Ist die Rente sicher?

Manche meinen ja, obgleich die durchaus nicht völlig von der Hand zu weisenden Argumente letztlich etwas an Substanz vermissen lassen. Vor allem kommen die Anreizeffekte einer privaten Rentenvorsorge gegenüber einer Rentenabgabe ohne späterer Substanzgarantie in diesem Kommentar zu kurz. Kapitalgedeckte Rentensysteme auf Basis privater Spareinlagen und eine soziale Grundsicherung als gesellschaftliche Notsicherung schließen sich nicht aus. Nur ist das, was wir heute haben meilenweit von einer derartigen Grundsicherung entfernt. Vielmehr belastet das für viele nach wie vor als Hauptquelle der Altersvorsorge gesehene, hart umkämpfte Umverteilungsvolumen als Abgabe auf Arbeitseinkommen mit den bekannten negativen Anreizeffekten und Ausweichreaktionen von Arbeitnehmern und Arbeitgebern die Produktivität der Gesellschaft und damit ihr Vermögen auch in Zukunft noch ein solide finanziertes Ruhekissen für Ältere zu gewährleisten.

Berliner Leser von B.L.O.G. haben daher Glück am Donnerstag Abend einem Vortrag des Vaters der chilenischen kapitalgedeckten Rentenversicherung José Piñera zum diesem Thema lauschen zu können. Ich bin persönlich auch zugegen…

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10 Kommentare zu “Ist die Rente sicher?”

  1. R.A.
    6.05.2008 | 15:28

    Ist ja wichtig, auch die Sichtweise der Gegenseite zu kennen. Daher quäle ich mich auch täglich durch die Kommentare der FR – die halt meistens auf dem dürftigen Niveau des heutigen zum Rententhema bleiben.

    Es ist schon absurd, ausgerechnet Blüm zu loben – schließlich mußten alle damaligen Reformmaßnahmen (die der Kommentator ja durchaus richtig findet) gegen Blüms hartnäckigen Widerstand durchgesetzt werden.

    Wobei auch dabei die völlig überzogenen Rentenversprechen der Politik nur zu einem kleinen Teil zurückgenommen wurden.
    Im wesentlichen wurde zur schlichten Subvention gegriffen – wegen der angeblichen “versicherungsfremden Leistungen” wird ein großer Teil der Renten inzwischen von Steuerzahlern finanziert, die selber keinen Renten-Cent vom Staat bekommen.

    Unter anderen Umständen würde man das Ausbeutung nennen – aber wenn die Linken selber ausbeuten, heißt es “Solidarität”.

    Wir werden die Ungerechtigkeiten dieses murksigen Rentensystems noch lange ertragen müssen – weil natürlich ein Ausstieg nur über einen Zeitraum von Generationen möglich ist.

    Aber es wird höchste Zeit, mit diesem Ausstieg endlich anzufangen.

  2. 6.05.2008 | 21:40

    Mir ist unbegreiflich, wie man den Effekt einer Verdoppelung der Zahl der Rentner pro Arbeitnehmer mit der durch nichts belegten Behauptung vom Tisch wischen will, das Umlagesystem funktioniere, sei effektiv und sparsam.

    Natürlich funktioniert das System – auf Kosten der Babyboomergeneration, die hohe Beiträge zahlen muss, aber nur eine Minimalrente erwarten kann. Diese Generation müsste zusätzliche private Rücklagen bilden um den Lebensstandard einigermaßen halten zu können. Sie kann das aber nicht, weil die jetzige Rentnergeneration kaum etwas zur Behebung des Problems beiträgt. Dafür sollte ja der Riester-Faktor sorgen, der nunmehr scheibchenweise dem immerwährenden Wahlkampf zum Opfer fällt.

    Blüms Politik wirkt sich katastrophal aus, weil schon in den 80er Jahren erkennbar war, dass die Anfang der 70er Jahre plötzlich und massiv gesunkenen Geburtenraten sich nicht wieder erholen und eine große Lücke in künftige Elterngenerationen reißen werden. Spätestens zu diesem Zeitpunkt hätten alle einen Beitrag zur Lösung des absehbaren Problems leisten müssen. Dann wären die Folgen für den Einzelnen auch noch überschaubar gewesen.

