8:41

    “Aber hier wie da: Jemanden für das anzugreifen, was er nicht behandelt hat, ist ziemlich absurd.”
    Und ich bleibe dabei: Sinn ist ein Ideologe, der an den realen Problemen und Gefahren seit Jahren komplett vorbeiargumentiert hat.

  19. Markus
    31.10.2008 | 1:20

    Das hier könnte aber “Sinn” machen:

    http://www.blaetter.de/artikel.php?pr=2937
    Die Rückkehr des Staates von Jörg Huffschmid – Blätter für deutsche und internationale Politik

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