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Hinderliches Fachwissen

Ein Mann, der genau so gut wie Krugman den Nobelpreis hätte bekommen können, dem Verleihungskomitee aber wohl nicht prononciert Anti-Bush genug war und den Preis jetzt, nachdem sein Fachgebiet schon “dran” war, wohl nie mehr bekommen wird, erklärt uns hier, warum die bisher erfolgreichen Versuche der Linken, die Wahrnehmung der Finanzkrise als Krise freier Märkte an sich als herrschende Ansicht durchzusetzen (was auch das Gequatsche von einer angeblich “neoliberalen” Dominanz in den Medien ad absurdum führt), das Thema verfehlen.

bisher 36 Kommentare » Kommentare
  1. Oliver Fink sagt am 15. 10. 2008 um 21:33 Uhr:

    Danke für den Link. Sehr interessantes Interview. Vor allem so unaufgeregt…

  2. Parker8 sagt am 16. 10. 2008 um 00:17 Uhr:

    Ja, Bhagwati ist zuzustimmen, wenn er ein Versagen des Finanzmarktes erkennt, und eine sui generis-Notwendigkeit der Regulierung.

  3. F.Alfonzo sagt am 16. 10. 2008 um 02:26 Uhr:

    Ja, gutes Interview… schöne Abwechslung zur Weltuntergangsstimmung.

    …das Problem ist nur, dass die meisten Linken vermutlich nicht das Handelsblatt lesen, und dass die meisten Handelsblatt-Leser (zugegebenermaßen wohl ein kleinerer Anteil) dort nur von einem Experten bestätigt bekommen, was sie sowieso schon wussten oder zumindest geahnt hatten.

    Ich erwarte also auf beiden Seiten keinen ‘Aha-Effekt’. Aber gut, das ist vermutlich immer so.

  4. jo@chim sagt am 16. 10. 2008 um 08:21 Uhr:

    Parkers Anmerkung ist mir als Frage ebenfalls in den Sinn gekommen, Rayson… also Schaffung einer Finanzmarktaufsichtsbehörde?

  5. Herbert sagt am 16. 10. 2008 um 08:51 Uhr:

    Wie wäre die Kernaussage von Bhagwati vor 2 Jahren in diesem Blog angekommen? Ich kann es mir gut vorstellen: “Über den Einfluss der Finanzindustrie entscheidet der Markt, kein Intellekueller im Elfenbeinturm!”. Nun gut, inzwischen hat ja sogar der Finanzmarkt (durch seinen Exitus) entschieden, und jetzt ist auch Bhagwatis Meinung wohlgelitten. Lol!
    Aber aufgepasst, die öffentliche Meinung entsteht nicht im Handelsblatt:
    http://www.ardmediathek.de/ard/servlet/content/1020246
    Plusminus ist, wohlgemerkt, immer noch die vornehme und wirtschaftsbewusste Variante. Andere Meinungen werden die nächsten Jahre gewiss überleben, aber eben in schummrigen Ecken wie diesem Blog. Kopf hoch: irgendwann in vielleicht 30-40 Jahren kann es schon mal wieder eine Renaissance für Deregulierer und Finanzmarktfreunde geben. Die jüngeren unter uns werden die Morgenröte noch erleben.

  6. F.Alfonzo sagt am 16. 10. 2008 um 10:32 Uhr:

    @ Herbert: Die Aussage von Bhagwati wäre vor 2 Jahren genauso angekommen wie jetzt, oder wie sie in 2 Jahren ankommen wird…

    Nicht jeder mag seiner Meinung sein, deshalb kann man ja diskutieren. Im Grundsatz hat er aber recht (Rayson hat nicht nur zufällig erwähnt, dass der Mann für nen Nobelpreis reif wäre).

    Das ist doch genau der Punkt, und eine der Kernaussagen, die er in dem Interview getroffen hat: Krisen (Bubbles) gibt’s immer wieder, und wenn diese durch schlechte Regulierung begünstigt werden, muss man die Regulierung verbessern. Man kann aber nicht einen Markt grundsätzlich so regulieren, dass er immer das gewünschte Ergebnis bringt (aus wessen Sicht auch immer).

