EM-Notizen, Halbfinale 1 – zeitnahes Bloggen

1. Halbzeit

Die Türkei war über weite Strecken die bessere Mannschaft und ging verdient in Führung, obwohl das Tor selbst reichlich kurios zustande kam. Aber es hätte wenige Minuten früher viel weniger kurios fallen müssen – da war noch die Latte im Weg.

Das deutsche Team leidet daran, dass die Türken Ballack weitgehend ausschalten. Vielleicht wäre Frings anstelle des heute etwas unsicher wirkenden Rolfes die bessere Wahl für die 2. Hälfte.

Ich meine, gegen Ende der Halbzeit bei den Türken ein etwas nachlassendes Engagement beobachtet zu haben. Aber das kann täuschen.

2. Halbzeit

Meine Prophezeihung aus der 1. Hälfte hat sich bewahrheitet, aber sehr relativ. Tatsächlich nahmen die Türken in der 2. Hälfte etwas Dampf raus, so dass sich ein überwiegend ausgeglichenes Spiel entwickelte. Zwar kam die Türkei nach Kloses Treffer noch einmal zurück, doch reichte es eben nicht mehr für die allerletzten Minuten wie noch in den Spielen zuvor.

Großartige Unterschiede waren heute nicht zu betrachten, allerdings ist auch klar, welche Mannschaft ihr Potenzial wie weit ausgereizt hat. Das deutsche Team kann viel mehr. Dennoch: Heute standen zwei gleichwertige Mannschaften auf dem Platz. Und ich hoffe, das wird in den Fanmeilen im Lande auch so gewürdigt werden.

P.S.: Man wird es kaum glauben, aber ich bin bereit, es zu beschwören: Meine Liebste hatte das 3:2 getippt.

Ähnliche Beiträge


19 Kommentare zu “EM-Notizen, Halbfinale 1 – zeitnahes Bloggen”

  1. stefanolix
    25.06.2008 | 23:00

    Wir haben es geschafft! Und drei wirklich gute Spieler der WM 2006 schießen uns ins Finale. Einfach schön!

  2. Parker8
    25.06.2008 | 23:56

    Großartige Unterschiede waren heute nicht zu betrachten

    Das kann man nun wirklich nicht sagen. Germany barely deserved the victory

  3. 26.06.2008 | 0:04

    Englische Sportberichterstattung ist natürlich die denkbar objektivste Quelle wenn es um deutsche Fußballspiele geht. ;)

  4. Schmock
    26.06.2008 | 0:31

    Ist deutsche Berichterstattung da objektiver?

  5. 26.06.2008 | 0:32

    @Parker8

    Was “man” sagt, ist mir hier schnurzpiepe.

  6. DDH
    26.06.2008 | 10:58

    Die von der bürgerlich-konservativen Presse wie in einem Mantra fast schon beschworenen eskalierenden Gewaltausbrüche türkischer Migranten nach dem gestrigen Spiel sind ausgeblieben. Die Türken haben nicht nur über weite Strecken auf dem Rasen überlegener gespielt (am Ende fehlte ihnen die Fortune) – sie waren auch anschließend bemerkenswert faire und fröhlich deutschlandfähnchenschwingende Verlierer. Respekt!

    Danebenbenommen haben sich stattdessen – suprise, surprise – wildgewordene Teutonen in Dresden, Chemnitz, Köln und Hannover. Bin mal gespannt, wie uns Kaspar Rosenbaum und der gesamte rechtslibertäre Narrensaum das wieder zurechtdeuten werden. Bestimmt war auch das Abfackeln von Dresdner Dönerbuden nur ein legitimes Aufbegehren gegen die verklemmten Denkverbote der von den 68ern oktroyierten Political Correctness… Oder so ähnlich.

  7. stefanolix
    26.06.2008 | 11:25

    Der Lokalpresse kann man heute morgen entnehmen, dass [möglicherweise ortsfremde*] Randalierer das Szeneviertel in Dresden-Neustadt überfallen haben. Die Döner werden dort meist in richtigen Bistros oder Kneipen verkauft. Es wurden keine Dönerbuden angezündet, sondern Scheiben eingeworfen. Die Polizei hat offenbar hart durchgegriffen und es bleibt zu hoffen, dass die Gerichte möglichst bald und möglichst konsequent urteilen werden.

    [*] die traditionell linke und grüne Neustadt wurde in den letzten Jahren schon einige Male von rechten hooligan-artigen Gruppen angegriffen. Meist ist es dort aber sehr friedlich und es gibt ein sehr lebendiges Nachtleben. Die Gaststätten werden von Wirten aus vielen Nationen betrieben. Das Zusammenleben der Leute klappt wirklich gut. Die Neustadt ist ein Ort, an dem Ausländer normalerweise keine Angst haben müssen.

  8. DDH
    26.06.2008 | 11:48

    @stefanolix: Danke für die Korrekturen! Ging mir – als gebürtigem Leipziger – auch nicht um wohlfeiles Ossiland-Bashing (deswegen erwähnte ich ja gleichermaßen die Vorfälle in Ost wie West), sondern um die verlogene und z.T. geschürte Erwartungshaltung eines Teils der deutschen Medienöffentlichkeit (und eines nicht unmaßgeblichen Teils der “Libersphäre”) betreffs der Migranten.

