Damit es wirklich ankommt

Was ist denn da los? Das darf doch nicht wahr sein! Diese Argumente sind wirklich, und das kann ich völlig wertneutral sagen, vollkommen debil! So einen Schwachsinn würde ich nichtmal nach 2 Gramm Hasch und 2 Litern Wein von mir geben, mein Hirn ist dafür nicht gebaut, und diese Freaks vertreten damit allen Ernstes demokratische Institutionen eines Rechtsstaates vor Gericht? Und die Richter schmeißen sie nicht raus? Und interessieren sich auch offenbar nicht so richtig für das alles? Fuck, wir sollten uns gleich einsargen lassen, das wird nichts mehr. Dieses Land ist offenbar morsch bis ins Fundament.
[Kommentare hier]

Karriere-Info

Kleiner Tipp für Gebildete auf Stellungssuche:

Die “Information”, es gäbe da noch einen alten Gründer oder Patriarch, aber der wolle sich aus dem Geschäft zurückziehen, ist nur selten keine Lüge und auch dann noch unwahr.

Jüngste Beispiele siehe hier.

Bade-Würdembärg, du hast es besser!

Ich bin ja richtig froh, dass ich mittlerweile im Ländle wohne.

Da ist der MP gefundenes Fressen für geniale Stimmenimitatoren wie Andreas Müller, und die Reizlinien der Landespolitik erschöpfen sich darin, ob die CDU mit der FDP oder mit den Grünen koaliert.

Eine Gefechtslage derart, wie sie einem in Hessen begegnet, kann man sich woanders wohl gar nicht vorstellen. In Hessen sind die beiden sogenannten Volksparteien immer extremer gewesen als anderswo und die Wahlausgänge knapper. Dafür wurde da so manches Modell erprobt, das später Bundesgeltung erlangte.

Es ist also kein Zufall, dass gerade dort ypsilantiert und gekocht wird.

Und um auf solche Ideen zu kommen, wie sie anscheinend jetzt in der CDU kursieren, muss man wohl tatsächlich immer den Stahlhelm griffbereit unter der Abgeordnetenbank haben.

Wahlcomputer in Karlsruhe (1)

Die Physikalisch-Technische Bundesanstalt (PTB) prüft im Auftrag unseres Staates Wahlcomputer. Der Leiter des zuständigen PTB-Fachbereichs

bestätigte auch, dass die Konfigurationssoftware im Unterschied zur Gerätesoftware gar nicht Bestandteil der Baumusterprüfung durch die PTB ist. “Habe ich das richtig verstanden?”, fragte daraufhin Berichterstatter Mellinghoff ungläubig zurück: “Die Programmierungssoftware ist nicht Gegenstand der Prüfung?” [Quelle: Heise]

Allein damit müsste doch die Idee eines Wahlcomputers in der heutigen Form ad absurdum geführt sein. Wenn ein Innentäter die Software relativ risikolos manipulieren kann: wie groß ist dann das Vertrauen in ein Wahlverfahren mit Computern?

Aktueller Online-Journalismus bei SpOn

Wer zu früh den Bericht schreibt, den bestraft das Endergebnis… 3:0, du Pappnase!

Eine Lanze gebrochen

Ich finde, es sind schlechtere Finanzminister vorstellbar als der aktuelle.

Sündenböcke (Anlagen)

Meine kleine Polemik von heute Morgen benötigt natürlich einige kleine Anlagen, ohne die ich vermutlich missverstanden würde. Eigentlich hatte ich mir zwar mehr Widerspruch erhofft, aber anscheinend fehlt mir noch einige Erfahrung, um so gut provozieren zu können wie der Kollege Boche.

Nun aber zu den Anlagen:

(1) Mich irritiert ein wenig, dass mancher, der bei Hartz-IV-Empfängern den Verweis auf die systemischen Ursachen für mangelnde Arbeitsbereitschaft nicht gelten lassen will, sondern diesen Mangel personalisiert und individualisiert, gleichzeitig beim Thema der Manager diese systemischen Ursachen als Entschuldigung gelten lassen will. Ein Langzeitarbeitsloser, der nicht arbeiten geht, ist für manchen einfach nur faul, ein Manager, der Geld verzockt, aber ein Opfer des Systems, das solches von ihm verlangt. Das ist inkonsequent. Sogar dann noch, wenn man die Hartz-IV-Empfänger durch Kriminelle und ihre “schwere Jugend” ersetzt, die für viele Anhänger der individualisierten Verantwortung ja bedeutungslos sein soll.

