Noch eine Analogie

Steve McIntyre, der vor Jahren gemeinsam mit Ross McKitrick den Hockeystick – die Ikone des dritten IPCC-Berichts – “zersägte”, hat den mit Hilfe der Blogosphäre aufgedeckten Fall eines falschen Beweises der Riemann-Hypothese ganz genüsslich auf die aktuelle Klimaforschung angewendet. Sehr lesenswert!

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8 Kommentare zu “Noch eine Analogie”

  1. R.A.
    8.07.2008 | 16:30

    Sehr schön!

    Das ist halt das Problem mit “peer-review”.
    Grundsätzlich ist das eine sehr vernünftige und wissenschaftlich saubere Methode.
    Aber sie wird problematisch, wenn sich eine Clique von “Peers” gegenseitig reviewt.
    Wenn es um das graduelle Weiterentwickeln geht, funktioniert das prima.
    Aber bei grundsätzlichen Kontroversen wird es schwierig.

    Die großen wissenschaftlichen Durchbrüche à la Darwin oder Einstein wären wohl alle beim “Peer Review” durchgefallen …

  2. 8.07.2008 | 16:36

    Wie solche Netzwerke aussehen hat ja der sog. Wegman-Report gezeigt…

  3. 8.07.2008 | 16:52

    Das Problem hat mit Peer Review eigentlich nichts zu tun, sondern damit, dass verwendete Daten und Methoden nicht zugänglich gemacht werden. Selbst wenn der Li-Artikel in einem Journal erschienen wäre, hätte man immer noch den Fehler gefunden.

  4. Andreas Spengler
    8.07.2008 | 16:59

    Es ist wohl etwas vermessen, zu behaupten, der “Fall” des Beweisversuches der Riemannschen Vermutung durch Li sei durch die Blogosphäre “aufgedeckt” worden.

    Der Beweis der Poincare Vermutung durch Perelman erschien seinerzeit auch erst mal auf arxiv.org – nur der Titel des Artikels war damals nicht so reißerisch ;-)

    Dieser Preprint Server ist schlicht die bequemere Art, den fachkundigen Kollegen Preprints zukommen zu lassen. Und falls der Beweis korrekt gewesen wäre, wäre gleichzeitig der Nachweis erbracht gewesen, dass die Million der Clay Foundation Herrn Li zustünde…

  5. R.A.
    8.07.2008 | 17:13

    @Dirk:

    Das Problem hat mit
    Peer Review eigentlich nichts zu tun,

    Indirekt schon.
    Die übliche Argumentation ist ja, in den Fachzeitschriften könne man aus Platzgründen nur eine Kurzfassung mit den wichtigsten Ergebnissen veröffentlichen (was bei den Klimawissenschaften ja auch stimmt), und die inhaltliche Kontrolle wäre durch den Peer Review gesichert, die eigentlichen Ergebnisse müßten also nicht veröffentlicht werden.

  6. 8.07.2008 | 17:38

    @A.Spengler:

    “Aufgedeckt” ist vielleicht etwas übertrieben, denn Li hatte seinen Artikel ja explizit dem Fachpublikum vorgestellt. Doch hat die Blogosphäre dazu beigetragen, dass die Ungültigkeit des Beweises sehr rasch erkannt und veröffentlicht wurde. So muss Wissenschaft funktionieren…

  7. 8.07.2008 | 20:19

    @R.A.

    Okay, wenn die Autorität von Peer-Review verwendet wir um mangelnde Transparenz zu kompensieren, ist es in der Tat ein Problem.

  8. multi_io
    13.07.2008 | 18:49


    Die großen wissenschaftlichen Durchbrüche à la Darwin oder Einstein wären wohl alle beim “Peer Review” durchgefallen …

    What? Das ist ja nun so blödsinnig, wie’s nur geht. Glaubst du vielleicht, Einstein hätte seine Theorien jahrzehntelang heldenhaft gegen böse, etablierte Lehrmeinungen verteidigen müssen, bevor sie anerkannt wurden? Die Vorstellungen, die hier über den akademischen Wissenschaftsbetrieb zu herrschen scheinen, spotten ja wirklich jeder Beschreibung. Einstein hat seine Arbeiten, etwa die SRT (1905) publiziert, z.B. in den “Annalen der Physik”, ein (peer-reviewtes!) Fachjournal, und binnen kürzester Zeit fanden sich Kollegen, die die Theorie lasen, prüften und z.T. sogar weiterentwickelten (z.B. die geometrische Interpretation der SRT durch Minkowski (1907)). Noch “peer-reviewter” geht es nicht. Kein Jahr nach Veröffentlichung der ART fingen die ersten Kollegen (Schwarzschild insbesondere) an, Lösungen für die darin enthaltenen Feldgleichungen zu suchen, zu finden und zu veröffentlichen (einige der Lösungen (schwarze Löcher) erschienen sogar Einstein selbst so abgedreht, dass er sie zunächst skeptisch bis ablehnend beurteilte). Einsteins Bekanntheitsgrad in der Fachwelt stieg ab spätestens 1910 sprunghaft an und verschaffte ihm letztlich auch die Professorenstelle (außerplanmäßig, ohne Lehrverpflichtungen) am Kaiser-Wilhelm-Institut. Die ganze Entstehungsgeschichte der modernen Physik ist auch ein Beleg dafür, wie gut “Peer-Reviewing” und eine international zusammenarbeitende wissenschaftliche Community funktionieren und dabei durchaus nicht bloß “graduelle Weiterentwicklungen” produzieren, sondern eine ganze Wissenschaft auf neue Grundlagen stellen kann.

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