Antizyklisch

Laut einer repräsentativen Umfrage, die das Kölner Marktforschungsunternehmen Psychonomics im Auftrag der WirtschaftsWoche durchgeführt hat, will ein Drittel der Telekom-Kunden wegen der Abhöraffäre “bestimmt” oder “wahrscheinlich” zu einem anderen Anbieter wechseln.

Das ist verständlich, aber irrational. Wenn ich eine Rangfolge zu erstellen hätte, wo ein Missbrauch von Daten in der nächsten Zeit ganz sicher nicht zu befürchten ist, belegte die Telekom den ersten, ihre Wettbewerber den zweiten und alle ehemaligen Staatsmonopolisten wie Bahn oder Lufthansa den dritten Platz.

Datenmissbrauch ist keine Frage der Moral der Führungsspitzen von Unternehmen, denn die ist genau so gut oder schlecht wie die Moral von allen von uns. Datenmissbrauch ist allein eine Funktion der zur Verfügung stehenden Daten.

Deswegen gilt es, zunächst dem Staat als dem mächtigsten Akteur in unserer Gesellschaft auf die Finger schauen und zu klopfen, wo immer er Daten erhebt und speichert. Strenge Gesetze bei privaten Akteuren sind schön und gut, aber hier ist etwas anderes noch viel wichtiger, nämlich ein Bewusstsein für den Wert der eigenen Daten. Mir z.B. sind meine mehr wert als die ca. 1% Rabatt, die mir die Anbieter von Kundenkarten versprechen. Was dein Lieferant nicht kennt, kann er auch nicht missbrauchen. So einfach kann das sein.

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4 Kommentare zu “Antizyklisch”

  1. Die Stimme aus dem Off
    8.06.2008 | 21:11

    Rayson,
    das andere Telefonanbieter sorgfältiger mit den Daten umgehen glaube ich auch nicht. Ich glaube aber, dass die mehr Angst davor haben vorsätzlichen Missbrauch zu treiben. Jedes andere Unternehmen hat diese Rückendeckung durch die Regierung nämlich nicht.

    Und außerdem glaube ich nicht daran, dass sich bei der Telekom wirklich etwas ändern wird und meine Daten dann sicherer sind. Das ist ein Staatsunternehmen, gegenüber diesen habe ich das Vorurteil(?), dass die reformunfähig sind.

  2. 8.06.2008 | 21:32

    @DSadO

    Ich schätze, dass alle Unternehmen, die sich jetzt im Fokus sehen, besonders sensibel auf die Problematik reagieren werden. So wie ich auch glaube, dass der beste Weg, Rindfleisch zu essen, aber Creutzfeld-Jakob zu vermeiden, der Konsum englischer Steaks nach Entdeckung der Zusammenhänge war.

    Am anfälligsten für den nächsten Missbrauch sind die, an die man jetzt nicht denkt.

  3. Die Stimme aus dem Off
    8.06.2008 | 22:49

    Das wäre dann wohl Skype. :-)

  4. 9.06.2008 | 7:37

    Ich denke, wenn jemand auffliegt, und wirtschaftliche Schäden davontragen muss, ist das kein Ansporn das Verhalten zu unterlassen, sondern es demnächst noch heimlicher zutun.

    In diesem Sinne, guten Appetit.

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