Preiskinder

Was passiert, wenn ein Politiker glaubt mit einer Lotterie die Gebärfreudigkeit seiner Bevölkerung erhöhen zu können?

Slate: Give Birth to a Patriot on Russia Day was cooked up three years ago by Ulyanovsk’s governor, Sergei Morozov, to prod the local population into improving the region’s dismal 2-to-1 death-to-birth ratio. It worked like this: Women who gave birth on June 12 would be guaranteed one of a variety of prizes—refrigerators, TV sets, washing machines, even cash, and one lucky family would be picked to win the grand prize: a brand-new Russian-made jeep called the UAZ-Patriot…

However dubious the premise, it seemed to work out.

On June 12, while Russia enjoyed its day off, doctors all over Ulyanovsk struggled to survive the most hellish day of their professional careers. The region’s maternity wards, which usually stood half-empty, were suddenly filled beyond maximum capacity. Masses of screaming pregnant women seemed to materialize out of thin air. Stressed-out and sleep-deprived doctors ran around frantically attending to patients. Most doctors were forced to work multiple shifts just to keep up with demand.

“Most of economics can be summarized in four words: “People respond to incentives.” The rest is commentary.” Zitat aus Steven E. Landsburg, The Armchair Economist.

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7 Kommentare zu “Preiskinder”

  1. Lina
    13.07.2008 | 21:53

    Aberwitzige Geschichte, die da erzählt wird! Aber: “Incentives work” – hier der (deutsche) Beweis: mit nunmehr 1,4 statt 1,33 Kinder pro Frau wird der Anreiz des von Ministerin von der Leyen spendierten Elterngelds beziffert; ob das viel oder wenig ist, kann ich nicht beurteilen; zuletzt jedenfalls sei dieser Wert 1990 erreicht worden – als man die Vergleichszahlen aus der Ex-DDR hinzuaddierte?

    Das Elterngeld, das jetzt auch von immer mehr Männern/Vätern beansprucht wird, solle vor allem “die wirtschaftliche Situation von Familien” verbessern – sagte die Ministerin. Wäre es da zynisch zu sagen, dass man für diesen Anreiz inzwischen 0,7 % mehr Kind in Kauf zu nehmen bereit ist? Ohne den staatlichen Geldsegen sähe die Sache vermutlich anders aus.

    P.S.: darüber, dass der Zuwachs an Geburten nicht wie erwartet bei den favorisierten Zielgruppe der Akademikerinnen zu verzeichnen ist, redet man nicht mehr…)

  2. F.Alfonzo
    14.07.2008 | 2:38

    Der Beweis, dass die 0,07 Kinder mehr auf höheres Elterngeld zurückgehen, muss erst mal von irgend wem erbracht werden; könnte ja auch am Wetter gelegen haben ;-)

    Zu deinem P.S.: Ja, glauben die tatsächlich, dass ein Mensch auf Karriere verzichtet, weil er dafür ein paar Kröten mehr im Monat bekommt? Oder anders gefragt: Wie viel Elterngeld müsste ein Akademikerpaar bekommen, damit einer von beiden seine Karriere aufgibt, und ist es sinnvoll, Menschen Anreize zu setzen, die sie vom Arbeiten abhalten sollen? Fragen über Fragen, die sich offensichtlich niemand stellt, wenn’s darum geht, Wahlgeschenke (bzw. die höhere Steuerlast) zu verteilen.

  3. F.Alfonzo
    14.07.2008 | 2:45

    Interessant auch zur Story aus Russland: Die Tatsache, dass der Staat ja nicht über ein Füllhorn verfügt, sondern die Bürger sich ihre Preise quasi selbst geschenkt haben.
    Bemerkenswertes, spieltheoretisches Experiment.

  4. Lina
    14.07.2008 | 7:54

    blockquote>Ja, glauben die tatsächlich, dass ein Mensch…

    Ja, das haben die geglaubt. Was nicht ganz so offen ausgesprochen wurde war, dass man damit zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen wünschte. Indem man davon ausging, dass Akademiker ihren Kindern bessere Bildungswege gönnen würden als die staatlich angebotenen, wollte man sich mit nur einem Geschenk aus dem “Füllhorn” gleich doppelt entlasten (-;

    (Danke für die nachgetragene Null, eigentlich waren’s in Deiner Bilanz gleich mehrere Nullen (-;.)

  5. R.A.
    14.07.2008 | 12:16

    Wobei das incentive hier ja alleine auf die Wahl des Geburtstermins ausgerichtet war.
    Es ist sehr zu bezweifeln, daß es deswegen ZUSÄTZLICHE Geburten gegeben hat (und das war ja das eigentliche Ziel).

    Wie bei vielen Subventionen überwiegt der Mitnahmeeffekt.

  6. ftt
    17.07.2008 | 9:45

    Wäre es da zynisch zu sagen, dass man für diesen Anreiz inzwischen 0,7 % mehr Kind in Kauf zu nehmen bereit ist?

    Wenn die “Fertilitätsrate” tatsächlich von 1,33 auf 1,4 angestiegen ist, nimmt man nicht 0,7 %, sondern etwa 5 % mehr Kind in Kauf. ;-)

  7. R.A.
    17.07.2008 | 13:32

    Zitat aus Steven E. Landsburg, The Armchair Economist.

    Das Zitat war mir spontaner Anlaß, das Buch zu bestellen.
    Schön zu lesen …

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