7. September 2008
Relativ
Ratzinger ist schuldig. So jedenfalls Alan Posener in einem Beitrag auf der “Achse des Guten”. Schuldig des Werterelativismus, weil er eine offenbar unerklärliche Abneigung gegen die Atombombe entwickelt hat, statt zwischen guten (Atombomben in den Händen der USA) und bösen (Atombomben irgendwo anders) zu unterscheiden.
Schließlich ist
die Atombombe lediglich Produkt der technischen oder instrumentellen Vernunft, die für sich genommen wertfrei ist. Ein Spaten ist ein Spaten, aber man kann ihn auch benutzen, um Menschen zu erschlagen.
Soll sagen: Eine Atombombe ist einfach nur eine Atombombe, man kann sie aber auch dazu verwenden, Zehntausende von Menschen umzubringen. Was die USA mit ihren nicht vorhatten – die lagen da einfach so rum, frei für andere Verwendungen. Und deswegen darf man die Vernunft, die so etwas hervorbringt, nicht kritisieren.
Nun ist es ja tatsächlich nicht ganz egal, wer die Verfügungsgewalt über solche nützlichen Alltagsgegenstände hat, da hat Posener schon recht, und daher gibt es gute Gründe, dafür zu sorgen, dass der Iran damit keine Gärten umgraben kann.
Posener schreibt dazu:
Aber wenn ich wählen muss – und man muss wählen -, wessen Finger ich lieber am atomaren Abzug sähe, ziehe ich einen säkularen Ami (oder Israeli) einem frommen Verrückten allemal vor.
Wobei mich nur noch interessieren würde, wie er das mit säkularen Verrückten oder frommen Amis (oder Israelis) hält…
Was für Werte sollen das also sein, die man “relativiert”, wenn man wie Ratzinger die Bedrohung des Lebens weiter Teile der Menschheit als unerträglichen Zustand ansieht? Vielleicht war ja auch Jesus Christus so ein Werterelativist – die Zeloten haben ihn sicher als solchen betrachtet: Statt für die gerechte Sache einzutreten, sich also gegen die Besetzung durch die Römer zu wenden, hilft der stattdessen einzelnen Soldaten des Feindes und schart Kollaborateure um sich.
Ratzinger relativiert offensichtlich vor allem Poseners Werte, also z.B. das Bekenntnis zur Unfehlbarkeit der politischen Führung der USA. Er tut es, weil er sich an anderen orientiert, die er für wahrer und richtiger hält.
Posener nennt das “typisch deutsch”, um die Sache en passant in die offizielle Blog-Perspektive zu rücken. Ich nenne es christlich.
Zum Nachtisch noch der passende Wise-Guys-Song:
Verfasst von Rayson um 19:06 Uhr in der Kategorie Grundsatzfragen, International, Politik (Trackback)
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