Warum gibt es so wenig Ingenieurinnen?

Ich hab mal meine Freundin gefragt: Weil Frauen eitel sind und unter keinen Umständen so rumlaufen wollen, schon gar nicht in einer Werkhalle voller Männer. Ok, ok, bevor es Senge gibt, es gibt noch andere triftige Gründe…

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26 Kommentare zu “Warum gibt es so wenig Ingenieurinnen?”

  1. Florian
    18.06.2008 | 12:52

    meine Theorie (für die ich aber wahrscheinlich auch als Macho verprügelt werde) ist eher ökonomisch fundiert:

    Ein Ingenieurstudium ist vergleichsweise hart und anstrengend – allerdings eröffnet es als Ausgleich auch relativ gut bezahlte Karrieremöglichkeiten.
    Im Vergleich dazu, sind viele “softe” Magisterstudiengänge (Germanistik etc.) relativ angenehm.
    Es ist einfach “netter” über ein Buch zu philosphieren als Logartithmen zu berechnen.
    Allerdings wird der durchschnittliche Germanistik-Absolvent auch relativ schlechter bezahlt.

    Es gibt hier nun also eine Abwägung.

    Diese Abwägung wird umso eher Richtung Ingenieurstudium fallen, je höher man den Barwert der besseren Karrieremöglichkeiten einstuft.

    Nun ist dieser Barwert allerdings bei Männern im Schnitt höher.
    Auch wegen des nach wie vor bestehenden Gehaltsunterschieds.
    Aber vor allem auch wegen der unterschiedlichen Familienplanung.

    Eine Frau, die damit rechnen kann, nach dem Studium ihren Beruf nur wenige Jahre auszuüben, bevor die “Familienphase” kommt, hat einfach weniger Grund, sich durch ein mühsames Studium zu quälen als ein Mann, der davon ausgehen kann, dass er die Früchte dieses Studiums die nächsten 30 oder 40 Jahre ernten wird.

    Logischerweise gibt es von dieser Regel auch Ausnahmen.
    Insbesondere gibt es Frauen, die gar keine Familienphase planen.
    Allerdings ist auch bei diesen die Familienphase zumindest mit einer gewissen prozentualen Wahrscheinlichkeit eben doch Teil des Kalküls.

  2. FG
    18.06.2008 | 13:05

    Was ein Glück, dass das unter “Humor und Satire” steht. Wenn man mal die Schmalspurempirie mit der Google-Bildersuche bemüht, dann zieht die “Volkswirtin” gegenüber der “Ingenieurin” doch eher den Kürzeren…

  3. 18.06.2008 | 13:14

    Man könnte auch fragen, warum es so viele Lehrerinnen gibt…

    Es scheint mir ziemlich offensichtlich, dass Frauen sich deutlich mehr für Berufe interessieren, in denen der Umgang mit Menschen im Vordergrund steht oder wo Kreativität gefragt ist, während Männer sich mehr für abstrakten Technikkram begeistern. Alles cum grano salis mit sicher zahlreichen Gegenbeispielen natürlich, und ohne irgendwelche Aussagen darüber, wie weit diese Vorlieben jetzt angeboren oder erlernt sind.

  4. 18.06.2008 | 13:20

    Im Vergleich dazu, sind viele “softe” Magisterstudiengänge (Germanistik etc.) relativ angenehm.
    Es ist einfach “netter” über ein Buch zu philosphieren als Logartithmen zu berechnen.

    Beleg mal ein ordentliches Linguistik-Seminar, da schlackerst Du aber auch mit den Ohren. ;)

  5. 18.06.2008 | 13:25

    @FG:

    Eine Volkswirtin kann aber wenigstens noch die Garderobe wählen, die Ingenieurin nicht. Es könnte ja sein, dass weniger hübsche Frauen eher Berufe ergreifen mit denen sie selbst Geld verdienen können, statt sich auf das Einkommen einer “guten Partie” zu verlassen.

  6. R.A.
    18.06.2008 | 13:47

    Daß sich die hübschen Frauen darauf verlassen, eine “gute Partei” zu machen – das halte ich für antiquiert. Das dürfte nur noch in Ausnahmefällen so sein.

    Es ist auch m. E. weniger die Familienpause, die bei der Planung von Studium und Beruf so reinschlägt.