(2) Sehr ungewöhnlich finde ich weiterhin, wenn von den gleichen Leuten, die die obszön hohen Managergehälter mit der außergewöhnlichen Leistung der Manager begründen (und es dabei manchmal so darstellen, als seien es die Topmanager alleine, die die Riesenumsätze ihrer Unternehmen generieren), nun das Versagen vieler Unternehmen nicht den Managern, sondern dem kranken System anrechnen wollen.

(3) Meine Beispiele waren nicht völlig beliebig gewählt, im Gegenteil. Ich denke nämlich, dass Sinn nicht falsch liegt, wenn er sagt, dass der Fehler vor allem im System liegt und die Möglichkeiten einzelner Manager, etwas zu bewirken, sehr gering waren. Und natürlich werden die Topmanager jetzt zu Sündenböcken gemacht – so, wie auch Fußballtrainer zum Sündenbock werden, wenn es beim Verein nicht läuft, wie “die Politiker” zu Sündenböcken werden, wenn die Wirtschaft nicht funktioniert, und auch so, wie Generäle in der Geschichte schon oft als Sündenböcke dienten, wenn Schlachten einfach nicht zu gewinnen waren. Jedes dieser Beispiele wäre gut geeignet gewesen, Sinns Argumentation zu verdeutlichen. Sein völlig an den Haaren herbeigezogener Vergleich mit den Juden war ebenso geschmacklos wie unzutreffend. Denn die Juden wurden nicht gut dafür bezahlt, zu wissen, dass sie vielleicht bald Sündenböcke sein würden; und sie wurden nicht gefeuert, sondern ermordet. Auch schon vor 1929.

(4) Ja, ich denke tatsächlich, dass man “den Managern” nicht ernsthaft die Schuld an der Krise geben kann; die Ursache liegt “im System”, oder vielmehr in den Systemen. Im soziologischen System der Wirtschaftselite, im politischen System der (mangelnden) Kontrolle, im wirtschaftlichen System eines Finanzmarktes, der jede Beziehung zur Realität verloren hat. Vielleicht sind es alle drei dieser Systeme, vielleicht auch keines oder jedes zu einem Teil – nur den Managern, deren tatsächlicher Einfluss so groß gar nicht ist, die Verantwortung zuzuschieben, halte ich aber auf jeden Fall für Unsinn.

(5) Und weil ich die Bedeutung der Arbeit der Topmanager für so gering halte, ärgere ich mich auch schon so lange über deren wahnwitzige Gehaltssummen. Managergehälter sind meiner Ansicht nach weniger die gerechte Entlohnung für eine unglaublich knappe und bedeutungsvolle Leistung, sondern die Rente für die Zugehörigkeit zu einem eng geflochtenen Netzwerk, das mehr mit einem feudalen Stand als mit der Elite einer Leistungsgesellschaft zu tun hat. Und natürlich, wie oben bereits gesagt, eine Entschädigung dafür, im Falle eines Scheiterns den Sündenbock darzustellen, den man den wütenden Menschen zur Beschimpfung vorwerfen kann.

ICH.

Wenn ein Politiker-Wicht sich wichtig findet und das auch noch mit geschwellter Brust herausplaudert, sieht das in etwa so aus:

Ich habe in dieser Frage einen internationalen Ruf mit vielen Weltpreisen.

Die Finanzkrise kam für mich überhaupt nicht überraschend. Ich fliege jetzt nach Wien, zur Premiere des Kinofilms „Lets make Money“. In diesem Film bin ich der Zeitzeuge, der erklärt, worauf das alles hinausläuft

Ich gelte als ein Gründervater einer dauerhaften und umweltneutralen Ressourcenbasis der Wirtschaft.

Ich kriege überall sehr große Zustimmung.

In dem Punkt habe ich oft recht gehabt.

Ich bin [...] der Konstrukteur des 100 000-Solardächer-Programms

Alles in einem einzigen Interview.

Beobachtungen eines Autofahrers

Ich befahre momentan morgens eine Strecke, die völlig überlastet ist. Auch die möglichen Ausweichrouten sind es. Und da ist folgendes zu beobachten:

Bei extremer Auslastung gibt es genau eine vernünftige Strategie, mit der alle am schnellsten vorankommen: Tempo drosseln, Abstand halten. Denn schnelles Fahren führt zu dichtem Auffahren, das wiederum zum Bremsen, und das Ergebnis einer Bremskaskade ist der Stau. Aber genau dieses Negativ-Szenario tritt regelmäßig ein. Offensichtlich regiert hier das Rückenmark, zumindest bei den männlichen Fahrzeuglenkern, die auch eindeutig in der Überzahl sind: Es läuft das falsche Programm ab. Statt Kooperation wird Wettbewerb geübt. Jeder meint, es ginge vor allem darum, die eigene Position gegenüber den anderen zu verbessern. Die Zeitgewinne daraus sind aber extrem gering bis nicht vorhanden. Und stattdessen wird der Stau für alle noch ein Stück gefördert.

