Individuum oder System?

Ich komme erst mal nicht dazu, den ausführlichen Beitrag zu verfassen, der mir seit längerem im Kopf herumspukt. Deswegen zunächst ein paar Anmerkungen anlässlich des Geplänkels um die Äußerungen von Hans-Werner Sinn.

Der Hinweis darauf, dass nicht einzelne Personen, sondern ein systemisches Defizit an der Finanzkrise “schuld” ist (besser: sie herbeiführt), ist natürlich korrekt. So wie ja auch das Scheitern des Realsozialismus nicht ein Versagen von Honecker & Co. ist, sondern notwendige Folge eines unfähigen Systems. Wenn Linke jetzt liberale Positionen zu ihrem eigenen Nutzen und Frommen so weit verzerren wollen, als kennten diese nur Individuen und keine Systeme, lügen sie sich selbst etwas in die Tasche. Man scheint es nötig zu haben. Selbstverständlich reagieren Menschen auf Umgebungen, auf Institutionen, auf Anreize. Nichts anderes wird hier seit Jahr und Tag behauptet.

Und solche Dinge, wie wir sie zur Zeit erleben, sind eben einem System geschuldet. Wobei “System” jetzt nicht so platt zu denken wäre wie bei vielen Kommentaren, die man jetzt zu lesen bekommt, im Ergebnis bereits im Lied “Kreuzberger Nächte sind lang” vorweggenommen, sondern als Teilsystem “Banken und Finanzmarkt”, das in wesentlichen Teilen ganz anderen Bedingungen und Regulierungen unterliegt als der Rest der Wirtschaft, wie jeder am eigenen Leib erfahren wird, der morgen versucht, eine Bank zu gründen. Aus gutem Grund, denn Banken wird das Privileg zuteil, etwas vermehren zu dürfen, was der Staat garantiert: Geld. Schon das trennt sie vom Rest der Wirtschaftswelt.

Es ist vernünftig, diesem Teilsystem besondere Aufmerksamkeit zu widmen. Das hat z.B. auch Sinn getan in einem Buch, auf das er jetzt selbst verweist. Wie behämmert manche Köpfe sind, stellt man erst fest, dass sie die Forderung Sinns nach mehr Regulierung in diesem Bereich nicht aufnehmen können, wo er doch in den meisten Fällen ganz anders argumentiert hat als es im Gewerkschaftshandbuch steht. Daraus spricht die Enttäuschung des Ideologen, in Sinn nicht seinesgleichen zu finden, sondern einen differenzierenden Wissenschaftler, dessen Thesen zu widerlegen eine Mühe erforderte, die der Ideologe nicht auf sich nehmen will und stattdessen die Abkürzung über Argumente ad personam bevorzugt. Man kann Sinn fachlich nicht begegnen, also beschränkt man sich darauf, ihn als Vertreter von Interessen zu “entlarven” – irgendwie wird man das Buch von vor ein paar Jahren da noch als Täuschungsmanöver unterbringen können. Die Partei hat schließlich immer recht.

Wie überhaupt ich verwundert feststellen muss, dass man mit einem Eintreten für eine Freiheit, die sich auch in einem wirtschaftlichen Handeln ohne Zwang ausdrückt, plötzlich zum Fan von Derivaten und Off-Balance-Konstrukten mutiert ist. Sorry, Leute, der hier vertretene Liberalismus hat seine Mitte in der Überzeugung, dass staatliche Rahmensetzung wichtig und richtig ist (wir sind keine Ankaps, falls das noch keinem aufgefallen sein sollte), und daher kann es natürlich auch Defizite in dieser Richtung geben, wie sich gerade offensichtlich gezeigt hat. Aber das ändert nichts daran, dass in vielen anderen Bereichen eher eine Überregulierung dominiert und ebenfalls schädliche Wirkungen entfaltet.