    Ich gebe Florian zwar recht, daß Kosten-Nutzen-Abwägungen eine zentrale Rolle spielen.
    Aber der Knackpunkt ist ein anderer.

    Wenn man nur für sich plant, dann reicht auch ein “softes” Studium für ein auskömmliches Gehalt.

    Was aber viele Männer einplanen – und Frauen, selbst emanzipierte, überhaupt nicht – das ist die Notwendigkeit, alleine eine ganze Familie durchzubringen.

    Um das zu ermöglichen, bringen Männer schon im Studium und später im Beruf viele Opfer bzw. akzeptieren schwierigere Bedingungen mit weniger Möglichkeiten, Neigungen nachzugehen.

  7. 18.06.2008 | 14:04

    @R.A.:

    Das war auch mehr eine angemessene Reaktion auf FGs übliche Stichelei. ;-) Ich hab leider gerade wenig Zeit, um in der Kommentarsektion die Humor&Satire-Funktion abzuschalten. Hier Übrigens nicht unpassend dazu:

    “In the culture of the high school, the girls don’t want to look too nerdy,” said Henry Kepner, a former math teacher who is president of the National Council of Teachers of Math.

  8. 18.06.2008 | 14:05

    Wenn man als Alleinverdiener eine Familie ernähren will, braucht man ein ordentliches Gehalt, das ist schon richtig; wenn die Frau jedoch mitarbeitet, dann reichen auch zwei “normale” Gehälter. Und ich persönlich finde das um einiges zeitgemäßer, wenn sich beide Ehepartner zu gleichen Teilen am Finanziellen beteiligen.

    Allerdings kann ich mir nicht vorstellen, dass man ein Studium, das man nur deshalb beginnt, weil es die besten Verdienstmöglichkeiten in Aussicht stellt, auch wirklich erfolgreich zum Abschluss bringen wird. Es ist meiner Meinung nach durchaus sinnvoller, das zu studieren, wofür man sich interessiert – wenn das Maschinenbau ist, ist es eben Maschinenbau, wenn es Geschichte ist (wie bei mir), dann ist es halt Geschichte. Ein Studium pauschal als “soft” zu bezeichnen, weil man ein paar blöde Vorurteile nicht ablegen kann, finde ich allerdings ziemlich absurd. Aber nuja. :)

  9. 18.06.2008 | 14:14

    @Christian:

    Ich kann dir nur zustimmen, auch ich finde die normativ aufgeladene Debatte über die angebliche Notwendigkeit von mehr Frauen in Ingenieurberufen ziemlich daneben. Allerdings ist eine entspannte Diskussion über mögliche Ursachen sehr spannend.

  10. R.A.
    18.06.2008 | 14:35

    @Christian:

    Und ich persönlich finde das um einiges zeitgemäßer, wenn sich beide Ehepartner zu gleichen Teilen am Finanziellen beteiligen.

    Sehe ich auch so.
    Und wahrscheinlich sieht das eine breite Mehrheit (der Jüngeren) so.

    Aber noch sieht die Realität anders aus, daran orientieren sich die Leute – und stabilisieren damit die alte Arbeitsteilung.

    Das heißt konkret: Sehr viele Männer richten sich der Studien-/Berufswahl darauf ein, im Zweifelsfall eine komplette Familie alleine ernähren zu müsen. Die Arbeitsteilung wie von Dir vorgeschlagen wäre ihnen vielleicht lieber – aber sie können sich nicht darauf verlassen, daß das klappen wird.
    Also stellen sie diverse andere Kriterien zugunsten von Verdienstmaximierung zurück.

    Bei Frauen findet sich dieser Aspekt überhaupt nicht. Karrierechancen und Verdienst sind ihnen natürlich auch wichtig – aber wirklich keine einzige Frau stellt sich darauf ein, sich mit gutem Einkommen für einen Mann attraktiv zu machen und diesen dann plus Kinder durchzufüttern.

    Und wenn dann Jahre später die konkrete Familienplanung ansteht, stellen eben sehr viele Paare fest, daß das Einkommen des Mannes höher ist und für die Familie reicht – und das der Frau eher nicht. Und schon sind sie dann bei der klassischen Rollenverteilung, die sie eigentlich beide nicht wollten.
    Aber zum Zeitpunkt ihrer Entscheidung kannten sie sich halt noch nicht (oder nicht gut genug), um darauf ihre Berufsplanung aufzubauen.

