Das heilige Eigenheim

Paul Krugman stellt heute in der New York Times eine berechtigte Frage:

But here’s a question rarely asked, at least in Washington: Why should ever-increasing homeownership be a policy goal?

Auch nach Ende der Eigenheimzulage genießt der Eigenheimbesitz in Deutschland den politischen Status einer heiligen Kuh. Dementsprechend wird der Bau und der Erwerb des selbstgenutzten Wohnraums weiterhin gefördert. Dabei ist der Eigenheimbesitz über den Nutzungszeitraum allein aus ökonomischen Gründen oft die günstigere Alternative gegenüber der gleichwertigen Mietwohnung, schließlich spart man sich als Wohnungsbesitzer die Risikoprämie, die ein Vermieter der Miete aufsattelt, weil er davon ausgehen muss, dass Mieter mit der Wohnung weniger pfleglich umgehen wie Eigenheimbesitzer. Ganz zu schweigen von den Kosten, die man als Mieter aufgrund der Mietrechtsregulierung langfristig trägt. Allein wegen dieses Kostenvorteils wäre eine Förderung des Eigenheims nicht nötig.

Krugman nennt entsprechend auch einige Gründe, die in bestimmten Fällen gegen den Eigenheimbesitz sprechen. Höhere finanzielle Risiken und sinkende Mobilität können für manche Haushalte zu einem Problem werden, dass ihnen im Zweifel erspart geblieben wäre, hätte die staatliche Förderung ihnen nicht einen zusätzlichen Anreiz zum Eigenheimerwerb gegeben.

Die eigenen vier Wände können, aber müssen nicht die beste Altersvorsorge sein. Also gibt es kein Grund für die Politik hier mit Fördermitteln nachzuhelfen. Schon gar nicht, wenn man sich später über die unerwünschten Folgen wundert.

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14 Kommentare zu “Das heilige Eigenheim”

  1. 23.06.2008 | 16:48

    Ein eigenes Heim ist das Symbol für Aufstieg in die Mittelklasse schlechthin. Es gibt schlimmere Förderprogramme.

  2. FG
    23.06.2008 | 17:01

    Also dass ich mal Steffen Haltung zu einer mehr als fragwürdigen Subvention gegen Dirk verteidigen muss, das hätte ich kaum für möglich gehalten ;-)
    Dirk, die Tatsache, dass es schlimmeres gibt ist so ziemlich das schlechteste Argument, dass man sich zur Verteidigung ausdenken kann. Es gibt mit Sicherheit auch Schlimmeres als die SED, Hautkrebs oder den FC Bayern.

  3. 23.06.2008 | 17:29

    @FG

    ich will die Eigenheimförderung gar nicht verteidigen, sondern nur begründen warum sie eine “heilige Kuh” ist.

    Dass es schlimmeres gibt, macht sie zwar nicht besser, aber den Kampf für deren Abschaffung teurer. Im Sinne von Opportunitätskosten.

  4. 23.06.2008 | 17:37

    @Dirk:

    Die Opportunitätskosten der Förderung sind all die Probleme, die durch eine Besteuerung der Leute zur Finanzierung der Förderung entstehen und die Probleme, die die Förderung für die Besitzer der Eigenheime verursacht. Diese Opportunitätskosten sind mit Sicherheit größer, als die der Abschaffung der Förderung. Ich muss allerdings dazu sagen, dass ich die Situation nicht aus der Position eines Nutznießers der Förderung, sondern aus der Perspektive eines Bürgers betrachtet, der sich weigert dieses Umverteilungsspielchen irgendwie zu rationalisieren.

  5. F.Alfonzo
    23.06.2008 | 17:58

    …und das konsequente Gegenstück zur Eigenheimförderung ist die Erbschaftssteuer; damit wäre dann der Gipfel der Absurdität erreicht.

