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Eine Lehre der Krise

Österreicher statt Keynes?

(inspiriert durch “Das Ende des “laissez-faire” bei Wirtschaftliche Freiheit)

bisher 17 Kommentare » Kommentare
  1. Paul sagt am 12. 10. 2008 um 15:22 Uhr:

    Habe jetzt auch mal angefangen mich mit den Österreichern zu beschäftigen. Einige Thesen sind sehr faszinierend. Ich versuche mir immer vorzustellen wie das mit privatem Geld funktionieren würde….klingt sehr spannend.

  2. Dirk sagt am 12. 10. 2008 um 15:43 Uhr:

    Dazu hätte ich zwei Fragen

    1) Inwieweit hat “Keynesiasmus im weitesten Sinne” jetzige Krise beeinflusst? (also inwiefern besteht überhaupt die Alternative Österreicher vs. Keynes)

    2.) Für den Fall, dass auf den Goldstandard angespielt wird: Wie kam es, trotz Goldstandard, zu der Blase im Vorfeld der Weltwirtschaftskrise?

  3. Rayson sagt am 12. 10. 2008 um 15:51 Uhr:

    @Dirk

    Ich dachte in beiden Fällen mehr an die Analyse als an irgendwelche umgesetzte Praxis oder Heilungsvorschläge.

  4. Dirk sagt am 12. 10. 2008 um 16:49 Uhr:

    @Rayson

    okay. Für die Analyse der Ursachen ist Keynes m.W. ungeeignet. Wohl aber für Analyse der Auswirkungen, Stichwort Liquiditätsfalle, interessant.

    Bei den Österreichern bin ich skeptisch. Zu Mindest ist klar, dass die österreichische Lösung einen Reservesatz von 100% verlangt. (Wäre er niedriger, könnten Banken durch das Verleihen von Einlagen Geld schaffen.) Das aber wäre eine staatliche Regulierung, auf die die Österreicher angewiesen sind.

  5. Michael sagt am 12. 10. 2008 um 17:38 Uhr:

    Wie soll denn das mit den privaten Währungen funktionieren? Dann hätten wir eine ähnliche Situation wie im Mittelalter: Einen Flickenteppich von Regelungen. Und ob sich da der wirtschaftliche Alltag und die Stabilität etablieren ließe wie unter dem jetzigen System (mit seinen auftretenden Schwankungen) ist so die Frage. Geld sollte nämlich seine Funktionen (Wertspeicher, Zahlungsmittelfunktion und Rechnungseinheit) erfüllen. Das könnte man eben bei einer dezentralen Lösung nicht mehr garantieren. Zwar im Geltungsbereich des Währungsgebietes, aber in Zeiten der Globalisierung ist das zu wenig…

  6. Dirk sagt am 12. 10. 2008 um 18:05 Uhr:

    “Wertspeicher” ist eine Lehrbuchfunktion, die Geld in Wirklichkeit nicht haben kann. Wenn eine Ökonomie hundert Äpfel produziert und 100 Euro in ihr herumzirkulieren, dann kann ich nicht einfach das Geld als Wertspeicher nehmen. Spare ich zwanzig Euro ein, dann verderben 20 Äpfel. Da ist nichts gespeichert.

    Privatgeld gibt es im wesentlichen schon. Man kann sein Geld in unzählige Zahlungsansprüche investieren (Aktien, Futures, Gold,…). Nur diese Ansprüche werden nicht als Zahlungsmittel benutzt. Zum Teil aus Gewohnheit, zum Teil weil der Staat als Schuldner nicht hinreichend unzuverlässig ist als dass sich eine kritische Masse für eine andere Währung entscheidet.

  7. Libero sagt am 13. 10. 2008 um 10:04 Uhr:

    @Rayson

    Ich habe ich den Eindruck, das bei der Übertragung von den Lehrern auf die Schüler, erst recht die Schüler aus zweiter Hand und die nur Leser der Bücher der österreichischen Schule einfach zu viel Informationen und Ansichten verloren gegangen sind. Weiterhin habe ich den Eindruck, das die Schüler ihre Lehrer nicht genügend gefordert haben. Wenn Hayek oder Mises über das Verhalten von Menschen schreiben, frage ich mich immer, wie man soviel Weltfremdheit über soviele Lebensjahre bewahren kann.

  8. Dirk sagt am 13. 10. 2008 um 11:12 Uhr:

    @Libero

    Mir ist schleierhaft, was Du meinst. Kannst Du konkreter werden? Beispiele?

  9. Libero sagt am 13. 10. 2008 um 12:11 Uhr:

    Wenn man Mises oder auch Hayek liest, sind sie oftmals nobler als ihre Schüler. Bei diesen und bei anderen Ökonomen bin ich hin und her gerissen. Manches ist großartig beobachtet und analysiert und dann wieder denke ich, oh Gott, wie weltfremd muß man sein. Zum Beispiel in Nationalökonomie Kapital 8 Arbeit und Lohn von Mises. Da merkt man, Mises hat nie anders als schreibend und denkend sein Geld verdient. Ich war Werkstudent, da kann man über solche Analysen nur den Kopf schütteln.

    Die Nachkommen gedrückter darbender Knechte wurden nicht nur zu gleichberechtigten freien Bürgern aus Seite 536.

    Nichts stand dieser Propaganda mehr im Wege als die Freude, die dem Arbeiter seine Eingliederung in den kapitalistischen Produktionsprozess der Marktwirtschaft bereitete. Des Arbeiters Trachten war ganz darauf gerichtet, den schnellen und glänzenden Aufstieg der Arbeiterschaft zu Wohlstand, Kultur und bürgerlicher Freiheit mitzumachen.

