Basketball, ein Superstar und die Manager

Ich bin kein großer Basketball-Fan. Ich finde den Sport zwar interessant, aber er ist in einer gewissen Hinsicht – im Gegensatz zum Fußball – schon sehr exklusiv, weil körperliche Voraussetzungen erforderlich sind, die einen großen Teil der Bevölkerung von einer erfolgreichen professionellen Ausübung weitgehend ausschließen. Aber in den USA ist Basketball nun einmal sehr populär, und über meine Austausch-Erfahrungen habe ich davon ein wenig mitbekommen. Es reichte, um die Bemühungen der deutschen Nationalmannschaft zu verfolgen, sich noch für Olympia zu qualifizieren.

Wobei man sagen muss, dass gerade im Basketball die Nationalmannschaft ein Vorreiter für das “neue” Deutschland war, für ein Deutschland also, dessen Vertreter nicht zwingend Meier oder Müller heißen, sondern ihre Abstammungen in die verschiedensten Winkel dieser Welt verfolgen können. Dass jetzt aufgrund einer zielbewussten Einbürgerungspraxis mit dem Herrn Kaman jemand dazukommt, der hier nicht aufgewachsen ist und kein Deutsch spricht, wie das im Eishockey ja mal einige Zeit die Regel war, ist dennoch eher die Ausnahme. Obgleich wohl eine notwendige, denn ohne ihn hätte es nicht geklappt mit dem Traum der anderen. Ein bisschen Markt ist eben immer.

Aber in diesem Team-Erfolg gibt es die Story eines herausragenden Individuums, und das heißt Dirk Nowitzki. Der Typ ist bereits ein Star und verdient Millionen, aber trotzdem ist es ihm wichtig, mit der Nationalmannschaft Ziele wie die Olympia-Teilnahme zu erreichen. Er, und zwar nur und allein er, hat den entscheidenden Unterschied ausgemacht. Er sorgte für zwischen ein Drittel und der Hälfte der deutschen Punkte und holte auch viele der Rebounds. Man hat sich praktisch schon daran gewöhnt, dass für ein halbwegs erfolgreiches Abschneiden der deutschen Mannschaft ein im gesamtem Turnier überragender Nowitzki erforderlich ist. Außergewöhnliches wird bei ihm als Normalität profanisiert – das Schicksal eines Ausnahmekönners. Aber dieser Star, dieser Multi-Millionär, verweigerte dem übertragenden Sender DSF heute bis zum Schluss ein Interview, weil er völlig fertig heulend in der Kabine saß.

Und das, liebe liberale Freunde, erklärt vielleicht ein wenig, warum man Leuten wie Nowitzki die Millionen gönnt, manchem Topmanager aber nicht.

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11 Kommentare zu “Basketball, ein Superstar und die Manager”

  1. 20.07.2008 | 21:12

    Eine hübsche Theorie. Ich könnte mir tatsächlich durchaus vorstellen, dass man einem Titanen Oliver Kahn die Millionen nicht so sehr gönnt wie den Lausbuben Poldi und Schweini. ;)

    Mir ist das ziemlich egal, auch diese Manager-Debatte – von mir aus können sie auch Milliarden verdienen, so lange sie brav ihre Steuern zahlen. (Unverständnis kommt bei mir jedoch auf, wenn ein Unternehmen runtergewirtschaftet wurde und es dennoch eine Abfindung in Millionenhöhe gibt – aber da sollte man wohl eher den jeweiligen Aufsichtsrat in die Mangel nehmen.)

  2. 20.07.2008 | 21:34

    Ich habe eine andere Theorie. Es kommt auf die Eigenschaften an, mit denen jemand Geld verdient. Körperliche Größe oder fussballerisches Talent werden als etwas “zufälliges” angesehen, wie ein 6er im Lotto. und den gönnt man anderen. Manche haben das Talent, manche nicht und man es nicht zu haben, ist erträglich.

    Anders ist es mit Managern. Wären ihre Gehälter nicht “unberechtigt”, dann würden sie diese mit Klugheit verdienen. Und Klugheit nicht zu besitzen, ist unerträglich. Also sind, damit das eigene Leben erträglicher ist, die Gehälter unberechtigt.

