Es riecht nach Milchmädchen

Allein die Quelle rät schon zum Misstrauen: Wenn auf SPON merkwürdig klingende Berechnungen veröffentlicht werden, kann man ja schon mit einiger Sicherheit davon ausgehen, dass man es mit Mumpitz zu tun hat.

Kann mir das einer der mitlesenden Ökonomen vielleicht mal bestätigen? Das hier vom Herrn Krawinkel veranstaltete Vergleichsrechnen wirkt auf mich ziemlich unseriös.

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29 Kommentare zu “Es riecht nach Milchmädchen”

  1. 7.07.2008 | 18:34

    Ohne es zu Ende gelesen zu haben: vermutlich ist diese Vergleichsrechnung Mumpitz. Eins ist aber fakt: Sparlampe statt Glühbirne spart Energie. Clever ist der Haushalt, der Atomstrom für Energiesparlampen nutzt. Der spart den riesigen Betrag von 1,40 Euro pro Monat. ;)

    Aber man kann ja auch mal Energiesparen ohne das in Geld oder CO2 umzurechnen.

  2. 7.07.2008 | 19:21

    HA HA :-D

    …eine der besten Überschriften, die ich seit langem hier gelesen habe.

  3. Robert Z
    7.07.2008 | 19:31

    Die Rechnung ist vorne und hinten unsinnig. Der Effekt einer Laufzeitverlängerung von zehn Jahren wird auf 25 Jahre gemittelt und dann mit dem status quo verglichen, statt mit einem Szenario, indem Kernkraftwerke mit erheblich teureren Energiequellen ersetzt werden. Das Grundlastproblem (hier müsste man z.B. jede Menge Pumpspeicherkraftwerke bauen, um Windkraft zwischenzuspeichern, was teuer und wirkungsgradmindernd ist) und das Netzausbauproblem (Dezentrale Energieerzeugung braucht natürlich ganz anders strukturierte und also neu zu bauende Hochspannungsnetze) wird sicherheitshalber gleich ganz ignoriert. Und um die Zahl noch kleiner zu bekommen wird dann noch postuliert, daß eh nur 50% der Preisunterschiede an die Verbraucher weitergegeben werden.

    In der Öffentlichkeit scheint langsam ein Umdenken einzusetzen, angeregt vermutlich durch den geplanten Bau zahlreicher Kohlekraftwerke, steigender Energiepreise und der zunehmenden Isolation Deutschlands (von wegen ‘Vorbild’…).

    Ob ein Pro-Atom-Kurs politisch klug ist bezweifle ich aber, solange die Presse brennende Trafohäuschen außerhalb eines KKWs zum Fast-GAU aufgeblasen kann.

  4. 7.07.2008 | 19:33

    Es kann halt nicht sein, was nicht sein darf, richtig? ;)

  5. 7.07.2008 | 19:40

    Das werden wir ja sehen. Eine Frage ist eine Frage ist eine Frage.

  6. 7.07.2008 | 19:45

    Na, das ist ja keine normale Frage, sondern vielmehr eine Vermutung, für die Bestätigung verlangt wird. ;)

    Ich kann es jedenfalls nicht nachrechnen, wüsste aber spontan auch nicht, welches Interesse Herr Krawinkel vom Bundesverband der Verbraucherzentralen daran haben sollte, eine unwahre Behauptung aufzustellen. (Es sei denn natürlich, er ist SPD-Mitglied oder hält Altien von Windkraft-Anlagen.)

  7. 7.07.2008 | 19:55

    Ich weiß auch nicht, welches Interesse er an einer unwahren Behauptung haben sollte. Man sollte aber auch die Möglichkeit des Irrtums nicht verwerfen.