    …gegen den Elfenbeinturm hat gerade hier wahrscheinlich niemand etwas… ich glaub es gibt kaum einen Blog mit einer so extremen Ökonomendichte wie hier ;-)

  7. F.Alfonzo sagt am 16. 10. 2008 um 10:35 Uhr:

    …siehe die 100-Beiträge starke Diskussion über Karl Marx….

    Nur Wirtschaftswissenschaftler diskutieren so lange über ein derartges Pamphlet…

  8. Rayson sagt am 16. 10. 2008 um 12:56 Uhr:

    @jo@chim

    Regulierung gibt es eh schon – offensichtlich aber passte sie nicht mehr zum Gegenstand.

    @Herbert

    Ob ich mal den Tag erleben werde, an dem du nicht fiktive Aussagen kritisierst, sondern reale? Oder würde das dein Weltbild zu sehr erschüttern?

    Interessant jedenfalls deine Neigung, dich in schummrigen Ecken (oder was du dafür hältst) herumzutreiben…

  9. Die Stimme aus dem Off sagt am 16. 10. 2008 um 17:04 Uhr:

    Hmm. Es gab da vor langer Zeit eine Diskussion auf dem Antibürokratieteam, da wurde genau dieses Problem angesprochen. Falls man es finden könnte, könnte man evtl. auch den einen oder anderen Bloggie bei einer Stellungnahme zu eben entsprechenden Regulationen finden (oder auch nicht).

    Ich finde nur leider den Artikel mit den Kommentaren nicht mehr wieder.

  10. Lemmy Caution sagt am 16. 10. 2008 um 17:47 Uhr:

    Der Glaube, es wär jetzt die Stunde für den dirigistischen, gerechten Staat, halte ich eher für eine Kopfgeburt von Leuten, die gerne über politische Ideologien streiten. In der Realität wirkt sich das ganze vielleicht ganz anders aus.
    1. Sind unsere Staatskassen im Gefolge der Finanzkrise nicht voller. Wie soll der Staat die Zügel in die Hand nehmen, wenn er Schulden abbezahlen muß.
    2. Hat es in marktwirtschaftlichen Systemen immer mal wieder Bankenkrisen gegeben. Diese hätte verhindert werden können. Vielleicht wurde das Risiko deshalb unterschätzt, weil die letzte zu weit in der Vergangenheit lag. Ich erwarte nun in meiner Lebenszeit keine Finanzkrise dieses Ausmasses mehr. Durch realistischere Spielregeln auf dem Finanzmarkt würde die Marktwirtschaft insgesamt gestärkt.
    3. Bei einem Ölpreis von unter 80$ könnte Hugo Chávez das erste Opfer der Folgen dieser Finanzkrise sein. Und damit das ganze Geflecht seiner mit viel Ölgeld unterstützter Gesinnungsgenossen (Kuba, Argentinien, Bolivien, Ecuador, Nicaragua, Honduras).

  11. der_gute_don sagt am 16. 10. 2008 um 23:15 Uhr:

    prima link!

  12. Herbert sagt am 17. 10. 2008 um 12:00 Uhr:

    @ Rayson
    Tatsache ist doch, dass der Herr Professor Bhagwati mit seiner Kritik am Einfluss der Finanzindustrie erst angelaufen kam, als das Kind bereits in den Brunnen gefallen war (selbst da noch spät), und Du ihn auch erst dann als einen Kronzeugen angeführt hast. Oder hast Du noch irgendwo im Archiv einen 3 Jahre alten Beitrag, wo Du Finanzexzesse geißelst, die keinen Bestand haben würden, und Dich dabei auf Bhagwati berufst? Natürlich gibt es davon keine Spur nirgendwo, weshalb es Dir gut zu Gesicht stünde, Dich etwas weniger aufzumanteln.

  13. Dirk sagt am 17. 10. 2008 um 15:22 Uhr:

    Es ist sehr interessant zu sehen, wer heute alles für konservative Kreditvergabe bei Banken eintritt.

