Krankenversicherung: Einer für alle
Grundsätzlich finde ich die Idee sinnvoll, einen Grundschutz für alle zu definieren, der von allen angeboten werden muss. Inklusive allgemeiner Versicherungspflicht und Kontrahierungszwang. Inklusive einkommensunabhängiger Tarife, inklusive sozialem Ausgleich über Steuerzuschüsse.
Richtig gut wird dieses Konzept aber erst dann, wenn dadurch – was inhaltlich aber auch unvermeidlich erscheint – die gesetzlichen Kassen abgeschafft und die Versicherungsdienste privaten Anbietern und dem Wettbewerb zwischen diesen übertragen werden. Außerdem darf der Grundschutz natürlich nicht zu üppig sein. Je mehr dem Wettbewerb überlassen bleibt, desto eher dürften dessen positiven Effekte spürbar werden.
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Interessant ist doch die Frage, warum die Assekuranz diese Lösung jetzt ins Spiel bringt. Nach meiner Meinung gibt es nur eine rationale Erklärung: die private Krankenversicherung weiss, dass sie die Leistungen für ihren alternden Versichertenbestand nicht mehr lange bezahlen kann, dass das System vor der Krise steht. Das ist ein Offenbarungseid, weil viele noch immer glauben, dass kapitalgedeckte System automatisch besser mit dem demografischen Wandel fertig werden. Das Menetekel der PKV wird früher oder später auch die private Rente einholen, denn die Versicherungsmathematik ist in beiden Fällen fast dieselbe.
Kapitaldeckung bei der PKV? Au weia…
Da wird uns glaube ich einiges an Information vorenthalten (vermutlich aus Dummheit der beteiligten Journalisten), denn die Frage ist doch “Wer setzt die Prämie fest?” Ist es der Staat, würden die privaten Versicherer das kaum akzeptieren (und es würde keinen Wettbeberb geben). Ist es der GDV, haben wir Preisabsprachen. Sind es die Versicherer selber, kann man drüber reden
Interessant ist auch die Antwort auf genau diese Frage, die im verlinkten Artikel genannt wird. Unter anderem kann man dort erkennen, dass der Staat den privaten Versicherern mehr und mehr die potentielle Kundenbasis wegschießt.
@Dirk
Ich vermute, dass diese Informationen schlicht nicht verfügbar sind. Weil dieses Modell ja intern so umstritten war, dass es nur andeutungsweise an die Öffentlichkeit gelangte.
Ich halte es auch für am sinnvollsten, wenn die Versicherer den Preis für den Grundschutz bestimmen. Der Wettbewerb wäre sonst arg eingeschränkt.
Aber vielleicht bin ich auch schon von SPON verwirrt worden. Will denn die Allianz die “PKV kippen” wie es SPON ankündigt oder nicht viel eher die GKV?
@Dirk
Ich hatte FTD verlinkt. Lies doch einfach dort mal nach.
Aber die Versicherungen sollten individuell den Preis festsetzen (und nicht irgendein Vertreterverband)
FAZ hat wie immer bessere Informationen als SPon:
“Sowohl gesetzliche Kassen als auch private Versicherer würden diese Grundsicherung anbieten – zu denselben Konditionen.”
Das lässt auf einen von wem auch immer bestimmten einheitlichen Preis schliessen. Wenn das stimmt, wäre der Vorschlag, sofern er denn der Öffentlichkeit unterbreitet wird, eine Unverschämtheit.
Wenn der Vorschlag durchkäme, wäre das, wie Boche richtig erkannt hat, wohl eher das Ende der GKV als der PKV, selbst wenn die Beiträge reguliert würden (heraus käme vermutlich so ein ähnliches Modell wie bei anderen Versicherungen auch: die Unternehmen kalkulieren, und der Staat muss genehmigen).
Aber für dieses Modell wie für ähnliche liegt der Hase ganz woanders im Pfeffer: Welchen Umfang soll die “Grundversorgung” haben?
Eben. Die Diskussion des Leistungsumfangs könnte unangenehme Wahrheiten offenbaren: Dass manche Leistungen eben so teuer sind, dass sie nicht umsonst für alle zu haben sind.
FTD ist auch nicht besser. Ist es nun eine Kriegserklärung an die PKV oder an den einkommensabhägigen Bürgerfonds? Im FAZ Artikel ist aber der Hinweis auf staatlich festgesetzte Gebühren zu entnehmen. Das kann cih aber nicht glauben, wäre ja lächerlich, wenn die Bundesregierung per Gesetz die Prämien auf Kosten der Versicherer reduzieren kann.
