22. Oktober 2008
Viel Lärm um … nichts Verwunderliches
Weil eine neue Studie des Bildungsministeriums angeblich die abschreckende Wirkung von Studiengebühren für Abiturienten aus “prekären” Schichten ermittelte und deshalb hinter Schloss und Riegel gehalten wird, gibt es Ärger in der Koalition.
Was für ein Ergebnis? Wer hätte gedacht, dass ein steigender Preis für ein Investitionsgut (Bildung) eine Verringerung der Nachfrage insbesondere budgetschwacher Haushalte verursacht. Die Studie hätte man sich sparen können, ginge es nur um die Wirkung an sich und nicht um deren Ausmaß. Da aber niemand es bislang schwarz auf weiß lesen kann und auch Frau Schavan nur Zahlen von 1,4 Prozent potentieller Studienanfänger aller Schichten in den südlichen Bundesländern nennt, sind wie so oft Mutmaßungen einer Binsenweisheit völlig ausreichend für das Theater.
Damit ist jedoch die Debatte um die Studiengebühren schon wieder beendet. Eine seriöse Analyse hinsichtlich der Anreizwirkung für die zukünftigen Studenten, die Ausbildung zu wählen, die den besten Zukunftsertrag unter Berücksichtigung ihrer Kosten bringt und der optimalen Wahl von Studienfach und -zeit findet nicht statt. Auch nicht, ob ein Studium wirklich der beste Weg für jeden ist, sich eine annehmliche Zukunft aufzubauen. Dass Studiengebühren das Potential haben den Wettbewerb der Unis um die Studenten mit mehr Bildungsqualität anzukurbeln wird ebenso ausgeblendet, wie die traurige Bilanz der bisherigen Bildungsfinanzierung, die ja gerade den Ruf nach Studiengebühren ausgelöst hat.
In der Debatte reicht es offenbar völlig aus über dubiose Verteilungswirkungen der Finanzierung des knappen Gutes Bildung zu spekulieren. Die Effizienz der Bildungsfinanzierung dagegen, die vor allem die langfristigen Effekte der Bildung beeinflusst, wird in politischer Tradition ausgeblendet, schließlich können sich zukünftige Generationen oder diejenigen, die die Kosten der Bildung tragen und Ursache und Wirkungsbeziehungen nicht nach verfolgen können, mit den Problemen einer oberflächlichen Finanzierungspolitik der Bildung herumschlagen.
Es ist schon rätselhaft, warum von den Protagonisten eines vermeintlich kostenfreien Studiums, die Debatte um eine solide indirekte Studienfinanzierung über BaföG und geförderte Studienkredite immer wieder ignoriert oder gar abgewürgt wird. Immerhin kann diese Ansatz für sich beanspruchen, dass er die Lenkungswirkung bei den Studenten und an den Unis in Richtung effizienter Bildungsplanung weniger untergräbt, gleichzeitig aber Bedenken hinsichtlich der Verteilungswirkungen durchaus aufgreift und ihnen auch weitgehend gerecht wird. Offenbar geht es doch um die Wahrung der Illusion, Papa Staat könne Geschenke verteilen und damit in alter planwirtschaftlicher Manier die Probleme jedes Einzelnen lösen. Und da sind ja noch diejenigen, die lieber bei den Bildungsministerien als beim Studenten um ihren Anspruch am Bildungsbudget buhlen, wohl wissend das letztere sorgfältiger auf ihre Geldbörsen achten und auf das, was sie dafür erhalten.
Verfasst von SteffenH um 13:14 Uhr in der Kategorie Bildungspolitik (Trackback)
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