15. April 2008
Journalistische Armut
Vielleicht sollte man SpOn überhaupt nicht mehr lesen, anstatt sich täglich neu darüber zu ärgern.
Aber das ist nun mal DAS Leitmedium dieser Republik, was dort an Weltbild verbreitet wird, prägt direkt oder indirekt die Wahrnehmung von Millionen Menschen – und führt am Ende dann auch zu politischen Veränderungen.
Insbesondere wenn es um “soziale Probleme” geht.
Und da findet sich heute ein neues Beispiel unter dem schönen Titel “Meine Armut kotzt mich an”.
Da präsentiert also eine Berliner Studentin ihre “Armut”. Und das soll natürlich aus Spiegelsicht exemplarisch sein für die schlimmen Zustände im Lande, auch wenn Globalisierung / Neoliberalismus / Kapitalismus ausnahmsweise mal nicht explizit als Schuldige genannt werden.
Etwas problematisch für das “exemplarisch” ist natürlich, daß ein recht merkwürdiger Ausnahmefall präsentiert wird: Der Vater verdient genug Geld, also kein BaFöG-Anspruch, will aber nicht zahlen. Eine Klage ist angeblich nicht finanzierbar (obwohl es genau für diese Fälle staatliche Prozeßkostenunterstützung gibt). Die Mutter bekommt Hartz IV und zusätzlich das der Tochter zustehende Kindergeld (das kann man, wenns stimmt, recht großzügig von der Tochter finden – aber wenn man staatliche Transferzahlungen weiterverschenkt, ist man natürlich kein realistisches Beispiel mehr für mögliche Mängel bei diesen).
Insgesamt also eine bizarre Konstellation, da hat die Redaktion wohl lange suchen müssen.
Aber gut – wie viele andere Studenten auch lebt die Probandin also von ihren Nebenjobs.
Und das ist ihr angeblich merkwürdig peinlich. Obwohl es eigentlich auch für Studenten nicht unanständig ist, von der eigenen Arbeit zu leben.
Wichtiger scheint ihr aber, eine Fassade aufzubauen. Die große Sektrunde zu schmeißen im Edeletablissement, um die Freunde zu beeindrucken. Bloß nicht zugeben, daß irgend etwas auch mal zu teuer sein könnte.
Und sie leistet sich eine 32qm-Wohnung – schön, aber doch deutlich über dem studentischen Schnitt. Und das ständige Essengehen und Brunchen am Sonntag muß offenbar auch sein – obwohl sie es gar nicht genießt.
Insgesamt scheint mir das ein recht mißlungenes Beispiel für “Armut” zu sein.
Und man kann sich schon vorstellen, daß die Frau auch später im Leben nie so recht zufrieden sein wird.
Solange sie nicht Bill Gates heiratet (und der ist wohl schon vergeben), wird sie wohl nie erreichen, daß sie sich ohne Rücksicht auf Preise alles leisten kann, was ihr gerade einfällt und womit sie bei anderen Leuten Eindruck schinden kann.
Verfasst von R.A. um 13:16 Uhr in der Kategorie Politik (Trackback)
16 Kommentare