29. Mai 2008
All-in gegen den Staat
Wie sehr wir den Staat als Glucke respektieren, zeigt die Tendenz, alles zu verbieten, was auch nur annähernd nach Pokerturnieren aussieht.
ChristianHannover bei den FdoG hat dazu schon Treffendes gesagt, insbesondere die Scheinheiligkeit des rheinland-pfälzischen Innenministers entlarvt. Selbstverständlich ist es absurd, dass der Staat bei Privaten die Moralkeule schwingt, sie aber sofort wieder einpackt, wenn es die eigenen Einnahmen betrifft. Die Abscheu des Herrn Bruch vor der privaten Verwendung von Einkommen spricht Bände.
Ich selbst pokere auch ein wenig. Und vielleicht verstoße ich dadurch sogar gegen deutsche Gesetze. Wie rebellisch ich doch bin. Ich sollte mich demnächst nur noch schwarz kleiden.
Aber aus dieser Selbsterfahrung und der Lektüre zahlreicher Bücher kann ich nur sagen: Poker ist selbstverständlich viel weniger Glücksspiel als Lotto. Ok, man kann auch die verschiedenen Varianten unterscheiden, aber gerade das populäre Texas Hold’em ist sehr starkt strategisch geprägt. Natürlich ist es Glückssache, welches Blatt man bekommt, aber es ist eben keine Glückssache, wieviel Geld man damit verdient. Und genau das ist doch eigentlich das Entscheidende, oder? Ok, Poker ist ein Nullsummenspiel, aber Schach ist das auch…
Bei manchen Politikern und ihren Anhängern mag ja vielleicht noch ein wenig Statistik-Unsicherheit eine Rolle spielen. Denn tatsächlich garantiert die Befolgung der Pokerweisheiten nicht den Ausgang des nächsten Cash-Games oder Turniers. Aber sie beeinflusst den Durchschnitt aller Cash-Games oder Turniere, die ein Spieler nach und nach absolviert. Und da kommt es letztlich auf die Rendite an. Wer immer nur negative Renditen erwirtschaftet, ist tatsächlich gut beraten, sich nach was anderem umzusehen. Aber im unternehmerischen Bereich gilt das genau so, und trotzdem darf ich morgen ein Sonnenbankstudio eröffnen…
Das alles habe ich als Schmerzmittel für Etatisten vorweggeschickt, bevor das eigentliche Argument kommt: Was zum Henker geht es den Staat an, wo und wie ich mein Geld verpulvere? Wenn meine Liebste sich das 100. Paar Schuhe kauft, wenn ich beim öffentlichen Kasino oder beim privaten Spieltisch 50 Euro verzocke – wo bitte ist da der Unterschied, der den Eingriff der Staatsgewalt erforderte?
Verfasst von Rayson um 00:53 Uhr in der Kategorie Innenpolitik, Politik, Rochus (Trackback)
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