Beobachtungen eines Autofahrers

Ich befahre momentan morgens eine Strecke, die völlig überlastet ist. Auch die möglichen Ausweichrouten sind es. Und da ist folgendes zu beobachten:

Bei extremer Auslastung gibt es genau eine vernünftige Strategie, mit der alle am schnellsten vorankommen: Tempo drosseln, Abstand halten. Denn schnelles Fahren führt zu dichtem Auffahren, das wiederum zum Bremsen, und das Ergebnis einer Bremskaskade ist der Stau. Aber genau dieses Negativ-Szenario tritt regelmäßig ein. Offensichtlich regiert hier das Rückenmark, zumindest bei den männlichen Fahrzeuglenkern, die auch eindeutig in der Überzahl sind: Es läuft das falsche Programm ab. Statt Kooperation wird Wettbewerb geübt. Jeder meint, es ginge vor allem darum, die eigene Position gegenüber den anderen zu verbessern. Die Zeitgewinne daraus sind aber extrem gering bis nicht vorhanden. Und stattdessen wird der Stau für alle noch ein Stück gefördert.

Man kann hier noch nicht einmal konstatieren, dass Eigeninteresse das Allgemeininteresse behindert, denn die inidividuellen Aktionen schädigen letztlich auch das Eigeninteresse.

Es ist einfach ein falsches Tape eingelegt worden.

Gibt es da Parallelen zu dem, was wir gerade täglich erleben? Mir scheint es so.

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7 Kommentare zu “Beobachtungen eines Autofahrers”

  1. 28.10.2008 | 23:40

    Mein Supermarkt macht jedenfalls ruckzuck eine neue Kasse auf, sobald die Schlange auch nur ansatzweise zu lang wird. Wo das nicht geht, da muss man sich was anderes einfallen lassen. Vielleicht sollte der Strassenanbieter Preisdiskriminierung betreiben? Wenn er das nicht macht, ist es da nicht das behauptete Allgemeininteresse an kostenfreier Strassennutzung, das das Individualinteresse am schnellen Vorankommen behindert?

  2. 28.10.2008 | 23:51

    @Dirk F.

    Es ist nicht legitim, die Voraussetzungen des Experiments zu verändern. Du hast nur diese Straße, prinzipiell freie Benutzung, und eine gegebene Auslastung. Was ja durchaus dem Zustand von Regulierungen entsprechen kann.

  3. 29.10.2008 | 0:04

    Wenn extreme Auslastung und ignoranter Strassenbetreiber die Prämissen sind, dann wird das Ergebnis entsprechend ausfallen. Die Bedeutung des “Experiments” ist aber eher gering.

    Nichtsdestotrotz eine schöne und korrekte Beobachtung, die wohl die meisten besonnenen Autofahrer bereits gemacht haben.

    Um es mal auf das Unausgesprochene zu münzen: Wer meint, eine Zentralbank und ungedeckte Zentralbanknoten gehörten zu den gegebenen Voraussetzungen, der wird die Ursachen der Krise in mangelnder/schlechter Regulierung und Prinzipal-Agenten-Konflikten finden.

  4. 29.10.2008 | 1:23

    Da kann ich dir dann wieder folgen.

  5. 29.10.2008 | 7:06

    Bei extremer Auslastung gibt es genau eine vernünftige Strategie, mit der alle am schnellsten vorankommen: Tempo drosseln, Abstand halten. Denn schnelles Fahren führt zu dichtem Auffahren, das wiederum zum Bremsen, und das Ergebnis einer Bremskaskade ist der Stau.

    Sehr gut beobachtet! Und ja, es wäre richtig mit vernünftigem Abstand und niedrigerer Geschwindigkeit zu fahren, wenn, ja wenn es nicht individuelle Bedürfnisse gäbe, die dem einen Strich durch die Rechnung machen würden.

    Ich z.B. schaute mir soetwas nicht lange an und stieg auf das Motorrad um. Damit kann man – insbesondere wenn alle etwas langsamer fahren und vernünftige Abstände einhalten – prima überholen und hat damit der anonymen Masse wieder etwas voraus.

    Regulierungen sind wie immer genial, solange sich alle anderen daran halten. :-)

  6. 29.10.2008 | 9:23

    Bei extremer Auslastung gibt es genau eine vernünftige Strategie, mit der alle am schnellsten vorankommen: Tempo drosseln, Abstand halten. Denn schnelles Fahren führt zu dichtem Auffahren, das wiederum zum Bremsen, und das Ergebnis einer Bremskaskade ist der Stau.

    “Schnelles Fahren” ist ja nicht der Grund sondern das sind die Geschwindigkeitsdifferenzen und die hat man auch an Zu- und Abfahrten, die hat man an Steigungen, die hat man an Tempolimit-Übergängen, bei Werbungsplakaten mit hübschen Frauen drauf, bei Spurwechseln, Losfahr- und Bremsvorgängen (an Bahnübergängen oder Ampeln) … und sogar deshalb, weil Menschen das Abstand-halte-Regelungsschema wegen ihren Reaktionszeiten nicht perfekt einhalten können.

    Wenn man systematisch Stauforschung betreibt, dann wird man feststellen, dass ab jewissen Verkehrsdichten (die nicht mal so schrecklich hoch sind), Stau ein “chaotisches” Verhalten zeigt, also minimale Störungen zu langlebigen Staus führen (selbstorganisierendes Phänomen).

    Ich glaub also nicht, dass die Erklärung “die Leute benehmen sich einfach bescheuert” eine besonders tolle ist … auf was auch immer dieser Beitrag jetzt genau anspielen soll.

  7. Libero
    29.10.2008 | 11:24

    selbstorganisierendes Phänomen
    Organisation ist es gerade nicht. Die Bienenwabenstruktur in von unten erhitzten fluid-solid Schichtungen geht ein Aufstiegsverhalten des Fluids voraus, das dem Fahrverhalten ähnelt, das Rayson beschreibt.

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