Viel Lärm um … nichts Verwunderliches

Weil eine neue Studie des Bildungsministeriums angeblich die abschreckende Wirkung von Studiengebühren für Abiturienten aus “prekären” Schichten ermittelte und deshalb hinter Schloss und Riegel gehalten wird, gibt es Ärger in der Koalition.

Was für ein Ergebnis? Wer hätte gedacht, dass ein steigender Preis für ein Investitionsgut (Bildung) eine Verringerung der Nachfrage insbesondere budgetschwacher Haushalte verursacht. Die Studie hätte man sich sparen können, ginge es nur um die Wirkung an sich und nicht um deren Ausmaß. Da aber niemand es bislang schwarz auf weiß lesen kann und auch Frau Schavan nur Zahlen von 1,4 Prozent potentieller Studienanfänger aller Schichten in den südlichen Bundesländern nennt, sind wie so oft Mutmaßungen einer Binsenweisheit völlig ausreichend für das Theater.

Damit ist jedoch die Debatte um die Studiengebühren schon wieder beendet. Eine seriöse Analyse hinsichtlich der Anreizwirkung für die zukünftigen Studenten, die Ausbildung zu wählen, die den besten Zukunftsertrag unter Berücksichtigung ihrer Kosten bringt und der optimalen Wahl von Studienfach und -zeit findet nicht statt. Auch nicht, ob ein Studium wirklich der beste Weg für jeden ist, sich eine annehmliche Zukunft aufzubauen. Dass Studiengebühren das Potential haben den Wettbewerb der Unis um die Studenten mit mehr Bildungsqualität anzukurbeln wird ebenso ausgeblendet, wie die traurige Bilanz der bisherigen Bildungsfinanzierung, die ja gerade den Ruf nach Studiengebühren ausgelöst hat.

In der Debatte reicht es offenbar völlig aus über dubiose Verteilungswirkungen der Finanzierung des knappen Gutes Bildung zu spekulieren. Die Effizienz der Bildungsfinanzierung dagegen, die vor allem die langfristigen Effekte der Bildung beeinflusst, wird in politischer Tradition ausgeblendet, schließlich können sich zukünftige Generationen oder diejenigen, die die Kosten der Bildung tragen und Ursache und Wirkungsbeziehungen nicht nach verfolgen können, mit den Problemen einer oberflächlichen Finanzierungspolitik der Bildung herumschlagen.

Es ist schon rätselhaft, warum von den Protagonisten eines vermeintlich kostenfreien Studiums, die Debatte um eine solide indirekte Studienfinanzierung über BaföG und geförderte Studienkredite immer wieder ignoriert oder gar abgewürgt wird. Immerhin kann diese Ansatz für sich beanspruchen, dass er die Lenkungswirkung bei den Studenten und an den Unis in Richtung effizienter Bildungsplanung weniger untergräbt, gleichzeitig aber Bedenken hinsichtlich der Verteilungswirkungen durchaus aufgreift und ihnen auch weitgehend gerecht wird. Offenbar geht es doch um die Wahrung der Illusion, Papa Staat könne Geschenke verteilen und damit in alter planwirtschaftlicher Manier die Probleme jedes Einzelnen lösen. Und da sind ja noch diejenigen, die lieber bei den Bildungsministerien als beim Studenten um ihren Anspruch am Bildungsbudget buhlen, wohl wissend das letztere sorgfältiger auf ihre Geldbörsen achten und auf das, was sie dafür erhalten.

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18 Kommentare zu “Viel Lärm um … nichts Verwunderliches”

  1. 22.10.2008 | 13:49

    Danke für den Artikel. Mir lag das Thema auch auf der Tastatur.

  2. R.A.
    22.10.2008 | 14:07

    Die FAZ weist zu Recht darauf hin, daß Studiengebühren gar kein echter Grund sein können: In diversen Bundesländern (vor allem im Osten) kann man gebührenfrei studieren, meist auch zu deutlich niedrigeren Lebenshaltungskosten als in den Gebührenländern.

    Trotzdem gibt es keine Zunahme der Studentenzahlen in diesen Ländern, obwohl reichlich Plätze frei sind.

    Mit anderen Worten: Die Studiengebühren sind nur eine Ausrede für Leute, deren oberste Priorität es ist, zu Hause wohnen zu bleiben.

  3. stefanolix
    22.10.2008 | 14:15

    Mir lag das Thema auch auf der Seele und ich habe auch noch einen Artikel vorbereitet, der das ganze aus der Sicht eines Bundeslandes ohne Studiengebühren darstellt.

