8. Juni 2008
Antizyklisch
Laut einer repräsentativen Umfrage, die das Kölner Marktforschungsunternehmen Psychonomics im Auftrag der WirtschaftsWoche durchgeführt hat, will ein Drittel der Telekom-Kunden wegen der Abhöraffäre “bestimmt” oder “wahrscheinlich” zu einem anderen Anbieter wechseln.
Das ist verständlich, aber irrational. Wenn ich eine Rangfolge zu erstellen hätte, wo ein Missbrauch von Daten in der nächsten Zeit ganz sicher nicht zu befürchten ist, belegte die Telekom den ersten, ihre Wettbewerber den zweiten und alle ehemaligen Staatsmonopolisten wie Bahn oder Lufthansa den dritten Platz.
Datenmissbrauch ist keine Frage der Moral der Führungsspitzen von Unternehmen, denn die ist genau so gut oder schlecht wie die Moral von allen von uns. Datenmissbrauch ist allein eine Funktion der zur Verfügung stehenden Daten.
Deswegen gilt es, zunächst dem Staat als dem mächtigsten Akteur in unserer Gesellschaft auf die Finger schauen und zu klopfen, wo immer er Daten erhebt und speichert. Strenge Gesetze bei privaten Akteuren sind schön und gut, aber hier ist etwas anderes noch viel wichtiger, nämlich ein Bewusstsein für den Wert der eigenen Daten. Mir z.B. sind meine mehr wert als die ca. 1% Rabatt, die mir die Anbieter von Kundenkarten versprechen. Was dein Lieferant nicht kennt, kann er auch nicht missbrauchen. So einfach kann das sein.
Verfasst von Rayson um 19:30 Uhr in der Kategorie Innenpolitik, Politik, Wirtschaft (Trackback)
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