16. September 2008
Schöner Weltuntergang
“Lehman-Kollaps reißt DAX in die Tiefe”
“Anleger weltweit in Angst”
“Apocalypse now an den Börsen” (Titel inzwischen geändert, aber noch so in Google News)
Jetzt stelle ich mir mal einen Reporter vor (am besten Wigald Boning mit Spülbürste), der Leser dieser Schlagzeilen befragt, wie stark die Verluste des DAX denn nun waren. Welche Antworten könnten wir da erwarten? Also Einbrüche von 30% mindestens müsste man bei solchen Begriffen doch erwarten, oder?
Der DAX fiel gestern um 2,7 Prozent.
Bis heute mittag fiel er um weitere 0,8 Prozent.
Das heißt: Jemand mit einem DAX-Zertifikat im Wert von 100 Euro hätte, wenn er es denn jetzt verkaufte, knapp 3,48 Euro verloren. Ein ärgerlicher Verlust, sicherlich. Aber “Tiefe”? “Angst”? “Apokalypse”? Wie gut muss es Anlegern eigentlich gehen, die solche Vokabeln für solche Ereignisse verwenden?
P.S.: Nicht, damit wir uns falsch verstehen: Die Krise wird ihre negativen Folgen haben, auch für die deutsche Wirtschaft, und viele Menschen werden durch sie in Probleme geraten. Aber die Offenbarung des Johannes bleibt erstmal Vision.
Verfasst von Rayson um 12:23 Uhr in der Kategorie Presse / SPON- und taz-Blog, Wirtschaft (Trackback)
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