    Vielleicht aber noch ein Wort zu der Umfrage: hätte man mich als Abiturienten gefragt, was ich zu Studiengebühren meine, dann hätte ich doch mit Sicherheit taktisch geantwortet. Und die Abiturienten von heute taten das doch sicher auch …

  4. 22.10.2008 | 14:26

    Mal abgesehen von der unsicheren tatsächlich abschreckenden Wirkung, müssen Studiengebühren ja abschreckend wirken, dass ist eine segensreiche Funktion von Preisen, bei der Allokation knapper Güter. Bei einem funktionierenden Kapitalmarkt sollte es auch kein Problem für intelligente Kinder einkommensschwacher Haushalte sein, ihr Studium mit Krediten zu finanzieren. Zur Not kann der Staat ja noch nachhelfen. Wir sehen es ja an anderen Ländern, dass sogar sehr hohe Studiengebühren die Studentenzahlen nicht reduzieren. Privatunis finanzieren oft begabten Studenten ihr Studium odder differenzieren die Studiengebühren von sich aus zwischen arm und reich, weil sie Werbung mit den guten Absolventen machen, wobei es dann lohnt mal etwas Geld in ein armes Talent zu investieren. Derlei Überlegungen passen aber nicht in das Konzept kleingeistiger Bildungspolitiker hierzulande. Deren Gesülze ist nicht nur konzeptionell dürftig, sondern nahezu komplett empiriefrei.

  5. 22.10.2008 | 14:46

    “Offenbar geht es doch um die Wahrung der Illusion, Papa Staat könne Geschenke verteilen und damit in alter planwirtschaftlicher Manier die Probleme jedes Einzelnen lösen.”

    Naiv, wie ich bin, hätte ich gedacht, genau das tut Papa Staat (Schulen, Verkehr, Verteidigung) im Sinne des Allgemeinwohls und Wahrung hoheitlicher Aufgaben. Die Frage ist daher für mich eher, wo genau endet diese Aufgabe und das Allgemeinwohl? Das die geleisten Gaben kostenfrei wären, glaubt dabei ja niemand. Aber ist es nicht typisch deutsches borniertes “Gerechtigkeitsdenken” möglichst viele Kosten genau aufzuschlüsseln? Es is nicht so, dass so lange der Staat die Bildung fördert, er auch ein Interesse daran hat, dass dieses Angebot auch sinnvoll genutzt wird?

  6. 22.10.2008 | 14:49

    so lange der Staat die Bildung fördert, er auch ein Interesse daran hat, dass dieses Angebot auch sinnvoll genutzt wird?

    Woher sollte dieses Interesse kommen? Aus den guten Herzen der Bürokraten?

  7. 22.10.2008 | 15:11

    @Papa Staat:

    Papa Staat besteht aus geltungsbedürftigen Leuten, die meinten es ginge sie etwas an, ob Lieschen Müller nun Frisöse oder Germanistin wird. Und weil sie irgendwo gelesen haben, dass Bildung ein wesentlicher Grund für die immer weiter aufklaffende Lücke zwischen hohen und niedrigen Einkommen ist, glauben sie auch, sie könnten jeden mit einem vermeintlich kostenlosen Bildungsangebot gleich schlau machen. Einfach so gleich schau, gleich reich, eben der der Traum von der Gleichheit. Der aber ist zu schön, um wahr zu sein, allein weil der gute Wille noch nicht zu einem guten Ergebnis führt. Auch ein Studium ohne Gebühren hat bekanntlich nicht dazu geführt, dass mehr Arbeiterkinder als Akademikersprößlinge an die Uni gehen. Es gibt eine menge Gründe, warum die Kinder eher bildungsferner Schichten auf eine akademische Laufbahn verzichten. Das Geld allein kann es wohl kaum sein, zumal ein Studium auch ohne Gebühren teuer ist, berücksichtigt man den Verzicht auf ein Einkommen in dieser Zeit.

