Inkonsequenz?

Die Freude über den natürlichen Tod eines Menschen, der Schutzbefohlenen wohl wirklich schlimme Dinge angetan hat, ist vielleicht nachvollziehbar, oder?

Wie weit ist es aber eigentlich, logisch betrachtet, davon ausgehend bis hin zur Bejahung der Todesstrafe?
Ist es inkonsequent, den natürlichen Tod eines Verurteilten zu bejubeln, das Töten desselben Menschen aber strikt abzulehnen?

Ich frage nur.


Auf die Idee gebracht durch diesen Beitrag.

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9 Kommentare zu “Inkonsequenz?”

  1. 9.07.2008 | 21:53

    Daraus eine Bejahung der Todesstrafe zu lesen, klingt für mich wie die Logik, dass man Mörder ja laufen lassen könnte, weil man ja so oder so stirbt.

  2. 9.07.2008 | 21:56

    Der Tod eines hingerichteten Mörders, Vergewaltigers, … ist für mich nicht belastend. Wohl aber der Umstand, dass sein Leben gewaltsam durch die Hand eines anderen Menschen – staatlich “legitimiert” – beendet wurde.

    Von daher sehe ich keine Inkonsequenz.

    PS.: Danke Boche für Aufklärung im vorherigen Post.

  3. 10.07.2008 | 1:13

    Ist es inkonsequent, den natürlichen Tod eines Verurteilten zu bejubeln, das Töten desselben Menschen aber strikt abzulehnen?

    Nein.

  4. 10.07.2008 | 4:43

    von wegen Inkonsequenz…

    ich persönlich freue mich sehr, wenn so jemand tot ist. einfach weil die Welt ohne ihn besser dran gewesen wäre und er jetzt endlich weg ist. …d.h. aber nicht, dass ich einem Staat das Recht zugestehen würde, seinen Tod herbeizuführen.

    …eben das ist doch aus liberaler Sicht das Hauptargument gegen die Todesstrafe: der Staat hat nicht das Recht, über Leben und Tod zu bestimmen.

    …aber selbst aus linker Sicht – etwa mit dem Argument der “Grausamkeit” – ist es nicht inkonsequent. zwischen einem natürlichen Tod und einer Hinrichtung besteht dabei nämlich ein enormer Unterschied.

  5. FG
    10.07.2008 | 7:30

    Wenn ein 88jähriger mensch eines natürlichen Todes stirbt, dann ist das ein ganz normaler alltäglicher Vorgang. Wenn seine Opfer eine gewisse Erleichterung oder Genugtuung verspüren, dann ist das eine menschlich nachvollziehbare Reaktion.
    Als Außenstehender ist es für mich wichtig, dass ein Straftäter die ihm nach dem Rechtssystem zustehende Strafe erhält und verbüßt. Dass der Straftäter irgendwann stibt ist trivial, ob das nun während der Haftzeit geschieht oder Jahre danach ist für mich völlig irelevant. Wenn man als Außenstehender aus der Tatsache, dass der Täter relativ Zeitnah zu seiner Verurteilung stirbt eine derartige genugtuung zieht, dann ist die Vermutung, dass er ihn am liebsten gleich von Staats wegen ins jenseits befördert hätte nicht wahnsinnig fern liegend. Insofern ist deine Frage nach der Inkonsequenz mit “Ja” zu beantworten, wenn der Blogautor sich ansonsten gegen die Todesstrafe ausspricht.

    Was mir neben dieser Frage beinahe noch mehr aufstößt ist die Bezeichnung als “Monster”. Damit versuchen viele Menschen, das Böse in eine andere Sphäre zu schieben. Dummerweise leben die meisten “Monster” bis zu ihren Taten oder bis zur Aufdeckung ihrer taten als stinknormale Menschen unter uns. Der Mensch ist als Mensch geboren mit der Freiheit “gut” oder “böse” zu handeln. Warum Menschen abstoßende Gewalttaten begehen kann zahlreiche Ursachen haben und ich bin gewiss nicht so naiv zu glauben, dass der Staat/die gesellschaft/wasweißichwer verantwortlich für die Taten ist. Aber zu glauben, dass “böse Menschen” keine Menschen sind mag das eigene Gewissen beruhigen, eine Lösung ist es aber bestimmt nicht.

    @ marc: warum ist das Argument der Grausamkeit eine “linke” Sicht? Ich kenne zahlreiche definitiv nicht linke Menschen, die sich diesem Argument ohne weiteres anschließen. Demgegenüber ist die Geschichte und auch die gegenwart voll von Linken (oder solchen, die sich so nennen), die mit der Todesstrafe überhaupt keine Probleme haben.

  6. 10.07.2008 | 10:17

    Danke für eure Anmerkungen!

    @Marc

    Dein Vergleich überzeugt mich nicht ganz. Denn das wichtige Merkmal ist hier meines Erachtens die Freude über den Tod.

    @Marvin

    Auch deine Anmerkung ist sicher richtig, berücksichtigt aber nicht die erwähnte Freude. Es geht ja nicht um die Frage, ob einen der Tod belastet oder nicht.
    Aber es wäre natürlich ein Argument (und das klinght ja hier allgemein an), dass man sich zwar über den Tod eines solchen Menschen freuen kann, dass die Vorstellung, der Staat würde diesen Tod herbeiführen aber an Schrecklichkeit die Freude mehr als überwiegt.

    @marc

    der Staat hat nicht das Recht, über Leben und Tod zu bestimmen.

    Aber er darf entscheiden, einen Menschen lebenslang wegzusperren. Auch nicht problemlos aus liberaler Sicht, oder?

    @FG

    Danke dafür, dass du meinen Gedankengang nachvollziehen konntest.
    Und für deinen Hinweis auf das Problematische der Benennung eines Menschen als “Monster” oder ähnliches. Damit hast du sicher Recht. Auch, wenn ich derartige Titulierungen für nachvollziehbar halte. Wenn man von der Grausamkeit eines Menschen entsetzt ist, dürfte Hass eine menschliche Reaktion sein.

  7. 11.07.2008 | 1:10

    Ich bin ein Gegner der Todesstrafe, wenn auch nicht in allen Fällen. Es mag zB durchaus historisch einschneidende Momente geben, in denen die Hinrichtung von Vertretern eines Mega-Massenmörderregimes richtig sein kann. Aber mir Inkonsequenz zu unterstellen, bloß weil ich mich angesichts des Ablebens einer Drecksau, die ihresgleichen unter den Verbrechern Europas erfolglos gesucht hat, nicht gerade gegrämt habe, halte ich für unfair.

  8. 11.07.2008 | 9:35

    Lindwurm, ich habe dir doch gar nichts vorgeworfen, da ich doch gar nicht wissen konnte, wie du zur Todesstrafe stehst. Ich habe deinen Beitrag doch nur als Anlass zu einem Gedankenspiel genommen.

  9. 12.07.2008 | 9:05

    Ist ja auch völlig ok ;-)

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