  8. 7.07.2008 | 19:56

    Ja, atemberaubender Mumpitz

    Der Anteil der Kernenergie an der Stromerzeugung entspricht in D 26%, an der Grundlastversorgung sogar fast 50 %. (und nicht 7%). Es ist anzunehmen, dass die Kernenergie sehr geringe variable Kosten hat (sobald das Ding einmal steht muss es nur noch gewartet werden. Uran ist verhältnismäßig billig). D.h. 26% des Stromes würden bei einer Verlängerung der Laufzeit so gut wie umsonst hergestellt werden können. Die Energieerzeugung macht etwa 20% der Stromrechnung aus (20 % von 15 Cent/kwh= 3 Cent). Also 26% mal 3 Cent/kwh macht eine Ersparnis von 0,75 Cent/kwH. Bei 300 kwh/Monat also 2,25 Euro/Monat oder ca. 5%.

    Zweitens dürfte der gegenwertige Strompreis nur so billig sein, weil Kernenergie drin enthalten ist. Mit mehr regenerativer Energie oder mehr Kohle (da müssen mehr C02 Zertifikate gekauft werden) dürfte der Steigen und damit billiger werden.

    Richtiger Mumpitz ist folgendes

    >>Bei heutigen Großhandelspreisen betrage der Preisvorteil von >>Atomstrom gut fünf Cent pro Kilowattstunde, von denen die Hälfte >>(2,5 Cent) an den Verbraucher weitergegeben werde.

    Die Atomkraftwerke sind aber schon gebaut! Da darf man die Produktionskosten eines Kernkraftwerkes nicht auf den Atomstrom umrechnen. Und wieso wird nur die Hälfte weitergeben?

    Abgesehen davon denke ich sind die Herstellungskosten von Strom pro kwH bei ca 3 Cent (wie oben berechnet). Wie kann dann der Vorteil bei 5 Cent liegen?

  9. 7.07.2008 | 20:00

    Unabhängig von ihrer jetzigen Größe wird die Differenz doch aufgrund rasant steigender Rohstoffpreise in Zukunft größer werden.

    So ohne wirklich Ahnung von der Sache zu haben, würde ich sagen: Große Investitionen in eher billige Kernkraft; große Investitionen in regenerative Energien, dem Zukunftsmarkt mit enormem Potential; schneller Subventionsabbau bei der Kohle.

  10. 7.07.2008 | 20:20

    Moment, wir dürfen natürlich nicht die Industrie vergessen. Die benötigt auch Strom und deren Stromrechnung wird über die Preise auf den Vernraucher umgelegt.

    2004 hat Deutschland ca 160.000 GwH Atomstrom produziert. Nehmen wir also diese Zahl als jährliche Produktionsmenge. Mit einer Ersparnis von Cent pro kWh macht das eine gesamtersparnis von 4,8 Milliarden Euro pro Jahr oder 5 Euro pro Bundesbürger pro Monat!

  11. 7.07.2008 | 20:21

    uups, sollte heissen: Mit einer Ersparnis von 3 (!) Cent/kwH.

  12. 7.07.2008 | 20:38

    Wobei ich jetzt ach den 5 Cent Ansatz nachvollziehen kann. 26 % des Stromes sind Atomstrom (und der kostet aus abgeschriebenen Kraftwerken fast nichts), der Rest kostet ca 5 Cent/kWh macht dann zusammen ungefähr die von mir verwendete 3 Cent.

    Rechnet man oben mit Produktionskosten von 5 Cent (eigentlich muss man ja 10 Cent nehmen, denn die Industrie schlägt beim Preis natürlich das doppelte auf so wie sie Ersparnisse nur zur Hälfte weitergibt (-:) erhält man 8 Milliarden Euro /Jahr oder 100Euro pro Bundesbürger und Jahr.

    Das ist meine endgültige Schätzung.

  13. der gute don
    7.07.2008 | 21:09

    Die Zahlen stimmen vorne und hinten nicht. Das KW Strom liegt bei Atomstrom deutlich (!) unter einem Cent und der volkswirtschaftliche Effekt, daß wir in Frankreich und Polen Atomstrom einkaufen sollte auch nicht unberücksichtigt bleiben. Natürlich kaufen wir den nämlich massiv ein und wir zahlen handelsübliche Atomstrompreise.