    Es hat nichts mit borniertem Gerechtigkeitsdenken zu tun, wenn man den Anspruch erhebt, dass der Staat seine Aufgaben effizient erfüllt. Gut, das mag ein Widerspruch in sich sein, aber etwas Ursache- und Wirkungskontrolle neben des allgegenwärtigen Gerechtigkeitsgeschwurbels ist ja durchaus legitim. Wenn also der Staat die Bildung aus gemeinwirtschaftlichen Gründen fördert, dann sollte er wert darauf legen, dass das Ergebnis für die Gemeinwirtschaft vorteilhaft ist. Doch ist er mit seiner Bildungspolitik bis heute ins Hintertreffen geraten.

    natürlich glaubt niemand, das die Gaben des Staates kostenfrei wären. Jeder glaubt, dass vor allem die anderen die Rechnung zahlen und man selber netto profitiert. Aber eigentlich ist dieser Glaube ziemlich eigenartig, weil doch jeder sich beklagt von der Politik über den Nuckel gezogen zu werden. Schließlich ist es auch so, denn es sind ja nicht nur die Kosten des Staates, die man als Steuerzahler trägt, sondern auch die verpassten Chancen. Bei der Bildung sind es eben nicht nur die Steuern für die Finanzierung der Uni, sondern auch die überfüllten Hörsäle und die oftmals miese Qualität an den Unis die man damit mit finanziert. Nicht zu vergessen die Leute, die nach einem teuren Studium im falschen Studienfach gerademal den richtigen Marktwert für die Arbeitsagentur haben. Papa Staat ist schlichtweg überfordert und wie reagiert er drauf? Noch mehr arbeiten…

  8. 22.10.2008 | 16:26

    Es gibt sicherlich viele Dinge, wo Menschen Geld verschwenden. Insbesondere, wenn sie zu viel davon haben oder es nicht ihr eigenes ist. Der Staat hat sicherlich eine ganze Menge Geld zur Verfügung und viele Diener, die es verwalten, obwohl es nicht ihr eigenes ist. Dass dabei viel Unsinn geschieht, glaube ich unbesehen.

    Viele gutausgebildete Fachkräfte aus möglichst allen Bildungsschichten sind meines Erachtens durchaus im Interesse des Staats und auch meiner Meinung nach in seinem Verantwortungsbereich. Und, wenn ich es recht hinein interpretiere, sehen das der Autor und die übrigen Kommentatoren ebenso. Es gibt sicher immer die Möglichkeit, Gelder besser anzulegen und auch ist es nicht die Studiengebühr alleine, die Finanzschwache vom Studium abhält. Aber es ist eben ein Faktor und ein Schritt in die falsche Richtung. Von weiterer Bürokratie mal abgesehen.

  9. 22.10.2008 | 20:03

    Es gibt ja neben der privaten auch eine fiskalische Bildungsrendite, zumindest bei einem Teil der Studiengänge. Insofern wäre es nicht verwerflich, wenn der Staat die Aufnahme eines Studiums in diesem Ausmaß fördert. Private Bildungsrenditen sollten dagegen auch privat finanziert werden. Studiengebühren sind nur dann ein Problem, wenn der Zugang der Studierwilligen zum Kapitalmarkt eingeschränkt ist. Dass das so ist, erscheint nicht ganz unplausibel. Seltsamerweise setzt die staatliche Förderpolitik an diesem Punkt aber kaum an.

    Stattdessen hat man sich in der eigenen Rhetorik verstrickt: da wird wortreich der Rückstand Deutschlands bei dem Anteil der Akademiker beklagt. Auf der anderen Seite ist aber klar, das mit der Einführung von Studiengebühren (Erhöhung des Preises) die Nchfrage (Studierwillige) sinkt. Obendrein wird auch noch über die moralische Vertretbarkeit hoher Einkommen räsoniert und über die Erhöhung von Steuern auf hohe Einkommen und die Subventionierung niedriger Einkommen nachgedacht. Beides reduziert private Bildungsrenditen erheblich. Vielleicht kommt der (angebliche) Akademikerrückstand gar nicht von Studiengebühren, sondern vom Abgabenkeil, wer weiß.

  10. 22.10.2008 | 20:10

    Wer will das beurteilen, wann ein Mensch “zu viel” Geld hat. Es wird problematisch, wenn Politiker anderer Leute Geld ausgeben, egal wie viel es ist, denn dann tragen sie die möglichen negativen Konsequenzen nicht oder nur zum Teil.

    Auch bin ich nicht sicher, ob möglichst viele gut ausgebildete Fachkräfte ein Ziel per se sind. Schließlich entscheiden die Konsumenten am Markt, was eine gute Qualifikation ist und keine Uni oder kein Bildungspolitiker. Wir leiden vielfach unter der Illusion Bildung müsste irgendwie pauschal von oben herab bereitgestellt werden, sonst würden alle Leute unterqualifiziert sein. Jedoch bedeutet der Investitionscharakter einer Ausbildung ja gerade darauf hin, das der Einzelne hinreichende Anreize haben sollte die für seine Lebensplanung adäquate Ausbilldung zu suchen. In diese Situation tragen subventionen im schlimmsten Fall dazu bei, dass man die Ausbildung wählt, die nicht zu einem passt und das Ausbildungen angeboten werden, die am Markt vorbei gehen. Und das ist, neben der chronischen Unterfinanzierung unseres Bildungssystems, das größte Problem unserer Bildungspolitik.