Und es ändert nichts daran, dass viele jetzt diese Krise, zu der übrigens auch der Staat seinen beträchtlichen Teil beigetragen hat (wenn wir schon systemisch denken, dann bitte auch in Sachen “Public Choice”), nutzen möchten, um einen Schelmen auf anderthalbe zu setzen. Nicht alles, was jetzt als Kur verkauft wird, ist tatsächlich eine: Tatsächlich sind die Quacksalber in der Überzahl.

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21 Kommentare zu “Individuum oder System?”

  1. 27.10.2008 | 22:33

    Als liberaler ökonomischer Laie (und Rückenmarksanarchist *g*) würde mich interessieren, warum und an welchen Stellen aus Deiner Sicht die “staatliche Rahmensetzung” nicht funktionierte und wo ordo-liberal geprägte Regelwerke, die fern sozialistischer Reglementierung wären, ansetzen könnten (und vor allem wie sie umzusetzen wären).

  2. Schmock
    27.10.2008 | 22:50

    Wer ist dafür verantwortlich wenn eine Bank insolvent ist? “System” klingt so abstrakt, außerdem frage ich mich, wofür die Vorstände bezahlt werden, wenn am Ende doch das “System” entscheidet.

  3. 27.10.2008 | 23:02

    @jo@chim

    Die Antwort darauf wäre in dem Beitrag zu finden, den ich noch nicht zustande gebracht habe…

    @Schmock

    “System” klingt so abstrakt, außerdem frage ich mich, wofür die Vorstände bezahlt werden, wenn am Ende doch das “System” entscheidet.

    “System” ist auch abstrakt, kann aber einigermaßen konkretisiert werden, z.B. als System von Anreizen. Anreize zu kurzfristigen “Gewinnen”, Anreize zu risikoreichem Verhalten etc…

    Wofür die Vorstände bezahlt werden? Natürlich dafür, in einem gegebenen System das beste herauszuholen. Der Hinweis auf die systemischen Ursachen soll auch nicht zur Exkulpierung von Vorständen dienen, sondern eher Wege aufzeigen, wie eine Situation, in der eine solche nötig wird (das wäre ja auch nur die zweitbeste Lösung), vermieden werden kann.

  4. statler
    27.10.2008 | 23:06

    Quiz:

    “The end of the welfare state is a loss of welfare not only in terms of some utilitarian or moralistic postulate but also in terms of strict allocative efficiency criteria. From the point of view of a single country, it is a Pareto improvement if it cuts back its redistribution system, given the behaviour of other countries, but when all countries do that, there is, in fact, a Pareto
    deterioration.”

    Wer hat’s geschrieben –

    Willy Brandt (1972)
    Barrack Obama (2008)
    Hans-Werner Sinn (2003)?

    Die öffentliche Wahrnehmung von Sinn als “Deregulierungspapst” oder “Sozialdarwinist” ist grotesk. Ein schönes Beispiel dafür, was dabei herauskommt, wenn sich niemand mehr die Mühe macht, in den Quellen nachzulesen, welche Position jemand wirklich vertritt. Und wenn stattdessen, nach dem Prinzip Stille Post, einfach mal Klischees weitergetratscht werden.

    In der akademischen Debatte kann man Sinn als modernen Anhänger des Musgrave’schen Forschungsprogramms verorten. Einer von denen, die Marktversagenstatbestände identifizieren und verläßliche Regeln finden wollen, die vom Staat garantiert werden und das Marktversagen heilen sollen. Spätestens seit seinem 1997er-Papier im Journal of Public Economics liegt sein Schwerpunkt bei der Frage, wie der Wohlfahrtsstaat und wie Regulierungen aufrecht erhalten werden können, wenn Produktionsfaktoren räumlich mobil sind — sich also beidem entziehen können. Darum geht’s auch in dem oben verlinkten Buch.

    Wer sich mal die Mühe macht, etwas von Sinn zu lesen und dabei das öffentliche Zerrbild von ihm im Hinterkopf hat, der dürfte mächtig überrascht werden.