@Dirk
In dem Modell fällt jeder Grund für eine GKV weg – dass der Vorschlag noch das Nebeneinander erwähnt, ist Augenwischerei.
Wenn das stimmt, wäre der Vorschlag, sofern er denn der Öffentlichkeit unterbreitet wird, eine Unverschämtheit.
Würde ich nicht sagen. Er entspricht im Grunde dem Prämienmodell, wie es z.B. vom Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung vorgeschlagen wurde. Im Vergleich zum Vorschlag der FDP ist das ein Modell mit mehr Regulierung, aber immer noch besser als das, worauf wir uns faktisch mit Riesenschritten zubewegen.
Grundversorgung? Genehmigte Gebühren? Annahmezwang? Reden wird von GKV ider GEZ? (-:
Grundversorgung? Genehmigte Gebühren? Zwangmitgliedschaft? Reden wird von GKV oder GEZ? (-:
Warten wir den genauen Vorschlag ab! Jedenfalls kann ich mich über die Schlagzeilen der Art “Kriegserklärung gegen die PKV” ärgern. DPA Meldungen kann ich selber lesen, dazu brauche ich keinen Journalisten, der mich noch dazu in die Irre führt.
@ Rayson
“Kapitaldeckung bei der PKV? Au weia…”
Was gibt es da wieder grundlos überheblich zu maulen? Die PKV arbeitet selbstverständlich überwiegend mit Kapitaldeckung, streicht das auch regelmäßig als ihren Vorteil heraus. Wäre es anders, wären die Beiträge für Junge lächerlich und für Ältere ganz unbezahlbar. Wie gesagt: die Versicherungsmathematik ist in erster Näherung gleich wie bei der Rentenversicherung.
@Dirk
Was regst du dich über Schlagzeilen auf. Lies doch die konkreten Auszüge aus dem Papier, die die FTD bringt (Tipp: Seite 2).
@Herbert
Die PKV arbeitet selbstverständlich überwiegend mit Kapitaldeckung, streicht das auch regelmäßig als ihren Vorteil heraus.
Selbstverständlich tut sie das nicht. Sie arbeitet vor allem mit Risikoäquivalenz, und die bedeutet tatsächlich erheblich steigende Beiträge im Alter. Seriöse Versicherungsmakler haben jungen PKV-Mitgliedern schon immer empfohlen, die Minderbeiträge im Vergleich zur GKV nicht zu verprassen, sondern anzulegen. Die sog. “Altersrückstellungen” in Höhe von lediglich 10% der Beiträge sind erst seit 2000 allgemein üblich und praktisch gesetzlich erzwungen.
Die Kalkulationen der PKV sind, worauf schon Boche hingewiesen hat, durch zahlreiche Eingriffe der Politik durcheinandergeworfen worden. Beispielhaft sei hier die Verpflichtung genannt, für über 65jährige eine Standardversicherung anzubieten, die in Leistung und Beitrag der GKV entspricht, explizit mit dem Ziel, die Beitragsdynamik im Alter zu vermeiden.
Im Übrigen sei noch erwähnt, dass es sich anscheinend nur um einen Teil der Versicherer handelt, die das System umkrempeln wollen. Andere scheinen damit weiter gut leben zu können.
@Boche
habe ich ja längst gelesen. Aber auch da findet sich kein Hinweis darauf, wer denn die Prämien festsetzt.
Sind es die Versicherer individuell, ist es wirklich nahe am FDP Modell und – unter Vorbehalt der genauen Ausgestaltung – keine schlechte Sache. Ist es dagegen der Staat oder ein Versicherungsverband, wird der Wettbewerb ausgehebelt.
@Dirk
Ganz ausgehebelt würde er auch dann nicht, wenn es einen Einheitspreis gäbe. Denn dann gäbe es immer noch den Wettbewerb über den Service sowie den über die Zusatzdienste. Wie gesagt: Der Grundschutz sollte so wie so möglichst im Leistungsumfang begrenzt sein.
“. Die sog. “Altersrückstellungen” in Höhe von lediglich 10% der Beiträge”
Unsinn. Das waren zusätzliche Altersrückstellungen, die der Gesetzgeber erzwungen hat. Altersrückstellungen in größerem Umfang waren schon immer Teil der PKV-Kalkulation.
