Kommunist?

Zettel nennt Lafontaine beharrlich einen Kommunisten. Und der scheint ihm mit einer Art Taschenbuchausgabe der Mehrwerttheorie im Gepäck sogar zuzustimmen. Ich glaube das aber nicht. Lafontaine ist vor allem ein Demagoge, der sich dann kommunistischer Versatzstücke bedient, wenn er damit an Gefühle appellieren kann, also hier und meist auch sonst vor allem an Neidgefühle.

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48 Kommentare zu “Kommunist?”

  1. Dirk
    15.09.2008 | 23:25

    ohne jetzt eine neue Begriffsdiskussion anfangen zu wollen: Er ist Mitglied einer kommunistischen Partei.

    Ob er den Mist, den er erzählt, selber glaubt, kann einem eigentlich egal sein.

  2. Michel
    15.09.2008 | 23:35

    Ob Kommunist oder nicht die Wirkung seiner Politik dürfte dieselbe sein: Verelendung und Zwang.

  3. Shin
    16.09.2008 | 0:06

    Ein Kommunist ist zumindest meist ein Idealist, der von einer besseren Welt träumt (oder dem was er dafür hält). Und das ist Lafontaine ganz sicher nicht.

  4. Markus
    16.09.2008 | 0:48

    Neidgefühle? Wem gegenüber? Den “Leistungsträgern” frei nach dem Motto “Has te was, bis te was”.

    Man müßte “Börsenfuzzy” sein, aber ach, die haben ja nichts mehr. Das ganze schöne Spielgeld ist weg. Und damit sind sie auch keine Leistungsträger mehr. Daran aber ist bestimmt Lafontaine schuld.

  5. F.Alfonzo
    16.09.2008 | 1:07

    Vielleicht ist er ja wirklich Idealist? Wer weiss das schon? Ob er nun Ideologe ist oder nur Opportunist, spielt eigentlich keine Rolle, da er (wie alle anderen ‘Chefideologen’) am Ende sicher nicht derjenige sein wird, der das Gesellschaftexperiment auszubaden hat.
    Das würde mir als kleinester gemeinsammer Nenner mit ‘echten’ Kommunisten schon genügen.

    Man müßte “Börsenfuzzy” sein, aber ach, die haben ja nichts mehr.

    Tatsächlich? Da könnte ich dir auf Anhieb 50 Gegenbeispiele aufzählen… entscheidend ist aber, dass es viel mehr Spaß macht, sein Geld zu verzocken, als sich vom Staat ausrauben zu lassen; was man ja schon daran erkennen könnte, dass niemand unter Androhung von Strafe zum Spekulieren gezwungen werden muss.

    …und Lafontaine trägt erhebliche Mitschuld daran, dass große Teile der Bevölkerung es für selbstverständlich erachten, ihren Lebensunterhalt von anderen finanzieren zu lassen und nicht mehr darüber nachdenken, dass dieses Einkommen von anderen erarbeitet werden muss; letztendlich auch nicht darüber, ob die ‘Leistungsträger’ sich das unbegrenzt gefallen lassen.

  6. FAB.
    16.09.2008 | 7:14

    War Dr. Goebbels ein überzeugter Nationalsozialist im Sinne der reinen Lehre oder nur ein begabter, aber zynischer Demagoge mit Hang zum persönlichen Wohlleben?
    Spielt es eine Rolle?
    Nebenbei, Lafos aktuelle Äußerungen sind beängstigend – man fühlt sich bei den Kommunisten anscheinend sehr sicher, wenn nicht irgendein obskurer DKPler, sondern der große Vorsitzende höchstselbst so offen extremistisch-verfassungsinkompatibel daherquatscht.

  7. F.Alfonzo
    16.09.2008 | 7:26

    @ FAB:

    Stimme völlig zu.

  8. Dagny
    16.09.2008 | 10:53

    Biedermann und die Brandstifter kommt mir da in den Sinn: Nein, wir sind natuerlich keine Brandstifter, aber wir reden mal drueber, dass wir gerne Benzin und Lumpen unterm Dach lagern wollen.

    Irgendwo kommt dann schon ein Funke her, der das ganze anzuendet, aber wir, nein wir sind keine Brandstifter. Nun wirklich nicht.

