19. Juli 2008
Wer spart hier wessen Geld?
Die Teekampagne auf die Energiesparlampe anwenden, ist das wirklich so eine tolle Idee? Professor Faltin verkauft die Lampen im Zehnerpack für einen Stückpreis von 2,60 €, will damit den “Konzernen” ein Schnippchen schlagen und wird dabei vom NABU sekundiert. Dessen Vertreter tischt dabei die ganz originelle Theorie auf, dass Energiesparlampen so teuer verkauft werden, weil man ja auch die normale Glühlampe vermarkten wolle. So eine Denke kommt dabei heraus, wenn man sich lieber mit Feindbildern als mit Ökonomie beschäftigt.
Zunächst einmal ist es kein Wunder, dass ich die billigsten Lampen aus China im Zehnerpack für weniger Geld als einzeln aus dem Baumarkt bekomme. Herr Faltin organisiert den Vertrieb, überlässt aber einfach seinen Kunden die Lagerkosten und bekommt von ihnen 26 Euro plus Versandkosten auf die Hand, die nun er statt der Kunde in eine rentable Anlagealternative stecken kann. Welcher normale Haushalt benötigt auf einen Schlag zehn Energiesparlampen der selben Leistungsklasse? Bei mir zumindest würde die letzte Lampe in ca. 15 Jahren aus dem Karton in die Fassung kommen. Das nenne ich keine gute Geldanlage. Jeder kann das ja mal selbst durchrechnen. Herr Faltin reibt sich die Hände, denn er profitiert von den Zinsen.
Nun zum NABU-Mann. Die “bösen Konzerne” verkaufen die billigen Glühlampen, weil es Leute gibt, die keine Energiesparlampen aus weiß ich was für Gründen kaufen wollen. In der Regel lohnt es beispielsweise nicht für eine Kellerlampe, die nur ein Dutzend mal im Jahr für ein paar Minuten brennt, eine teure Energiesparlampe zu verwenden. Oder man möchte das Licht dimmen, was nur mit sehr teuren Energiesparlampen gelingt. Wer aber wäre so töricht, ein Produkt, für dass es angeblich keine echte Nachfrage mehr gibt, in den Regalen zu halten, und dabei auf Umsätzen aus den so vermeintlich billigen Energiesparlampen zu verzichten? Das macht ökonomisch keinen Sinn, eignet sich aber wunderbar für eine Verschwörungstheorie. Warum stellen die Unternehmen nicht einfach die Produktion der Glühbirnen ein, sparen sich deren Produktionskosten und setzen voll auf den Absatz der Energiesparlampen? Weil die Glühbirnen so billig produziert werden können, dass sich bei Kunden mit ganz speziellen Wünschen damit mehr Geld verdienen lässt. Es liegt schlichtweg an den relativ hohen Produktionskosten der Energiesparlampen, dass sich die klassische Glühlampe noch am Markt behaupten kann. Wenn also hier jemand schuld ist, dann der Konsument, mit seinen ausgefallenen Wünschen, die nicht immer dem Wertekanon unser klimaschützenden Zeitgenossen entsprechen.
Aber was rege ich mich eigentlich auf. Ist es nicht schön, wenn sich Weltenretter und Kommerz gegenseitig umarmen? Ist es bei soviel Harmonie nicht egal, dass die Argumente zum Himmel stinken?
Verfasst von SteffenH um 17:12 Uhr in der Kategorie Rochus, Wirtschaft (Trackback)
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