Hat Rayson doch geschrieben.
Lieber Rayson, da stimmt leider einiges nicht. Versicherungsprämien in der PKV sind per Gesetz grundsätzlich als “konstante Prämien” zu kalkulieren, und das schon seit ettlichen Jahrzehnten. Das bedeutet, dass bei einem gegebenen individuell zu erwartenden Schadensverlauf eine Prämie anzusetzen ist, die über die vertragslaufzeit (ggf. bis zum tod des Versicherten) konstant bleibt. Eine Prämiensteigerung allein aufgrund des Alterns des Versicherten und damit einhergehender Malessen ist nicht zulässig. Allein Kostensteigerungen, also veränderungen des individuell zu Grunde gelegten erwarteten Schadensverlaufs berechtigen zur Beitragsanpassung. Entsprechend sind Alterungsrückstellungen zu bilden. Die regelmäßig höheren kosten im Alter sind aus diesen Rückstellungen zu finanzieren. Insofern ist das Stichwort Kapitaldeckung und der Vergleich zur privaten Rentenversicherung nicht falsch.
Dass es doch zu überproportionalen Steigerungen kommt liegt an einem systemimanenten Versicherungsmathematischen Phänomen. Gehen wir von einem (ungefähr) exponential ansteigenden Kostenverlauf aus. Die risikoäquivalente konstante Prämie für einen 30jährigen Neuversicherten sei 100. In jungen jahren wird das Kapital “angespart”, das im alter verbraucht wird. Angenommen nach 5 Jahren würden sich die Kosten verdoppeln, sei es durch allgemeine Preissteigerungen oder technischen Fortschritt, also die gesamte Schadenskurve um 100 % nach oben verschieben. Die notwendige Prämienanpassung entspricht versicherungsmathematisch einem zweiten identischen Vertrag. Dummerweise ist die “Ansparphase” jetzt kürzer. Die zusätzliche Prämie muss also höher als 100 % sein, die Prämien steigen also im vergleich zu den Kostensteigerungen systemimanent überproportional und das immer stärker, je älter der Versicherte ist.
Der Standardtarif im Alter ist ein Versuch der Politik auf dieses Problem zu reagieren. Ich halte ihn nicht für gelungen.
@ Boche
Nein, Rayson hat geschrieben, dass es erst seit 2000 Alterungsrückstellungen gibt und zwar in Höhe von 10 %. Das ist falsch. Alterungsrückstellungen gab es “schon immer” (zumindest sehr lange) und die waren schon immer gesetzlich erzwungen. Und das aus gutem Grund.
Die zusätzlichen 10 % waren eine Reaktion, um die von mir vbeschriebene systemimanente überproportionale Steigerungen im Alter zu mildern.
Na, dann warten wir am besten auf Raysons eigene Replik, bevor ich hier in seiner Argumentation herumdeute.
Wenn das was bekannt geworden ist zu einem wie auch immer gearteten Einheitstarif führt, wie ist das mit den Altersrückstellungen der privat Versicherten? Der würde dann ja nicht mehr benötigt oder er müßte auch von den bisheringen GKV-Versicherten eingebracht werden.
Ich glaube, die Rückstellungen werden ausgezahlt.
>Ich glaube, die Rückstellungen werden ausgezahlt.
–>
@FG:
Der Gesundheitssektor ist allerdings auch der einzige Sektor, bei dem der technische Fortschritt die Kosten verdoppeln könnte. Ok, du meinst sicher neue Behandlungsmethoden, die anfangs irre teuer sind und erst später billiger werden (im regulierten Gesundheitssektor allerdings quälend langsam). Die allgemeine Preissteigerung allerdings dürfte von den Versicherern in Grenzen antizipierbar sein, also bereits im “ersten Vertrag” drin sein. Ebenso ist es mit dem zu erwartenden technischen Fortschritt. Anpassungen sind also nur bei nicht von vornherein kalkulierbaren Kostenveränderungen nötig, die ja vor allem in staatlichen Maßnahmen und in unvorhersehbaren technischen Neuerungen bestehen (die allerdings nicht immer kostensteigernd wirken müssen).
Der Standardtarif ist ganz und gar misslungen, weil er die Berechenbarkeit des Versicherungsverlaufs noch weiter reduziert. Das kann sich nur in höheren Prämien auswirken.