  9. Herbert
    16.09.2008 | 17:37

    Lafontaine hat ja ziemlich lange als OB eine Großstadt und als Ministerpräsident ein kleines Bundesland regiert. Als Kommunist ist er da eigentlich nicht aufgefallen. Er galt wie Schröder eher als einer, der zu wenig Ehrfurcht hat vor linken Glaubenssätzen. Er wird heute sicherlich viel weniger von kommunistischer Ideologie als von persönlichen Revanchegefühlen gegen ein Establishment angetrieben, von dem er sich ungerecht behandelt sieht. Das ist nicht immer unbegründet. Beispielsweise wurde er von Gazetten als der “gefährlichste Mann Europas” bezeichnet, weil er bei seinem kurzen Auftritt als Finanzminister (Hand in Hand mit dem heutigen IWF-Präsidenten!) Finanzmärkte regulieren wollte. Heute werden weite Teile dieser Finanzmärkte verstaatlicht und auf Steuerzahlers Kosten gerettet, und der Washington-Konsensus von damals bekommt ausgerechnet in Washington eine Beerdigung 1. Klasse. Man wird Lafontaine nicht gerecht, wenn man ihn nicht auch als tragische Figur versteht:
    http://www.ftd.de/meinung/leitartikel/1093076497899.html
    (leider nur für registrierte Leser)

  10. 16.09.2008 | 18:00

    Lieber Rayson,

    bei Überläufern ist es oft nicht einfach, sie richtig zu bezeichnen. Aus meiner Sicht ist Lafontaine jemand wie die SPD-Leute Otto Grotewohl und Friedrich Ebert jr., die zu den Kommunisten überliefen und von ihnen mit hohen Positionen belohnt wurden. Ich habe ihn deshalb einmal – vielleicht etwas zu pointiert – als einen Quisling bezeichnet.

    Wichtiger als das richtige Etikett für Lafontaine erscheint mir, daß seine Partei eine kommunistische Partei ist.

    Herzlich, Zettel

  11. Lina
    16.09.2008 | 22:44

    …und Lafontaine trägt erhebliche Mitschuld daran, dass große Teile der Bevölkerung es für selbstverständlich erachten, ihren Lebensunterhalt von anderen finanzieren zu lassen…

    Das finde ich auch, wobei ich die verheerende Wirkung dieser Schuld, die er da auf sich lädt, durch die Übernahme der alten Kader aus dem Ostn in die Partei “Die Linke” noch fett unterstrichen sehe; dass er, der einst von mir durchaus Geschätzte, sie sich in diesem Sinn zunutze gemacht hat, verzeihe ich ihm nie.

    @ Herbert

    Bezüglich seiner persönlichen Sub-Motivation: d’accord!

  12. Markus
    17.09.2008 | 0:41

    Vom “Sozialismus der Reichen” redet hier aber niemand. Wenn man bedenkt, wieviel Kapital an den “freien Börsen” dieser Welt in den letzten Jahren auf unseriöse Art und Weise angelegt wurde, und man nun sogar im Land des Kapitalismus schlechthin, den USA, den sonst so ungeliebten Staat, d.h. letztlich die Steuerzahler “zwangsweise” für die von den “Leistungsträgern” verursachten “Kollateralschäden” aufkommen läßt, könnte man sich tatsächlich an Lafontaines “populistisches Vorhaben” als Bundesfinanzminister erinnern, die internationalen Finanzmärkte staatlich zu regulieren und zu kontrollieren.

  13. 17.09.2008 | 0:53

    @Markus

    Schreibe einen Aufsatz darüber, worin der Unterschied zwischen dem Vermögen der Familie Schaeffler und den Aktiva der Bank Lehman Brother besteht,

    Berücksichtige dabei insbesondere, welche Rolle den Fremdkapitalgebern zukommt.

    Vertrete diese deine Meinung weiter in der öffentlichen Diskussion.

    Bis dahin: Piss off!

  14. R.A.
    17.09.2008 | 11:26

    Ob Lafo nun wirklich von Überzeugung aus Kommunist ist, kann man in der Tat bezweifeln.
    Alleine schon, weil seine Überzeugung wohl grundsätzlich nur im Thema “ICH” besteht.

    Wichtiger ist Zettels Hinweis darauf, daß seine Partei eine kommunistische ist.

    Und da kann man sehr dankbar sein, daß Lafo sich in seinem Größenwahn so aus dem Fenster gelehnt hat.
    Gegen “Heuschrecken” kann man ja noch wissensbefreit hetzen und auf Zuspruch hoffen –
    aber Enteignung von Familienbetrieben kommt schlecht an in Deutschland.

    Die Kommunisten haben über Jahre Kreide gefressen und sich in der öffentlichen Wahrnehmung als brave und harmlos demokratische Wohltatenverteiler etabliert.
    Und mit dem Lafo-Spruch (dem ja von keinem Linken-Politiker widersprochen wurde) kann man nun immer wieder klarstellen, daß hinter der Propagandafratze immer noch der alte marxistische Kern steckt.