  14. Dirk sagt am 17. 10. 2008 um 15:22 Uhr:

    “durch Banken” oder “seitens der Banken” statt “von Banken”

  15. Rayson sagt am 17. 10. 2008 um 15:51 Uhr:

    @Herbert

    Ich zitiere mich mal wieder selbst:

    Du bist im Blog-Olymp angekommen, wenn du dafür kritisiert wirst, dass du über etwas nicht gebloggt hast.

    Es ist im besten Fall ziemlich absurd, aus der Nichtbeschäftigung mit einer Sache eine Haltung zu ihr abzuleiten. Im schlechteren Fall ist es mieser Stil.

    Interessant in diesem Zusammenhang übrigens, dass die in Sachen Regulierung weitaus puristischeren Anhänger der österreichischen Schule tatsächlich schon vor Jahren vor dieser Krise gewarnt und somit Olli Kahns Vermögen gerettet haben.

  16. Dirk sagt am 17. 10. 2008 um 17:14 Uhr:

    Interessant ist auch, dass jemand, der mit den Österreichern über die Ursachen übereinstimmt, jetzt konsequenterweise eine keynesianistische Lösung anstreben müsste.

  17. Markus sagt am 19. 10. 2008 um 00:17 Uhr:

    Prima Link? Ich will auch mal gelobt werden für meinen prima Link ;-)

    [Spam gelöscht - einmal reicht, R.]

  18. F.Alfonzo sagt am 19. 10. 2008 um 03:07 Uhr:

    @ Herbert:

    Dir ist aber schon bewusst, dass Ökonomen keine Hellseher sind, oder?
    Es muss sich überhaupt nix ver4wirklichen, das ist ja das schöne… kein Mensch weiss, was passieren wird, unabhängig vom deuteschen bail-out…

    Witzig, oder? Man kann durchaus was lernern…

  19. admin sagt am 19. 10. 2008 um 14:24 Uhr:

    @Dirk

    Welche Lösung meinst du und warum “konsequenterweise”?

  20. Dirk sagt am 19. 10. 2008 um 17:28 Uhr:

    @admin/Rayson

    Die Österreicher sehen die Ursache ja in zu niedrigen Zinsen. Diese hätte zu Investitionen in eigentlich unrentable Projekte geführt, die jetzt beseitigt werden müssen.

    Die Investitionen gehen jetzt (vermutlich, so genau weiss man es ja nicht) zurück. Dies alleine schon aufgrund der unsicheren Lage, in der man sich keinen “sunk cost” aussetzen möchte. Damit kann es passieren, dass weniger investiert wird als gespart wird: Eine Rezession droht.

    Wie sieht die österreichische Lösung aus? Auf keinen Fall dürften mit einer zu lockeren Geldpolitik Investitionen subventioniert werden. Denn damit würde man ja weiter Öl ins Feuer gießen. Die Lösung kann also nur sein, dass mehr konsumiert wird. Man muss also gerade jezt verhindern, dass zuviel Geld gespart wird. Der Staat könnte beispielsweise jedem Bürger 1000 Euro geben, die dieser dann auf den Kopf haut. Das wäre eine Keynesianische Lösung (und bitte jetzt kein Elfenbeindiskussion über Ricardianische Äquivalenz).

    Kurz gesagt: Wenn es falsch ist, eine Rezession durch Investitionsanreize zu bekämpfen, müss Konsumanreize richtig sein.

  21. Markus sagt am 19. 10. 2008 um 23:37 Uhr:

    Warum also zur Unterdrückung “abweichender” Meinungsäußerungen schreiten, wie bei meinem Link geschehen? Dirk spricht ja auch von einer Keynesianischen Lösung.

  22. Herbert sagt am 20. 10. 2008 um 10:54 Uhr:

    @ Dirk
    “Die Lösung kann also nur sein, dass mehr konsumiert wird”
    Vermutlich hast Du Recht. Gerade auch in Deutschland sind Angebot und Nachfrage, Wertschöpfung und Konsum völlig aus dem Gleichgewicht geraten. Seit Jahren sehen wir sinkende Realeinkommen und Sparen im unvernünftigen Ausmaß. Das Ganze funktionierte nur deshalb, weil andere verantwortungslos Schulden gemacht und Geld ausgegeben haben. Es gibt also letztlich keinen Grund, mit dem Finger auf die anderen zu zeigen, weil sie nur die andere Seite derselben Medaille gespielt haben. Wer gespart und sein Geld in wertlose Schuldscheine investiert hat, ist letztlich selbst schuld. Schlechte Beratung und Unwissenheit schützen bekanntlich nicht vor den Folgen. Deutschland war schlecht beraten, von Sinn(en).