    P.S.:
    Es gibt ja durchaus Ökonomen, die auf der Suche nach der “am wenigsten wohlfahrtsschädigenden” Staatsfinanzierung eine Steuer auf Eigenheimbesitz (bzw. -eigentum) fordern, der geringen Elastizitäten wegen.

  6. 23.06.2008 | 19:15

    Die Opportunitätskosten der Abschaffung der Eigenheimzulage sind die langwierige öffentliche Diskussion und die mühselige Überzeugungsarbeit, die zu leisten wäre, und die verhindert, dass man in der gleichen Zeit einige andere, schlimmere, Subventionen streicht. Agrarsubventionen z.B.

  7. 23.06.2008 | 19:28

    Sehr treffend beobachtet. Die Eigenheimförderung ist teuer und ökonomisch vollkommen unsinnig. Welche Art von Vermögen gebildet wird, braucht vom Staat nicht mit Subventionen beeinflusst zu werden. Eine Rolle spielen nicht nur direkte Subventionen wie die Eigenheimzulage, sondern auch steuerliche Anreize. Der Zinsertrag selbstgenutzten Wohneigentums braucht, anders als bei Kapitalmarktanlagen, nicht versteuert zu werden, was zu ineffizienter Allokation führt. Neben den genannten Problemen fördert man auch noch die Zersiedelung der Landschaft, der man mit dem dann notwendigen Straßenbau auch noch Geld hinterherwerfen muss.

    Ich erinnere mich an eine Anekdote, die mir zugetragen wurde. Demnach hatte der Adenauer damals die Eigenheimförderung mit dem Argument eingeführt, wer ein eigenes Haus habe, wähle nicht die Kommunisten. Stimmt heute wahrscheinlich auch nicht mehr..

  8. 23.06.2008 | 19:33

    @Holger

    Die Leute mit den dicksten Eigenheimen sind heute die Kommunisten ;-)

  9. 23.06.2008 | 19:33

    @Dirk

    da die Agrarsubventionen zu einem nicht unbeträchtlichen Teil auf europäischer Ebene festgelegt werden, ist es vermutlich einfacher, in Deutschland eine Kopfsteuer einzuführen als in dieser Frage auch nur ein Iota voranzukommen. Bevor wir auch nur einen Minimalkompromiss mit französischen und polnischen Bauern hinbekommen, haben wir die Eigenheimsubvention fünfmal abgeschafft.

  10. Eloman
    23.06.2008 | 19:46

    So groß kann der Anteil der Steuereinnahmen, der in die Eigenheimzulage fließt, wohl nicht sein. Sonst hätte Deutschland nicht eine der niedrigsten Raten an Wohneigentum in Europa.

  11. tigger
    23.06.2008 | 19:48

    Puh, bin seit diesem Jahr in Eigenheimbesitz :) Jetzt dürft ihr sie abschaffen.

  12. Florian
    23.06.2008 | 21:26

    Holger:
    “Der Zinsertrag selbstgenutzten Wohneigentums braucht, anders als bei Kapitalmarktanlagen, nicht versteuert zu werden”

    Wäre ja auch noch schöner! Denn diesen Zinsertrag gibt es ja nur als kalkulatorischen Ertrag. Und kalkulatorischer Ertrag (und umgekehrt auch kalkulatorischer Aufwand) wird in der deutschen Steuersystematik nie berücksichtigt.

    Außerdem ist umgekehrt bei selbstgenutzen Immobilien ja auch der Zinsaufwand nicht abzugsfähig.

    (Und: ja, ich weiß dass das in der ansonsten so steuereffizienten Schweiz anders geregelt ist).

  13. 23.06.2008 | 21:33

    In den USA auch, wenn sich in den letzten 20 Jahren nichts geändert hat ;-)

  14. 23.06.2008 | 22:27

    Und kalkulatorischer Ertrag (und umgekehrt auch kalkulatorischer Aufwand) wird in der deutschen Steuersystematik nie berücksichtigt

    Offenkundig künftig doch.

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