  15. Michel
    17.09.2008 | 11:30

    @ Markus: Wer über moral hazard schweigt, muss garnicht anfangen über die Finanzkrise zu reden. Zu den Regulierungen sage ich nur eines: Ölfleck.

  16. Markus
    18.09.2008 | 0:06

    @ Michel

    Offenbar ist ein “Ölfleck” aber besser als ein Flächenbrand.

    Und die ganze Aufregerei über Lafontaine zeigt doch, wie verunsichert die Erzkonservativen im liberalen Gewande sind. Davila läßt grüßen!

  17. 18.09.2008 | 0:33

    Danke. Solche hohlen Bemerkungen erleichtern das Einschlafen.

  18. Michel
    18.09.2008 | 0:50

    @ Markus: Je mehr sich der Ölfleck ausbreitet, desto mehr Schaden richtet er auch dauerhaft an. Der Flächenbrannd richtet einmalig großen Schaden an, so würde man besser fahren einmal diesen in Kauf zu nehmen. Breitet sich der Ölfleck so weit aus das er alle Ressoucen vereinnahmt kommt es ohnehin unvermeitlich zum Flächenbrand.

    Verunsichert ist von Lafontaine niemand. Typen wie er gab es eben so wie seine Ideen schon vor hundert Jahren. An ihm gibt es nichts, was es nicht schon nicht früher gegeben hat. Die einzige Frage die bleibt ist, wieviel Schaden wird er anrichten?

  19. Markus
    19.09.2008 | 0:10

    @ Michel

    Der “Ölfleck” der Sozialen Marktwirtschaft als Garant für Stabilität und Prosperität hat immerhin ziemlich gut für Wirtschaft und Gesellschaft gewirkt. Davon hätten die Amis aktuell sicherlich gerne eine Portion in ihrem “Portefeuille”.

    Aber wenn die negativen Folgen der Krise erst einmal auf die Allgemeinheit abgewälzt sein werden, geht das muntere Spiel der Finanz-Hasadeure wieder von neuem los und manch ein Theoretiker wird wieder Lobeshymnen auf die “freie Marktwirtschaft” siegen, die ja nur interventionslos durch staatliche Regulierungen bleiben müsse.

    Daher kann man auf den Gedanken kommen, daß die Art und Weise des Lafontaine-Bashings von seiten der Marktliberalen lediglich das eigene reformblockierende Besitzstandsdenken übertünchen soll.

  20. Michel
    19.09.2008 | 1:47

    @ Markus: Der Ölfleck auf den Finanzmärkten sieht so aus:
    Ausgangspunkt die Banken sind Goldlagerhäuser.
    1. Eingriff: der Staat sieht Teilreserve nicht mehr als Betrug an/ erschwert die Kapitalbeschaffung von Banken (die Banken wollen das, da diese Maßnahme den Wettbewerb reduziert)
    -> Gefahr von Bankzusammenbrüchen
    (Stand Anfang 17/18. Jh.)
    2. Eingriff: Um den Zugang zu Krediten zu verbessern gewährt der Staat ausgewählten Banken Privilegien (z.B. Ausnahmen von Regulierungen aus E1) im Tausch gegen Sonderkonditionen.
    -> Konzentration im Emittentengewerbe
    (Stand Anfang 19. Jh.)
    3. Eingriff: Um aktuelle Krisen zu bewältigen wird der privilegierten Bank weiter Privilegien (formales Monopol, gesetzliche Zahlkraft) gegen die Verpflichtung als lender of last resort zu dienen, sowie eine vorgeschriebene Deckung einzuhalten.
    -> Moral Hazard der nicht-privilegierten Banken, aufgrund geringer Kosten verdrängen sie die privilegierte Bank aus dem Endkundengeschäft
    -> Die privilegierte Bank sammelt enorme Goldbestände an, um die Versorgung mit Zahlungsmittel sicher zu stellen. Andere Banken halten kein Gold mehr.
    (Stand Mitte 19. Jh.)
    4. Eingriff: Um die Finanzierung der Staatsausgaben unter Ausnahmesituationen zu gewährleisten wird der Goldstandard aufgehoben. (Vorher wurde die Denkungsrate meinst sukzessiv reduziert)
    ->Inflation
    -> Staatsverschuldung
    ->staatlich festgelegter Zinssatz -> periodische Krisen
    (Stand Anfang 20. Jh./17. März 1968.)
    5. Eingriff: Die periodischen Krisen treten in der Form platzender Spekulationsblasen an. Es werden Regulierungen beschlossen um Spekulationen zu verhindern, die Folgen von Fehlspekulationen zu begrenzen.
    -> Finanzinnovationen um Regulierungen zu umgehen
    -> Angebot an Fremdkapital geht zurück-> schwächelndes Wirtschaftswachstum
    (Stand Mitte bis Ende 20.Jh)
    6. Eingriff: Weitgehender Zusammenbruch des Finanzsystems führt zu weitgehender Verstaatlichung des Finanzwesens/ weiteren Regulierungen
    ->Die Wirtschaft nähert sich in ihrem Charakter einer Planwirtschaft
    -> steigende Staatsverschuldung-> Hyperinflation/Staatsbankrott?
    (Stand Gegenwart & nahe Zukunft)