  23. der_Neue sagt am 20. 10. 2008 um 21:24 Uhr:

    @Dirk

    Damit kann es passieren, dass weniger investiert wird als gespart wird

    Nein. ex-post gilt immer: I=S

    Auf keinen Fall dürften mit einer zu lockeren Geldpolitik Investitionen subventioniert werden.

    Richtig. Aber nicht aus dem Grund, dass Investitionen per se schlecht sind, sondern weil Subventionen per se schlecht sind.

    Denn damit würde man ja weiter Öl ins Feuer gießen. Die Lösung kann also nur sein, dass mehr konsumiert wird.

    Da wirfst du jetzt was durcheinander glaub ich. Laxe Geldpolitik (zuviel Liquidität) führt i.d.R. zu Inflation und nicht unbedingt zu Fehlinvestitionen.
    Zu behaupten, es würde “zu viel gespart” (v.a. in den USA!?) ist m.E. Schwachsinn. Sparen (und damit Investitionen) sind der Motor des langfristigen Wirtschaftswachstums.

    @herbert

    Gerade auch in Deutschland sind Angebot und Nachfrage, Wertschöpfung und Konsum völlig aus dem Gleichgewicht geraten.

    Angebot und Nachfrage aus dem Gleichgewicht? Welcher Markt? Gütermarkt? Kapitalmarkt? Wertschöpfung und Konsum aus dem Gleichgewicht… oh je, bullshit-bingo.

  24. Rayson sagt am 20. 10. 2008 um 21:40 Uhr:

    @Dirk

    Die “österreichische” Antwort wäre wohl, dass es keinerlei Kompensation bedarf. Durch die Rückführung des Investitionsniveaus auf das angemessene Level wird das Problem gelöst.

    Und du wirst den Amis doch wohl nicht etwa empfehlen, noch mehr zu konsumieren. Oder?

    @Markus

    Jetzt sterilisiere (B.Labbadia) dich nicht zum Verfolgten hoch. Linkspam wird gelöscht, aber deine Meinung, so verfehlt sie auch ist, wirst du hier weiterhin sagen dürfen, so lange sie unseren Kommentarrichtlinien nicht widerspricht.

    @Herbert

    Die Krise hat ihren Ursprung nicht im angeblich “zu viel” sparenden Deutschland, sondern im wirtschaftspolitischen Traum der FTD-Kommentatoren, den USA. Und ehe wir bis drei gezählt haben, werden wir lernen, was wirkliche “Kreditkarten” sind.

    Vielleicht ist Minussparen ja auch schon “zu viel” – mein Verständnis dafür, die Krise dafür zu nutzen, alte Glaubenssätze neu aufzulegen, ist zwar groß, aber wenn die Realität dem so sehr Hohn spricht, sollte man vielleicht lieber eine andere Platte auflegen.

  25. Markus sagt am 21. 10. 2008 um 01:02 Uhr:

    @ Rayson

    Woher willst du wissen, was Linkspam ist und was nicht? Das kannst du nur, wenn du dich als Zensor aufspielst. Und damit dürftest du selbst gegen eure eigenen liberalen Kommentarrichtlinien verstoßen.

    Die “österreichische Antwort” auf eine große Wirtschaftskrise wurde in den 1930er Jahren schon einmal gegeben, mit den bekannten Folgen.

    @ der Neue

    Sparen und Investieren sind zwar ex post immer gleich. Das heißt aber nicht, daß es nicht zu einem Mangel an lohnenden Investitionsmöglichkeiten kommen kann, was in der Folge zu “Spekulations-Investitionen” führen kann, wenn die Nachfrage in der Realwirtschaft nicht wieder angeschoben wird.

    Das “Spielgeld” an den internationalen Finanzmärkten muß aber irgendwo herkommen. Warum nicht auch aus der langjährigen Umverteilung nach oben und der fortgesetzten Steuersenkungspolitik für Unternehmen und Reiche?

