15. Mai 2008
FTD-Kolumnisten für Obama
Während der typische Salonlinke sich noch darüber empört, dass bei SPON nicht alle der Obamania verfallen sind, wird bei der FTD ganz offen für den wahrscheinlichen Kandidaten der Demokraten zur US-Präsidentschaftswahl Partei ergriffen.
Nun ist es ja nicht so, als gäbe es überhaupt keine Gründe dafür. Wirtschaftlich gesehen gefällt Obama jedenfalls durch eine Populismusfreiheit, die weder seine innerparteiliche Widersacherin noch sein republikanischer RIvale jetzt noch für sich beanspruchen können. Die Versuchung war offenbar zu groß, aber fragen Sie mal die FDP…
Dass ich als Europäer die McCain-Position zum Irak, dem Iran und dem Nahen Osten ganz egoistisch gesehen für sinnvoller halte, muss den amerikanischen Wähler nicht kümmern. Das Gegenteil wäre verständlich – schließlich sind es US-Boys, die sich für mehr europäische Sicherheit umbringen lassen müssen, wenn es nach McCain geht. Und die iranischen Raketen werden die USA noch lange nicht treffen. Da ist es dann auch nicht mehr so wichtig, womit sie bestückt sein könnten.
Nur eins irritiert mich, nämlich dass in der FTD-Kolumne eine Karte gezogen wird, die Obama wahrscheinlich lieber auf Dauer im Deck sehen würde, nämlich die der Hautfarbe des Kandidaten. Angeblich im Willen, Rassismus zu überwinden, wird er dadurch eher etabliert. Da wird eine Wahl Obamas zu einem “Schritt zur Versöhnung Amerikas mit seiner von Rassenkonflikten gezeichneten Geschichte” hochstilisiert und die Hautfarbe eben doch zum Thema gemacht. Obama hat gewusst, warum er die überzeichnenden Ausfälle seines Prediger-Freundes ablehnt. Er versteht sich nicht so, und er will sich nicht so verstanden wissen. Er will gewählt werden für das, wofür er steht, und nicht für die Farbe seiner Haut.
Gut, natürlich darf es Rassisten, also solche, die Obama nicht wählen wollen, nicht nur in den USA geben, sondern doch mindestens so viele auch in Europa:
Ja, wie wäre das eigentlich bei uns, mit dem Sohn oder Enkel eines Afrikaners als Kanzlerkandidaten? Die Antwort wäre die Erkenntnis, dass sich auch in Europa viel verändern muss, wenn wir keine Gesellschaft wollen, in der Hautfarbe die Vergabe von Ämtern und Posten mitbestimmt.
Also wirklich – als ob das hiesige Angebot an Politikern so überwältigend wäre, dass nicht jemand mit etwas mehr Witz und Verstand alle Chancen dieser Welt hätte – egal, ob er schwarz, gelb oder weiß ist. Der FDP-Fraktionschef in Niedersachsen wäre z.B. jemand, der Herrn Klaus primitives Schema etwas durcheinanderbringt. Mensch Klau, Junge, sag doch einfach ganz ehrlich, dass dir die eher sozialdemokratische Politik eines Obama mehr behagt. Musst du dazu solch ein riesiges Fass aufmachen?
Aber immerhin, er lässt die Katze doch noch aus dem Sack:
Es wäre das klarstmögliche Signal, dass der von Teilen der Rechten nach dem 11. September 2001 hochgepeitschte, paranoide Hurrapatriotismus mit seinem Gefolge von Folter, Willkürhaft und fahrlässigem Angriffskrieg die politische Lufthoheit verloren hat. Die Welt hat dieses Zeichen nach acht Jahren mit George W. Bush genauso dringend nötig wie die USA.
Sch…egal, dass McCain gegen Folter und Willkürhaft ist, “die Welt”, will sagen: Herr Klau, meint jetzt, einen anderen Präsidenten verdient zu haben. Also, Amis, haltet euch gefälligst daran, wenn ihr noch zu den zivilisierten Nationen gezählt werden wollt.
Aber, liebe amerikanische Freunde, die ihr euch mit dem Gedanken tragt, Obama zu wählen oder auch nicht: Der Kandidat kann nichts dafür, dass hier einige Kolumnisten abstruse Gedanken veröffentlichen. Wählt einfach, was euch zusagt, und gut ist.
Verfasst von Rayson um 01:32 Uhr in der Kategorie International, Politik, Presse / SPON- und taz-Blog (Trackback)
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