    Und jetzt erzähl mir was von Besitzstandwahrung oder freien Markwirtschaft im Finanzgewerbe.

  21. Michel
    19.09.2008 | 1:47

    Ok für den Beitrag habe ich über eine Stunde gebraucht.
    Gute Nacht

  22. der_gute_don
    19.09.2008 | 23:55

    Gott schütze uns vor dem Leid, das Lafontaine über die Menschen in Deutschland bringen würde, wenn er in Regierungsverantwortung stünde.

  23. Markus
    20.09.2008 | 0:14

    @ Michel

    Nun laß uns mal die Frage stellen, ob eine so ausgefeilte Krisentheorie wie die deine nicht eine Art Lösung in sich trägt: Wenn es in der Theorie bereits gelingt, die Komplexität des Wirtschaftsgeschehens (in diesem Fall an den Finanzmärkten) strukturell korrekt abzubilden, sollte der zweite Schritt, die zieladäquate Steuerung und Regulierung, doch eigentlich nicht gescheut werden müssen.

    Mir scheint die wirtschaftliche Freiheit – außer wenn sie aus ideologischen Gründen absolut gesetzt wird – nicht als die einzige Form der Freiheit zu gelten. Das wäre ein viel zu enger Freiheitsbegriff. Wenn man sich für die “Freiheit der Freiheit” entscheidet, braucht man von staatlichen Maßnahmen nicht mehr kategorisch abzuraten, deren angebliche Ineffizienz weder theoretisch noch empirisch eindeutig erwiesen ist.

    Die gemachten Erfahrungen mit solchen und ähnlichen Erschütterungen wie der gegenwärtigen Finanzkrise zeigen, daß der schiere Glaube an die überlegene Effizienz der freien Märkte gerade von denen hochgehalten wird, die in guten Zeiten nicht viel vom Staat wissen wollen und in schlechten Zeiten staatliche Hilfe nur allzu selbstverständlich einfordern – und auch meist bekommen.

  24. Dirk
    20.09.2008 | 0:41

    “Freiheit der Freiheit”

    Was ist das denn?

  25. Markus
    21.09.2008 | 0:46

    Man kann das Totschlagsargument der Wirtschaftsliberalen, wonach staatliche Eingriffe in die Wirtschaftsabläufe im Sinne der Ölfleck-Theorie den Weg in die Knechtschaft bedeuten würde, auch umdrehen und sagen, daß das Nichtstun des Staates den sicheren Wegg in die Knechtschaft der Vielen durch die Wenigen bedeuten würde.

    Wenn man sich von dem Dogma der “Marktfreiheit” löst und staatliches Handeln in und für die Wirtschaft und Gesellschaft zuläßt, hätte man sich sozusagen für die “Freiheit der Freiheit” entschieden.

  26. Michel
    21.09.2008 | 21:18

    @ Markus: Wenn du eine grobe Skizze schon für eine ausgefeilte Kriesentheorie hälst und auf deren Basis Regulierungen planst, ist klar das du die Eingriffsmöglichkeiten das Staates systematisch übersetzten musst.
    Wirtschaftliche Freiheit ist nicht, die einzige Freiheit, aber ohne wirtschaftliche Freiheit sind alle anderen Freiheiten leer. Was hilft es dir deine Meinung kund tun zu dürfen, wenn es dir untersagt ist ein Medium zu gründen diese auch zu verbreiten?

    “Man kann das Totschlagsargument der Wirtschaftsliberalen, wonach staatliche Eingriffe in die Wirtschaftsabläufe im Sinne der Ölfleck-Theorie den Weg in die Knechtschaft bedeuten würde, auch umdrehen”

    Nein kann man nicht, wie sollt das auch funktionieren?
    Staatliches Handeln ist per se die Knechtschaft der Vielen durch die Wenigen. “Freiheit der Freiheit” ist doch nur Verbalakrobatik ohne Bezug zur Realität.