  26. dirk sagt am 21. 10. 2008 um 01:46 Uhr:

    ich habe im Moment leider yu wenig Zeit zum Antworten. (wirklich, bin gerade in NY) Sorry

  27. Herbert sagt am 21. 10. 2008 um 10:27 Uhr:

    @ rayson
    “Die Krise hat ihren Ursprung nicht im angeblich “zu viel” sparenden Deutschland , sondern … den USA.”
    Das eine ist ohne das andere nicht zu haben. Die Deutschen hätten nicht so viel sparen können, wenn die Amerikaner nicht so viel auf Pump ausgegeben hätten. Die Sparsamen haben unter dem Strich den Verrückten ihre Ersparnisse hinterhergeworfen. In Ostdeutschland konnten Mieter nicht einmal für 30000 Euro ihre eigene Wohnung kaufen, während die SachsenLB und private Anlager das “überschüssige” Geld in den Subprime-Sektor des heißgelaufenen US-Immobilienmarkts gesteckt haben. Mehr Fehlallokation geht nicht.

    “..im wirtschaftspolitischen Traum der FTD-Kommentatoren, den USA”
    Da würde ich mal differenzieren. Es gibt bei der FTD extrem unterschiedliche Stimmen. Die Kolumne “Das Kapital”, die ich seit Jahren nie versäume, hat ganz bestimmt nie von den USA geträumt, sondern österreichisch früh vor einem Desaster gewarnt.

  28. Rayson sagt am 21. 10. 2008 um 16:52 Uhr:

    @Markus

    Woher willst du wissen, was Linkspam ist und was nicht? Das kannst du nur, wenn du dich als Zensor aufspielst. Und damit dürftest du selbst gegen eure eigenen liberalen Kommentarrichtlinien verstoßen.

    Es gibt Indizien, die mein Urteil stützen. Wiederholte Links auf eher unbekannte Blogs sind so eins. Wer sich für anständige Trackbacks zu fein ist, bekommt hier auch keinen kostenlosen Werbeplatz spendiert.

    Mach dein eigenes Blog auf, da kannst du dann so viele Links setzen wie du willst.

    Die “österreichische Antwort” auf eine große Wirtschaftskrise wurde in den 1930er Jahren schon einmal gegeben, mit den bekannten Folgen.

    Die “Österreicher” sind da, wen wundert’s, ganz anderer Meinung. Aus deren Sicht haben erst die Staatseingriffe die Krise manifestiert.

    @Herbert

    Die Deutschen hätten nicht so viel sparen können, wenn die Amerikaner nicht so viel auf Pump ausgegeben hätten.

    Mag ja sein, aber deswegen ist die Lösung des Problems noch lange nicht in Deutschland zu suchen. Dass Deutschland in großem Stil Kapital exportiert, ist eben die andere Seite der hochgelobten Exportweltmeister-Qualifikation. Aber es wäre wohl etwas zu viel von einem Lieferanten verlangt, einen Kunden nicht zu bedienen, weil der sich zu übernehmen droht. Schließlich steht der nächste Lieferant schon dicht daneben. Da muss man dann doch eher beim Kunden ansetzen und den Zwegert holen.

    Mal abgesehen davon, dass die Amis ja nicht nur bei uns eingekauft haben, sondern mehr noch woanders.

  29. Markus sagt am 22. 10. 2008 um 01:28 Uhr:

    @ Rayson

    Also doch Zensur! Wenn dir der Link besser gefallen würde, wäre aber alles in Ordnung. Außerdem habe ich nicht ständig darauf hingewiesen. Wie wäre es zudem, mal argumentativ zu kontern auf dieses “eher unbekannte” Blog?

    Die “Österreicher” sind eben Theoretiker. In einer manifesten Krise darf man die Hände nicht in den Schoß legen, wie – wohl auch auf Anraten der “Österreicher” – in den dreißiger Jahren des vergangenen Jahrhunderts geschehen. Erst als sich die Keynessche Nachfragepolitik allmählich durchsetzte, konnte die Krise eingedämmt werden.