    “Die Rente ist sicher” war Ausdruck des Unwillens, dieses in weiter Ferne liegende Problem überhaupt zur Kenntnis zu nehmen. Dass einige es bis heute nicht begriffen haben, ist schon traurig.

  3. 7.05.2008 | 10:06

    @Holger:

    Das Problem des demografischen Wandels hat man zumindest in der Übergangsphase in jedem Rentensystem. Wichtig ist es jedoch, die Anreize besser zu setzen. Und hier hat das Kapitaldeckungsverfahren, was auf eigenen Sparguthaben mit Substanzsicherung aufbaut wesentliche Vorteile, weil es in einem solchen System kein Trittbrettfahrerverhalten gibt. Den Übergang von einem Verfahren zum anderen hinzubekommen, ohne die einen Jüngeren übermäßig zu belasten und die Älteren nicht arg zu enttäuschen ist eine echte Herausforderung. Ich bin daher gespannt, was uns José Piñera am Donnerstag dazu berichten wird.

  4. R.A.
    7.05.2008 | 11:59

    @Holger:

    “Die Rente ist sicher” war Ausdruck des Unwillens, dieses in weiter Ferne liegende Problem überhaupt zur Kenntnis zu nehmen.

    Exakt.
    Es war der Inbegriff von Realitäts- und Reformverweigerung.
    Und ist daher für mich eine der schlimmsten politischen Lügen der Nachkriegszeit.

  5. 7.05.2008 | 19:42

    @Steffen

    eine kapitalgedeckte Rente ist zunächst einmal überhaupt nicht vom demographischen Wandel betroffen – es sei denn, dieser ist global und eine große Zahl Rentenzugänge will zu Rentenbeginn die Ersparnisse auflösen, während wenig neue Nachfrage nach Kapitalanlagen durch nachfolgende Generationen vorhanden ist. Das dürfte aber eher ein theoretisches Problem sein.

    Den Übergang vom Umlage- zum Kapitaldeckungsverfahren kann man zu akzeptablen Bedingungen für Alle gestalten – wenn man genügend Zeit hat. Leider wurden von Blüm und Co. 20 wertvolle Jahre vergeudet, so dass es nun wohl zu spät ist. Die erwerbstätige Generation ist zu sehr mit den laufenden Renten belastet, als dass sie noch ausreichend Spielraum für die Kapitaldeckung hätte.

  6. 7.05.2008 | 19:57

    @Holger:

    Eine kapitalgedeckte Rente ist insofern vom demografischen Wandel betroffen, als man berechtigterweise davon ausgehen kann, dass eine jüngere Bevölkerung produktiver ist, also eine höheres Bevölkerungswachstum generieren kann. Ich zumindest glaube daran, dass mehr Menschen gut für das Wirtschaftswachstum sind. Inwiefern wir hier ein kritisches Mass erreicht haben sei dahingestellt, aber mit immer mehr Alten (mich eingeschlossen) besteht zumindest Gefahr, dass die Wirtschaft an Dynamik verliert. Zwar kann jeder für sich sparen und muss nicht für die Elterngeneration zurücklegen, aber es ist unsicher, ob er noch in dem selben Umfang dazu in der Lage ist. Die technische Entwicklung wird zeigen, ob wir die Produktivitätsverluste einer älter werdenden Bevölkerung kompensieren können. Insofern kann man auch hoffen, dass der internationalen wirtschaftlichen Verflechtung auch im Hinblick auf die Bevölkerungsmobilität nicht weiter eingeschränkt wird.

    Sag niemals nie. Jeder der halbwegs bei Verstand ist verlässt sich nicht auf seine staatliche Rente, egal wie hoch die Abgaben dafür sind. Natürlich wird eine Kapitaldeckung mit wachsenden Rentenabgaben für die Umlage schwieriger, aber gleichermaßen steigt auch der Druck für Reformen, denn irgendwann wird die Politik einsehen müssen, dass die Anreizdefizite des gegenwärtigen Systems nicht mehr tragbar sind. Natürlich kommt es auch darauf an, dass gerade unsere Generation der 30+ Rentenanwärter so viel Realitätssinn haben, nicht bockig auf eine Finanzierung ihrer Rente durch die heutige Jugend zu beharren.