    Es ist meiner Meinung nach durchaus sinnvoller, das zu studieren, wofür man sich interessiert -

    Richtig. Es kann hier sinnvollerweise nur um die Auswahl zwischen Optionen gehen, die zu den eigenen Stärken und Interessen passen.

    Ich habe z. B. lange Jahre Mathematik und Geschichte paralle studiert (kein Lehramt). Und irgendwann mußte ich mich entscheiden, was ich nun wirklich zu Ende führe und zum Beruf mache.
    Das konnte sinnvollerweise nur die Mathematik ein – mit Geschichte ist man zwar nicht automatisch chancenlos, aber man hat deutlich reduzierte Verdienstaussichten.

  11. Ulrich strobel
    18.06.2008 | 18:54

    Warum gibt es so wenig Ingenieurinnen ?

    weil die Mehrzahl der Frauen sich nicht für Technik und Naturwissenschaften interessieren.
    Auch Mathe und Physik finden nur bei wenigen Frauen Anklang.
    Nicht zu vergessen, dass technische Studiengänge auch sehr viel anspruchsvoller sind als die
    Geisteswissenschaftlichen.

  12. 18.06.2008 | 20:35

    Es scheint mir ziemlich offensichtlich, dass Frauen sich deutlich mehr für Berufe interessieren, in denen der Umgang mit Menschen im Vordergrund steht oder wo Kreativität gefragt ist, während Männer sich mehr für abstrakten Technikkram begeistern.

    Es gibt einen feministischen Theoriezweig, der diese These schon vor Jahrzehnten thematisiert hat, das “weibliche Arbeitsvermögen“. Ich musste während des Studuims mal eine Hausarbeit darüber schreiben. An der These selbst ist in Teilen vielleicht sogar was dran, auch wenn da viel Benachteiligungsrhetorik mitspielt.

  13. tigger
    19.06.2008 | 0:51

    Die Begeisterung für Technik ist Jungs nicht angeboren sondern anerzogen. Das ist das sich selbst erhaltende Rollenspiel der Gesellschaft.

  14. Friedel B.
    19.06.2008 | 7:29

    “Die Begeisterung für Technik ist Jungs nicht angeboren, sondern anerzogen” meint tigger. Wenn er ein Rezept besäße, auf welche Weise man ein solches Erziehungskonzept mit vorhersagbarem Erfolg verwirklichen kann, wäre er längst der gesuchteste Pädagoge der Welt. Ich glaube nicht, dass man Begeisterung “anerziehen” kann; ich glaube noch nicht einmal, dass es wünschenswert wäre, wenn Autoritäten uns nach Gusto für ihre jeweiligen Präferenzen begeistern könnten. Wie Interessen entstehen, wie sie wieder vergehen oder sich bis zur Besessenheit festigen, ist für mich nach wie vor eines der größten Rätsel. Als ich vor vielen Jahren im Biologieunterricht zum ersten Mal durch das Okular eines Mikroskops blicken durfte, war ich auf Anhieb begeistert von diesem Gerät; die damals verspürte Faszination ist bei mir bis auf den heutigen Tag lebendig geblieben. Beim Rest der Klasse war das jedoch (von einer Ausnahme abgesehen) nicht der Fall; für sie blieb das Instrument ein belangloses schulisches Requisit. Ich bin seit fast vierzig Jahren lizenzierter Funkamateur; ab und zu trifft man auf den Bändern auch Funkamateurinnen (im Telegraphie-Jargon “YL” gleich “Young Lady” genannt; verheiratete Frauen hießen früher “XYL” gleich “Ex Young Lady”, aber damit hat die political correctness mittlerweile Schluss gemacht). Die (wenigen) Funkamateurinnen, die ich kennen gelernt habe, waren sämtlich mit Funkamateuren verheiratet und durch sie zu dem schönen Hobby gekommen, das wegen seiner kommunikativen Bedeutung eigentlich besonders für Frauen interessant sein müsste. Tatsächlich aber bewegen sie sich offenbar lieber in Chat-Runden, da die Götter (also die Behörden) vor den Plausch über UKW oder gar Kurzwelle die sehr techniklastige Lizenzprüfung gesetzt haben. (Möglicherweise ist Männern auch mehr als Frauen daran gelegen, den Wert eines Ziels – hier Kommunikation – durch selbst gesetzte Hindernisse auf dem Weg dorthin – hier technisches Wissen; Selbstbau der Geräte und Antennen; sich Herumschlagen mit den jeweiligen Ausbreitungsbedingungen – zu erhöhen.) Sicherlich gelingt es uns ab und zu, jemanden für irgendetwas zu begeistern; ich vermute allerdings, dass der Kern des nur scheinbar neuen Enthusiasmus’ bereits zuvor in ihm angelegt war. Bei den allermeisten gelingt nämlich ein derartiger Versuch nicht. (ach wäre das schön, wenn ich alle Frauen für mich begeistern könnte! ;-) )