  5. 27.10.2008 | 23:22

    Die öffentliche Wahrnehmung von Sinn als “Deregulierungspapst” oder “Sozialdarwinist” ist grotesk. Ein schönes Beispiel dafür, was dabei herauskommt, wenn sich niemand mehr die Mühe macht, in den Quellen nachzulesen, welche Position jemand wirklich vertritt.

    Da handelt es sich um einen Mechanismus, der mir sehr vertraut vorkommt. Man konstruiert sich zuerst seinen idealen Gegenspieler und passt dann widersprechende Stimmen in dieses Prokrustes-Bett ein. Das hat den Vorteil, die Positionen des anderen eher und vor allem auch besser zu kennen als dieser selbst. Demzufolge ist dem Dödel in seinem beschränkten Horizont auch völlig klar, was jemand, der in einer bestimmten Situation von “zu hohen Löhnen” redet, in anderen Fällen einfach sagen muss. Schließlich hat er sich das Stereotyp erst mühsam selbst schaffen müssen.

    Wer ein wenig von Sinns Hintergrund und Herkunft weiß, und wer ein wenig über seine wissenschaftlichen Arbeiten informiert ist, für den ist das Feindbild unbrauchbar geworden. Deshalb muss natürlich rechtzeitig zur Ignoranz gegriffen werden, um in den Fällen, in denen Sinns Stimme einem nicht passt, zu einem eindeutigen Negativ-Urteil zu kommen.

  6. statler
    27.10.2008 | 23:40

    Wobei dieses Verhalten natürlich völlig Parteiübergreifend ist. Ich erinnere mal an die Arbeitswertlehre-Debatte hier vor einigen Wochen, da wurde ja auch Marx so einiges untergeschoben.

    Insofern wäre es einfach nett, wenn man sich generell auf einen Mindeststandard intellektueller Redlichkeit verständigen könnte, und dazu gehört beispielsweise auch, daß man sich selbst immer wieder kritisch fragen sollte, was man eigentlich über jemanden weiß, den man gerade in eine Schublade einordnen will.

  7. 27.10.2008 | 23:49

    Ich erinnere mal an die Arbeitswertlehre-Debatte hier vor einigen Wochen, da wurde ja auch Marx so einiges untergeschoben.

    Vergleichbares? Die Person und ihre Redlichkeit angreifend? Ich muss zugeben, die Debatte nicht im Detail verfolgt zu haben. Was ich kenne, sind die Versuche, Marx wegen seines offensichtlichen Antisemitismus zu erledigen.

    und dazu gehört beispielsweise auch, daß man sich selbst immer wieder kritisch fragen sollte, was man eigentlich über jemanden weiß, den man gerade in eine Schublade einordnen will

    Die Betonung liegt da wohl auf “kritisch”, und damit wird der Wunsch endgültig zu einem frommen.

  8. statler
    28.10.2008 | 0:09

    Na gut, es waren wohl keine direkten persönlichen Angriffe. Aber es wurden ihm schon Argumente unterstellt, die so offensichtlich hanebüchen waren, daß die Unterstellung einer Beleidigung gleichkam. ;-)

  9. F.Alfonzo
    28.10.2008 | 0:48

    Naja, dieses Bild von Sinn ist nicht zufällig entstanden.

    Ich denke das ist zum größten Teil einfach der Entscheidung geschuldet, die Sinn getroffen hat, einen bestimmten Weg über die Medien zu suchen, wo er als Antagonist von Leuten wie Lafontaine präsentiert wird. Er hat sich wohl dafür entschieden, weil er es als eine gute Möglichkeit sieht, Ökonomie an die breite Öffentlichkeit heranzutragen, und ich denke ihm ist/war durchaus bewusst, dass das nur um den Preis der ‘politisierung’ seiner Person zu haben ist.