  7. 7.05.2008 | 19:58

    @holger:

    “Bevölkerungswachstum” soll natürlich Wirtschaftswachstum heißen.

  8. 7.05.2008 | 20:33

    Insofern hast Du recht: Die Verzinsung einer Kapitalanlage hängt von der Produktivität ab. In einem globalen Kapitalmarkt kann ich aber mein Geld für das Alter auch in Indien anlegen, dann wäre ich von der Demographie in Deutschland gar nicht tangiert.

    Was die Frage angeht, ob ich angesichts der gesunkenen Produktivität (und damit notwendig gesunkenen Einkommen) noch in der Lage bin, in gleichem Maße für das Alter vorzusorgen: Ich kann ja immer einen fixen Anteil meines Einkommens für das Alter sparen. Die absolute Höhe schrumpft zwar, wenn mein Einkommen sinkt. Aber die Kapitalerträge und meine Rente bleibt in Relation zu meinem Einkommen gleich. Somit ist meine Rente vielleicht niedriger als die Rente meiner Eltern, sie ist aber gleich hoch in Relation zu meinem Einkommen. Und ich glaube, dass es den meisten auf diese Sicherung des Einkommensniveaus ankommt.

    Im Übrigen vermag die Wissenschaft (noch) keine Aussage darüber treffen, wie sich die Alterung auf die Produktivität auswirkt. Da tappen wir noch ziemlich im Dunkeln.

  9. 7.05.2008 | 21:27

    @Holger:

    Ich halte es mit Julien Simon, die einzige wirklich knappe Ressource ist die menschliche Kreativität und die sollte mit zusätzlichen Köpfen zunehmen.

    Natürlich hätte ich auch die Gefahr der Einschränkung der Kapitalmobilität noch mit anführen müssen. Schließlich hören wir vielerorts von der Renaissance des lokalen Wirtschaftens, der vermeintlichen Notwendigkeit der Regulierung internationaler Kapitalströme und der Angst vor der “Heuschrecken-Plage” des internationalen Finanzkapitals. Alles keine rosaroten Aussichten für die Freiheit unserer Alterskapitalanlage. Aber verlieren wir mal nicht den Mut…

  10. F. Alfonzo
    12.05.2008 | 5:45

    Mal in die Runde gefragt:

    Ist Deutschland eigentlich das einzige westliche Land, in dem es keine privat gemanageten Pensionsfonds gibt (abgesehen von Frankreich)?

    Es ist schon absurd:
    Wenn man hierzuland mal den Vorschlag bringen würde, eine kapitalgedeckte Rentenversicherung einzuführen, käme als erstes der Einwand, dass andere Pensionsfonds weltweit in jüngster Vergangenheit aufgrund der Volatilität, die durch die Subprime-Krise ausgelöst wurde, ziemlich schlecht abgeschnitten haben.
    Dabei fehlt natürlich der Hinweis darauf, dass die Pensionsfonds, die year-to-date 15% verloren haben, in den letzten 10 Jahren eine Rendite von ca. 10% und Jahr vorweisen konnten.

    Abgesehen davon, dass die “Rendite” des deutschen Rentensystems (falls jenes überhaupt den Begriff Rendite verdienen sollte), seit über 20 Jahren negativ wäre, würde man die Einzahlungen der Arbeitnehmer mit ihren Renten vergleichen… und das trotz Steuerzuschüssen.

    Das ist halt der Unterschied zwischen Deutschland und marktwirtschaftlich orientierten Staaten:
    Hierzulande lässt man nichts unversucht, um auch den letzten hedge- oder private equity fonds aus dem Land zu vertreiben, anderenorts gibt man solchen Leuten einen Teil des Kapitals eines Pensionsfonds, damit sie die Rentenauszahlungen erhöhen können.

    …aber Gewinn (vor allem “nicht verdienter”, auf den Finanzmärkten erwirtschafteter Gewinn) ist halt nicht erwünscht im Geburtsland von Karl Marx.

    …sorry, falls dieser Beitrag ein wenig polemisch war.

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