  27. Michel
    21.09.2008 | 21:19

    1.Absatz vorletztes Wort soll natürlich überschätzen heisen.

  28. Markus
    21.09.2008 | 23:23

    @ Michel

    Na gut, “ausgefeilte Krisentheorie” mag übertrieben sein. Aber wenn du eine Stunde dafür gebraucht hast, wollte ich eben nicht unhöflich sein.

    Wenn du mir Verbalakrobatik ohne Bezug zur Realität vorhälst, würde ich dir anraten, deine eigene Behauptung von der wirtschaftlichen Freiheit als einer Art “Grundfreiheit” mal auf Realitätstauglichkeit hin zu überprüfen.

    Wer hat denn die Definitionshoheit über die “richtige” Wirtschaftspolitik im Kapitalismus? Und wer tritt für den liberalisierten und deregulierten Markt ein und warum wohl?

  29. Michel
    22.09.2008 | 0:24

    Also wenn du versuchts das Thema Realitätstauglichkeit auf den Tisch zu bringen und dann auf Politik zu sprechen kommst, kann es dir um Wahrheit, und auf die kommt es beim Thema Realitätstauglichkeit letztlich an, nicht gehen. Politik hat mit Wahrheit nicht zu tun, weder im positiven noch im negativen Sinn. Wenn du dir dein Weltbild mit Bilck auf die Politik bildest, muss es zwangsläufig verzerrt werden. Mein Eindruck von dir ist, dass du dich noch nie im Leben mit richtigen Argumenten, ohne agitatiorischen Hintergrund auseinandergesetzt hast. Alles was in diese Richtung geht, wie dieser Blog z.B. wehrst du ab, lässt es nicht an dich heran. Argumente siehst du durch die Brille von Plitspeek, durch die sie ihrem Sinn beraubt werden. Es gibt eine Wahrheit jenseits der Agitation, aber vermutlich ist das die Negation eines Axioms Linken Denkens. Eine Diskussion ist unter diesen Vorraussetzungen nicht zu führen.

  30. Markus
    22.09.2008 | 23:59

    Wenigstens in diesem Falle sind wir uns also einig: die heiklen Fragen werden ausgeklammert.

    Vielleicht ist dir aber Max Webers Unterscheidung von Gesinnungs- und Verantwortungsethik geläufig. Demnach müßtest du wohl als Gesinnungsethiker bezeichnet werden, der komme was wolle, auf seinem (sophistischen) Freiheitsbegriff beharrt – selbst wenn in der Realität längst andersartige Fakten geschaffen werden, die dringend eine Verantwortungsethik erfordern.

  31. Michel
    23.09.2008 | 0:17

    @ Markus: Wenn es dir wirklich um Realität ginge, warum argumentierst du nicht empirisch, mit Studien und dergleichen? Wo sind denn deine Fakten?
    Ich glaube an die Koinzidenz von Utilitarismus (der aber wegen dem Problem wie der Nutzten verschiedener Indivieuen zu gewichten ist hochproblematisch ist) und Non-Aggression-Principle.

  32. Markus
    23.09.2008 | 0:39

    @ Michel

    Man kann sich in wiss. Studien und dergl. auch verheddern bzw. sich eine Scheinsicherheit herbeiholen. Versuchen wir`s doch einmal mit unserem gesunden Menschenverstand. Studien können dann begleitend immer noch hinzugezogen werden. Ich glaube übrigens nur an den “lieben Gott” und nicht an die Wissenschaft.

  33. Michel
    23.09.2008 | 15:45

    @ Markus: Also Vertrauen habe ich in die von dir vorgeschlagene Methode keine; um auf dieser Ebene zu argumentieren fehlt es an einer tragfähigen Basis. Böswillig ausgedrückt ist dein gesunder Menschenverstand nicht anderes, als die Selbstbespiegelung mit antikapitalistischen Ressentiments. Wissenschaft hat ihre Schwächen, man muss Methoden hinterfragen, sich mit Details auseinandersetzten und Ergebnisse können im Laufe der Zeit von anderen wieder relativiert werden, aber Wissenschaft ist das Beste, was wir für den Erkenntniserwerb haben.

  34. Markus
    24.09.2008 | 0:34

    @ Michel

    Du bist offenbar noch nicht “aufgeklärt”; jedenfalls weiß ich nicht, wie du es anstellst, die “richtige” wiss. Methode herauszufinden. Wo hinterfragst du denn dein Wissenschaftsverständnis und wie soll das anders gehen als mit dem gesunden Menschenverstand?