    Die Aufträge für die deutsche Wirtschaft würden im Inland mehr sein, wenn die fortgesetzte Niedriglohnpolitik beendet und die Binnenkonjunktur gefördert würden.

    Wer aber lieber Arbeitslosigkeit exportiert und sich den Schwankungen des Weltmarktes über Gebühr aussetzt, darf sich nicht wundern, wenn einen internationale Krisen besonders hart treffen.

  30. Herbert sagt am 22. 10. 2008 um 10:00 Uhr:

    @ Rayson
    “Aber es wäre wohl etwas zu viel von einem Lieferanten verlangt, einen Kunden nicht zu bedienen, weil der sich zu übernehmen droht.”
    Da stimme ich Dir grundsätzlich zu. Dumm nur, wenn die Hausbank des Lieferanten seine schönen Gewinne in fahrlässige Kredite an den sich übernehmenden Kunden investiert. Das ist uns zu einem gewissen Grad auch passiert, hat uns Wohlstand gekostet und wird uns noch viel mehr davon kosten.

  31. admin sagt am 22. 10. 2008 um 19:44 Uhr:

    @Markus

    Wenn dir der Link besser gefallen würde, wäre aber alles in Ordnung.

    Ich kann dich nicht daran hindern, solchen Quatsch anzunehmen.

    Außerdem habe ich nicht ständig darauf hingewiesen.

    Wie gesagt: Einmal reicht. Das ist genug unbezahlte Werbung.

    Wie wäre es zudem, mal argumentativ zu kontern auf dieses “eher unbekannte” Blog?

    Wenn ich auf jedes Blog dieser Welt eingehen sollte, müsste ich den Broterwerb einstellen und würde der Aufgabe doch nicht gerecht werden. Warum also sollte ich meine kostbare Zeit darauf verschwenden, mich mit Leuten auseinanderzusetzen, die weder hier kommentieren noch Trackbacks setzen?

    In einer manifesten Krise darf man die Hände nicht in den Schoß legen

    Hm. Das kann nicht das Kriterium sein. Besser nichts tun als etwas Falsches. Aktionismus ist keine gute Strategie. Und die “Ösis” sagen eben, dass staatlicherseits damals genau das Falsche getan wurde, was die Krise erst zu einer solchen gemacht habe. Ich müsste mich damit nochmal genauer befassen, aber interessanter sind sie für mich auf jeden Fall geworden. Noch interessanter als vorher. Obwohl vernünftige Ökonomen wie Bryan Caplan, Tyler Cowen oder Statler, denen man sicher eine profunde Kenntnis dieser Materie unterstellen darf, die “Ösis” eine gewisse wissenschaftliche Verachtung spüren lassen. Was aber wahrscheinlich nicht am Ansatz schlechthin liegt, sondern am eher sektenhaften Verhalten der modernen Anhänger dieser Richtung. Auch die Ökonomie muss immer wieder neu von außen und von innen herausgefordert werden, damit sie sich weiter entwickelt.

    wohl auch auf Anraten der “Österreicher”

    Kaum. Die hat schon damals keiner gefragt.

    Die Aufträge für die deutsche Wirtschaft würden im Inland mehr sein, wenn die fortgesetzte Niedriglohnpolitik beendet und die Binnenkonjunktur gefördert würden.

    Die meisten Ratschläge, mit denen angeblich die Binnenkonjunktur gefördert wird, würgen diese eher ab. Höhe Löhne, die nur in Tarifverträgen stehen, aber nicht gezahlt werden, weil keiner eingestellt wird, nutzen niemandem. Das führt nur zu einem weiter ansteigenden Gegensatz zwischen Arm und Reich.

    und sich den Schwankungen des Weltmarktes über Gebühr aussetzt

    Wie die Skandinavier das tun?

  32. Markus sagt am 23. 10. 2008 um 01:11 Uhr:

    @ Rayson

    Dein Verständnis von
    Liberalität und Meinungsfreiheit ist drollig, aber vielleicht genauso “sektiererisch” wie die “Ösis” in ihrer Wirtschaftslehre. Es sollte jedenfalls kein Fehler sein, sich auch mal mit dem, was andere denken, inhaltlich auseinanderzusetzen.

