25. Juli 2008
Was zu den deutsch-amerikanischen Beziehungen
In den USA wird demnächst ein neuer Präsident gewählt. Ich sehe es nicht als meine Verpflichtung an, mich für einen der beiden Kandidaten zu entscheiden. Zumal ich mittlerweile vermute, dass die Außenpolitik beider sehr, sehr ähnlich sein wird. Ich hatte früher McCain ein leichtes Prä zugestanden aufgrund seines “Track Records”, aber in einer seltsamen Umkehrung des üblichen US-Wahlkampf-Rezepts scheint sich dieser Kandidat im Vorwahlkampf offen und im Hauptwahlkampf parteinah zu geben. Dass McCain für Freihandel steht, Obama aber nicht (siehe auch die Rede an der Siegessäule), ist ausschließlich ein Problem der Amis. Und ich glaube mittlerweile Obama seine Irak-Rhetorik nicht mehr, was sich in meiner Beurteilung zu seinen Gunsten auswirkt.
Also: Wir Europäer werden wohl bei beiden Präsidenten keinen wirklichen Unterschied feststellen können, was unsere Beziehungen zu den USA angeht. Und das verwundert auch nicht, weil alle Versuche, einen Keil zwischen die USA und Europa zu treiben, zu keinen besonders guten Ergebnissen geführt haben. So schlau, dieses Experiment als gescheitert zu betrachten, ist die amerikanische Politik längst, und auch der angebliche Oberteufel George W. Bush richtet sich längst nach dieser Erkenntnis. Allerdings macht es natürlich schon einen Unterschied, ob man in Deutschland auf einen kooperationsbereiten Regierungschef trifft oder auf einen, der aus Gründen der Wahlkampfopportunität mal eben enorm wichtige Beziehungen aufs Spiel zu setzen bereit ist. Und umgekehrt hatte die Präsidentschaft von George W. eine Truppe an die Macht gebracht, die sich dieser lästigen europäischen Bedenkenträger meinte entledigen zu können und zu müssen. Beide Versuche dürften inzwischen als gescheitert gelten. Das wissen die Amerikaner, und das wissen die Deutschen. Jeder US-Präsident käme nie mehr auf die Idee, den jüngeren Bush der ersten Amtszeit zu kopieren, wie auch jede(r) deutsche(r) Kanzler(in) nicht mehr auf den Gedanken käme, den Schröder zu machen.
Das sind alles Binsenweisheiten. Obama wird dafür gefeiert, diese auszusprechen. Aber sie gelten inzwischen längst wieder. Zeit für einen kurzen Realitätsabgleich?
Verfasst von Rayson um 22:12 Uhr in der Kategorie International, Politik (Trackback)
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