gleich zum inhalt springen

Dávila der Woche IV

Die moderne Gesellschaft korrumpiert Reiche wie Arme gleichermaßen.

Das mit der “Woche” darf man übrigens nicht so eng sehen – die Woche, der ich folge, ist ebenso verborgen wie der Text, zu dem Dávila seine Anmerkungen schrieb…

Rayson in Dávila der Woche am 12. 10. 2008 » 12 Kommentare
bisher 12 Kommentare » Kommentare
  1. Lina sagt am 12. 10. 2008 um 12:22 Uhr:

    … im Zeichen von Kapitalismus wie Sozialismus gleichermassen also. Die Reichen, indem sie den Staat als verlängerten Arm zur Kohle, zu den Privilegien nehmen, und die Armen, weil sie die Staatsknete zu untätigen Quenglern, Neidern und Rebellen gegen das Schicksal, oder besser: den Lauf der Welt werden lässt. Beide tun, was sie nicht lassen können … und so lange es geht.

    Das Blatt wenden werden sie nicht. Was hätten sie auch davon? Sie wären ihres Motors, der (facettenreichen) Korrumpierbarkeit beraubt …

    Ist “der Staat” also der Übeltäter oder doch nur sie selbst in der gewählten Formation “Staat”? Oder anders gefragt: Sind sie politisch (!) überhaupt vor sich selbst zu retten, die Reichen und die Armen? Dàvila meint: nein; ich auch (-:.

  2. Rayson sagt am 12. 10. 2008 um 12:39 Uhr:

    @Lina

    … im Zeichen von Kapitalismus wie Sozialismus gleichermassen also.

    Vor allem im Zeichen des Wohlfahrts- und Interventionsstaats. Der reine Kapitalismus dürfte für Korruption ziemlich unanfällig sein, weil er Ineffizienzen gnadenlos bestraft, und im reinen Sozialismus hat nur der Staat die Mittel dazu, benutzt aber lieber direktere Methoden.

    Sind sie politisch (!) überhaupt vor sich selbst zu retten, die Reichen und die Armen?

    Ich sehe keine Anzeichen dafür. Es wären ja auch weniger die Reichen und die Armen zu retten als die in der Mitte, bei denen der finanzielle Kontakt mit dem Staat nur in einer Richtung verläuft…

  3. Lina sagt am 12. 10. 2008 um 12:59 Uhr:

    @ Rayson

    >>> …als die in der Mitte … <<>> … weil er (der ‘reine Kapitalismus’)Ineffizienzen gnadenlos bestraft … <<<

    Bist Du Dir da so sicher? Momentan sehe ich nur eine Theorie von Blasen, die, wenn sie platzen, praktisch gnadenlos spürbar werden. Und den Dàvila posthum dazu nicken (-; …

  4. Shin sagt am 12. 10. 2008 um 13:00 Uhr:

    Obwohl Aphorismen ja angeblich weder wahr noch falsch sein können würde ich doch gerne wissen, worin Dávila diese korrumpierende Wirkung sieht und was für ihn die korrumpierenden Eigenschaften der “modernen Gesellschaft” sind, ansonsten kann ich mit der Aussage wenig anfangen. Ich persönlich fühle mich jedenfalls nicht sonderlich korrupt und ziehe die heutige Gesellschaft jeder bisherigen vor. Aber vielleicht ist dies ja auch bloß ein Anzeichen der Korruption; ich merke gar nicht mehr, wie die Verderbnis mich durchdringt ;-)

  5. Lina sagt am 12. 10. 2008 um 13:04 Uhr:

    Sorry, Eintrag misslungen, Zeile rausgefallen, somit zu ergänzen:

    >>> … als die in der Mitte …

    Ja, genau, die hatte ich als die Geschädigten im Blick …

  6. Michel sagt am 12. 10. 2008 um 13:33 Uhr:

    @ Shin: vielleicht bist du auch einfach nur Teil der Mittelschicht.

  7. N. Neumann sagt am 13. 10. 2008 um 13:38 Uhr:

    Lieber Rayson,

    was lernt uns dieser Satz?