    Trotzdem, es passt einfach nicht zusammen, wenn ein Ökonom und ein Politiker als Gegner in einer Talkshow auftreten, weil er in der öffentlichen Wahrnehmung als “wertneutral” argumentierender Professor gegen einen Populisten mit einer (vermeindlich) hohen Moral immer den kürzeren ziehen wird.
    Da wird auf völlig verschiedenen Ebenen miteinander gesprochen; da trifft die Effizienz-Argumentation auf die gut-oder-böse-Argumentation.

    Eigentlich schon bewundernswert, dass der Mann sich so etwas antut.

  10. F.Alfonzo
    28.10.2008 | 0:59

    off-topic noch ein interessanter Artikel von Sinn zu umweltpolitischen Paradoxa; allein der erste Satz war es schon wert, den Artikel gelesen zu haben: “Warum gibt es immer mehr Füchse in Brandenburg? Weil sie sich von dem frischen Geflügel ernähren, das ihnen die Windräder zerhackt vor die Füße werfen.”

    Link zum Artikel

  11. Michel
    28.10.2008 | 1:38

    @ Statler: Ich nehme an mit den hanebüchenen Anti-Marx-Argumenten, meinst du zum Teil auch meine Beiträge, daher wäre ich dir dankbar mir zu verraten, was du konkret meinst.

    Die Idee mit Regulierungen Marktversagen ausgleichen zu können muss scheitern. Nicht weil Regulierungen per se böse sind, theoretisch ist es möglich ein Regelwerk zu finden, dass den freien Mark aus utilitaristischer Perspektive schlägt, ebenso wie es denkbar wäre, das ein allwissender Planer den Kapitalismus aussticht (wobei ersteres bei weitem realistischer ist). Nein der Grund das diese Program fehlschlägt ist, dass die Akteure gar nicht das Interesse haben diese Regulierungen auch durch zusetzten, sondern lieber welche anwenden, die ihren Interessen eher dienen. C.B. Blankart hat, dass in dem Buch ‚Öffentliche Finanzen in der Demokratie‘ auf breitem Raum dargestellt.

    @ Rayson: Es wird mal Zeit endlich zu benennen, wo die Fehler im Finanzsystem stecken. Hier mein Beitrag (aus Sicht eines ökonomischen Laien):
    Kern des Übels ist, das es durch die begrenzte Haftung keine Rolle spielt, wie hoch Verluste sind, die das Eigenkapital übersteigen. Bei Güterwirtschaftlichen Unternehmen spielt solche Verluste kaum eine Rolle, relevant werden sie erst in der Finanz- möglicherweise auch in der Versicherungsbranche, wo die Kredithebel sehr vielgrößer sind. In der Güterwirtschaft geht man davon aus, dass die begrenzte Haftung Investitionen ermöglicht, die sonst nicht realisiert würden. Aus Ancapsicht müsste man hier überlegen, wie sich diese Vorteile marktkonform erreichen ließen, was jetzt zu weit führen würde.
    Diese begrenzte führt bei rational agierenden Bankführen dazu, dass sie Risiken eingehen, die ansonsten unverantwortlich wären. Etwa durch Absenken der Reserverate oder Konzentration des Risikos.
    Hier würde Libero vermutlich einwenden, dass der Markt als selbstregulierendes System die Pflicht hätte, dieses Verhalten zu unterbinden. Diese Pflicht würden nun diejenigen Tragen, die den Banken Geld leihen. Dass sie dies faktisch nicht tun, ist auf den Umstand zurückzuführen, dass der Normalsparer durch, die Einlagensicherung keinem Verlustrisiko ausgesetzt ist, folglich riskantwirtschaftende Banken auch nicht diskriminiert. betuchten Anlegern, deren Einlage die Versicherungsgrenzen übersteigt, verhalten sich z.T. tatsächlich gegenüber Banken risikodiskriminierend, z.B. legen sie ihr Geld bei Banken an, die als vertrauensbildende Maßnahme auf begrenzte Haftung verzichten.
    Das Banken bei anderen Banken Bonität genießen, die nicht durch die Einlagensicherung geschützt sind, liegt zum einen an der hohen Wahrscheinlichkeit, dass der Staat fallende Banken auffängt, bzw. die Zentralbank Liquiditätskrisen überbrückt zum anderen an der kurzfristigen Natur des Interbankenhandels.
    Weiter Problemkomplexe sind marktfremde Zinssätze und Teilreserve.

