12. August 2008
Brauchen wir geistiges Eigentum?
Alex Tabarrok ist nicht ganz zufrieden mit dem Handstreich, mit dem Michele Levine und David K. Levine in “Against Intellectual Monopoly” den Schutz geistigen Eigentums in Form von Patenten und Copyrights auf den Müllplatz der Industriepolitik schieben. Während er sich fragt, ob Bücher zukünftig ohne Copyright veröffentlicht werden, hab ich das Sommerloch mit eben solcher Lektüre gestopft. Dank meines inzwischen schon etwas betagten Sony E-Readers war ich dabei nicht einmal gezwungen solche Creative-Commons-Pageturner wie Cory Doctorow’s “Little Brother” oder John Scalzi’s “Agent to the Stars” am PC zu lesen, sondern konnte mich dabei auf einer sommerlichen Wiese entspannen. Autor Larry K. Mason freute sich gar riesig, dass ich ihm die Portierung seines Romans “Invisible Hand” in einschlägige E-Book-Reader-Formate abnehme. Soweit ich weiß lebt etwa Cory Doctorow sehr gut damit, dass er seine Bücher nicht nur über den Buchhandel sehr gut verkauft, sondern auch zum kostenlosen Download ins Internet stellt. Auch andere Autoren wie David D. Friedman oder Lawrence Lessig leisten es sich ihre Bücher den Lesern gratis im Netz zu überlassen und gehen derweil ihren Jobs als renommierte Hochschullehrer nach.
Ob jeder Schriftsteller oder Sachbuchautor ohne Copyright-Schutz noch von seinem Handwerk leben könnte, sei dahingestellt, das Ende guter Bücher wäre jedoch ebenso wenig zu erwarten wie der Niedergang der Popmusik im Zeitalter der MP3-Tauschbörsen. Um den klassischen Buchhandel und die Verlage mache ich mir derweil keine Sorgen, auch wenn für uns der Beruf des Buchhändlers irgendwann genauso fremd sein sollte wie heute der Job den die Dame von der Telefonvermittlung einst ausübte. Die Betroffenen werden schon eine gewinnbringende Beschäftigung auftreiben. Auf jeden Fall wird dann der Autor und sein Werk sowie seine Kreativität aus beidem ein gewinnträchtiges Unternehmen aufzubauen wieder im Vordergrund stehen. Und niemand wird mehr wegen eines geistigen Monopols ein Vermögen aus einer Idee machen können, die so profan ist, dass sie auch jedem anderen talentierten Autor hätte einfallen können.
Verfasst von SteffenH um 15:45 Uhr in der Kategorie Politik (Trackback)
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