  35. Michel
    24.09.2008 | 20:47

    @ Markus: Den kenn ich schon. Wie willst du deinen gesunden Menschenvverstand hinterfragen, wenn nicht mir der wiss. Methode? Ich nehme an du kennst das Müchhausen-Trilemma?

  36. Markus
    25.09.2008 | 0:16

    @ Michel

    Du siehst also auch ein Problem vorliegen. Nur welche wiss. Methode kann`s lösen? Bei der Wahl der vermeintlich richtigen Methode dürften neben dem gesunden Menschenverstand auch Werthaltungen eine Rolle spielen.

    Womit wir wieder bei der Frage wären, um welche Freiheit es geht, die zu schützen es sich lohnt, in der politischen Ökonomie und sozial-ökonomischen Wirklichkeit?

  37. Michel
    26.09.2008 | 18:03

    @ Markus: Zunächst will ich festhalten, welche argumentative Achterbahn du hier fährst. Erst legst du nahe, dass Regulierung positive Effekte hätte (im Sinne einer Verantwortungsethik), kannst dies aber nicht empirisch begründen, obwohl du so tust als wäre es offensichtlich, sondern verweist auf den gesunden(?) Menschenverstand. In dem Moment in dem ich dies kritisiere weichst du in einem erkenntnistheoretischen Relativismus aus und versuchst eine Grundsatzdebatte anzuzetteln. Aus Höflichkeit verzichte ich darauf, dieses Verhalten mit einem Etikett zu versehen, bis auf dieses: typisch links.
    Dir ist schon klar, dass du als Befürworter freiheitseinschränkender Maßnahmen, die Beweislast trägst? (allgemeine Handlungsfreiheit)

  38. Michel
    26.09.2008 | 18:04

    Nebenbei: Dem Münchhausentrilemma kann man sich ganz pragmatisch mittels des hypothetischen Realismus entwinden.

  39. Markus
    26.09.2008 | 23:46

    Danke für die Blumen! Nur nebenbei sei bemerkt, daß deine favorisierte Haltung des Nicht-Intervenierens noch nie Wirklichkeit war und wohl auch nie werden wird. Dazu sagt mir mein gesunder Menschenverstand: merkwürdig und bezeichnend.

    Daß nicht jede beliebige Form von Regulierung gut und richtig sein kann, ist unstrittig. In einer demokratischen Gesellschaft pflegt man eben über den bestmöglichen Weg offen zu debattieren und danach zu entscheiden.

    Wenn du von freiheitseinschränkenden Maßnahmen sprichst, muß zuerst geklärt werden, welche Freiheiten evtl. eingeschränkt werden sollen. Menschen- und Bürgerrechte etwa sind tabu; was die sog. wirtschaftliche Freiheit anbelangt, sieht der Fall anders aus.

    Die radikalisierten Liberalen behaupten zwar, daß wirtschaftliche Freiheit sozusagen ein unumstößliches Grundrecht sei. Damit wird aber Klientelpolitik zugunsten der Reichen und Einflußreichen gemacht. Denn der vernunftmäßige humane Grundsatz, daß die Wirtschaft für die Menschen da zu sein hat und nicht umgekehrt, wird mit einer “unberührbaren Wirtschaft” konterkariert. Zynischer Realismus.

  40. Michel
    27.09.2008 | 11:48

    @ Markus: In Schottland, Australien, Schweden und einigen anderen Ländern war die Haltung des Nichtintervenierens mal Wirklichkeit.

    „In einer demokratischen Gesellschaft pflegt man eben über den bestmöglichen Weg offen zu debattieren und danach zu entscheiden.“

    Was nicht sicherstellt, dass sich die sinnvollen Formen der Regulierung durchsetzten, auch in einer Demokratie gibt es innerhalb des Entscheidungsprozesses sachfremde Interessen, es kommt zu Agent-Prinzipal-Problemen, die Bürokratie mischt mit. Freiwilligkeit wäre ein besseres Verfahren zur Konfliktlösung als das Mehrheitsprinzip.

    „Menschen- und Bürgerrechte etwa sind tabu; was die sog. wirtschaftliche Freiheit anbelangt, sieht der Fall anders aus. „

    Diese Entscheidung ist willkürlich, natürlich ist das wirtschaftliche Handeln durch die allgemeine Handlungsfreiheit geschützt.

    „Denn der vernunftmäßige humane Grundsatz, daß die Wirtschaft für die Menschen da zu sein hat und nicht umgekehrt, wird mit einer “unberührbaren Wirtschaft” konterkariert.“

    Ich bezweifle, dass ein namhafter Humanist das mal so formuliert hat. Du blendest völlig aus, dass wenn du die Wirtschaft Zwecken unterwerfen willst, du auch Menschen Zwecken unterwirfst, was sich mit dem Humanismus schon mal beißt.