    Wie sagte noch einst Descartes (hiermit schlage ich dies als Zitat für die rechte obere Ecke vor)

    Der Verstand ist die am besten verteilte Sache der Welt. Ein jeder glaubt so gut damit versehen zu sein, dass selbst diejenigen, die in anderen Dingen nur schwer zufrieden zu stellen sind, für gewöhnlich nicht mehr davon wünschen.

    ” Le bon sens est la chose du monde la mieux partagée; car chacun pense en être si bien pourvu que ceux même qui sont les plus difficiles à Contenter en toute autre chose n’ont point coutume d’en désirer plus qu’ils en ont.”

  3. 20.07.2008 | 22:25

    Ich glaube nicht, dass die Voraussetzungen für professionelles Fußballspiel weniger exklusiv als die in Hand- oder Basketball oder auch im Poolbillard sind. Die Größe der meisten Basketballpieler macht das Vorhandensein der besonderen, für das Basketballspiel exklusiven Voraussetzungen lediglich auffälliger.

    Studienfreunde meines Bruders haben Nowitzki einmal unangemeldet an seinem Wohnhaus in der Dallas area aufgesucht. Er schrieb freundlich das Autogramm, un welches er gebeten wurde, und wünschte einen schönen Tag. Dieser Mann ist wohl von Natur aus so unprätentiös, dass es eine Freude ist.

  4. 20.07.2008 | 22:38

    @Dirk

    Also, mir würden einige Berechtigungen für Manager-Gehälter einfallen. Aber Klugheit der Bezieher wäre ganz sicher nicht darunter.

    @Dirk F.

    Die Größe der meisten Basketballpieler macht das Vorhandensein der besonderen, für das Basketballspiel exklusiven Voraussetzungen lediglich auffälliger.

    Wäre so, wenn Größe das einzige Kriterium bliebe. Aber darüber hinaus gelten natürlich alle anderen Kriterien, die für Mannschaftsballsportarten herangezogen werden, für Basketball genau so.

    Dieser Mann ist wohl von Natur aus so unprätentiös, dass es eine Freude ist.

    Ja. Vermutlich, weil er weiß, wem er seinen Erfolg zu verdanken hat (wahlweise der Natur oder Gott), während bei Managern der Irrglaube vorherrscht, Erfolg oder Misserfolg sei allein ihnen zuzuschreiben.

  5. 20.07.2008 | 22:52

    @Rayson

    Ich habe nicht von Klugheit als “Berechtigung” der Gehälter gesprochen. Das wäre ja eine moralische Kategorie. Klugheit ist vielmehr der Grund dafür, dass jemand in diese Position kommt und damit für das Gehalt.

    Dass ich mich auch für klug halten möchte aber nicht so viel verdiene, erkenne ich als Widerspruch. Den kann ich nur auflösen, indem ich Klugheit als Grund für die hohen Managergehälter ausschließe, ergo sind sie “unberechtigt”.

    während bei Managern der Irrglaube vorherrscht, Erfolg oder Misserfolg sei allein ihnen zuzuschreiben.

    Würdest Du denn Klugheit als Grund in vielen Fällen ausschließen oder hältst Du Klugheit für ein glückliches Geschenk Gottes?

    Wenn ich mich recht erinnere, bist Du Unternehmensberater. Wenn Klugheit oft nicht da ist, verstehe ich endlich deren Geschäftsmodell und Erfolg (-:

  6. 20.07.2008 | 23:00

    @Dirk

    Klugheit ist vielmehr der Grund dafür, dass jemand in diese Position kommt und damit für das Gehalt.

    Ich würde zwar völlige Blödheit als hinderlich ansehen, aber Klugheit ist sicher kein entscheidender Faktor für den Aufstieg ins Top-Management.

    Den kann ich nur auflösen, indem ich Klugheit als Grund für die hohen Managergehälter ausschließe, ergo sind sie “unberechtigt”.

    Nö- nur dann, wenn “Klugheit” für dich der einzige Maßstab ist. Ich behaupte aber einfach mal, mich da auch Christian S. anschließend, dass für die meisten Menschen Erfolg (im Wettbewerb, auf dem Markt) völlig ausreichen würde.