    Zu behaupten nur die Hälfte der Ersparnis kommt beim Verbraucher an, rundet das Bild natürlich ab.

  14. 7.07.2008 | 21:31

    Der Mann ist die absolute Pappnase:

    Zunächst verteilt er die Stromproduktion einer verlängerten Restlaufzeit gleichmäßig über den gesamten Zeitraum, was ziemlicher Blödsinn ist, selbst wenn die gesamte Strommenge stimmen sollte. Die zeitliche Verteilung der Restlaufzeiten ist aber über so lange Zeiträume extrem wichtig, da sie einen sehr hohen Einfluss auf den Barwert der Ersparnisse über den Rechnungszeitraum hat. Dann wird der Einspareffekt von 5 Cent einfach mal durch zwei geteilt. Gut, der Mann ist Verbraucherschützer, aber er sollte nicht vergessen, dass zusätzlich Gewinne von Energieversorgungsunternehmen auch Gewinne der Gesamtwirtschaft sind. Es könnte ja sein, dass einer der von ihm vertretenen Verbraucher auch Aktionär eines Betreibers einer Kernkraftanlage ist.

    Der Vergleich mit der Energiesparlampe ist dabei vollkommen an den Haaren herbeigezogen. Sparen kann der Stromkunde immer, auch wenn die Atomenergie weiter in den Haushalt kommt. Das eine hat nichts mit dem anderen zu tun. Man könnte die höheren Stromkosten auch mit dem Verzicht auf ein Bier oder andere Dinge gegenfinanzieren. Auch sind die Annahmen für diese Rechnung noch dürftiger dokumentiert. Schließlich kommt es bei den Energiesparlampen extrem darauf an, wo und wie lange man sie betreibt und wie oft sie an und aus geschaltet wird. So ist das vieldiskutierte Verbot von klassischen Glühbirnen die absolute Verschwendung, wenn man allein an die Glühlampe im selten benutzen Keller etc. denkt.

    Fakt ist, dass angesichts der internationalen Erfahrungen mit dem Betrieb von Atomkraftwerken und der technologischen Entwicklung auch bei der Sicherheitstechnik kein ideologisches Argument ausreicht, willkürlich einen Atomausstieg zu forcieren. Natürlich sollte sich die Bundesregierung genau überlegen, ob es sinnvoll ist die Branche in irgend einer Form weiterhin zu subventionieren. Anspruchsvolle Sicherheitsstandards für den Anlagenbetrieb und die Lagerung des atomaren Abfalls, vernünftige Haftungsregeln, das sind die Handlungsgrössen des Staates. Die Legitimation eines Verbots lässt sich aber mit Milchmädchenrechnungen nicht überzeugend bewerkstelligen. Es sei denn man ist Spiegel-Leser und legt Wert darauf, seine Vorurteile bei der Frühstückslektüre gepflegt bestätigt zu bekommen.

  15. 7.07.2008 | 21:57

    @SteffenH

    Wir dürfen vor allem die Industrie nicht vergessen, die ja bekanntlich auch nicht ohne Strom auskommt und die Kosten auf die Preise aufschlägt.

  16. 7.07.2008 | 21:59

    @Dirk:

    Natürlich.

  17. 7.07.2008 | 22:02

    @SteffebH

    Und natürlich schlägt sie die doppelt auf, denn Einsparungen werden ja auch nur zur Hälfte weitergegeben (-:

  18. Buenavista
    8.07.2008 | 0:11

    Sind auch 25000 Jahre Endlagerkosten mit drin, oder gehen uns die nichts an?

  19. 8.07.2008 | 9:30

    @Buenavista

    Ich vermute, diese Kosten lässt man aus Gründen der Vereinfachung bei der Betrachtung weg.
    Denn sonst müsste man die Milliarden Tonnen in die Atmosphäre geblasener Abfallgase aus der Kohle- und Holzverbrennung auch in Euro umrechnen.
    Ganz zu schweigen von Dingen wie zum Beispiel dem abgesenkten Rheintal, das auf immer und ewig Pumpaufwände benötigt, um kein Binnenmeer zu werden.
    Und was “kosten” die vielen Tonnen durch Windräder geschredderter Fledermäuse?