@ FG
“Versicherungsprämien in der PKV sind per Gesetz grundsätzlich als “konstante Prämien” zu kalkulieren, und das schon seit etlichen Jahrzehnten.”
So ist es, grundsätzlich.
“Dass es doch zu überproportionalen Steigerungen kommt liegt an einem systemimanenten Versicherungsmathematischen Phänomen.”
Das auch, aber in Kombination mit dem verständlichen Wunsch der Versicherer, ihre Tarife schönzurechnen für junge Neukunden.
@FG
Vielen Dank. Ich hatte tatsächlich gedacht, das sei erst seit 2000 so. Denn damals, als ich mich mal dem Thema beschäftigt habe, war es völlig selbstverständlich, dass die Tarife im Alter deutlich höher ausfielen. Ich glaube, das ist auch heute noch so. Gesetz hin, Gesetz her.
Von “Kapitaldeckung” kann man bei der PKV aber m.E. immer noch nicht sprechen, schließlich handelt es sich vor allem um eine Risikoversicherung, die mit der ersten Beitragszahlung sofort zu Leistungen berechtigt.
Und letztlich trifft auf jeden Falls Herberts allgemeines Argument gegen die Kapitaldeckung nicht zu, denn die andere Seite, die auf dem Umlageverfahren basiert, ist nun wirklich nicht in einer besseren Verfassung.
Der technische Fortschritt ist übrigens kein Kosten-, sondern ein Mengenproblem. Es ist das grundlegende Problem von Krannkenvollversicherungen, dass die Zahl der Behandlungsmethoden immer mehr wächst, also auch immer mehr Behandlungen bezahlt werden müssen, sich der Erfolg des Fortschritts aber eben in noch mehr Lebensjahren auswirkt, die dann eher krank (=kostenverursachend) als gesund verbracht werden.
@ Steffen
Das mit den hundert Prozent war nur ein fiktives Beispiel zur anschaulichen Verdeutlichung des Problems. Analog gilt das natürlich auch für 1 oder 5 oder 10 Prozent.
Technischer Fortschritt im Medizinsektor führt schon allein dadurch zu Kostensteigerungen, weil die Leute länger leben und daher “mehr ansparen” müssen. Aber die normale Behandlung wird ständig teurer, weil es neue und eben oft teure Behandlungsmethoden gibt (man vergleiche beispielsweise die Kosten einer CT-Aufnahme mit denen einer Röntgenaufnahme).
Die allgemeinen Preissteigerungen im Gesundheitswesenn könnten zwar antizipiert werden, werden sie aber nicht, weil es zum einen gesetzlich nicht vorgeschrieben ist (von den genannten 10 % mal abgesehen) und weil es zum anderen bei der relevanten Personengruppe, um die der Wettbewerb stattfindet (die jungen gesunden) zu einem Nachteil gegenber der Konkurenz führen würde (weil man einfach teurer ist als die anderen). Und der Preis ist auf dem Markt das mit Abstand wichtigste Wettbewerbsinstrument. Die von Rayson genannten 10 % sind ja quasi eine Zwangsantizipation.
Die Rechtsgrundlage zur Prämienkalkulation (schwere Kost) findet sich hier.
Ich kann zu dem Themenkomplex übrigens noch ne gute Diplomarbeit empfehlen.Das verstehe ich nicht. Das demographische Problem der PKV besteht doch darin, dass die Menschen länger leben und daher mehr Schadensfälle verursachen als vielleicht bei der ursprünglichen Prämienkalkulation gedacht. Inwiefern ist denn das auf die private Rente übertragbar, die ja gar keine Versicherung, sondern ein Sparvertrag ist?
zum zurückgezogenen Vorschlag des GDV:
eine nicht vom Anbieter selbst definierte “Grundversorgung”, Kontrahierungszwang, risikounabhängige Prämien… Sozialismus at its best würde ich sagen. Naja gut, einkommenabhängig sind die Prämien nicht, das ist der einzige Vorteil ggü. der Bürgerversicherung.
Bei der Versorgung mit Trinkwasser, Essen, Wohnungen, etc. wird auch nicht gefordert, den Markt derart zu regulieren…
Zu fordern, dass jeder einen gewissen Krankenversicherungsschutz hat, ist ja durchaus vertretbar… so, wie ja auch jeder ein Dach über dem Kopf haben soll (man kann natürlich diskutieren, was jeder denn noch so “haben soll”, aber das Fass soll hier nicht aufgemacht werden). Warum aber derart in die Produktions- und Absatzpolitik eingegriffen werden soll… ist mir schleierhaft.