  15. Michel
    19.06.2008 | 10:33

    @ tigger: Angesichts solcher Fäll wie David Reimer ( http://www.cicero.de/97.php?ress_id=7&item=580 ) halte ich diese These für falsch und gefährlich. Sie dient zur rechtfertigung einer totalitären Genderideologie, die bereits viel Unheil über die Welt gebracht hat.

  16. R.A.
    19.06.2008 | 10:43

    > Die Begeisterung für Technik ist Jungs nicht
    > angeboren sondern anerzogen.
    Ein ganz gefährlicher Unsinn (siehe die beiden Beiträge vorher), für den es nie auch nur den Hauch eines Belegs gegeben hat.

    Und wenn ich dann praktische Beispiele anschaue …
    Meine Frau und ich haben beide mit Technik sehr wenig am Hut. Schön wenn sie funktioniert – aber bitte keine Details (warum sonst hätte ich einen Mac ;-)
    Und unser Sohn ist genau derselben Art – immer nur Lesen, Lesen, Lesen.

    Wer zum Teufel soll also unserer Tochter die Technik-Begeisterung anerzogen haben? Die Kindergärtnerinnen und Lehrerinnen waren es bestimmt nicht …

  17. 19.06.2008 | 11:06

    Ich denke auch, dass Erziehung überschätzt wird.

  18. 19.06.2008 | 12:17

    @R.A.: Deine Tochter zeigt natürlich eine durch die Erziehung bedingte Trotzreaktion. :-D

  19. tigger
    20.06.2008 | 2:07

    Es war mir fast klar, dass nun jeder ganz empört seine Ausnahmegeschichte zum besten bringen muss, aber die Frage des Beitrags war ja nicht, warum es KEINE Ingenieurinnen gäbe, sondern so WENIGE.

    Langsam findet ein Wandel statt, denn wenn es auch nur wenig Frauen in Techniker-Berufen gibt, ist das immer noch ein vielfaches mehr als früher, als es ganz normal war, dass für Frauen eine naturwissenschaftliche Laufbahn überhaupt nicht in Frage kam. Eine Einstellung, die bis in die 60er Jahre selbstverständlich war, wird nicht innerhalb von zwei Generationen vollkommen abgelegt.

    Wir sind zum grossen Teil durch unsere Eltern und später durch die Gesellschaft geprägt, dass es Ausnahmen gibt, ist natürlich klar. Aber der durchschnittliche Vater wird immer noch eher mit dem Sohn seine Eisenbahn aufbauen, oder mit irgendwelchen Baukasten-Systemen basteln, als mit seiner Tochter. Und wir lernen die Einkommenssituation unserer Familie als Normalfall zu betrachten, Vater arbeitet, Mutter Hausfrau.

    Die Erklärung der “ökonomischen Entscheidung” ist daher nichts anderes als eine Entscheidung die unter den Rahmenbedingungen dieses anerzogenen gesellschaftlichen Rollenverhaltens getroffen wird, nämlich des altbekannten Modells. Der Mann sehe die Notwendigkeit, später alleine eine ganze Familie durchzubringen, wie R.A. einwendet, ist das beste Beispiel dafür.

    Besonders putzig war natürlich die Bemerkung von der Unheil bringenden totalitären Ideologie, nur weil ich die meiner Ansicht nach zu simple “Weil Frauen eben so sind”-Begründung ablehne. Aber wenn Frauen eben “so wären”, und man erziehungsbedingte Einflüsse ausschliessen könnte, dann impliziert es, dass es irgendwie genetisch bedingt wäre. Und wenn Frauen dann doch einen Ingenieursberuf ergreifen, ist das dann ein genetischer Defekt ? Wie sieht das dann mit schwulen Ingenieuren aus ?