  11. 22.10.2008 | 20:24

    Ich sehe das nicht so, dass die fiskalische Bildungsrendite eine Subventionierung rechtfertigt. Immerhin ist der Staat für die Bürger da und nicht die Bürger für den Staat, also kann man Bildungsausgaben nicht mit der Mehrung der Steuerkraft der Bürger legitimieren. Das mag ein Motiv der Politik sein, ist aber aus der Perspektive der Bürger eher ein Problem.

    Wie lautet konkret das Argument für das Zugangsproblem zum Kapitalmarkt, dass nicht durch völlig normale Risiken gedeckt ist. Es steht jedem Mensch frei ausreichend Bereitschaft zu signalisieren, dass es einem ernst mit der Investition ist. Zudem sind Studienkredite außerhalb Deutschlands etwas völlig normales. Hier wird wie immer ein Marktversagensargument bemüht, für das es weder eine schlüssige Theorie noch überzeugende Empirie gibt.

  12. 22.10.2008 | 20:26

    Wieder mal ein paar Gedanken kluger Vorredner aufgreifend:

    Tatsächlich scheint Bildung in diesem Land nur etwas zu gelten, wenn man sie nicht zum Geldverdienen nutzt oder nutzen kann. Denn letzteres wird übelgenommen. Wer seine Bildung so zur Verfügung stellt, dass sie einem anderen etwas wert ist, und wer das auch noch sehr erfolgreich tut, der wird als “starke Schulter” gleich mal überproportional dafür herangezogen, alle diejenigen zu finanzieren, die sich keinerlei Bildung antun. Doller Anreiz. Hingegen scheint der freischwebende, von niemandem eines Entgelts würdig erachtete Intellektuelle bei manchem so eine Art Ideal zu sein – den hat derjenige, der sich dem Urteil des Markts aussetzt, gefälligst zu versorgen, damit der ihm erzählen kann, was für ein falsches Leben er führt. Klingt absurd? Einfach nur hinhören…

    Auf der anderen Seite tut ein Land, das sich auch sonst darum sorgt, für Kapital attraktiv zu bleiben, gut daran, den eigenen Rohstoff Humankapital nicht zu ignorieren. Gerade eins, das wegen der Entgeltstrukturen so sehr auf hochproduktive Arbeit angewiesen ist wie Deutschland. Da sollte dann Herkunft keine Rolle spielen dürfen – neben denen, die sich bei Studiengebühren sehr effizient vom Studium verabschieden, gäbe es eben auch jene, bei denen die Effizienz gegeben wäre, aber das Budget nicht. Deswegen sind m.E. nachgelagerte Studiengebühren das Instrument der Wahl – ohne Umweg über den Kapitalmarkt. Und es sollte dafür gesorgt werden, dass bei entsprechenden Leistungsnachweisen ausreichend Stipendientöpfe zur Verfügung stehen.

    Und letztlich sollten wir uns nichts vormachen: Die heutigen Studiengebühren sind zumindest in funktionierenden mittelständischen Familien, von denen es ja noch ein paar geben soll, nicht anderes als eine zusätzliche Steuer, die Eltern dafür entrichten, dass ihre Kinder intelligent sind.

  13. 22.10.2008 | 21:07

    “Wir leiden vielfach unter der Illusion Bildung müsste irgendwie pauschal von oben herab bereitgestellt werden, sonst würden alle Leute unterqualifiziert sein.”

    Ich halte das für keine Illusion, denn de facto wird Bildung massiv subventioniert. 500 Euro Studiengebühren im Semester finanzieren schließlich kein Studium – weder in den Geisteswissenschaften und erst recht nicht in den Naturwissenschaften. Und am eigenen geistigen Vermögen oder den Bedürfnissen der Wirtschaft vorbeizustudieren ist ja nun kein Privileg der Schlechterbemittelten.

    Wenn ich Rayson richtig verstanden habe, würde ich mich eher seiner impliziten Aussage anschließen wollen, die ich sinngemäß so verstehe: “Der Zugang zu Bildung sollte eher von Leistungsnachweisen als von Geldnachweisen abhängen.” Zumindest bei öffentlich subventionierter Bildung – was sich darüber jeder noch privat leisten kann und mag, kann ja nun jeder selbst bestimmen.

