20. Juli 2008
Basketball, ein Superstar und die Manager
Ich bin kein großer Basketball-Fan. Ich finde den Sport zwar interessant, aber er ist in einer gewissen Hinsicht – im Gegensatz zum Fußball – schon sehr exklusiv, weil körperliche Voraussetzungen erforderlich sind, die einen großen Teil der Bevölkerung von einer erfolgreichen professionellen Ausübung weitgehend ausschließen. Aber in den USA ist Basketball nun einmal sehr populär, und über meine Austausch-Erfahrungen habe ich davon ein wenig mitbekommen. Es reichte, um die Bemühungen der deutschen Nationalmannschaft zu verfolgen, sich noch für Olympia zu qualifizieren.
Wobei man sagen muss, dass gerade im Basketball die Nationalmannschaft ein Vorreiter für das “neue” Deutschland war, für ein Deutschland also, dessen Vertreter nicht zwingend Meier oder Müller heißen, sondern ihre Abstammungen in die verschiedensten Winkel dieser Welt verfolgen können. Dass jetzt aufgrund einer zielbewussten Einbürgerungspraxis mit dem Herrn Kaman jemand dazukommt, der hier nicht aufgewachsen ist und kein Deutsch spricht, wie das im Eishockey ja mal einige Zeit die Regel war, ist dennoch eher die Ausnahme. Obgleich wohl eine notwendige, denn ohne ihn hätte es nicht geklappt mit dem Traum der anderen. Ein bisschen Markt ist eben immer.
Aber in diesem Team-Erfolg gibt es die Story eines herausragenden Individuums, und das heißt Dirk Nowitzki. Der Typ ist bereits ein Star und verdient Millionen, aber trotzdem ist es ihm wichtig, mit der Nationalmannschaft Ziele wie die Olympia-Teilnahme zu erreichen. Er, und zwar nur und allein er, hat den entscheidenden Unterschied ausgemacht. Er sorgte für zwischen ein Drittel und der Hälfte der deutschen Punkte und holte auch viele der Rebounds. Man hat sich praktisch schon daran gewöhnt, dass für ein halbwegs erfolgreiches Abschneiden der deutschen Mannschaft ein im gesamtem Turnier überragender Nowitzki erforderlich ist. Außergewöhnliches wird bei ihm als Normalität profanisiert – das Schicksal eines Ausnahmekönners. Aber dieser Star, dieser Multi-Millionär, verweigerte dem übertragenden Sender DSF heute bis zum Schluss ein Interview, weil er völlig fertig heulend in der Kabine saß.
Und das, liebe liberale Freunde, erklärt vielleicht ein wenig, warum man Leuten wie Nowitzki die Millionen gönnt, manchem Topmanager aber nicht.
Verfasst von Rayson um 20:50 Uhr in der Kategorie Grundsatzfragen, Steckenpferde der Autoren (Trackback)
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