    Von Aktionismus kann man bei einem “Jahrhundertökonomen” wie Keynes nun wahrlich nicht sprechen.

    Die Angebotspolitik hat seit 2000 die realen Einkommen besonders in Deutschland gegenüber dem europäischen Ausland deutlich ins Hintertreffen kommen lassen.

    Der Gegensatz zwischen Arm und Reich ist bei den Skandinaviern viel geringer als bei uns. Nur weil sie offene Volkswirtschaften haben oder weil sie eine andere Wirtschafts- und Sozialpolitik betreiben?

  33. Rayson sagt am 23. 10. 2008 um 23:15 Uhr:

    @Markus

    Nicht ich bin es, der Liberalität mit Passivität verwechselt und Meinungsfreiheit mit der Verpflichtung, kostenlos Werbung für andere zu machen.

    Von Aktionismus kann man bei einem “Jahrhundertökonomen” wie Keynes nun wahrlich nicht sprechen.

    Schon gar nicht, weil der selbst ja auch nix gemacht hat.

    Die Angebotspolitik hat seit 2000 die realen Einkommen besonders in Deutschland gegenüber dem europäischen Ausland deutlich ins Hintertreffen kommen lassen.

    Natürlich. Und das auch noch so versteckt, dass man sie gar nicht bemerkt hat. Raffiniert.

    Der Gegensatz zwischen Arm und Reich ist bei den Skandinaviern viel geringer als bei uns. Nur weil sie offene Volkswirtschaften haben oder weil sie eine andere Wirtschafts- und Sozialpolitik betreiben?

    In Nordkorea ist der Gegensatz noch geringer. Was die Skandinavier ziemlich gut machen, ist, die Märkte offen und flexibel zu halten und bei Bedarf schnell Reformen umzusetzen (statt wie bei uns nur so lange darüber zu reden, bis alle denken, es sei schon längst passiert). Deswegen sind sie auch wohlhabend.

  34. Markus sagt am 24. 10. 2008 um 00:26 Uhr:

    @ Rayson

    Keynes ein verkappter “Ösi” und Libertärer? Ja, so kann man das auch sehen, wenn einem die Welt nichts weiter als “Wille und Vorstellung” ist.

    Wenn du mal das “relativ unbekannte” Blog konsultieren würdest oder dich auch nur mal in offiziellen Statistiken (von der OECD z.B.) umschauen würdest, dann würdest du schon was merken.

    Also ich würde auch lieber in Skandinavien leben als in “Mordkorea”. Und es mag auch stimmen, daß die Nordlichter ziemlich fix sind, wenn es darum geht, Reformen umzusetzen. Deren Reformerfolge zeigen aber auch, daß ökonomische Effizienz und soziale Kohäsion keine Gegensätze sein müssen.

    Habe ich jetzt “Werbung” für Skandinavien gemacht?

  35. Rayson sagt am 24. 10. 2008 um 00:43 Uhr:

    @Markus

    Keynes ein verkappter “Ösi” und Libertärer?

    Ja super, jetzt musst du nur noch jemanden finden, der so einen Mist behauptet.

    Wenn du mal das “relativ unbekannte” Blog konsultieren würdest oder dich auch nur mal in offiziellen Statistiken (von der OECD z.B.) umschauen würdest, dann würdest du schon was merken.

    Aha, Anwendung der Goldenen Diskussionsregel “Linkes Lager” Nr. 4. Wie originell.

    Deren Reformerfolge zeigen aber auch, daß ökonomische Effizienz und soziale Kohäsion keine Gegensätze sein müssen.

    Zum Teil ja, obwohl auch da nicht alles Gold ist, was glänzt. Aber das hilft uns nicht viel weiter. Wir sind keine Skandinavier, so wie wir auch keine Amis sind. Vielleicht würde ein radikaler Föderalismus (bis hin zur kompletten Sezession von Ländern) bei uns ähnliche Modelle erzeugen, sicher bin ich mir da aber nicht.

  36. Markus sagt am 25. 10. 2008 um 23:10 Uhr:

    Aber wir haben “Super-Merkel” und “Finanzgenie” Steinbrück. ;-)

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