  14. 22.10.2008 | 21:22

    @Papa Staat:

    Bildung ist eine Investition, die sich später verzinst. Also sollte sie so behandelt werden. Wer viel kann und das was andere Nachfragen profitiert auch davon. Das dürfte auch jedem klar sein. Eine Subventionierung rechtfertigt sich also lediglich dann, wenn bestimmte Bevölkeruungsgruppen systematisch von der Bildung ungeachtet ihres Talents und ihrer Intelligenz (die verzinsen ja die Investition) diskriminiert werden. Und das sehe ich nicht. Keine private Uni würde einem zahlenden Studenten die Tür weisen und keine Bank einem armen, aber intelligenten und talentierten Nachfrager nach einem Studienkredit. Nur gehen viele davon aus, dass Bildung ohne das eigene finanzielle Risiko erlangt werden sollte. Woher dieser Anspruch kommt bleibt im Unklaren. Niemand oder nur wenige fordern dies bei der Investition in ein Haus oder ein anderes Investitionsgut.

  15. 22.10.2008 | 23:07

    Ich sehe das nicht so, dass die fiskalische Bildungsrendite eine Subventionierung rechtfertigt. Immerhin ist der Staat für die Bürger da und nicht die Bürger für den Staat, also kann man Bildungsausgaben nicht mit der Mehrung der Steuerkraft der Bürger legitimieren.

    Wenn eine fiskalische Rendite erzielt werden kann, wäre es ja geradezu fahrlässig, diese nicht zu realisieren. Die erzielte Rendite entspricht Steuern, die an anderer Stelle nicht erhoben werden müssen.

    Was den Kapitalmarkt betrifft: ich habe Zweifel, dass es gerade zur Zeit viele Banken gibt, die mittellosen, intelligenten Menschen ohne Sicherheiten Kredite nur aufgrund ihrer intellektuellen Kapazität geben. Ich lasse mich diesbezüglich aber gern vom Gegenteil überzeugen.

  16. R.A.
    23.10.2008 | 10:23

    Das mit der “fiskalischen Bildungsrendite” halte ich für einen Irrweg.

    Zum Einen ist ja gar nicht gesagt, daß diese Rendite dem Staat zugute kommt, der die kostenlose Ausbildung finanziert hat. Die Auswanderungszahlen steigen ja rapide und betreffen in erster Linie Akademiker.

    Und zweitens werden Renditen vom Staat völlig unabhängig vom Bildungsgrad eingetrieben.
    Wer als abgebrochener Hauptschüler mit einem Schrotthandel Millionär wurde (diese Fälle gibt es seit der Einführung des Recyclings überraschend oft) kann dann mit seinen Steuern die Hochschulbildung von Leuten bezahlen, die dann promoviert Taxi fahren.

  17. 23.10.2008 | 10:24

    @Holger:

    Ich widerspreche dir nicht, was die staatliche Logik betrifft, auch wenn ich glaube, dass Bildungspolitik für die meisten Politiker eine reine Marketingmaßnahme ist, mit der sie Bürger beeindrucken, die darauf stehen, wenn sich jemand um ihre Zukunft kümmert. Aber aus normativer Sicht legitimiert die Bildungsrendite nicht die Bildungsfinanzierung als Staatsaufgabe. Auch ist der Verzicht auf alternative Besteuerungsmöglichkeiten keine gute Begründung, da in einer dümmeren und damit weniger produktiven Volkswirtschaft die gesamte Steuerbasis erodiert, weshalb man nicht unmittelbar von Ausweichmöglichkeiten ausgehen kann. Insofern sehe ich aus der Perspektive des Bürgers keine fiskalische Legitimierung der öffentlichen Bildungsfinanzierung, zumal unklar ist, ob diese Finanzierung überhaupt die gewünschte Bildungsrendite bringt. Vergleicht man unser System etwa mit dem der Amerikaner sehen wir ziemlich traurig aus, schließlich zeichnet sich deren Volkswirtschaft über eine deutlich höhere Produktivität aus. Aber es reicht auch der Blick in die Schweiz, wo ebenfalls Studiengebühren zu zahlen sind und die Bildungsrendite in Produktivität gemessen über der unseren liegt.

  18. 27.10.2008 | 11:47

    [...] Schichten nicht veröffentlicht werden sollte, gibt es Ärger in der Koalition. Bei den “bissigen Liberalen” fragt man sich, woher die ganze Aufregung kommt. Etwas, was teuer ist, will eben nicht jeder. Ist doch schön, [...]

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