  12. F.Alfonzo
    28.10.2008 | 6:27

    @ Michel:

    Wenn ich mal 1-2 Sätze einwerfen darf, bevor die Hauptakteure antworten:

    - Die Regulierung auf den Finanzmärkten hat m.E. nicht in erster Linie den Sinn, Marktversagen zu verhindern. Ein ökonomisches Marktversagen ist dort ziemlich unwahrscheinlich (mir fällt jedenfalls kein fiktives Beispiel ein). Es geht eher darum, die Informationsasymmetrie zwischen Management und Investoren auszugleichen. Darauf zielen die meisten Regeln ab.
    …das ist doch durchaus sinnvoll, oder? Es gibt auch aktuelle Beispiele von fehlender Regulierung: Die amerikanischen Investmentbanken haben massiv ‘Schrottpositionen’ in SIVs von offshore-Tochterfirmen ausgelagert und sich selbst dafür eine Rendite bezahlt. Das hatte zwei Effekte: Erstens stand der Mist nicht mehr in der eigenen Bilanz (das rächt sich natürlich langfristig, kurzfristig konnte aber noch ordentlich Bonus mitgenommen werden) und zweitens wurde damit auch die Qualität der anderen Papiere, die bspw. an Pensionsfonds verkauft wurden, völlig überschätzt.
    Marktversagen ist das nicht, ein Markt funktioniert doof gesagt so: Solange sich ein Blöder findet, der alles kaufen will, gibt’s kein Problem. Die Frage ist eher, ob Insider-Informationen bewusst verschleiert wurden; das hat mit Marktversagen nichts zu tun, könnte aber durchaus als Betrug interpretiert werden.

    - Die begrenzte Haftung: Irgendwo macht das auch Sinn; wenn ein Unternehmer nicht nur mit seinem Eigenkapital haften würde, würden vermutlich große Hemmungen entstehen, zur Finanzierung eines Investitionsobjekts Schulden aufzunehmen, was aber durchaus Sinn macht.
    Ich glaube auch, dass die begrenzte Haftung für einen Unternehmer beängstigend genug ist, um keine zu großen Risiken einzugehen.
    Ich schätze mal, du beziehst dich hier auf den Interessenkonflikt von Managern und Eigentümern einer Firma (ob das ne Bank ist oder ein Autohersteller, spielt erst mal keine Rolle). Das Problem besteht natürlich, keine Frage. Interessant wäre höchstens, ob eine staatliche Regelung das Problem besser lösen kann als ein Unternehmen intern… würde mich wundern, wenn das so wäre, da eine staatliche (=allgemeingültige) Regelung keinerlei Rücksicht auf individuelle Probleme nimmt und der Gesetzgeber darüber hinaus noch weniger Informationen hat, als die Anteilseigner eines Unternehmens.

  13. Herbert
    28.10.2008 | 8:03

    “Tatsächlich sind die Quacksalber in der Überzahl.”
    Oh, ganz bestimmt. Allerdings waren sie das schon immer, auch als es aufwärts ging und alle glaubten, dass jeder Manager oder Ökonom sein Gehalt mindestens wert ist. Man kann noch nicht einmal darauf hoffen, dass inzwischen andere Quacksalber am Werk sind, denn viele hampeln jetzt einfach nach einer anderen Melodie weiter.

  14. 28.10.2008 | 9:35

    @statler:

    Wer sich mal die Mühe macht, etwas von Sinn zu lesen und dabei das öffentliche Zerrbild von ihm im Hinterkopf hat, der dürfte mächtig überrascht werden.