  20. 20.06.2008 | 11:57

    @tigger

    Aber wenn Frauen eben “so wären”, und man erziehungsbedingte Einflüsse ausschliessen könnte, dann impliziert es, dass es irgendwie genetisch bedingt wäre. Und wenn Frauen dann doch einen Ingenieursberuf ergreifen, ist das dann ein genetischer Defekt ?

    Ich weiß nicht, ob die Interessen der Frauen aus genetisch bedingten Ursachen heraus anders liegen. Aber wenn es so sein sollte, hast du den Begriff des “Defekts” mutwillig eingeführt.
    Man könnte es auch neutraler eine Abweichung nennen, die zur erfreulichen Vielfalt beiträgt.

    Wir sind zum grossen Teil durch unsere Eltern und später durch die Gesellschaft geprägt,

    Durch die Eltern: Klar. Aber das könnte eben auch wieder die Gene ins Spiel bringen, stimmts? ;-)
    Durch die Gesellschaft? Sicher auch. Aber wieweit? Bis hin zu den persönlichen Interessen und Vorlieben für dies und jenes? Ich habe meine Zweifel. Die Gesellschaft mag gewisse Rahmen setzen indem sie bestimmt, was anerkannt und was verpönt ist, wie man sich grundsätzlich verhält und wie nicht, bzw. was zu erwarten ist, wenn man Regeln einhält oder überschreitet.
    Aber bis ins Persönliche hinein? Das glaube ich nicht.

  21. Ben Czerny
    20.06.2008 | 13:14

    @Friedel B.

    73!

  22. tigger
    20.06.2008 | 13:46

    “Ich weiß nicht, ob die Interessen der Frauen aus genetisch bedingten Ursachen heraus anders liegen.”

    Und wie erklärt sich der kleine, aber für eine Evolution doch gewaltige Anstieg des Frauenanteils an technischen Berufen innerhalb von 3 Generationen ?

    “Durch die Eltern: Klar. Aber das könnte eben auch wieder die Gene ins Spiel bringen, stimmts?”

    Dann hast Du es mutwillig falsch verstanden :-)

    “Die Gesellschaft mag gewisse Rahmen setzen indem sie bestimmt, was anerkannt und was verpönt ist, wie man sich grundsätzlich verhält und wie nicht, bzw. was zu erwarten ist, wenn man Regeln einhält oder überschreitet.”

    Genau hierin liegt der gesellschaftliche Anteil bei der Berufsentscheidung. Wer stellt schon einen mänlichen Sekretär ein, wieviele Männer, so Kinderlieb sie auch sein mögen, würden den Kindergärtner anstreben ? Der Friseur hingegen war früher eher ein Männerberuf, heute sind eher Frauen in Friseursalons beschäftigt.

    “Aber wieweit? Bis hin zu den persönlichen Interessen und Vorlieben für dies und jenes?”

    Glaubst Du, Deine persönlichen Interessen und Vorlieben blieben unbeeinflusst vom Freundeskreis und sozialen Umfeld ? “Die Gesellschaft” mag vielleicht als Erwachsener etwas mehr an Dir abtropfen, aber als Kind, oder Jugendlicher ist es schon entscheidend, in welchen Kreisen Du aufwächst. Das ist aber eben auch die Zeit, in der die Weichen für den Beruf gestellt werden, nur wenige haben die Zeit und das Geld für einen zweiten Bildungsweg.

  23. 20.06.2008 | 14:03

    Und wie erklärt sich der kleine, aber für eine Evolution doch gewaltige Anstieg des Frauenanteils an technischen Berufen innerhalb von 3 Generationen ?

    Ich kann natürlich nur Vermutungen anstellen: Der gesellschaftliche Rahmen hat sich so gelockert, dass auch Frauen leichter solche Berufe ergreifen können?
    Das sagt aber noch gar nichts über eventuelle Unterschiede in den Interessen aus. Dazu müsste ja exakt 50/50 hergestellt sein, um einigermaßen wahrscheinlich auf gleiche Interessenslage schließen zu können.

    “Durch die Eltern: Klar. Aber das könnte eben auch wieder die Gene ins Spiel bringen, stimmts?”

    Dann hast Du es mutwillig falsch verstanden :-)

    Nein. Ich habe nur die als Annahme zumindest genauso gültige Möglichkeit benannt, wie Elterneinfluss zu Stande kommen kann.