Warum denn nicht so:
Es besteht grundsätzlich Versicherungspflicht, aber kein Kontrahierungszwang und keine Preiskontrollen. Wer bei keinem privaten angenommen wird, muss in den durch Steuermittel finanzierten staatlichen Gesundheitspool. Der würde natürlich ordentlich Kohle fressen, da ja nur die Kranken rein kommen, die bei den privaten abgelehnt werden. Ich stelle aber mal die These auf, dass diese Kosten geringer wären, als die Wohlfahrtsverluste durch: einen wg. des Kontrahierungszwanges nötigen “Risikostrukturausgleich”, Preiskontrollen, etc.
Der Gesundheitsmarkt wäre dann endlich ein Markt.
p.s.: mein erster Kommentar hier auf dem von mir mittlerweile sehr geschätzten Blog *freu*
@ Holger:
die private Rentenversicherung ist praktisch auch eine Risikoversicherung, und zwar auch folgendem Blickwinkel:
das Versicherungsunternehmen (VU) kalkuliert mit Sterbetafeln (“Heubeck-Tafeln”), wie lange ein einzelner Versicherungsnehmer (statistisch) leben wird und berechnet dann aus dem vorhandenen Kapital eine lebenslange Rente (inklusive ordentlichem Sicherheitsaufschlag bzw.-abschlag). Nun trifft diese Kalkulation nur im Mittel zu, der eine lebt länger, der andere kürzer… ein Risikoausgleich im Kollektiv eben.
Nun kommt folgende Problematik hinzu: die Sterbetafeln werden bei zunehmendem demographischen Wandel immer schneller veraltet. Die VU können deswegen meist nur die im Vertrag garantierte Rente auszahlen ohne üppige Überschüsse. Insofern haben auch kapitalgedeckte Systeme Probleme mit dem demographischen Wandel.
Zu sagen, kapitalgedeckte Systeme hätten aber die gleichen Schwierigkeiten wie Umlagesysteme, ist aber schlicht Unfug. Der große Unterschied ist ja, das jeder (theoretisch) einen eigenen Spartopf hat und wenn es nun “immer mehr Ältere” gibt, so hat aber auch jeder von denen einen eigenen Spartopf in das Kollektiv eingebracht. Im Umlageverfahren ist man als “Älterer” jedoch schlicht auf die Anzahl der “Jungen” angewiesen.
Bin ich jetzt eigentlich auf einer anderen Welt oder warum wird der Vorschlag nahezu einstimmig als Ende der PKV gesehen?
Weil man sprachlich unsauber argumentiert. Gemeint ist das “Ende der privaten Vollversicherung”. Dass dieses auch mit dem Ende der “gesetzlichen Vollversicherung” einhergeht, überfordert die Logikzentren der meisten Hirne anscheinend.
@der_Neue
mein erster Kommentar hier auf dem von mir mittlerweile sehr geschätzten Blog *freu*
Dann mal willkommen. Es dürfen gerne mehr werden
Nun gut, wenn so auch Herr Lauterbach zu einer privat organisierten KV zu bewegen ist, soll es mir recht sein.
Danke für die Klarstellung. Manchmal ist es ganz hilfreich zu wissen, dass man nicht von allen guten Geistern verlassen ist.
Ich habe jetzt auch endlich den von Dirk verlinkten Artikel gelesen. Die dortigen Aussagen sind ein journalistisches Armutszeugnis von Herrn Volkery und ein politisches der zitierten Parteivertreter.
Mit den Vorschlägen der Versicherer haben die vorgefertigten Meinungswiedergaben weitgehend nichts zu tun. Man versucht nur, Stichworte zu nutzen, um die bekannte eigene Position noch einmal hinauszuposaunen und dadurch Unpolitikpunkte zu sammeln.
@Rayson
Das Ende der privaten Vollversicherung wäre aber ein ganz übler Nackenschlag für die Branche, da hier der überwiegende Teil (über 90%) der Beitragseinnahmen generiert werden (im Vergleich zum Geschäft mit Zusatzversicherungen).
@Dirk
Der SPON-Artikel ist ne bodenlose Frechheit.
