13. Mai 2008
Öffentlich-rechtliches EU-Bloggen
Für mich (und für uns hier beim BLOG, denke ich) macht das Schreiben hier vor allem Spaß. Und gelegentlich Mühe. Es ist definitiv Hobby und keine Arbeit, kein Journalismus.
Mancher mag in der Blogwelt Informationen finden, die ihm die der Journalismus nicht bietet.
Für mich ist das reizvolle an der Blogwelt vor allem die Vielfalt der Teilnehmer und Positionen und die Möglichkeit der direkten Kommunikation. Manchmal ist der Blog-Beitrag weniger wichtig (und von Form und Präsentation her weniger wertvoll) als die sich daran anknüpfende Diskussion. Selbst rechte oder linke Schundblogs taugen etwas. Dass sie nämlich die Diskussion extremer Meinungen und extremer politischer Dummheit anschaulicher werden lassen.
Nun kommt aus der politischen Kaste die Idee, man müsse die Blogwelt fördern. Ziel sei, «eine pluralistische Medienumwelt und kulturelle Vielfalt garantieren» (Quelle: Netzeitung). Stellen wir fest:
1. Diese EU-Kulturausschüssler haben Geld, das sie verteilen können und wollen.
2. Diese Kulturausschüssler meinen, mit Steuergeld Pluralismus und kulturelle Vielfalt kaufen zu können.
3. Diese Kulturheinis haben keine Ahnung.
Denn der Pluralismus und die Vielfalt der Blogwelt beruht gerade darauf, dass es sich um spontane, private und freie Formen des Austauschs handelt. Blogs, die Anhängsel an Zeitungen sind, haben gelegentlich und in den Sternstunden vielleicht journalistische Qualität in die Blogwelt getragen (ich erinnere wehmütig an den eingestellten Kosmoblog des geschätzen Ulrich Speck). In der Regel empfand ich diese Experimente von WELT, ZEIT oder Handelsblatt aber nicht als grundlegende Bereicherung des Phänomens Blog. Meist sind es auf den ersten Blick erkennbare Versuche, vom “Hype” zu profitieren. Oder es sind normale journalistische Produkte, die lediglich auf der Blog-Technik aufbauen.
Wenn nun die EU die Blogwelt finanziell unterstützen wollte, müsste sie jedem Blog Geld geben. Und jedem Kommentatoren noch dazu. Denn erst dann würde das gefördert, was gefördert werden soll. Nein, ob es gefördert würde, ist fraglich. Es würde zwar Steuergeld dafür aufgewandt. Aber statt spontaner Liebe am Streit, würde Fördergeld-einheimsendes Schreiben erzeugt.
Die EU-Lösung würde (oder: wird) wohl aber sowieso eher anders aussehen. Bestimmte Premium-Blogs (oder die, die den Bürokraten von findigen Antragsausfüllern als “Premium” verkauft werden) würden (oder werden) Geld bekommen. Leuchttürme der bürokratisch finanzierten kulturellen Pluralität. Öffentlich-rechtliche Schreiberlinge, wie ARD- und ZDF-Journalisten, nur ohne (zumindest formellen) journalistischen Anspruch. Das klingt nicht sehr spannend. Um nicht zu sagen: Das klingt grottenlangweilig.
Also ihr fetten, satten, von unseren Steuern finanzierten Bürokratenärsche mit “kulturellem” Auftrag:
Sucht euch ein anderes Mündel für eure Beglückungsversuche! Wir langweilen uns hier schon genug mit öffentlich-rechtlicher Zwangskulturisierung, mit miserablem Journalismus der Marke ARD oder ZDF. Lasst wenigstens die Blogwelt in Ruhe! Ihr richtet – wie wohl meistens, wenn ihr oder eure Kollegen Geld verteilen – mehr Schaden als Nutzen an.
Verfasst von Boche um 11:16 Uhr in der Kategorie Blogosphäre, Kultur, Politik (Trackback)
17 Kommentare