    Genau hierin liegt der gesellschaftliche Anteil bei der Berufsentscheidung. Wer stellt schon einen mänlichen Sekretär ein, wieviele Männer, so Kinderlieb sie auch sein mögen, würden den Kindergärtner anstreben ?

    Richtig. Dass gesellschaftliche Normen wirken, bestreite ich ja nicht sondern habe es bestätigt. Das ist aber eben noch keine Aussage darüber, ob diese Normen alleinig oder gar vorrangig wirken.

    Glaubst Du, Deine persönlichen Interessen und Vorlieben blieben unbeeinflusst vom Freundeskreis und sozialen Umfeld ?

    Ja. Und du? Glaubst es nicht? Und jetzt? ;-)

    “Die Gesellschaft” mag vielleicht als Erwachsener etwas mehr an Dir abtropfen

    Vielleicht, weil in diesem Alter die Wirkung der genetischen Veranlagung am stärksten zur Geltung kommen? Nur eine These…

    aber als Kind, oder Jugendlicher ist es schon entscheidend, in welchen Kreisen Du aufwächst. Das ist aber eben auch die Zeit, in der die Weichen für den Beruf gestellt werden, nur wenige haben die Zeit und das Geld für einen zweiten Bildungsweg.

    Das ist aber kein Argument in diesem Zusammenhang. Erstens wird die berufliche Lebensgestaltung immer flexibler (nicht nur freiwillig sondern auch erzwungen). Und dann sagt die Berufswahl noch lange nichts über die eigentlichen Neigungen aus. Oder bist du der Ansicht, die meisten würden beruflich das machen, was sie am meisten interessiert? Schön wärs ja…

  24. tigger
    22.06.2008 | 1:02

    “Das sagt aber noch gar nichts über eventuelle Unterschiede in den Interessen aus. Dazu müsste ja exakt 50/50 hergestellt sein, um einigermaßen wahrscheinlich auf gleiche Interessenslage schließen zu können.”

    “Und dann sagt die Berufswahl noch lange nichts über die eigentlichen Neigungen aus. Oder bist du der Ansicht, die meisten würden beruflich das machen, was sie am meisten interessiert? Schön wärs ja”

    Mal so mal so ? Deine Argumente widersprechen sich.

  25. Rayson
    22.06.2008 | 13:37

    Deine Argumente widersprechen sich.

    Tun sie nicht, wenn man davon ausgeht, dass der Anteil derjenigen, die einen Beruf ergreifen, der nicht ihren Neigungen entspricht, geschlechterübergreifend gleich hoch ist. Wovon ich angesichts der Abwesenheit eines vernünftigen Grunds für die Annahme des Gegenteils erstmal ausgehen würde.

  26. 23.06.2008 | 9:53

    @tigger:

    Das männliche Interesse an Technik wäre ausschließlich gesellschaftlich bedingt, wenn es auch bei Affen eine historische Geschlechterdiskriminierung gegeben hätte. Gibt es aber offenbar nicht. Male monkeys prefer boys’ toys:

    “They are not subject to advertising. They are not subject to parental encouragement, they are not subject to peer chastisement,” Wallen says.

    Könnte es sein, dass vielleicht beide Faktoren eine Rolle spielen? Ein Wandel der Geschlechterrollen im Zuge der arbeitsteiligen Produktivitätsentwicklung und eine technische Neigung von Männern. Von den Frauen die sich doch für Technik interessieren können inzwischen mehr ingenieurtechnische Berufe ergreifen, weil das einfacher für sie geworden ist. Die Arbeit ist heute einfacher, auch der Haushalt ist produktiver (Wasch- und Spülmaschine, etc.), so dass das Kuppelprodukt Haushaltsführung und Kindererziehung an Komplementarität verliert. Zudem haben die zunehmenden Möglichkeiten der Familienplanung (Verhütungsmittel) und der höhere Wohlstand dazu beigetragen, dass eine Trennung der Geschlechter am Arbeitsplatz bzw. in der Ausbildung, wie sie über Jahrhunderte von den Eltern praktiziert wurde (s. Thomas Sowell “Economic Facts and Fallacies”), was auf dem ersten Blick wie Diskriminierung aussieht, inzwischen nicht mehr nötig ist.

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