“Die private Krankenvollversicherung steht demnach auf dem Prüfstand. Nur noch Zusatzleistungen sollten künftig privat versichert werden.”
Dazu wurde ja schon einiges gesagt. Der Artikel auf ftd.de sagt eindeutig, dass die gesetzlichen abgeschafft werden sollten (gemäß zurückgezogenem Vorschlag des GDV).
“Die Allianz, die hauptsächlich mit Zusatzversicherungen Geld verdient, wäre von einer Abschaffung der privaten Vollversicherung kaum betroffen.”
Ich kenne keine aktuellen Zahlen, war aber zu der Zeit vor der Bundestagswahl 2005 bei der Allianz Private Kranversicherungs-AG beschäftigt. Damals gab es ja die Diskussion um Bürgerversicherung vs. Gesundheitsprämie. Es ging die nackte Angst um, da die Bürgerversicherung das Aus der privaten Vollversicherung bedeutet hätte und (zu dem Zeitpunkt) über 90% der Beitragseinnahmen dort generiert wurden. Ich kann mir nicht vorstellen, dass sich dies in den letzten Jahren sehr verändert hat.
Von “Elke Ferner” ist zu hoffen, dass sie in Zukunft unter “ferner liefen” bleibt. Die hat ja auch nichts von dem GDV-Vorschlag verstanden. Der geht eindeutig in die Richtung der Gesundheitsprämie statt in Richtung Bürgerversicherung.
p.s.: Danke für den Willkommensgruß
Wenn Herr Lauterbach und das ganze Gesundheitsministerium Beifall klatschen ist da grundsätzlich Skepsis angebracht…
Genau. Der Politik, die das alles zu verantworten hat, indem sie sukzessive den Zugang zur PKV immer mehr versperrt, um die Leute im maroden System GKV festzuhalten…
@FG:
Spaßvogel, Preissteigerungen werden nicht einkalkuliert, weil es gesetzlich nicht vorgeschrieben ist. Wenn ich weiß, dass es in der Zukunft Preissteigerungen gibt, dann muss ich die ansetzen, damit ich später noch meine Kosten decken kann. Dazu braucht man kein Gesetz nur halbwegs ökonomischen Sachverstand. Daran ändert auch der Preiswettbewerb nichts, denn was nützt mir der billigste zu sein, wenn ich das zu Lasten meiner langfristigen Rentabilität hinbiege.
Mit dem technischen Fortschritt hast du teilweise recht, teilweise würde ich wiedersprechen, weil der technische Fortschritt normalerweise immer Kostensenkungen nach sich zieht. Aber richtig ist, das neue Behandlungstechniken bei immer älteren Menschen dazukommen. Aber auch diese Dinge sind zum Teil versicherungsmathematisch antizipierbar, was auch geschieht. Dumm wird es nur, wenn die Veränderungen unsicher sind.
Lieber Steffen,
bei der kalkulation der konstanten Prämie müssen die Versicherungsunternehmen von a) einem zu erwartenden schadensverlauf des zu Versichernden und b) von der aktuellen Ausscheideordnung (=Sterbetafel) ausgehen. In dem Schadensverlauf sind die für das jeweilige Alter zu erwartenden Kosten nach aktuellem Preis und nach aktuellem Stand der medizinischen Kunst dargestellt. Es sind weder zukünftige allgemeine Preissteigerungen noch Kostensteigerungen durch Mengenausweitungen oder den wechsel auf bessere und teurere Behandlungsmethoden berücksichtigt noch eine im Laufe der Vertragsdauer eintertende längere Lebenserwartung. Das ist aber für die Versicherungen kein Problem, denn all diese Kostensteigerungen können Versicherungsunternehmen in Prämienanpassungen berücksichtigen, die – wie oben geschilödert – systematisch überproportional ausfallen.
Würde ein Unternehmen aufgrund einer qualifizierten Schätzung diese zukünftigen Kostensteigerungen schon bei der Erstkalkulation berücksichtigen, würde die Prämie deutlich höher ausfallen als die der Konkurenz. Der Wettbewerb findet nach wie vor fast ausschließlich um vergleichsweise junge und gesunde Versicherte statt und der Preis ist das mit Abstand wichtigste Wettbewerbskriterium – grade in Zeiten von dutzenden Internetvergleichsmöglichkeiten. Ein Wettbewerb um ältere versicherte findet nicht statt, da bei einem Wechsel von einem anderen Privatversicherer die Prämien – ebenfalls systemimanent – massiv steigen würden und für einen gesetzlich Versicherten die Neuversicherung ab einem gewissen Alter zu teuer wird.