    Wie meinen? Also ehrlich, wie weltfremd muß man sein, um solche Sätze zur Situation im 19. Jahrhundert zu schreiben. Die damalige Arbeit in der Industrie war wesentlich härter und belastender als es die Arbeit in der Landwirtschaft jemals war. Klar waren die Knechte geknechtet, aber als Arbeiter in der Industrie waren sie doch nicht auf dem Wege zu gleichberechtigten freien Bürger. Man überlebte mehr schlecht als recht und das war es bei den meisten.

  10. Herbert sagt am 13. 10. 2008 um 13:17 Uhr:

    Die Österreicher muss man kennen, aber den Nobelpreis für Ökonomie hat in diesem Jahr Paul Krugman bekommen. Nun gut, er ist ja auch noch etwas lebendiger.

  11. Rayson sagt am 13. 10. 2008 um 15:33 Uhr:

    @Herbert

    Wieso “aber”?

  12. Herbert sagt am 13. 10. 2008 um 16:49 Uhr:

    “Wieso “aber”?”
    Weil der Krugman zwar einen deutschen Namen hat, “aber” nicht wirklich ein Österreicher ist:-(

  13. [...] Ich will hier jetzt nicht Zweck-Pessimisten geben, aber das wirkliche Problem: Die in unglaublichem Maße vorhandene Geldmenge (Papiergeld, wohlgemerkt) wird durch das Ausweiten der Geldmenge per Staatsgarantien nur noch größer. Einiges dazu hatte ich ja schon in meinem Beitrag Die Hintergründe der Finanzmarktkrise oder warum Olli Kahn keine Aktien mehr hat erläutert. Dazu auch passend die aktuelle Diskussion über die Österreicher hier: [...]

  14. DDH sagt am 13. 10. 2008 um 21:11 Uhr:
  15. Dirk sagt am 13. 10. 2008 um 21:36 Uhr:

    warum erklären libertäre so selten und verweisen stattdessen auf ellenlange texte?

  16. Matthias B. sagt am 13. 10. 2008 um 23:03 Uhr:

    @Dirk

    “warum erklären libertäre so selten und verweisen stattdessen auf ellenlange texte?”

    Weil es relativ wenig Sinn macht für jeden Neuankömmling in der libertären Gedankenwelt das ganze Zeug, inklusive österreichischer Geldtheorie, extra neu erklären zu müssen. Das wäre für die Handvoll an Libertären, die sich in der deutschen Blogosphäre herumtreiben, schlichtweg zu viel des Guten. Und auch nicht alle verstehen was davon. ;-)

    “Für den Fall, dass auf den Goldstandard angespielt wird: Wie kam es, trotz Goldstandard, zu der Blase im Vorfeld der Weltwirtschaftskrise?”

    Der Grund hierfür liegt einfach darin begründet, dass nach dem ersten Weltkrieg der klassische Goldstandard (100% Golddeckung) nicht wiederhergestellt wurde was dann für viele Staaten inkl. den USA genug Raum für die Inflationierung “ihrer” Währungen gab.

    “Zu Mindest ist klar, dass die österreichische Lösung einen Reservesatz von 100% verlangt. … Das aber wäre eine staatliche Regulierung, auf die die Österreicher angewiesen sind.”

    Nicht unbedingt, ein minimalstaatlich orientierter “Österreicher” würde dieser Aussage vielleicht zustimmen, da dieser im Eigentumsschutz eine primäre Aufgabe des Staatsapparates sieht. Ein libertärer Vertreter dieser Zunft würde argumentieren, dass dies im Grunde nicht notwendig sei, da sich auf einem freien Markt immer “gutes Geld” gegen “schlechtes Geld” durchsetzen wird.

    Genauso wie faule und schlechte Äpfel gegen frische, saftige Äpfel aus den Regalen verschwinden werden, ganz einfach, weil niemand sie kauft, so werden auf einem freien Geldmarkt Privatwährungen mit Teildeckung über kurz oder lang den kürzeren ziehen und Banken mit einer Teilreservepraxis als Betrüger dastehn.

    Ein Bankensystem mit Teil- bzw. Nichtreserve gibt es heute aber nur deswegen flächendeckend, weil der Staat diese Art der Bankenwirtschaft absichert. (Man könnte das auch Regulierung der Finanzwirtschaft nennen) Laut Österreichischer Konjunturtheorie ist aber die ungedeckte Geldvermehrung DAS Problem ( vom Zentralbankwesen mal ganz abgesehen ) und so schließt sich der Kreis.

    Vielleicht wird an dieser Stelle vielleicht etwas klarer warum das gegenwärtige Chaos von einigen mit einem Zuviel an Regeln begründet wird und nicht mit dem Gegenteil.

  17. Dirk sagt am 13. 10. 2008 um 23:37 Uhr:

    ein Absatz erklärender Worte bevor man einen Link setzt, gehört für mich zum guten Stil.

    Ich habe nichts gegen die Aufhebung von Papiergeld als einzigem “legal tender”.

    Genauso wie faule und schlechte Äpfel gegen frische, saftige Äpfel aus den Regalen verschwinden werden, ganz einfach, weil niemand sie kauft, so werden auf einem freien Geldmarkt Privatwährungen mit Teildeckung über kurz oder lang den kürzeren ziehen und Banken mit einer Teilreservepraxis als Betrüger dastehn.

    Und das glaube ich nicht. Denn das Hinterlegen von Gold bei einer Bank würde Gebühren kosten, während das Weiterverleihen Geld bringt. Ich bin überzeugt, dass man auch mit einer Goldgedeckten Währung Geldschöpfung durch Geschäftsbanken hätte. Und ich halte es auch für sinnvoll.

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