Von Blitzen, von Arthur und von Anna

Der Rayson macht das etwa zweimal im Jahr auf lesenswerte Weise: Eine Betrachtung der eigenen Gründe, sich (noch) in der Blogwelt und der politischen Netzlandschaft herumzutreiben. Mein Herumtreiben ist aus beruflichen Gründen zwar seltener geworden. Beim Lesen zweier sehr unterschiedlicher Sachen fielen mir heute genau zwei Gründe ein:

1. Ich erlebte und erlebe erhellende Momente.
Plötzlich wird das Gewirr eigener und fremder Gedanken zu Politik und Gesellschaft vom Blitzstrahl der Erkenntnis getroffen. Und einen Moment lang erlebt man das Glück, das eigentlich Gewusste in einfachen und klaren Worten vor sich zu sehen. So ging es mir hin und wieder bei den vielen Diskussionen mit Bloggern und Kommentatoren. Eben das erlebte ich grad beim Lesen dieses, vom sehr geschätzten Zettel verfassten Beitrags. Speziell folgender Absatz war mir der beschriebene Blitz ins Dunkel:

es ist auch unschwer zu erkennen, warum man nicht zugleich den Sozialismus und die Freiheit haben kann: Weil man dieselbe Kompetenz nicht zweimal vergeben kann.

Sozialismus bedeutet, daß der Staat (zum Wohl seiner Bürger, sagen die Sozialisten) Kompetenzen an sich zieht. Indem er das tut, nimmt er sie den Bürgern, und er beschneidet damit ihre Freiheit.

Ich schlug mir innerlich vor den Kopf: Natürlich! So kann man es simpel und verständlich ausdrücken, warum das Schlagwort vom “freiheitlichen Sozialismus” Nonsens ist.

Das Vereinfachen des Gedachten hin zum Verständlichen – das ist, wenn ich es recht bedenke, immer ein Grund meines Bloggens und Diskutierens gewesen. In der Auseinandersetzung mit Ähnlich- und Andersdenkenden ist mir das manchmal gelungen. Für mich selbst, für meine Gedanken und meine Erkenntnis. Aber wenn ich Glück hatte vielleicht auch für den einen oder anderen Leser. Meine in Diskussionen gelegentlich aufbrausenden (auf der anderen Seite des Internets wohl nicht immer wahrgenommenen) Emotionen haben das Vereinfachen Wollen vielleicht hin und wieder ins rein Schlagworthafte kippen lassen. Ich buche das unter Versuch und Irrtum ab. Wer’s mir übel genommen hat, kann mir sowieso meist gestohlen bleiben.

2. Man hat was zu lachen (wenn man es mal grad nicht ernst zu nehmen gedenkt, was auch seine Berechtigung hätte). Zum Beispiel über Sachen wie dieses Handbuch (PDF) für den guten Autonomen. In lustiger Kindersprache wird dort die Klientel für die Auseinandersetzung mit den Apparaten des zu vernichtenden Rechtsstaats instruiert. Ich fragte mich beim Lesen unversehens, ob die italienische Mafia wohl auch solche Anleitungen für ihre Aktivisten herausgegeben hat. Egal, es ist lustig und wenigstens kein Schwurbeldeutsch.

Ein dritter Grund fällt mir aber auch noch ein: Man lernt nette Leute kennen. Ich nenn jetzt aber keine Namen – denn: Boche hälts Maul. ;-)

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10 Kommentare zu “Von Blitzen, von Arthur und von Anna”

  1. Lina
    15.04.2008 | 16:43

    “Boche hält’s Maul ;-)

    Was soll das heissen? “Alles umsonst”? Ruhiger, sicherer und gesünder leben ohne Nachrichten-Verarbeitung via Weblog?

    “Nichts sagen, nur das ist sicher”, steht im Autonomen-Ratgeber; mag sein; ist aber auch langweilig, sag’ich Dir!

    Also raus mit der Sprache. Dass es ein schöner elegischer Eintrag von Dir ist, Boche, seh’ ich selbst. aber ist es auch ein Abgesang?)

  2. 15.04.2008 | 16:55

    Was soll das heissen? “Alles umsonst”?

    Nein, jeder der erwähnten Blitze ist es doch wert. Und jedes Amusement über autonome oder sonstige Folkoristen auch.

    aber ist es auch ein Abgesang?

    Aber nein. Nur eine Zwischenstandsmeldung vom Boche’schen Selbstfindungsprozess in Sachen Bloggerei. ;-)

  3. 15.04.2008 | 17:25

    Ich glaube kaum, daß wir nur durch Zufall fast gleichzeitig auf dieses Pamphlet gestoßen sind…

  4. 15.04.2008 | 17:26

    Unwahrscheinlich. Über unsere Blogroll ergibt sich ja ein denkbarer gemeinsam beschrittener Weg. ;-)

  5. Lina
    15.04.2008 | 17:36

    Ja, wenn das so ist? Dann will ich nichts gesagt haben – d.h., nur noch meiner Erleichterung Ausdruck verleihen, dass Deine Zwischenstandsmeldung als Blogger für alle Beteiligten so günstig ausfällt ;-D!

  6. 16.04.2008 | 14:41

    Lieber Boche,

    wir beide sehen das wohl sehr ähnlich: Das Ziel (oder sagen wir ein Ziel, aber ein wichtiges) ist es, etwas so einfach zu sagen, daß der Kern der Sache getroffen wird.

    Daß der Leser Einsichten hat, statt daß er von der Wucht dessen, was der Autor ihm an Wörtern an den Kopf wirft, ermattet niedersinkt.

    Das ist schwer. Und es macht zB in der Philosophie die wirklichen Meister aus: Platon (der sich dafür der Figur des Sokrates bediente), Thomas von Aquin, Descartes, Hume, Schopenhauer, Nietzsche zum Beispiel.

    Oder Lichtenberg, wenn der vielleicht auch nicht ein ganz großer Philosoph war; aber einer, der den Kern einer Sache einfach und treffend ausdrücken konnte, das war er.

    Nun gut, wir sind keine Philosophen, wir Blogger. Aber auch in unserer kleinen Welt geht es ja ähnlich zu.

    Und auch da gibt es die Hegelei, die Adorno-Sätze, bei denen ich immer den Eindruck habe, daß der Autor einem Gedanken nachläuft, den er einfach nicht zu packen kriegt.

    Und dann schildert er uns seine Jagd, statt den Gedanken. ;-)

    Vielen Dank, lieber Boche, für viele erhellende Beiträge!

    Herzlich, Zettel

  7. Herbert
    16.04.2008 | 15:08

    Sich einmal täglich innerlich vor den Kopf schlagen: das muss ich mir merken! Vielleicht fängt er irgendwann doch noch an, so kreativ zu arbeiten wie der von Boche.

  8. 16.04.2008 | 15:57

    Kreativ? Zu viel des Lobes, meine ich (und danke trotzdem dafür).
    Mein Kopf fühlt sich in letzter Zeit recht leer an, wenn es um Blog-Themen geht.

  9. 18.04.2008 | 15:26

    Schön reflektiert. Geht mir auch so.

    Bei mir kommt aber noch gelegentliche, exogene Wut dazu, die ich mir rausschreibe, damit ich kein Magengeschwür krieg’.

    Viele Grüße, Bodo

  10. 18.04.2008 | 15:36

    @Bodo

    Beim Schreiben war ich grad entspannter Stimmung. Aber Wut ist gelegentlich auch eine Motivation, die mich packt. Da gehts mir genauso.

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