Man kann hier noch nicht einmal konstatieren, dass Eigeninteresse das Allgemeininteresse behindert, denn die inidividuellen Aktionen schädigen letztlich auch das Eigeninteresse.

Es ist einfach ein falsches Tape eingelegt worden.

Gibt es da Parallelen zu dem, was wir gerade täglich erleben? Mir scheint es so.

Die Suche nach den Schuldigen

Die Suche nach Schuldigen scheint wirklich ein menschliches Urbedürfnis zu sein. Wie sonst sollte man sich den Widerwillen erklären, der einem entgegenschlägt, wenn man feststellt, dass die aktuelle Finanzkrise nicht die Fehler einzelner, sondern in erster Linie systematische Defizite offenbart, die nicht als gottgegeben hinzunehmen sind, sondern verringert werden können.

Marx hätte sich über eine solche Sichtweise übrigens kaputtgelacht – für ihn war der Kapitalismus schließlich nicht eine Veranstaltung böser Kapitalisten, sondern notwendige historische Entwicklungsstufe.

Da das einigen Linken noch im Hinterkopf herumspukt[1], kommt es daher manchmal zum absurden Zusammentreffen, dass die Diagnose von Systemfehlern einerseits abgelehnt wird, weil man eine bestimmte Gruppe gerne als Schuldige brandmarken würde, andererseits aber heftig vorgetragen wird, sobald es nicht mehr um das Teilsystem Finanzmarkt geht, sondern getreu den “Gebrüdern Blattschuss” um “das” System. Da fällt mir doch glatt der bessere Marx ein, also Groucho, der mal verkündete, er hätte eiserne Prinzipien, und falls einem diese nicht zusagten, hätte er auch noch andere.

[1] “So groß ist der Glauben des Marxisten an Marx, dass er gewöhnlich davon Abstand nimmt, ihn zu lesen.” (Nicolás Gómez Dávila)

You’re So Vain

… sang die verführerische Carly Simon einstens.

You’re so vain
You probably think this song is about you
You’re so vain
I’ll bet you think this song is about you
Don’t you don’t you

Warum fällt mir das ein? (mehr…)

Kartenhäuser

In einer Dokumentation über den polnischen Widerstand gegen das kommunistische Regime beeindruckte mich unter anderem ein Satz. Anna Walentynowicz, eine der Gründerinnen der Solidarnosc berichtete, dass ihr ein Mitstreiter mit folgenden (aus meiner Erinnerung zitierten) Worten Mut machte, als sie aus Angst vor den Repressalien der Kommunisten darüber nachdachte, die politische Arbeit zu beenden:

“Anna, die Kommunisten überwachen dich und sperren dich ein. Sie haben vor dir Angst, vor dir kleiner Frau. Wie solltest du da vor ihnen Angst haben?”

Kommunistische Diktaturen wie alle Diktaturen der Welt beruhen auf Gewalt. Auf der Gewaltdrohung und -anwendung der Herrscher gegenüber den Beherrschten.
Gleichzeitig wissen diese Herrscher aber um die Kraft, die in der Idee der Freiheit steckt. Sie wissen, dass Gewalt allein auf Dauer keine Herrschaft aufrecht erhalten kann. Sie müssen immer fürchten, dass die Sklaven, die sie in der Passivität halten wollen, aufstehen und ihre Unterjochung abschütteln. Deshalb haben sie Angst, die Herrscher. Vor Jedem. Vor kleinen Frauen mit mutigem Herzen. Vor Jugendlichen mit rebellischem Blick. Vor jedem, der eigenständig denken kann und dies vielleicht insgeheim oder gar offen tut.

Daran musste ich denken, als ich las, dass Kommunisten mit Krieg drohen.
Wegen simplen Flugblättern, die ihnen Angst machen.

Sündenböcke

Die Suche nach Sündenböcken wird immer intensiver. Jetzt werden nicht nur Manager für scheiternde Unternehmen verantwortlich gemacht, sondern auch noch Politiker für schlechte Gesetze, Fußballtrainer für schlechte Spiele und Generäle für verlorene Schlachten. Dabei weiß doch jeder, dass Führungspersonal nur für Erfolge verantwortlich zu machen ist, Mißerfolge jedoch stets tiefgreifende systemische Ursachen haben!