    In diesen Komplex gehört auch das Faktum, daß die in Polen angestachelten antideutschen Ressentiments zu Beginn der EM ein Blatt aus dem Hause Springer zur verantworten hatte. Worüber sich dann ein deutsches Boulevardblatt aus jenselbigem Verlag aufreizend empören durfte.

  9. Ben Czerny
    26.06.2008 | 13:14

    Freut mich, dass Ihr Spaß am gestrigen Spiel hattet!
    (Hier bitte keinen Sarkasmus reinlesen).

    Ich war gestern schon kurz davor, zum Beitrag “Dicke Spießer” anzumerken, wie wahr der Ausspruch panem et circenses, Brot und Spiele auch heute noch ist. Beim Fußball passt er aber noch besser.

    Das ständige Hineinzoomen in’s deutsche Politiker-Gruselkabinett könnte man zwar mit Öffentlichem Interesse begründen, kritischere Beobachter würden das aber eher als “Hofberichterstattung” werten.

    Und die von einigen Liberalen gern gescholtene Fiktion des Staates geht natürlich auch gestärkt aus derartigen Großveranstaltungen hervor, die so wunderbare Projektionsflächen bieten. Ob sich der Fernsehgenuss dann nur bei solchen Liberalen eingestellt hat, die den Staat als Garanten wichtiger Grundfreiheiten akzeptieren?

    Machen wir uns aber nichts vor. Die konkrete Sportart ist völlig austauschbar. Wenn Politiker bei uns Fußballmetaphern bemühen, erfüllt das denselben Zweck, wie z.B. Bezugnahmen auf Eishockey in Kanada.

  10. 26.06.2008 | 13:30

    @Ben

    Beim Politiker-Heranzoomen und der Hofberichtserstattung gebe ich dir Recht.
    Im vorletzten Absatz verwechselst du meiner Ansicht nach aber vielleicht Staat und Nation, oder?

  11. Ben Czerny
    27.06.2008 | 1:30

    @Boche

    Ich denke, eine genaue, vollständige und nachvollziehbare Abgrenzung von Staat und Nation ist nicht einfach zu leisten.
    Anders gesagt: da die Begriffe fürs große Publikum ohnehin in einander fließen glaube ich mich vor der Definitionsarbeit drücken zu können.

  12. 27.06.2008 | 9:30

    Du darfst glauben und dich drücken. ;-)
    Ich meine aber, dass der Unterschied durchaus besteht. Auch, wenn eine obrigkeitshörige Nation wie Deutschland zur Gleichsetzung tendiert.

  13. Ben Czerny
    27.06.2008 | 10:05

    “Ich meine aber, dass der Unterschied durchaus besteht.”

    Zustimmung. :-)

  14. Michel
    27.06.2008 | 11:30

    @ Ben: Die Definition ist doch allgemeinbekannt: die Nation ist ein bestimmtes Volk, dass entweder wegen ihrer Gemeinsamen Kultur zusammengefasst wird (Kulturnation) oder weil sie Eigentum (unrechtmäßiges natürlich)eines bestimmten Staates sind (Staatsnation).
    Der Staat ist ein Konglomorat von Organisationen, die von jenen unterhalten werden, die Kontrolle über das Gewaltmonopol haben.

  15. Ben Czerny
    27.06.2008 | 18:33

    @Michel
    Es gibt dicke Bücher zu diesem Thema und du darfst mir glauben, es wird umso komplizierter, je tiefer man sich einliest.
    Lexika-Definitionen habe ich selber im Schrank.

  16. Michel
    27.06.2008 | 18:51

    @ Ben: “Es gibt dicke Bücher zu diesem Thema und du darfst mir glauben, es wird umso komplizierter, je tiefer man sich einliest.”

    Das glaube ich dir, Kategoriefehler zerstören jede Klarheit der Argumentation. Deswegen lesen sich linke Puplikationen auch so beschissen.

  17. Michel
    27.06.2008 | 18:52

    Ps: Wäre aber auch schön, wenn es Lexika-Definitionen mit libertären Einschlag geben würde.

  18. ftt
    27.06.2008 | 19:52

    Die von der bürgerlich-konservativen Presse wie in einem Mantra fast schon beschworenen eskalierenden Gewaltausbrüche türkischer Migranten nach dem gestrigen Spiel sind ausgeblieben.

    Ich lese zwar nicht DIE bürgerlich-konservative Presse, aber in den (deutschen) Vorberichterstattungen, die ich gelesen habe (v.a. FAZ), war die Panikmache anscheinend so gut getarnt, dass ich sie nicht bemerkt habe.

    Aus meiner trivialen Alltagsevidenz möchte ich aber noch hinzufügen, dass ich zwar vor diesem Spiel keine Probleme erwartet habe, mich solche “Vorfälle” auf Grund eher unangenehmer persönlicher Erfahrungen dennoch nicht wrklich überrascht hätten.

    In Basel, wo ich geschaut habe, haben übrigens lediglich ein paar Schweizer rumgestresst. ;-)

  19. ftt
    27.06.2008 | 19:55

    Und zurück zum Essentiellen:

    Ich hätte mir für die EM nicht zu träumen gewagt, dass Schweini wieder in so eine Form kommt. Sein Portugalspiel war absolute Weltklasse und gegen die Türken war er auch ganz stark dabei.

Bad Behavior has blocked 1554 access attempts in the last 7 days.