    Wenn ich mich recht erinnere, bist Du Unternehmensberater. Wenn Klugheit oft nicht da ist, verstehe ich endlich deren Geschäftsmodell und Erfolg (-:

    Ich fülle nur erkannte Vakanzen…

  7. 20.07.2008 | 23:31

    Nö- nur dann, wenn “Klugheit” für dich der einzige Maßstab ist. Ich behaupte aber einfach mal, mich da auch Christian S. anschließend, dass für die meisten Menschen Erfolg (im Wettbewerb, auf dem Markt) völlig ausreichen würde.

    Ja, das kann sein.

  8. F.Alfonzo
    21.07.2008 | 4:05

    Ich schätze mal es gibt vor allem 2 Gründe, warum Manager anders wahrgenommen werden als Sportler:

    1) Ein erfolgreicher Sportler wird stellvertretend von der gasamten Nation als “einer von uns” vereinnahmt und angepriesen (Fußball-Nationalmannschaft, Schumacher); ein Manager natürlich nicht; Management ist keine Ruhmreiche Sache.
    2) Manager ziehen sich i.d.R. (von wenigen, nervtötenden Beispielen abgesehen) aus der Öffentlichkeit zurück; ein Sportler kann das schon alleine deshalb nicht, weil er Werbeträger ist. Mag vielleicht ein schwaches Argument sein, aber können Sympathien ohne Medienpräsenz verteilt werden?

    Ein wenig Lesestoff für die Interessierten:
    Profil eines / Interview mit einem Hedge Fonds Manager namens Philip Falcone (der in jüngeren Jahren übrigens mal Eishockey pro/semi-pro war, deshalb ist mir dieser Artikel wieder eingefallen):
    http://www.startribune.com/business/22949299.html?location_refer=Sports:highlightModules:5

    Wenn man dessen Biographie kennt, ist es eigentlich schon nicht mehr möglich, ihn unsympathisch zu finden… und wäre er Eishockey-Pro geworden, dann würden die Leute ihn vermutlich wesentlich mehr schätzen, obwohl es sich um die selbe Person handeln würde.

  9. FG
    21.07.2008 | 7:44

    Die Körpergröße ist tatsächlich beim Basketball das Einzige, was mian nicht trainieren kann. Zwingend notwendig für eine überragende Basketballkarriere ist sie aber nicht, wie man z.B. hier beim nur 1,60 m großen Muggsy Bogues sieht.
    Zu der unbestritten herausragenden Leistung von Nowitzki (den ich seinerzeit noch im Würzburger Trikot sehen durfte :-) ) war das gestern aber auch wirklich eine großartige Mannschaftsleistung. Ein Topspieler alleine macht es auch nicht beim Basketball.

    Nowitzki ist nicht nur ein herausregender Könner seines Fachs sondern auch noch ein richtig sympathischer Kerl, dem man den Spaß an der Sache anmerkt und der sich nicht für die Nationalmannschaft zu Schade ist (man erinnere sich nur an Detlef Schrempf).

    Dass ihm sein Einkommen nicht geneidet wird könnte aber auch daran liegen, dass er bei einer Straßenumfrage nach den derzeit mit Abstand bestverdienenden aktiven deutschen Sportlern kaum auf einem der ersten Plätze landen würde.

  10. 21.07.2008 | 10:49

    “obwohl es sich um die selbe Person handeln würde.”

    Wohl kaum, denn sonst wäre er ja Fonds-Manager…

  11. Fuchur
    21.07.2008 | 14:14

    Yay! Toll, dass die Qualifikation geklappt hat. Es wird ja wahrscheinlich das letzte große Turnier dieser deutschen Mannschaft sein, bevor (altersbedingt) der große Umbruch einsetzt. Obwohl – wer weiß: Vielleicht bleibt Nowitzki ja doch noch ein bisschen länger, jetzt wo Kaman dabei ist?!

    Was den Vergleich mit Managern angeht: Es hat schon auch was mit Leistung zu tun. Wenn die nicht stimmt, sind auch Sportler schnell in der Kritik. Wer kennt nicht das Gejammere über die angeblich faulen, überbezahlten Stars vom FC Bayern?

    Wahrscheinlich spielt auch eine Rolle, dass bei Sportlern die gebrachte Leistung offensichtlich ist. Was dagegen so ein Manager den lieben langen Tag macht, erschließt sich den meisten nicht so recht.

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