Copenhagen Consensus – Über Bewertungen

Wer das begreift, ist bereits ein guter Ökonom. Noch etwas Mathe dazu, und der Nobelpreis ist eine reale Option.

(via David Harnasch)

Individuum oder System?

Ich komme erst mal nicht dazu, den ausführlichen Beitrag zu verfassen, der mir seit längerem im Kopf herumspukt. Deswegen zunächst ein paar Anmerkungen anlässlich des Geplänkels um die Äußerungen von Hans-Werner Sinn. (mehr…)

Vorläufer

Es ist manchmal erhellend, ähnliche Fälle miteinander zu vergleichen.

Hans-Werner Sinns überflüssiger und unpassender Vergleich hatte einen kongenialen Vorgänger. Die Reaktionen unterscheiden sich allerdings in beachtlichen Details. Zum Beispiel sind keine Äußerungen von Volker Beck überliefert. Soweit zum Thema Politik bzw. Unpolitik.

Wer hat hier nichts begriffen?

Hans-Werner Sinn muss sich für einen Vergleich entschuldigen, der eigentlich nur dann zu einer derartigen Empörung einlädt, wenn man sich durch ihn ertappt fühlt. Denn diejenigen, die ihn jetzt an den Pranger stellen, weil er mit seinem Vergleich der Bankmanager mit verfolgten Juden vermeintlich dem Unterschied zwischen politischer Kritik und menschenverachtender Ideologie nicht ernst nähme, sind auch diejenigen, die in Unkenntnis der tatsächlichen Ursachen der Finanzkrise genau auf den Sündenbock kräftig eindreschen, der ihnen ohnehin aufgrund ihrer ideologischen Orientierung ein Dorn im Auge war.

Selbst die Spatzen pfeifen von den Dächern, dass das Handeln von Bankenmanagern nur vor dem Hintergrund des regulativen Rahmens der Bankenwelt zu verstehen ist, eines Rahmens, der genau von denjenigen zu verantworten ist, die sich jetzt als Helfer aus der Not eines ungezügelten Marktes erklären. Herr Sinn hätte wohl tatsächlich einen besseren Vergleich für die gegenwärtige Hetzjagd auf alles und jeden in der Finanzwelt finden können, schon um die absehbare Reaktion auf einen derartigen Angriff auf die Political Correctness zu vermeiden. Das sich aber gerade das linke politische Spektrum über diese Episode so echauffiert zeigt doch nur, dass sie sich hier bei einer unangemessen eindimensionalen Reaktion auf die gegenwärtige “Krise” erwischt fühlt und weil sich jemand wagt aus dem vermeintlichen Konsens der Marktkritik auszubrechen. Die bessere Begründung für seine Einschätzung der Situation hat Herr Sinn allemal, allein, weil er es als Wissenschaftler gewohnt ist, mehr als nur seine Weltanschauung in die argumentative Waagschale zu werfen. Schließlich wird er für seine wissenschaftliche Reputation und nicht für seine weltanschaulichen Lippenbekenntnisse bezahlt.

Für mich wäre diese Empörung nur berechtigt, wenn sie mit einer nachvollziehbaren Erklärung für die gegenwärtige Situation einher ginge, die nicht nur als Hintergrund für die suche nach einem Sündenbock und weitere staatliche Handelskompetenzen dient. Herr Sinn trifft derweil auf Kritiker, deren Begriffshorizont keinen Platz für Nuancen, sondern lediglich für Gut und Böse kennt, wobei die Seite der Guten ohne viel Federlesen für die eigene Seite reklamiert wird. Wer entschuldigt sich bloß bei Herrn Sinn für solche Kritiker?

Such den Nazi, such den Antisemiten

Aus der Monstrosität der Verbrechen deutscher Nazis, vor allem dem organisierten Völkermord an den Juden, scheint sich eine Logik entwickelt zu haben, in der alles relativiert werden kann, aber die Bezeichnung des Schlimmen und Üblen immer und notwendig auf Nationalsozialismus (oder in der linken Diktion: Faschismus) und Antisemitismus zurückzuführen ist, wenn sie als solche Bestand haben soll. (mehr…)

Der kleine Peer …

… steht an der Info-Theke und heult.
Keiner will mit seinen neuen bunten Murmeln spielen.
Sein Parteivorsitzender wird gebeten ihn abzuholen.

OT mal wieder

Für Fans und Interessierte: Nächster Teil der Spyro Gyra Reprise bei “Unfrisiertes“.

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