    Durch “Ist Deutschland noch zu retten” bin ich mittlerweile durch. Ohne jede Überraschung. Entsprach alles den gängigen Klischees. Aber vielleicht kannst Du ein Buch empfehlen, wo er diesen widerspricht? Bitte nur eines, ich kann ja nicht nebenbei noch Ökonomie studieren. ;)

  15. 28.10.2008 | 10:16

    [...] Der Wille zur Macht besteht fort, doch er bröckelt angesichts der Wirklichkeit …. Veröffentlicht in Oktober 28, 2008 von momorulez “Daraus spricht die Enttäuschung des Ideologen, in Sinn nicht seinesgleichen zu finden, sonde… [...]

  16. Parker8
    28.10.2008 | 10:31

    Die öffentliche Wahrnehmung von Sinn als “Deregulierungspapst” oder “Sozialdarwinist” ist grotesk. Ein schönes Beispiel dafür, was dabei herauskommt, wenn sich niemand mehr die Mühe macht, in den Quellen nachzulesen, welche Position jemand wirklich vertritt.

    Moment mal, die Geschichte ist doch eine ganz andere! Sinn hat sich der breiten Öffentlichkeit mit Büchern wie “Ist Deutschland noch zu retten?” präsentiert. Subtext war: “Retten vor wem? – Vor den dreisten Proleten und ihren Bismarck-Paternalisten.”

    Daraus wurden Vortragsreihen (“Deutschlands bester Ökonom”) und eben Talkshow-Auftritte en masse. Die “Löhne runter!”-Rolle hat er dort mit Wonne gespielt. (Da wir den ersten Konjunkturzyklus ohne Anstieg der Lohnsumme hinter uns haben, kann man sagen: das war durchaus erfolgreich.) Dass sich an ihm die Geister scheiden, ist doch absolut nachvollziehbar und dürfte ihn selber am wenigsten wundern.

  17. 28.10.2008 | 18:51

    Im Gegenteil, der will polarisieren.

  18. Michel
    28.10.2008 | 20:15

    @ F. Alfonso: Bei Informationensasymmetrie zwischen Management und Investoren fallen mir eigentlich nur Bilanzregeln ein, die wirklich wichtigen Regulierungen betreffen Eigenkapitalausstattung und Risikokontrolle, da spielen diese eigentlich keine Rolle. Risiken wurden aus der Bilanz ausgelagert, um Anforderungen an Eigenkapitalausstattung und Risikokontrolle zu umgehen, nicht um Investoren zu täuschen.
    Begrenzte Haftungen verzerren das Verhalten bei sehr großen Klumpenrisiko, für den Unternehmer ist es egal ob, wenn die Immobilienblase platzt sein Eigenkapital aufgebraucht wird, oder ob es zehnfach aufgebraucht wird. Für die Volkswirtschaft ist es natürlich nicht das gleiche. In der Güterwirtschaft sind solche Risikoklumpen wohl recht selten, in der Finanzwirtschaft kommt es dagegen häufig vor, woraus sich die Notwendigkeit ergibt hier besondere Regulierungen zu erlassen.

  19. 28.10.2008 | 21:00

    Unbenommen, dass Sinn, wenn er ins politische Geschehen eingreift und seiner Lust an der Zuspitzung nachgibt, mit Gegenwind rechnen muss.

    Aber es ist eine andere Sache, wenn man Informationen, die darauf hindeuten, dass hinter dem Polemiker eben auch ein seriöser Wissenschaftler steckt, der zudem auch nicht in die Schubladen passt, in die ihn die stecken möchten, denen einige seiner Thesen nicht passen, mit Macht versucht zu ignorieren oder kleinzureden.

    Und wer ad personam nötig hat, zeigt eh nur, dass er sonst nichts zu bieten hat.

  20. 28.10.2008 | 21:42

    [...] fällt mir das ein? Weil mein Beitrag hier zu einer heftigen Reaktion drüben geführt hat von einem, der eben dachte, es ginge um ihn [...]

  21. DDH
    29.10.2008 | 14:07

    Du dringst nicht zu Kern der Sache vor. Schade!

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