Der technische Fortschritt wirkt sich grade im Medizinbereich nur in vergleichsweise unbedeutenden Bereichen Kostendämpfend aus. Neue behandlungsmethoden erzeugen erst eine Nahchfrage (und damit für den Vericherer Schäden), die ohne den Fortschritt gar nicht entstanden wäre. Und ein Mensch, der heute mit 70 aufgrund neuer Behandlungsmethoden eine Krankheit überlebt, die ihm vor 20 oder 30 Jahren mit hoher Wahrscheinlichkeit das Leben gekostet hätte, hat überhaupt erst die Chance so richtig schön teuer multimorbide zu werden. Dass bei einem neuabschluss eines 30jährigen die Kosten neuer Behandlungsmethoden antizipierbar wären, die vielleicht erst in 30 oder 40 Jahren relevant sind, hätte schon sehr viel mit übersinnlichen Fähigkeiten zu tun, was Du ja mit Deinem letzten Satz angedeutet hast. Tatsache ist, dass bei der Kalkulation allein der Schadensverlauf nach dem status Quo berücksichtigt wird.
@FG:
Danke für diesen interessanten Hinweis, es sieht also so aus, als dürfe die PKV eine Reihe eigentlich wichtiger und antizipierbarer Kostenfaktoren vom Gesetzgeber her nicht berücksichtigen. Ich bin kein Experte auf diesem Gebiet, aber jedes andere Unternehmen würde solche systematischen Veränderungen schon vor Vertragsabschluß berücksichtigen, allein weil sie im Wettbewerb nicht im Nachhinein ständig Preisanpassungen realisieren könnte. Insofern erscheint es mir auch nicht realistisch, dass unter Marktbedingung nur ein Teil der Wettbewerber Kostenveränderungen in die aktuelle Prämie einrechnen würde.
Ich denke im Schadensverlauf nach dem Status Quo stecken schon eine Menge Informationen drin. Immerhin verfügt die Versicherung über statistische Daten von vergangenen Schadensverläufen für jede Kohorte. Die wissen wahrscheinlich mehr über meine Zukunft als alternder und kranker Mensch als ich selbst.
Was der technische Fortschritt so bringt steht natürlich in den Sternen.
@FG:
Die von dir beschriebene Situation trifft im Großen und Ganzen auf die Situation vor 20 Jahren zu.
Mittlerweile ist das Kriterium “Beitragsstabilität” ein – wenn nicht DAS – wichtigste Kriterium beim Rating von PKV-Unternehmen. Gerade Makler achten beim Verkauf sehr auf sowas.
Die VU haben also ein Interesse daran, ihre Beiträge möglichst stabil zu halten.
Die Aussage, der Markt für ältere PKV-Versicherte sei nicht interessant, ist so auch nicht mehr haltbar:
Seit der Gesundheitsreform ist die Mitnahme der Altersrückstellungen bei Wechsel der PKV möglich, d.h. Ältere werden nicht unbedingt bei horrenden Beiträgen einsteigen, wenn sie wechseln. Imho einer der wenigen Pluspunkte der Reform.
@ Neuer
Das mit der Mitnahme von Alterungsrückstelllungen ist richtig und war mir bekannt (schließlich hat mein damaliger Diplomarbeitsbetreuer sich jahrelang in Gremien den Mund zu dem Thema fuselig geredet). Ich hab es nicht in meine argumentation einbezogen, weil es dann zu ausschweifend geworden wäre und es derzeit noch Zukunftsmusik ist. Die Mitnahme der Alterungsrückstellungen ist ab dem 1.1.2009 möglich, uneingeschränkt allerdings nur für Neuverträge. Die Wettbewerbssituation ändert sich ab diesem Zeitpunkt tatsächlich und ich bin gespannt, was dann passieren wird. Wenn dann wirklich der wettbewerb um alle potentiellen Kunden unabhängig vom Alter beginnt, dann wäre das wirklich ein erfolg. Allerdings werden noch ein paar Jahre ins Land gehen, bis wir das beobachten können, schließlich müssen die Neuverträge erst alt genug werden. Wir bequatschen das dann nochmal, OK?
@FG
stimmt, erst ab 1.1.09.
klar, machen wir dann zu gegebenem Zeitpunkt.