  41. der_gute_don
    27.09.2008 | 18:41

    ich kann dieses dumme Sozialismus-Theorie-Gesabber einfach nicht mehr hören. Ach tschuldigung linkes-Menschenverstand-Geblubber. Evtl. sollte man Leute wie Markus mal 1-2 Jahre ein Klein- oder Mittelständisches Unternehmen führen lassen. Ohne staatl. Subventionen. Wenn er denn solange gegenüber den Kunden … ähem “dem bösen Markt” bestehen würde.

    cheers & *kopfschüttel* …

  42. Markus
    27.09.2008 | 23:05

    @ der gute don

    Der Markt ist nicht “böse”, sondern blind. Zuweilen dumm und manchmal auch böse sind aber die Marktteilnehmer.

    @ Michel

    Kann schon sein, daß in Schottland und Australien schon Menschen verreckt sind, weil sie die volle “Freiheit des Marktes” am eigenen Leib zu spüren bekommen haben. In Schweden kann ich mir das weniger vorstellen, denn dort hat man bereits in den 1930er Nachfragepolitik betrieben und die Weltwirtschaftskrise daher vergleichsweise gut überstanden.

    Daß die “real existierende Demokratie” auch ihre Mängel hat, ist mir klar. Aber m.E. nicht etwa, weil sie zu sehr ausgedehnt worden ist, sondern weil gerade auch in der Wirtschaft noch zu undemokratisch “regiert” wird.

    Fragt sich nur, wer von uns beiden mehr willkürliche Setzungen vornimmt. Wenn die wirtschaftliche Freiheit sakrosankt wäre, müßte man selbst Ordoliberale wie Walter Eucken als Sozialisten bezeichnen. Denn geordneter Wettbewerb kann ohne einen “starken Staat” nicht aufrechterhalten werden.

    Welchen Zweck, als den Menschen zu dienen, soll die Wirtschaft denn deiner Meinung nach haben?

  43. Michel
    28.09.2008 | 17:18

    @ Markus: Du schreibst: „Kann schon sein, daß in Schottland und Australien schon Menschen verreckt sind, weil sie die volle “Freiheit des Marktes” am eigenen Leib zu spüren bekommen haben.“
    Darin stecken einige Fehler, der Kapitalismus kann nicht in gleicher Weise für den Verlust von Menschenleben verantwortlich gemacht werden, wie z.B. der Kommunismus. Der Kapitalismus kann nicht in konkrete Politik umgesetzt werden, weil jeder Akteur für seine Handlungen selbst verantwortlich ist und nicht durch ein bestimmtes Politikkonzept festgelegt werden. Desweiterem scheinst du einer verzerrten Sichtweise der Weltwirtschaftskrise aufgesessen zu sein, das sie so gravierend verlief, ist nicht (oder zumindest nicht nur) auf angebliche Multiplikatoreffekte zurückzuführen, sondern sie wurde durch die Politik verschärft. Besonders übel waren Protektionismus und Migrationsbehinderung.

    Was soll denn „demokratisch“ in der Wirtschaft festgelegt werden, was jeder zu konsumieren hat vielleicht? Ich hoffe dir fällt auf, dass so eine Festlegung gequirlte Nazischeiße wäre.

    Desweiteren schreibst du: „Denn geordneter Wettbewerb kann ohne einen “starken Staat” nicht aufrechterhalten werden.“
    Diese These ist hoch umstritten, selbst ein Monopol ist potentiellem und indirektem Wettbewerb ausgesetzt. Die Tendenz zu zunehmender Marktkonzentration Ende des 19. und Anfang des 20.Jh war die Folge politischer Entscheidungen.

    Du fragst „Welchen Zweck, als den Menschen zu dienen, soll die Wirtschaft denn deiner Meinung nach haben?“
    Um dir diese Frage zu beantworten, müsste ich wissen in welchen Kategorien du denkst, beantworte mir zum Test bitte folgende Frage: Inwiefern dient das Eingehen von romantischen Beziehungen dem Menschen? Je mehr Aspekte du in deiner Antwort berücksichtigst desto besser.

  44. Markus
    29.09.2008 | 0:24

    @ Michel

    Dem Kapitalismus sei Dank, jeder ist seines Glückes Schmied! So einfach ist das also. Leider findet die Veranstaltung namens Wirtschaft aber nicht im luftleeren Raum statt, sondern mitten in der Gesellschaft. Und die ist so oder auch anders vorgeprägt und wird von einflußreichen Marktprotagonisten entscheidend bestimmt.