    Die vormoderne Gesellschaft korrumpierte nicht? Die vormoderne Gesellschaft korrumpierte Arme und Reiche nicht gleichermaßen?

  8. Boche sagt am 13. 10. 2008 um 14:27 Uhr:

    “lehrt”

    Das tut sonst meinen Augen weh.

  9. Libero sagt am 13. 10. 2008 um 14:50 Uhr:

    @Rayson

    ich fürchte, Davila meinte nicht nur wirtschaftliche Aspekte des Lebens.

    Der reine Kapitalismus dürfte für Korruption ziemlich unanfällig sein, weil er Ineffizienzen gnadenlos bestraft

    und was macht dich da so sicher? Mit wem willst du den reinen Kapitalismus betreiben, mit reinen Algorithmen oder mit Menschen, die notgedrungen selten unbedingt anständig und ein wenig häufiger bedingt anständig sind?

  10. Rayson sagt am 13. 10. 2008 um 15:42 Uhr:

    @Libero

    ich fürchte, Davila meinte nicht nur wirtschaftliche Aspekte des Lebens.

    Sehr wahrscheinlich. Aber das wäre dann eher eine Antwort auf Lina…

    und was macht dich da so sicher?

    Wenn ich sicher bin, schreibe ich nicht in Konjunktiven…

    Mit wem willst du den reinen Kapitalismus betreiben?

    Ich will gar nix betreiben.

    Aber derselbe Mensch verhält sich unterschiedlich in verschiedenen Anreizumgebungen.

  11. Libero sagt am 13. 10. 2008 um 16:06 Uhr:

    derselbe Mensch verhält sich unterschiedlich in verschiedenen Anreizumgebungen.

    Zweifelsohne, wobei erst recht gilt

    derselbe Mensch entwickelt sich unterschiedlich in verschiedenen
    Anreizumgebungen.

    Kannst du schon bei Dreijährigen beobachten, die ein feines Empfinden dafür haben, was in welcher menschlichen Umgebung möglich ist und was nicht. Manche Eltern staunen, das liebenswerte Gewohnheiten ihrer Sprößlinge, die sie von zuhause kennen, woanders völlig unbekannt sind.

  12. N. Neumann sagt am 13. 10. 2008 um 16:43 Uhr:

    “lehrt”

    Das tut sonst meinen Augen weh.

    @ Boche

    Pardon, aber dieser Davila tut mir weh.

    Der reine Kapitalismus dürfte für Korruption ziemlich unanfällig sein, weil er Ineffizienzen gnadenlos bestraft

    @ Rayson

    Was volkswirtschaftlich ineffizient ist, muss für einzelne Marktakteure nicht ineffizient sein. Wenn ich mir einen Auftrag für 1 Millionen Euro mit 100.000 Euro erkaufe, während meine Mitberwerber dieselbe Arbeit bei annähernd gleichem Mittelseinsatz für 800.000 erledigen würden, dann ist das für mich effizient.

    Ohne das Risiko, für Korruption durch die Justiz negativ sanktioniert zu werden, wäre die kapitalistische Wirtschaft für Korruption umso anfälliger.

    Freunde des Kapitalismus (zu denen ich mich zähle) mit Hang zum Anarchismus (zu denen ich mich nicht zähle) können jetzt ihrer Modell-Rabulistik einwenden, dass dies wissenschaftlich nicht bewiesen werden könne, weil noch nie ein reiner Kapitalismus (d.h. ein Kapitalismus ohne spezifischen justiziellen Ordnungsrahmen) existiert hätte, in dem beinahe sämtliche Akteure völlig vernünftig, allein aus sich heraus gesamtwirtschaftliche Effizienzkriterien (nach einer Phase ungehemmter Korruption?) mit ihren eigenen gleichsetzen könnten.

    Warum wird korrumpiert? Weil diejenigen, die korrumpieren, nicht nach Gewinnmaximierung streben bzw. ökonomisch blöd sind?

Bad Behavior has blocked 1202 access attempts in the last 7 days.