    Alles viel zu komplex, um das auf einfache Nenner zu bringen, bei denen ein einfaches Ergebnis am Ende steht.

  20. stefanolix
    8.07.2008 | 9:46

    Am schlimmsten sind die Folgen des Abbaus der Braunkohle im Tagebau. Mit Milliardenaufwand versucht man eine Renaturierung und bekommt doch nur eine Retortenlandschaft.

    Man darf auch nicht vergessen, dass heute noch ganze Dörfer umgesiedelt werden, um Platz für den Abbau der Braunkohle zu schaffen. Spektakulär war das Umsetzen einer historischen Dorfkirche im vergangenen Jahr — aber kaum jemand hat sich für das Umsetzen der Dorfbewohner interessiert.

  21. 8.07.2008 | 9:56

    Ja, die Folgen des Braunkohleabbaus habe ich auch noch in Erinnerung. Schließlich habe ich die ersten Jahre meines Lebens in Espenhain verbracht. Und dort war es buchstäblich so, dass die benachbarten Dörfer ringsherum weggebaggert wurden.

  22. Frank Martin
    8.07.2008 | 10:47

    Ich bin etwa 1994 mit dem Fahrrad durch das geräumte Breunsdorf und danach durch das noch kämpfende Heuersdorf gefahren. Gespenstisch und bedrückend, die Atmosphäre. Die Nichtachtung des Eigentums ermöglicht Fürchterliches. Auch aus Talsperren hervorschauende Kirchtürme lassen mich immer wieder erschaudern. Gleichwohl bin ich froh, dass eine kleine Talsperre mein Grundstück seit über 30 Jahren vor Hochwasser schützt.

  23. 8.07.2008 | 11:29

    @Boche:
    “Und was “kosten” die vielen Tonnen durch Windräder geschredderter Fledermäuse?”
    Als ob Dich die Fledermäuse scheren würden, wenn deren Nester für ein AKW weichen müssten. ;-)

  24. 8.07.2008 | 11:47

    @Marc

    Der Buena hat doch damit angefangen, Herr Lehrer!
    ;-)

  25. stefanolix
    8.07.2008 | 12:00

    Ich bin sicher, dass die »Umweltschützer« bei jeder Baustelle genauer hinschauen als bei einem Windrad;-)

    Hier in Dresden wurde ja eine Fledermausart für den Kampf gegen den Bau einer Brücke instrumentalisiert. Der Widerstand gegen diese Brücke ist aus ästhetischen Gründen unbedingt berechtigt, die Fledermaus würde allerdings nach menschlichem Ermessen dadurch überhaupt nicht beeinträchtigt.

  26. 8.07.2008 | 12:26

    @stefanolix

    Deine Aussage beruht aber auf einer gewissen Ignoranz gegenüber den möglichen ästhetischen Gefühlen der Fledermäuse. ;-)

  27. stefanolix
    8.07.2008 | 13:01

    Fledermäuse sind nachtaktiv und sehen nicht besonders gut. Ich bezweifle, ob sie nachts mit der Echoortung die Brücke in ihrer ganzen Hässlichkeit wahrnehmen können ;-)

  28. 10.07.2008 | 19:21

    Laut TAZ haben “Experten” ausgerechnet, dass eine Verlängerung um 8 Jahre zusätzliche 65 Mrd in die Kassen der Energiekonzerne spülen würden.

    Lustig, denn mit meiner Schätzung von 8 Milliarden pro Jahr kann ich dann als “Experte” gelten. Als solcher weiss ich aber, dass dies keine Gewinne bleiben, sondern an den Verbraucher weitergegeben werden. Zur Not kann der Staat ja weitere Restlaufzeiten versteigern (-:

  29. 13.07.2008 | 11:04

    Aber durch AKWs wird der Strom auch nicht billiger. An der Strombörse bestimmt nicht das günstigste, sondern das teuerste Kraftwerk den Preis.

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