9. Juli 2008
Wertlos
Wie sehen in einer Demokratie eigentlich Gesetze aus? Normalerweise ist es doch so, dass mit Gesetzen ein Verhalten sanktioniert wird, das die große Mehrheit grundsätzlich ablehnt und auch realiter nicht praktiziert. Gesetze haben also den Sinn, eine Minderheit zu einem Verhalten zu bewegen, das mit dem der Mehrheit in Übereinklang zu bringen ist.
So war das früher. Mit dem neuen Personenstandsgesetz, das schon dagny beim A’Team nicht ganz koscher vorkam, hat sich das erledigt.
Zettels Kommentator Kallias hat hier die Kommunikation von Bundesrat und Bundestag zu diesem Gesetz zusammengestellt. Und da lesen wir Erstaunliches:
Die Erfahrungen haben gezeigt, dass “andere in Deutschland vertretene Religionsgemeinschaften” trotz wiederholten Hinweises durch verschiedene deutsche Stellen nicht dazu bewegt werden konnten, ihre Eheschließungspraxis nach den §§ 67, 67a PStG auszurichten. Es sollte daher bei dem Wegfall der im Verhältnis zu den beiden großen Kirchen nicht erforderlichen und sonst offenbar wirkungslosen Vorschrift verbleiben.
Wenn also der Umstand, dass bestimmte Gruppen einer Bevölkerung sich nicht an Gesetze zu halten pflegen, zu einer gesetzlichen Anpassung an diese praktischen Gewohnheiten zu führen hat, welche Gesetze können wir dann eigentlich noch aufrechterhalten? Kann Herr Zumwinkel mit Freispruch rechnen? Wird Pädophilie legal, aber nur, wenn man sie über das Internet auslebt? Oder unterliege ich einem Irrtum? Geht es gar nicht um allgemeingültige Grundsätze, sondern wieder einmal nur um das Einknicken vor der Frechheit?
Sorry, aber die Abfolge war zu dicht, um nicht auch hierauf und darauf zu verweisen. Es scheint, als seien bestimmte Werte in unseren Gesellschaften nicht mehr umfassend gültig, also entsprechend “wertlos” geworden. Dabei dachte ich immer, Toleranz hieße nicht, Grundsätze zur Disposition zu stellen.
P.S.: Normalerweise lassen wir keine Kommentare zu, wenn wir im Wesentlichen auf die Beiträge anderer Blogger verweisen. Da Zettel aber seine Diskussionen in ein Forum ausgelagert hat, fahre ich lieber zweigleisig: Ich ermutige jeden Interessierten, sich in “Zettels kleinem Zimmer” zu registrieren und mitzudiskutieren. Aber wer das aus welchen Gründen auch immer nicht will, kann ausnahmsweise auch hier kommentieren. Meine Wenigkeit wird auf beiden Plattformen mitmischen.
Verfasst von Rayson um 00:13 Uhr in der Kategorie Grundsatzfragen, Politik (Trackback)
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