    Kurz und gut: Die These der “Eigenverantwortung” negiert die unterschiedlichen Entwicklungsmöglichkeiten der einzelnen Wirtschaftssubjekte. Menschen gibt es in dieser Vorstellungswelt ja nicht.

    Was im einzelnen die Ursachen der Weltwirtschaftskrise auch gewesen waren; die Schweden haben praktisch bewiesen, was Keynes theoretisch erwiesen hatte: die Wirksamkeit der Nachfragepolitik.

    Bei der Wirtschaftsdemokratie geht es weniger um die Konsumseite, als mehr um die Produktionsseite. Das Nazi-Regime
    wurde ürigens auch von der Großindustrie protegiert.

    Teilweise zustimmen kann ich bei deiner positiven Bewertung des Monopols. Allerdings eher, wenn es sich in bestimmten Bereichen um ein staatliches handelt. Die Marktkonzentration am Ende des 19. Jahrhunderts ist m.W. durch das Zusammengehen von Liberalen und Konservativen unter Bismarck entstanden.

    Dein Ausweichen vor meiner gestellten Sinnfrage an das Wirtschaften ist bezeichnend. Romantische Beziehungen pflegt der Homo oeconomicus nicht einzugehen. Dafür ist er zu weltfremd.

  45. Michel
    30.09.2008 | 20:02

    @ Markus: „Die These der “Eigenverantwortung” negiert die unterschiedlichen Entwicklungsmöglichkeiten der einzelnen Wirtschaftssubjekte.“

    Das ist mir zu materialistisch gedacht, denkst du es sei unmöglich auch mit einem unterdurchschnittlichen Einkommen ein gutes Leben zu führen?

    Anhand von nur einem Beispiel lässt sich nicht zeigen das die Nachfragepolitik tatsächlich wirksam ist, Schweden war möglicher Weise sowieso nur einer Rezession ausgesetzt. Nicht jedes Land gerät in gleichem Umfang in den Strudel einer Weltwirtschaftskriese, manche bleiben relativ verschont.

    „Bei der Wirtschaftsdemokratie geht es weniger um die Konsumseite, als mehr um die Produktionsseite.“

    Und die Konsumseite ist natürlich völlig von der Produktionsseite unabhängig. So wie jedes Kind Kopfrechen beherrscht bevor es etwas von Zahlen gehört hat.

    „Teilweise zustimmen kann ich bei deiner positiven Bewertung des Monopols. Allerdings eher, wenn es sich in bestimmten Bereichen um ein staatliches handelt.“

    Welche positive Bewertung? Das du es positiv findest, wenn der sich Staat mit Gewalt zwischen die Handelsbeziehung seiner Bürger drängt, war ja abzusehen.

    „Dein Ausweichen vor meiner gestellten Sinnfrage an das Wirtschaften ist bezeichnend.“

    Nein, ich bin dir nicht ausgewichen, sondern habe demonstriert, dass du eine unsinnige Frage gestellt hast. Du kannst die äquivalente Frage, ‚inwiefern das Eingehen von romantischen Beziehungen dem Menschen dient‘, nicht beantworten, genauso wenig kann man für ‚auf welche Weise dient die Wirtschaft dem Menschen‘ eine Antwort finden.

  46. Markus
    30.09.2008 | 23:40

    @ Michel

    Und ich dachte immer, daß martialische Rhetorik nur von den Linken gepflegt wird. Aber Radikale ob nun von links oder rechts sind sich offenbar ähnlicher, als man annimmt.

    Die Äußerung, daß die Armen die “besseren Menschen” sind und noch glücklich dazu, hätte ich so nicht erwartet (oder auch doch!). Warum also nicht auch die “bösen Reichen” an dem Glück der Armen mittels einer interventionistischen Politik teilhaben lassen? Aber die “staatliche Zwangsgewalt” ist den “unglücklich” bleiben wollenden Reichen eben nicht zuzumuten. Diese bleibt dafür den Armen vorbehalten.

    Daß Freiheit mehr als nur Konsumfreiheit bedeuten kann und muß, ist konservativen Besitzstandswahrern – wie es aussieht – nicht vermittelbar. Und deshalb soll der zum quasi-religiösen Mythos überhöhte Markt sein Unwesen in Wirtschaft und Gesellschaft weiter treiben dürfen.

  47. Michel
    1.10.2008 | 21:25

    @ Markus: Deine Postings hatten auch schon mal höheres Niveau.

  48. Markus
    2.10.2008 | 0:22

    @ Michel

    Die Liberalen mögen das Salz in der politischen Suppe sein, eine versalzene Suppe schmeckt aber niemandem.

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